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cecil b
Level 18
XP 6.011
Eintrag: 03.10.2012

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The Woman

Herstellungsland:USA (2011)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Drama
Alternativtitel:Jack Ketchum's The Woman

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,93 (21 Stimmen) Details
inhalt:
Chris Cleek, ein perfekter Vater mit Bilderbuchfamilie, trifft bei einem Jagdausflug auf eine verwahrloste Frau und kann das sich wild sträubende Wesen einfangen. Im Keller legt er sie in schwere Ketten und stellt sie nach dem Dinner seiner Familie vor. Gemeinsam, so Chris Plan, sollen die Cleeks die Frau fortan zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft erziehen. Mit dieser Entscheidung reißt er Frau und Kinder in einen bitteren Strudel des Wahnsinns, an dessen Ende ein Blutbad steht...
eine kritik von cecil b:
Regisseur Lucky McKee (MAY, THE WOODS) dreht gerne alternative Horrorfilme, die nichts mit dem Standard zu tun haben. Seine Verfilmung von Jack Ketchums gleichnamigen Romans, an dem er auch beteiligt war, passt bestens in diese Reihe von alternativen Horrorfilmen. Es handelt sich dabei auch um das 'ungefähr'e Sequel von Ketchums ebenfalls verfilmten BEUTEGIER. Denn THE WOMAN ist ein eigenständiger Film.

Eine amerikanische Familie scheint nach außen klassisch, konservativ und vorzeigbar zu sein. Zwei Töchter, ein Sohn, eine Mutter die am Herd steht, und ein erfolgreicher, selbstbewusster Vater der als Anwalt tätig ist. Der hat in der Familie die Hosen an. Besser gesagt, er sagt jedem was er tun soll. Als er auf der Jagd einer "verwilderten" Frau begegnet, beschließt er sie zu fangen, und sie mit nach Hause zu nehmen. Er kettet die Frau im Sturmkeller an und hält sie wie ein Tier. Seine Familie "darf" ihm dabei helfen die Frau zu waschen und zu füttern. Als die Frau dem Mann einen Finger abbeißt, macht er ihr mit Schlägen klar wer nun der Boss sei. Sein Sohn lernt wissbegierig und verzogen vom Vater. Aber die Frauen erkennen den Wahnsinn, der sich immer weiter steigert.

In den ersten 5 Minuten wird dem Zuschauer kurz erklärt wie es zur "Verwilderung" der Frau kam. Als der Mann ihr begegnet, gibt es ein paar platte Gags. Als es dann makaber wird, ist der Kontrast zu den Gags so stark, dass man erschrickt. Daher sind die Gags sogar sinnvoll. Der Film brennt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die Atmosphäre innerhalb der Familie ist sehr bedrückend. Das Problem ist, dass The Woman dem Zuschauer die Charakteren so unangespitzt vor den Latz knallt, dass man dies schon fast platt nennen könnte. Die Charakteren sind klar in gut und böse eingeteilt. Männer: böse, Frauen: gut. Wenn man davon absieht, dass die wilde Frau gefährlich bestialisch werden kann! Dieses Schwarz/Weiß- Denken wirkt wie die bewusst krasse Antwort auf den Ehemann. Dessen soziophatisch krasse Einstellung ist nämlich ganz klar: Frauen dienen dem Mann, Männer haben das Sagen. Genau das bringt er seinem Sohn bei. Der ist unglücklich, und nicht im geringsten fähig mit Mädchen umzugehen. Die Figur des soziophatischen Ehemanns ist bewusst überzogen, er ist auch nur eine genau so groteske Figur wie die der wilden Frau. Das Schwarz/Weiß- Denken wird schlichtweg als Horror dargestellt. Die wilde Frau hat keine Rolle in einer Gesellschaft. Sie verkörpert im Grunde die anarchistische Rebellion gegen diese Rolle. Und die Rebellion richtet sich auch gegen die Frauen, die alles mit sich machen lassen. Aber es kann auch gesagt werden, dass es nicht nur die Rollenverteilung ist, die makaber thematisiert und kritisiert wird, sondern dass auch die Sozialisierung in unserer Gesellschaft zu einer makaberen Groteske wird. Und dass die tierische Frau einen ironisch archaischen Rohschliff der Spezies Mensch verkörpert, die sich doch so gern klüger als die Tiere nennt. Und das unter anderem aufgrund der benannten Sozialisierung ;)

Was besonders in den Magen schlägt, ist die Tatsache, dass der Ehemann vollkommen gekonnt seine Vorzeige-Rolle nach außen hin darstellt, er innerhalb der Familie aber vollkommen skrupellos ist. Er ist nur formell freundlich. Wenn die angekettete Frau misshandelt wird, sind die härtesten Momente oft die die nicht mit direkter Gewalt zu tun haben. Regisseur Lucky McKee zeigt keine blutigen Folterszenen, er zeigt das Unmenschliche welches erschrickt. Im letzten Teil des Films gibt es noch eine kleine Überraschung, die vollkommen überzogen ist, und sich dann doch noch in viel Blut wälzt. Dadurch wird der Film dann aber so grotesk, dass es schon wieder erleichternd fantastisch wird. Und das Ende? Ganz schön dreist. Unbedingt nach dem Abspann weiter gucken! Das lockert alles wieder etwas auf!

The Women ist heute ein wenig das was damals I Spit on your Grave war. Nur besser gemacht, und grotesker! ISOYG heißt im Original nicht umsonst Day of the Women. Wenn man die Pubertät ne Weile hinter sich hat, sensibel oder nicht abgestumpft ist, dann ist The Women eine Adrenalinspritze ins Herz. Der Film lässt niemanden kalt, und er beinhaltet eine anarchistische Aussage, die dem Zuschauer ins Maul gestopft wird. Kompromisslos und kaltschnäuzig. Und das doch eigentlich mit einem guten Kern.

Einer der besten Horrorfilme unserer Zeit. Regisseur Lucky McKee präsentiert in Sick Girl, May und The Woods ebenfalls die etwas anderen Scream Queens. Allerdings sehr viel zugänglicher und mit viel Humor. Seine Inszenierung weiß die Figuren wieder gekonnt so intensiv zu erhaschen, dass ihre Emotionen außergewöhnlich nah wirken. Seine Kamera-Perspektive schießt dem Zuschauer mit einem Zoom das Grauen ins Gesicht, sie rennt in manchen blutigen Szenen dem Wahnsinn hinterher, sie zeigt in bedeutungsvollen Bildern eine atemberaubende Kombination aus dem Vorder- und Hintergrund. Unterstützt wird der Film durch einen Soundtrack mit melancholisch angehauchter Musik mit einem Touch Grunge, die besonders die Gefühlswelt der jüngeren Figuren hörbar macht. Der Soundtrack stammt von Sean Spillane (Tales of Halloween, Jug Face). Die Geräuschkulisse zieht den Zuschauer ungemein in das Geschehen, wenn es dröhnt und piept, wie auf der heftigsten Industriel-Party. Überzeugen können auch die Schauspieler. Angela Betis spielt auch in May und Sick Girl mit. Mit einer ähnlich tollen Leistung wie in The Women, in dem sie die verlorene Hausfrau fulminant darstellt. Die 'verwilderte' Frau ist mit Pollyanna McIntosh (Burke und Hare/ Dreckssau) sehr gut besetzt, da die spezielle und interessante Schönheit des ehemaligen Modells, das unter anderem den National Face of '95 Award gewann, einen famosen Kontrast zum dreckigen archaischen Anmut ihrer Figur vermischt. Und McIntosh spielt ihre Rolle so kraftvoll, wie diese es von ihr verlangt! Und es ist schon fast erschreckend, wie erschreckend Co-Regisseur (The Birthday Present), Produzent (a Night at the Zoo) und Schauspieler (Sweet Home Alabama) Sean Bridgers den brutalen Egomanen spielt. Ergreifend authentisch spielt die süße Lauren Ashley Carter (Jug Face) die Tochter im Teenageralter, die das wahre Grauen erlebt. Zach Rand (White Rabbit, Shooting for Prodigal), der den Sohn der Familie spielt, spielt seine Rolle überraschend dezent und pointiert.

9 Punkte! Demented foreeeever!
9/10
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Kommentare

05.11.2016 02:26 Uhr - Calahan
1x
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Ich weiß nicht warum ich bei meinem nächsten geplanten Review auf *The Woman* kam. Dachte ich suche mal welche die nicht so bekannt sind.
Aber ich kann Deinem nichts hinzufügen.

Toller Film!
Tolles Review!

05.11.2016 09:56 Uhr - cecil b
1x
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Thanx! :)

Ein zweiter Eindruck kann nicht schaden, auch wenn du dass fast genauso siehst wie ich, was den Film angeht! ;)

Dieses Review habe ich übrigens mehrmals editiert, die ursprüngliche Fassung war recht mager.

17.11.2016 23:07 Uhr - Calahan
1x
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Die exakte Ausarbeitung der Charaktere und die perfide Art von Vater und Sohn hätte
ich im Leben nicht hinbekommen.
Wirklich der Punkt der den gesamten Film zusammenfasst.
Und schauerlich das es das wohl tatsächlich gibt. *schüttel*

14.03.2017 20:42 Uhr - Dissection78
2x
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"Sie hat einmal versucht, es mir zu erklären. Sie hat in etwa gesagt, die beste Nahrung sei die, die ihren eigenen Tod verstehe, ihre Opferung. Und je tiefer dieses Verständnis sei, desto besser nähre es die Lebenskraft. Sie sagt, jedes Leben versteht die Flüchtigkeit des Lebens, sogar das kleinste Insekt, die kleinste Blume. Es ist nur ein kleiner Unterschied. Und deshalb essen wir das Fleisch unserer eigenen Gattung."

Ich habe vor einigen Tagen "Beuterausch" von Ketchum und McKee gelesen. Sehr ansprechend. Interessanterweise ist dort noch die Kurzgeschichte "Das Vieh" angehängt, die über gut 50 Seiten beschreibt, was aus den beiden Cleek-Töchtern nach den Ereignissen von "The Woman" wird. Das obige Zitat stammt aus ebenjener Geschichte.
Das Ganze ist zum Schluss hin etwas deftiger als im Film dargestellt, und doch finde ich beides (Buch und Film) sehr reizvoll. Bemerkenswert ist übrigens, vor allem im Roman, die Darstellung der wilden Frau als Person, frei von zivilisatorischen Zwängen, wenn auch nicht frei von natürlichen. Das hat schon ein bisschen was von Jack London, der oft den Konflikt zwischen Natur und Kultur beschrieb. Der "Naturmensch" ist roh und unkultiviert, dabei in seiner unbändigen, oft barbarischen Lebenskraft jedoch den "dekadenten Kulturmenschen" überlegen.

Ich finde Ketchum sowieso sehr lesenswert. Die schnörkellose Schreibe ist der von Ernest Hemingway gar nicht so unähnlich und hat mMn genügend Subtext, um das Hirn arbeiten zu lassen.

14.03.2017 22:14 Uhr - cecil b
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Sehr interessantes Zitat, und sehr interessante Infos!

Du machst mir neben diesem oben besprochenen Film Ketchum schmackhaft, aber ich komme seit langen nicht mehr zum lesen. Trotzdem gut zu wissen, denn es ist ja nicht aller Tage Abend. ;)

14.09.2017 00:30 Uhr - naSum
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Ein ausführliches Review, mit dem du dem Film gehörig auf den Grund gehst. Habe ihn gerade gesehen und war auch begeistert, speziell von dieser dreckigen animalischen Aggression, sowie den immer wieder aufblitzenden familiären Gewaltspitzen. Als derbste Momente habe ich stets die demütigenden Ohrfeigen empfunden, die stellenweise echt schocken konnten!!

So stark der Film mit Stimmung und psychologischer Familienhierarchie daherkommt, bringt er aber leider auch jede Menge Vorhersehbarkeit mit. Das Finale war mir recht früh klar, was die Spannung leider gemindert hat. Die Überraschung am Ende hat mir leider gar nicht gefallen, da sie dem Film den ernsten Ton untergraben hat, den er zuvor eindrücklich aufgebaut hatte.

Dennoch gibts von mir starke 7 Punkte.

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