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Melancholia

Herstellungsland:Frankreich, Schweden, Dänemark, Deutschland (2011)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Fantasy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,09 (21 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Justine feiert ihre Hochzeit im Landhaus ihrer älteren Schwester Claire. Kein schönes Fest: Erst bleibt die Stretch-Limo mit den Eheleuten stecken, die Mutter entpuppt sich als Furie, der Vater als Lustmolch, der Schwiegervater als korrupter Machtmensch, der stinkreiche Schwager als aufbrausendes Arschloch. Justine gibt sich auf dem Golfplatz einem Fremden hin. Claire versucht, Justine aus ihrer Depression zu befreien. Während der Planet Melancholia auf die Erde zurast und die Panik wächst, kommen die Schwestern einander näher. (Concorde Film)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von andman1984:

Melancholia ist ein apokalyptisches Drama des dänischen Regisseurs Lars von Trier und meine Herren, was für eins.
Trier ist dafür bekannt, seine Filme fernab jeglicher Norm zu inszenieren und sie sind zuweilen auch etwas schwer verdaulich. So wurde zum Beispiel in "Dogville" auf sämtliche Kulissen verzichtet und Räumlichkeiten nur mittels weißer Linien auf schwarzem Boden gekennzeichnet. Nymph()maniac erregte internationales Aufsehen, weil er echte Sexszenen beinhaltet.

Auch der hier von mir rezensierte Film Melancholia kommt mit einer speziellen Inszenierung daher. Er entspricht nämlich im Aufbau einer Oper, d. h. er besteht aus einer Ouvertüre, zwei Akten und einem Finale.

In der 8 minütigen Ouvertüre werden einige zusammenhangslose stillstehende, oder in extremer Zeitlupe gedrehte, Einstellungen, teils aus dem Weltall oder von dem Anwesen, auf dem später der Film spielt, gezeigt.  Untermalt wird das alles zu den Klängen aus Richard Wagners Oper Tristan und Isolde. Dieses Stück wird auch den gesamten Film begleiten.

Der erste Akt handelt von der Hochzeit, von der an Depressionen leidenden Justine (hervorragend gespielt von Kirsten Dunst). Diese wird auf dem Anwesen ihres Schwagers (Kiefer Sutherland) und ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) ausgerichtet. Justine ist sichtlich überfordert damit, die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen und entzieht sich des Öftern der eigenen Feier, was sowohl den Bräutigam als auch die Gäste verärgert. Am Ende reist der frische Vermählte ohne seine Angetraute ab. Was Justine noch weiter in Depressionen stürzt und diese einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Nun beginnt der zweite Akt, in dem Claire und ihre Familie Justine pflegen und versuchen, sie wieder aufzubauen. In diesem Akt kommt nun auch noch die Tatsache hinzu, das ein Planet namens Melancholia, der wohl bis dahin im Schatten der Sonne verborgen lag, sich auf die Erde zubewegt. Während Claire's Mann dem wissenschaftlich berechneten Vorbeiflug entgegenfiebert, wächst bei Claire zunehmend die Sorge, dass die Situation nicht so glimpflich ausgehen könnte. Während des Aktes verschieben sich so die Abhängigkeiten zwischen den beiden Schwestern, da die wiedererstarkende Justine den Ruhepol für Claire darstellt.
Wie der Film letzten Endes ausgeht, lasse ich an dieser Stelle mal offen.

(Ich spare mir jegliche Interpretation oder Deutung der Symbolik, die in diesem Film vorkommen, da dies den Rahmen sprengen würde und jeder seine eigenen Schlüsse ziehen sollte. Trier hat die Empfehlung ausgesprochen, sich die beiden Hauptdarstellerinnen als eine Person vorzustellen, damit man das Gefühl für die innere Zerrissenheit, welche eine Depression mit sich bringt, ansatzweise erfassen kann.)

Was diesen Film meiner Meinung nach so einzigartig und sehenswert macht, sind zum einen die starken Leistungen der Schauspieler. Allen voran Kirsten Dunst. Ursprünglich wollte Trier Penélope Cruz für die Rolle der Justine besetzen, da diese aber terminlich verhindert war, kam Kirsten zum Zug. Zum Glück kann man da nur sagen, was nicht heißen soll, dass Penélope eine schlechte Schauspielerin wäre. Aber da Dunst früher selber an Depressionen litt, fiel es ihr leicht sich in die Rolle der Justine hineinzuversetzen. Was ihrer Figur eine unheimliche Glaubwürdigkeit und Intensität verleiht. Grundsätzlich arbeitet dieser Film auch die Gefühle und Emotionen des Regisseurs auf, was auch bei Der Antichrist der Fall ist, da dieser ebenfalls lange an Depressionen litt.
Des weiteren besticht der Film durch seine, wie es der Name schon verrät, melancholische und ruhige Inszenierung. Immer wieder werden einem wunderschöne Kameraeinstellungen und -fahrten geboten, die mit der musikalischen Untermalung Wagners einfach nur beeindrucken. Gerade im letzten Drittel, wenn sich der Planet Melancholia immer weiter der Erde nähert, bekommt man klasse Bilder geliefert, welche die Bedrohlichkeit der Situation aber trotz der Schönheit transportieren können und sich zum Ende hin eine bedrückende Spannung aufbaut.


[Fazit]
Wer sich auf dieses stark gespielte und ruhig erzählte Endzeitdrama einlassen kann, wird es mit Sicherheit nicht bereuen. Ich für meinen Teil bin völlig neutral an dieses Werk gegangen und wurde, wie man so schön sagt, geflasht. Logische Konsequenz für mich daher, volle Punktzahl.

10/10
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Kommentare

20.02.2015 01:32 Uhr - Deathking
1x
User-Level von Deathking 3
Erfahrungspunkte von Deathking 172
Für deine erste oder zweite Review finde ich diese wirklich sehr gelungen.
Bei Melancholia hast du dich zwar meiner Meinung nach etwas übernommen, (bei diesem Film würde ich an einer Review auch gefühlte 20 Jahre arbeiten und diese wäre warscheinlich 20 Seiten lang) aber trotzdem: Gut strukturiert, Rechtschreibung ist auch einwandfrei.
Top!

Lars von Trier ist neben Buttgereit, Sion Sono und Dario Argento auch einer meiner großen Helden.

20.02.2015 08:10 Uhr - Andman1984
1x
User-Level von Andman1984 6
Erfahrungspunkte von Andman1984 568
Danke für deine Rückmeldung! :) Es stimmt allerdings, dass mein Review sehr oberflächlich ist. Ich habe es mir erspart, irgendetwas zu interpretieren oder Symbolik zu deuten. Weil, wie du schon sagst, die Kritik dann wahrscheinlich 20 Seiten haben würde und den Rahmen sprengt. Zumal das dann meine Interpretation wäre und wahrscheinlich jeder, der den Film sieht, dass anders wahrnimmt. Aber der Film hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn das vielleicht nicht so klar rüber kommt.

21.02.2015 01:50 Uhr - Deathking
1x
User-Level von Deathking 3
Erfahrungspunkte von Deathking 172
Klar kommt es rüber, dass der Film dich beeindruckte.
Sonst hätte er ja keine 10 Punkte von dir bekommen :)

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