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Liebe und Tod im Garten der Götter

Originaltitel: Amore e morte nel giardino degli dei

Herstellungsland:Italien (1972)
Genre:Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,67 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Azzurra und Manfredi sind praktisch ihre eigenen Eltern, als der Vater in Afrika verstarb und die Mutter verschwand. Aus ihrer Kindheit geht eine düstere Beziehung von Liebe und gegenseitiger Verachtung hervor. Azzurra verliebt sich in Timothy, einen renommierten Organist und heiratet ihn. Manfredi hegt eine Beziehung der Liebe zu Viola. Doch das Eheleben von Timothy und Azzzurra ist schnell wie ein grausamer Krieg, der gelegendlich in kurze Waffenstillstände unterbrochen wird. Und alles explodiert erst recht, als Azzurra Manfredi erzählte, dass er nicht ihr Bruder sei und in der Tat von Bauern abstammt die von ihrer Familie angeheuert wurden, um den wahren Erben, der tot geboren wurde, zu ersetzen. Nachdem Azzurra einen Selbstmordversuch unternommen hatte, beschließt Manfredi der Sache auf den Grund zu gehen... ()

eine kritik von mynan:

"Liebe und Tod im Garten der Götter" - als ich das erst Mal von diesem Film mit dem ausgesprochen sinnlichen Filmtitel hörte, war mein Interesse geweckt. Da passte es auch wunderbar, dass die erste deutsche Veröffentlichung Ende letzten Jahres über FilmArt in deren Giallo Edition erfolgte, mit der ich bislang ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht hatte. Das sollte sich auch mit diesem Werk nicht grundlegend ändern.

Ein deutscher Professor und Ornithologe bezieht eine italienische Villa mit dazugehörigem riesigen Garten, um dort in der notwendigen Abgeschiedenheit seine Vogelstudien zu betreiben. In dem Garten entdeckt er versteckte Tonbänder, auf denen die psychoanalytischen Sitzungen einer Frau und deren Arzt zu hören sind. Darin entfaltet sich ein abgründiges Familiendrama, in das auch der Professor mit hineingezogen wird und in tödliche Gefahr gerät.

"Liebe und Tod im Garten der Götter" ist in meinen Augen ein sehr spezieller und ungewöhnlicher Film, der sich in keine Schablone pressen lässt. Ich würde ihn auch nicht als einen klassischen Giallo bezeichnen, sondern vielmehr als ein psychologisches Familiendrama mit Thriller- und Gothic-Elementen, das von Selbstzerstörung, Hass, Begehren, Neurosen und Obsessionen handelt.

Regie führte Sauro Scavolini, sein Bruder Romano Scavolini (Un Bianco Vestito per Marialé - Spirits of Death) war für die Kameraarbeit verantwortlich. Diese ist auch durchaus abwechslungsreich ausgefallen und wechselt immer wieder von statischen zu verfolgenden Perspektiven, von fast schon surrealen Weitwinkeleinstellungen hin zur (glücklicherweise seltenen) hektischen Wackelkamera. Insgesamt äußerst interessant und verleiht dem Film stellenweise einen fast schon dokumentarischen Charakter.

"Liebe und Tod im Garten der Götter" ist ein insgesamt sehr kunstvoller und ästhetischer, aber auch sperriger und komplexer Film, der seinen Reiz nicht aus Hochspannung bezieht. Vielmehr entfaltet sich die ganze Geschichte sehr langsam und bedächtig, was so manchen interessierten Zuschauer alsbald kapitulieren lassen könnte. Diese Geschichte offenbart sich in einer Vielzahl von Rückblenden und wird in immer wieder wechselnden Zeitebenen dargeboten, was dem Zuschauer einiges abverlangt.

Auch die musikalische Untermalung ist dementsprechend reduziert, dezent, eher klassich und bietet nicht die oftmals Giallo-typischen Ohrwürmer. Ich finde sie ingesamt passend.

"Liebe und Tod im Garten der Götter" hat eine recht illustre und ansprechend agierende Darsteller-Riege zu bieten. Erwähnenswert sind hier vor allem Erica Blanc (Hexen- Geschändet und zu Tode gequält, Die Grotte der vergessenen Leichen) und der leider sehr früh verstorbene Peter Lee Lawrence, der sich bereits einen Namen im Italo-Western-Genre gemacht hatte (Ein Colt für hundert Särge, Galgenvögel sterben einsam); beide waren im richtigen Leben eng befreundet, wie aus dem auf der DVD enthaltenen Interview mit Erica Blanc zu entnehmen ist.

Der deutsche Professor wird von dem deutschen Schauspieler Franz von Treuberg gespielt, Ezio Marano dürfte so manchem noch vor allem aus seiner Rolle in "Die rechte und die linke Hand des Teufels" bekannt sein.

Der Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Kai Naumann ist wie immer launig und hochinteressant, beide sprechen nicht nur sehr ausführlich über den Film selbst, sondern unternehmen auch immer wieder Ausflüge in andere Genres inklusive einer Abhandlung der Geschichte und Stilmittel des Giallo. Sehr hörenswert und lehrreich, da man hierdurch u.a. auch erfährt, mit wievielen filmischen Zitaten Sauro Scavolino in "Liebe und Tod im Garten der Götter" gearbeitet hat. Dies fängt bereits beim Vorspann an, der als bewusstes einfaches Stilmittel eine schwarze "Buchdruckschrift" auf weißem Grund aufweist, und wohl eine filmische Verbeugung vor Filmen von Pasolini darstellen sollte, der seine Vorspänne oftmals ebenso gestaltet hat.

"Liebe und Tod im Garten der Götter" ist ein wohl recht unbekannter Film, dem auch seinerzeit kein Erfolg beschieden war und der gerade mal 20.000 € eingespielt hat. Von der damaligen zeitgenössischen Kritik wurde er ziemlich verrissen, was sicherlich auch damit zusammenhing, dass "Liebe und Tod im Garten der Götter" in einer frühen ersten Hochphase des Giallo entstanden ist, jedoch auf Grund seines Inhalts, seiner komplexen Struktur und Stilmittel sich nicht in die Reihe der großen Giallo einreihen konnte (und auch gar nicht wollte?) und damit wohl viele Erwartungen unterlaufen hat.

Mir hat "Liebe und Tod im Garten der Götter" insgesamt gut gefallen. Wer jedoch in Erwartung blutig-stilvoll inszenierter Morde an diesen Film herangeht, wird mit Sicherheit entäuscht werden. Hier ist kein behandschuhter Killer mit blitzender Klinge unterwegs, die Morde sind vergleichsweise dezent inszeniert und nicht auf den bloßen  Effekt ausgerichtet. Gleiches gilt auch für die vorhandenen Nacktszenen, die eher ästhetisch als exploitativ (schreibt man das so?) daherkommen.  "Liebe und Tod im Garten der Götter" hat auch keine steile Spannungskurve zu bieten, lediglich in den letzten zwanzig Minuten zieht das Tempo spürbar an und der Film wandelt sich vom Drama zum Thriller.

Insgesamt ist "Liebe und Tod im Garten der Götter" ein ungewöhnlicher Film, auf den man sich einlassen muss und der auch Geduld erfordert. Dann wird man jedoch mit einer durchaus interessanten Geschichte und einer gelungenen, atmosphärischen Inszenierung belohnt.

8/10
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Kommentare

08.07.2015 08:50 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
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Sehr interessante und gelungene Kritik.
Ich kenne den Film nicht, aber deine Beschreibung klingt sehr anschaulich und bereitet den Zuschauer gut darauf vor, was er zu erwarten hat.

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