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The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben

Originaltitel: The Imitation Game

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2014)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Biographie, Drama, Krieg, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

England, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs: Der geniale Mathematiker Alan Turing wird vom britischen Geheimdienst engagiert, um - gemeinsam mit einer Gruppe von Code-Spezialisten - den als unentschlüsselbar geltenden Enigma-Code der deutschen Wehrmacht zu knacken. Mit unkonventionellen Methoden und seiner arrogant wirkenden Art macht sich Turing jedoch keine Freunde unter seinen Kollegen und bringt zusätzlich seine Vorgesetzten schnell gegen sich auf: Sie stellen ihm ein Ultimatum. Nur die junge Mathematikerin Joan Clarke hält zu ihm - sie sieht in ihm eine verwandte Seele, einen Außenseiter, der sich gegen alle Widerstände durchsetzen muss. Während Turing fieberhaft an einer elektrischen Rechenmaschine arbeitet, die Enigma entschlüsseln soll, kommen sich die beiden näher. Doch das Genie Turing hat ein wohl gehütetes Geheimnis. Sollte es an die Öffentlichkeit kommen, wäre sowohl das Enigma-Projekt, als auch Turing persönlich in großer Gefahr... (Universum Film)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von mynan:

"The imitation game" ist ein Biopic über den britischen Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing, der im Auftrag der britischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges den deutschen Verschlüsselungscode "Enigma" knacken sollte, der sich aus Millionen Möglichkeiten zusammensetzte, alle 24 Stunden erneuert wurde und mit dem die deutschen Funksprüche verschlüsselt waren. Eine mit den damaligen Möglichkeiten nahezu unlösbare Aufgabe also.

Alan Turing bekam hierzu ein Team zur Verfügung gestellt, mit dem er sich fortan im britischen Militärsitz "Bletchley Park" an die Arbeit machte. Am Ende der Bemühungen stand eine "Turing-Maschine", mit der es tatsächlich gelang, das deutsche Verschlüsselungssystem zu durchbrechen und den Verlauf des Zweiten Weltkrieges maßgeblich zu beeinflussen bzw. zu verkürzen.

Anstatt jedoch zu Lebzeiten die ihm gebührende Achtung und Würdigung zu erfahren, wurde Alan Turing wegen seiner Homosexualität, die in England damals noch unter schwerer Strafe stand, angeklagt und zu einer Art Hormontherapie verurteilt, die mit schweren Nebenwirkungen verbunden war, an deren Folgen er an einer Depression erkrankte und schließlich im Jahr 1954 Suizid beging. Seine Arbeit blieb auch danach noch sehr lange unter Verschluss. Im Jahr 2009 erfolgte eine offizielle Entschuldigung der britischen Regierung, im Jahr 2013 dann nach wachsendem öffentlichen Druck die posthume Begnadigung und schlussendliche Rehabilitation Alan Turings.

Der norwegische Regisseuer Morten Tyldum, der bis dato hauptsächlich für skandinavische Produktionen ("Headhunters"/2011, "Wolf: Der gefallene Engel"/2008) verantwortlich zeichnete, inszenierte "The imitation game" als sehr geschickt verschachteltes Drama mit Thriller-Elementen, das jedoch auch immer wieder durch Humor aufgelockert wird.

Der Film spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln und beleuchtet hierbei sowohl die Kindheit von Alan Turing, als auch seine Arbeit während des Zweiten Weltkrieges und die Zeit seiner Strafverfolgung nach dem Zweiten Weltkrieg. Der junge Schüler Alan Turing wird hierbei sehr eindrucksvoll von Alex Lawther dargestellt, der hierfür den britischen ALFS-Award als bester britischer Jungschauspieler des Jahres erhielt. Bereits während der Schulzeit wird hier die außergewöhnliche Intelligenz und Begabung von Alan Turing deutlich, die ihn jedoch auch zum Außenseiter und Mobbingopfer machte.

Der erwachsene Alan Turing wird schließlich von Benedict Cumberbatch dargestellt, der für diese Rolle geradezu prädestiniert ist. Cumberbatch führt hier seine Rolle als verschrobener, egozentrischer, brillianter und arroganter Sherlock Holmes nicht nur fort, sondern verpasst ihr noch eine derartige Steigerung, dass man meinen könnte, Sherlock Holmes sei nur eine frühe Fingerübung gewesen.

Jedoch, und das sagt eigentlich bereits alles über seine schauspielerische Klasse aus, gelingt es ihm auch hier, den Zuschauer Sympathie für diesen eigentlich völlig unzugänglichen Menschen empfindenzu lassen. Dazu tragen sicherlich auch die humorvollen und peinlichen Momente bei, die sich aus der sozialen Inkompetenz von Alan Turing in "The imitation game" ergeben. Denn Alan Turing gelingt es zwar, die kompliziertesten mathematischen Codes zu entschlüsseln, an den zwischenmenschlichen Codes hingegen scheitert er in schöner Regelmäßigkeit kläglich, was ihm jede Menge Ärger mit seinem Team und seinen Vorgesetzten einbringt.

Dies ist zwar durchaus unterhaltsam und lockert den Film deutlich auf, beschert dem Zuschauer jedoch auch einige zu gewollt komische Momente, die dem "echten" Alan Turing wohl nicht unbedingt gerecht werden und in denen ich durchaus auch das Gefühl hatte, der Mensch Alan Turing wird hier zugunsten eines Schmunzeleffekts etwas vorgeführt. Jedenfalls soll sein Biograf Andrew Hodges, auf Grundlage dessen Biografie das Drehbuch für "The imitation game" entstand, alles andere als begeistert von dem fertigen Film gewesen sein. Im wahren Leben soll Alan Turing nämlich weit weniger verschroben, arrogant und humorlos gewesen sein, als er in "The imitation game" dargestellt wird.

"The imitation Game" kann insgesamt mit einer eindrucksvollen Darstellerriege aufwarten. Neben Benedict Cumberbatch ist hier insbesondere noch Keira Knightley (Fluch der Karibik, Stolz und Vorurteil, Abbitte) zu nennen, die diesmal angenehm ernsthaft und zurückhaltend agiert und ihre (mich sonst eher nervende) rehäugige Koketterie auf ein Mindestmaß zurücknimmt, des weiteren noch Charles Dance (Alien 3, Last Action Hero), Mark Strong (Sherlock Holmes, Kick-Ass) und Rory Kinnear (Ein Quantum Trost, Skyfall).

Als etwas zwiespältig habe ich die immer wieder eingestreuten realen Kriegsszenen empfunden. Diese passen zum einen stilistisch nicht so recht in den Film, zum anderen wären sie schlicht und einfach auch nicht nötig gewesen, denn das Kriegsszenario und die sich steigernde Drucksituation wird bereits im Rest des Films recht eindrücklich dargestellt und "The imitation game" funktioniert meiner Meinung nach insbesondere dann am besten, wenn er in einer Art Kammerspiel die Arbeit des Teams unter Zeitdruck, wachsender Verzweiflung, Konfrontation mit den Vorgesetzten und zwischenmenschlicher Konflikte in den Mittelpunkt rückt.

"The imitation game" wird als Biopic hinsichtlich seines Wahrheitsgehalts sicherlich mit Vorsicht zu genießen sein, da man davon ausgehen kann, dass zugunsten der Unterhaltung und der Spannung einiges hinzugedichtet wurde. So soll zum Beispiel der sowjetische Spion bzw. Doppelagent in Alan Turings Team, der ihn schließlich mit seiner Homosexualität erpresste, nicht existiert haben.

Was bleibt, ist jedoch ein schwer unterhaltsamer, lehrreicher, spannender und tragischer Film sowie exzellentes Schauspielkino, das die Lebensleistung und das Schicksal von Alan Turing verdientermaßen in den Mittelpunkt rückt und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht. Ein wichtiger Film über einen wichtigen Menschen, der heute als einer der "Väter" des modernen Computers gilt und vielleicht maßgeblich mitverantwortlich dafür ist, dass ich diese Zeilen hier schreiben kann.

"The imitation game" war für insgesamt acht Oscars nominiert, darunter denjenigen für den besten Film, die beste Regie, den besten Hauptdarsteller (logo) und die beste Nebendarstellerin (Keira Knightley).

Bedacht wurde "The imitation game" schlussendlich mit einem Oscar für Graham Moore, verantwortlich für das beste adaptierte Drehbuch. Anstatt die übliche Lob- und Dankesrede anzustimmen, nutzte Moore die Oscarverleihung zu einer emotionalen Rede, in der er gestand, dass er sich als Jugendlicher umbringen wollte, weil er sich "anders", ausgegrenzt und nicht dazugehörig fühlte und in der er dazu aufrief, gerade dieses Anderssein zuzulassen und zu akzeptieren.

Ich kann als Fazit nur empfehlen, sich "The imitation game" anzuschauen. Auch wenn der Film vielleicht als Biopic nicht ganz so gut funktioniert, wie er sollte, ist er doch herausragendes Schauspiel- und Spannungskino, das über die gesamte Laufzeit bestens unterhält.

 

9/10
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Kommentare

30.03.2015 22:43 Uhr - Bruce Banner
2x
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Erfahrungspunkte von Bruce Banner 821
Tolles Review.
Angenehm zu lesen, gut strukturiert und schön formuliert.

30.03.2015 23:30 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.137
Kann mich dem nur anschließen!
Rundum gelungen, sehr gut formuliert und mit vielen Infos gespickt.
Schade, dass deine Kritiken häufig nur wenig Resonanz finden.

31.03.2015 02:07 Uhr - bueschel61
1x
Kann mich da nur Bruce & NoCuts anschließen.
Ein hervorragendendes Review das keine Wünsche offen läßt.Man merkt das
der "Schreiberling" mit ganzen Herzen dabei ist. ;-) Genau das ist es was
Schnittberichte.com für mich ausmacht.
LG
bueschel61


31.03.2015 07:27 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
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Sehr tolle Kritik! Bin mit deiner Meinung einverstanden, war damals im Kino ziemlich überrascht vom Film. Klasse ;)

31.03.2015 16:07 Uhr - Mynan
User-Level von Mynan 7
Erfahrungspunkte von Mynan 625
Danke für eure netten Worte, das Lob freut mich sehr!

31.03.2015 19:10 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Insanity667 1.819
Top! :) Klasse Review, klasse Film!

31.03.2015 20:13 Uhr - Mynan
User-Level von Mynan 7
Erfahrungspunkte von Mynan 625
Auch dir ein dickes Danke!

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