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In tödlicher Mission

Originaltitel: For Your Eyes Only

Herstellungsland:Großbritannien (1981)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Thriller
Alternativtitel:James Bond 007 - In tödlicher Mission
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,20 (34 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

007 wird gejagt. Unbekannte haben in der griechischen Inselwelt ein britisches Spionageschiff versenkt. an Bord: Ein Lenkwaffen-Computer. James Bond (Roger Moore) soll ihn bergen, bevor er in russische Hände fällt. Der zwielichtige Reeder Kristatos und der draufgängerische Schmugglerkönig Columbo scheinen auf das gleiche Ziel hinzuarbeiten: Bond von der Bergung abzubringen. Eine wilde Jagd über und unter Wasser, auf glühenden Skiern und qualmenden Rädern beginnt. Melina Havelock (Carole Bouquet), ein schöner Racheengel, erweist sich für 007 mehr als einmal als Retterin in letzter Sekunde. (20th Century Fox)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                          IN TÖDLICHER MISSION

Moonraker - Streng Geheim (1979), der elfte Teil der James Bond-Reihe, war nicht nur der bisher teuerste und erfolgreichste Teil der Serie, sondern auch der abgehobenste. Trotz des Erfolgs beschlossen die Bond - Macher, die Reißleine zu ziehen und den nächsten Bond wieder bodenständiger zu gestalten und weitgehend auf technischen Schnickschnack zu verzichten, da sich nicht wenige Fans darüber beschwerten, dass Moonraker schlicht zu albern war und nichts mehr mit dem zu tun hatte, was Ian Fleming in seinen Romanen geschrieben hatte. Also musste Bond wieder härter und realistischer gezeigt werden.

Michael G. Wilson, der Sohn von "Cubby" Broccolis zweiter Ehefrau Dana, damals 30 Jahre alt, Rechtsanwalt und Steuerexperte, der seit 1977 für den 007 - Betrieb tätig war, war auch der Meinung, dass Bond wieder bodenständiger werden musste; so verfasste er das Drehbuch zu In Tödlicher Mission. Sein Skript basierte auf den Fleming - Kurzgeschichten Risico und For Your Eyes Only. Nachdem Wilson fertig war, wurde sein Drehbuch noch einmal vom altbewährten Richard Maibaum überarbeitet.

Neben Roger Moore, der seine Gage ordentlich nachverhandelt hatte und angeblich eine Million Pfund für In Tödlicher Mission bekam, waren Julian Glover (Indiana Jones Und Der Letzte Kreuzzug, 1989) als Bond-Schurke und Carole Bouquet (Dieses Obskure Objekt Der Begierde, 1977) als Bondgirl mit an Bord. Man hatte sich schon für Moonraker um Bouquet bemüht, aber Madame sagte ab, angeblich, weil sie der Rolle und  dem damit einhergehenden Rummel nicht gewachsen sei. Seltsamerweise war sie dem Rummel ein Jahr später gewachsen, sagte zu und behauptete, jeden Bond - Film mit großer Begeisterung gesehen zu haben. Wie sich herausstellte, hatte sie die Rolle nur wegen der Gage angenommen, um anschließend in Filmen mitspielen zu können, die weniger erfolgversprechend waren. Der Schmuggler und Bond - Verbündete Columbo wurde von Chaim Topol (Flash Gordon, 1980) gespielt. In einer kleinen Rolle ist auch Pierce Brosnans erste Ehefrau Cassandra Harris zu sehen. Brosnan besuchte seine Frau, die 1991 an Krebs starb, mehrmals am Set und soll Broccoli durch seine Ausstrahlung schwer beeindruckt haben. Lois Maxwell als Moneypenny und Desmond Llewelyn als Q waren auch wieder dabei. Allerdings wurde ein Mitglied der Stammbesetzung schmerzlich vermisst: Bernard Lee als M. Das Bond-Urgestein starb kurz vor Beginn der Dreharbeiten. Aus Respekt vor Lee besetzte man dessen Rolle noch nicht neu, sondern verteilte seine Dialoge auf Q und zwei andere Schauspieler. Ms Abwesenheit begründete man damit, dass er einen Tag frei habe. Gedreht wurde In Tödlicher Mission auf der Nordsee, in Griechenland, Italien, England und auf den Bahamas.

Um James Bond (Roger Moore) wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen und zu zeigen, dass er ein Mensch mit Vergangenheit ist, lässt man ihn zum Beginn von In Tödlicher Mission am Grab seiner Frau trauern, ehe er auf seinen Erzfeind Ernst Stavro Blofeld trifft. Danach folgt direkt der nächste Auftrag: Ein britisches Spionageschiff mit dem neu entwickelten Raketenlenksystem "Atac" an Bord wurde vor der griechischen Küste versenkt. Da "Atac" in den falschen Händen zu einer tödlichen Waffe werden kann, wird Bond mit der Bergung des Systems beauftragt. Unterstützt wird der Agent mit der Lizenz zum Töten dabei von der rassigen Melina Havelock (Carole Bouquet), deren Eltern das "Atac" zuerst aufspüren sollten und ermordet wurden. Da auch noch eine andere Partei an "Atac" interessiert ist, beginnt eine mörderische Jagd auf das Waffensystem, die ihr Ende in einem in schwindelerregender Höhe liegenden Bergkloster findet...

In Tödlicher Mission, neben Der Spion, Der Mich Liebte (1977) mein Lieblings-Bond mit Roger Moore, erwies sich als Schritt in die richtige Richtung. Zwar leistet sich der Film das eine oder andere technische Gadget, bleibt aber ansonsten - für einen Bond-Film - auf dem Teppich. Die Story ist spannend und spektakulär, aber trotzdem plausibel und im Rahmen des Möglichen. Anstatt wieder einmal die Welt zu retten, jagt Bond diesmal "nur" einem Waffensystem hinterher und ruft damit Erinnerungen an den Connery-Klassiker Liebesgrüße Aus Moskau (1963) wach. Die Schurken versprühen zwar nicht das diabolische Charisma von übergroßen Bösewichten wie Goldfinger, Odd Job, Beißer oder Stromberg, was aber nicht negativ ins Gewicht fällt. Julian Glover ist Vorgängern wie Gert Fröbe, Adolfo Celi oder Curd Jürgens, was Charisma angeht, zwar unterlegen, aber ein übermächtiger Superschurke im Stil dieser drei Herren hätte nicht zum "neuen Realismus" von In Tödlicher Mission gepasst. Dafür ist es interessant, dass sich Glovers Figur im Lauf der Geschichte vom Verbündeten zum Schurken entwickelt, was es bis dahin nicht gegeben hatte.

In Tödlicher Mission verzichtet zwar auf die sonst üblichen Gimmicks, mit denen der Doppelnull - Agent sonst ausgerüstet wird, aber Desmond Llewelyn hat trotzdem seinen üblichen Auftritt als Q, stellt Bond diesmal aber keine speziellen Waffen zur Verfügung. Hier muss sich Bond auf seinen Grips, seine Muskeln und auf seine Walther PPK verlassen. Auch der tauchfähige Lotus aus Der Spion, Der Mich Liebte (1977) ist passé. Moores Darstellung des britischen Geheimagenten passt sich der Gangart des Films ebenfalls an. Vor allem in den beiden Vorgängern war Moore als Bond ein überlebensgroßer Action - und Frauenheld, der die Welt fast nebenbei rettet, ohne dabei das Bondgirl aus dem Arm, bzw. den Drink aus der Hand zu nehmen. In Tödlicher Mission dagegen zeigt Moore als knallharten Agenten, dem kaum zum Witzeln zumute ist. Die Szene, in der Bond einen Mercedes samt Insassen mit einem Fußtritt einen Abhang hinabbefördert, zeigt eine Kälte, die an Flemings Romane oder die frühen Connery-Auftritte erinnert. Trotzdem bleibt noch Raum für ein paar ordentliche Gags wie z.B. eine Verfolgungsjagd, die Bond und Melina in einer "Ente" bestreiten.

Unterstützung erhält James Bond von Melina Havelock, die zu den stärksten Frauen der Bond - Reihe gehört. Die von Carole Bouquet gespielte Figur ist nicht nur attraktiv, sondern auch eine versierte Schützin, die Bond in einigen Szenen zum reinen Beobachter degradiert. Ein weiterer Helfer ist der charismatische Chaim Topol als Schmuggler Columbo, der Bond in mehreren Feuergefechten zur Seite steht und den gewitzten Schmuggler intensiv und glaubwürdig darstellt.

Trotz der weitgehend realistischen Geschichte und des Verzichts auf bewaffnete Mini-Hubschrauber oder Armbanduhren mit Sprengsätzen sind die Actionszenen des Films atemberaubend wie eh und je und haben einmal mehr Maßstäbe gelegt. Ich weiß nicht, wie oft ich den Film schon gesehen habe, aber die Szenen, in denen Bond an einem ferngesteuerten Helikopter herumklettert oder die wahnwitzigen Verfolgungsjagden per Ski und Bob schaffen es auch heute noch, mich zu fesseln! Auch die Kletterszenen im letzten Filmdrittel wurden hervorragend inszeniert - da kriegt man schon vom Zuschauen weiche Knie! Hinzu kommen reichlich Schießereien, Zweikämpfe und Explosionen. Mit In Tödlicher Mission hat Bond - Regieneuling John Glen eindrucksvoll bewiesen, dass er ein hervorragender Actionfilmregisseur ist, weshalb er sämtliche Bond - Filme der 80er Jahre drehen durfte. Allerdings kam es gleich bei seinem ersten Bond zu einem schrecklichen Unfall: Bei der Verfolgungsjagd in der Bob-Bahn kam ein Stuntman ums Leben.

In Tödlicher Mission ist für mich ein Meilenstein der James Bond-Reihe, ein bis zur letzten Minute fesselndes und unterhaltsames Actionspektakel, das ich immer wieder gern in den Player lege. Brillant!

In Tödlicher Mission konnte zwar nicht ganz an den Erfolg von Moonraker anknüpfen, aber ein weltweites Einspielergebnis von 195 Millionen Dollar (bei einem Budget von 30 Millionen) ist nun auch nicht zu verachten. John Glen erhielt, wie bereits erwähnt, die Lizenz zum Weiterdrehen und auch Roger Moore war - nach ein bißchen Gagenpoker - auch im nächsten Film wieder dabei.

 9-10/10

9/10
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Kommentare

17.05.2015 12:48 Uhr - Samsu83
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Schöne Kritik :)

17.05.2015 13:08 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr umfangreiche Kritik mit vielen Background-Infos, die ich nicht auf dem Schirm hatte und mir zum Teil auch neu waren. Witzigerweise habe ich trotzdem noch eine Ergänzung: Sheena Eastons Titelsong brachte es zu einer Oscar-Nominierung.

Insgesamt ein sehr schön geschriebenes Review. Freue mich auf weitere!!!

17.05.2015 13:56 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Leute! Freut mich, dass euch das Review gefallen hat!

@NoCutsPlease:
Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Danke für die Info!

17.05.2015 15:46 Uhr - cecil b
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Bond interessiert mich nicht. Aber ich freue mich darüber, dass du die Filme dieses Agenten auf dieser Seite so gekonnt verewigst!

17.05.2015 15:46 Uhr - Tom Cody
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Ich schließe mich an. Hervorragendes Review zu einem der besten Bond-Filme (mit Sicherheit ist "For Your Eyes Only" auch das Highlight unter den Filmen mit Roger Moore).
Auch die, nach dem doch ziemlich übertriebenen "Moonraker", Rückbesinnung auf die eigentlichen Bond-Qualitäten hat mir hier gut gefallen.

Wenn ich mich recht erinnere, hat hier 007 das erste Mal die Einladung ins Bett einer Frau dankend abgelehnt. Da war ihm "Bibi" (dargestellt von Eislauf-Prinzessin Lynn-Holly Johnson) doch etwas zu jung. "So, jetzt zieh dich wieder an, dann kauf' ich dir auch nachher noch ein schönes Eis!"

Das Finale rund um das griechische Kloster und die von dir erwähnten Ski-Szenen sind fantastisch und Carole Bouquet ist tatschlich eines der besten Bond-Girls aller Zeiten.
Nur die Musik von Bill Conti fand ich jetzt nicht soo prickelnd.

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