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Transcendence

Herstellungsland:USA (2014)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Drama, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,60 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Der Wissenschaftler Will (Johnny Depp) wird von technikfeindlichen Terroristen umgebracht, nachdem er den ersten, selbstdenkenden Computer entwickelt hat. Seiner Frau Evelyn (Rebbeca Hall) gelingt es lediglich, das Gehirn ihres Mannes zu retten, in dem sie es mit dem Super-Computer verbindet. Nun eine virtuelle Persönlichkeit macht Will gemeinsam mit Evelyn und seinem Wissenschaftlerkollegen Max (Paul Bettany) Jagd auf seine Mörder.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von qusp:

Habe diesen Unsinn gerade aus meinem Player entfernt und kann immer noch den Kopf darüber schütteln, was hier für ein blödsinniges, schablonenhaftes und uninnovatives Machwerk verzapft wurde. Weder schafft es der Film, im Genre Akzente zu setzen noch macht er sich die Mühe, so etwas wie Logik aufzubringen. Stattdessen rennt man nicht nur mit Anlauf in Logiklöcher hinein, nein, man walzt zudem auch noch durch die abgeschmacktesten filmischen Elemente von Filmen mit Cyberthematik, die spätestens seit Anfang des Jahrtausends schon dermaßen ausgetreten sind, daß man sie mittlerweile selbst in B-Movies nicht mehr sehen mag. Überhaupt: Die ganze Handlung macht am Ende eher wütend.

Nun ist das aber kein B-Movie, sondern eine teure Hollywood-Produktion mit namhaften Cast: Johnny Depp, Morgan Freeman, Rebecca Hall, Cilian Murphy und und und...dennoch schaffen diese es nicht, diese Filmkatastrophe zu retten.

Betrachten wir mal die Cyberthematik des Filmes, gibt es hier nur sattsam bekannten Blödsinn zu sehen, der weder ansatzweise realistisch ist noch wirklich spannend. Das Internet quasi als allmächtiges, allumfassendes, gottgleiches Etwas? Auch hier scheinen sämtliche Sicherheitsvorkehrungen der Welt null und nicht zu sein, wenn es um Geldtransfers, Manipulationen, Zugriffe usw. geht - diese geschehen einfach, ohne daß wirklich etwas dagegen getan werden kann. Und blinkende Monitore voller Sätze und Graphen waren vielleicht vor 20 Jahren noch irgendwie cool, mittlerweile entlockt einem solcher Firlefanz aber maximal nur ein Gähnen.

Weitere schablonenhafte Filmelemente? Neben der abstrusen Handlung und Charaktergestaltung(dazu komme ich gleich) verzichtet man natürlich auch gerade bei so einer Thematik nicht auf derbe abgedroschene Szenen, in denen zu schwulstiger, melancholischer Musik eine Stimme aus dem Off philosophisch daherschwadroniert. Unnötiger und pathetischer geht es wohl kaum.

Dann die Charaktere des Films, die in diesem Quarks mitschwimmen müssen. Grundsätzlich jeder Charakter handelt hier widersprüchlich und unlogisch, ja, wirklich jeder, bis vielleicht auf die Terroristen, die anfänglich mal eben Anschläge verüben, dabei Wissenschaftler töten, deren Technologie sie für gefährlich halten, dabei auch noch andere Menschen mit in den Tod reißen, somit also nicht unbedingt als Sympathieträger gelten können, vom FBI gesucht werden, was dann aber auf einmal seine Meinung ändert und sie sogar bei allen Aktionen mitmachen läßt. Logik, Sinn?

Da wird ein Wissenschaftler von diesen Leuten entführt, zusammengeschlagen und in einem Drecksloch gefangen gehalten, welches ja so gut versteckt ist, daß FBI und selbst das Superhirn sie nicht finden können, der für die Sache eben noch Feuer und Flamme war - nur um dann nach ein paar moralintriefenden Ansprachen über schreiende digitale Affengehirne und "Menschlichtkeit"(würg, gähn) die Seite zu wechseln.

Noch schwerwiegender die Ehefrau(welche Verschwendung: Rebecca Hall), die durch die Liebe getrieben die Sache erst angeleiert hat, sich darin auch recht lange wohlfühlt(es gibt im Film Zeitsprünge von einigen Jahren!), dann aber auf einmal auf den Trichter kommt, daß das ja doch alles "zu weit geht", als ihr Geliebter ihren Hormonspiegel analsysiert(welches Hexenwerk, was natürlich heute noch völlig unbekannt und unmöglich ist - ähem, Sarkasmus). Da sie so wankelmütig ist, eben noch Feuer und Flamme für all das, ist sie nach ein paar weiteren Moralansprachen u.A. ihres ehemaligen Lehrmeisters(Morgan Freeman - der Gute in Ehren, aber langsam nervt es auch, ihn immer in diesen "weiser alter Mentor"-Rolle zu sehen) auch völlig umkippt, dann aber kurz vor Schluß nochmal zweifelt, nur damit es dann doch zu spät ist.

Einzig und allein die Terroristen halten an ihren Prinzipien fest, sind aber wie schon erwähnt alles andere als Sympathieträger, sondern genau das Gegenteil. So sehr hatte ich mir den Rollentod dieser Unsympathen - allen voran dieser blonden Anführerin - gewünscht, stattdessen dürfen diese nicht nur ihre widersprüchlichen Ansichten verbreiten - von "Menschlichkeit" faseln, dann mal eben Leute umbringen und auch zum Ende hin alles andere als "menschlich" handeln, sondern auch mit dem FBI kungeln, dem die vorangegangenen Morde auf einmal wohl völlig egal sind. Andererseits frage ich mich, warum man es dann doch nicht schafft, in einer kaum bevölkerten Kleinstadt, wo eine einzige(!) Frau einen kaum übersehbaren Komplex bauen läßt und leitet, mal eben einen weiteren Anschlag zu verüben. Ich habe im Film nämlich nicht mal ansatzweise Sicherheitsvorkehrungen gesehen, nicht mal einen popligen Zaun hat man herumgebaut, geschweige denn weitergehende Maßnahmen wie Kameras, Sicherheitspersonal und so weiter...da werden mal eben für Millionen Anlagen gebaut, die nicht gesichert sind und wo dann auch noch jeder mal eben reinlatschen kann, um Videos von vermeintlichen Skandalen zu drehen? Ernsthaft? Klar, daß es ein Leichtes ist, da mal eben noch ´nen Tunnel für Sprengungen zu graben...

Und dann schlußendlich diese klischeehafte und unsinnige Handlung an sich. Man geht automatisch davon aus, daß diese Mensch-Maschine oder Maschinen-Mensch, wie man es auch nennen kann, ja nur machthungrig ist und potenziell eher böswillig. Es mag ja sein, daß einiges davon, was er(oder es) macht, etwas fragwürdig ist - aber gleich mal schon vorab dagegen vorgehen wollen? Und warum erklärt dieses Superwesen dann nicht einfach von vorne herein, daß es eigentlich gute Absicht hat? Ich meine, er/es ist in der Lage, ein Video viral werden zu lassen, welches augenscheinlich positive Auswirkungen zeigt, dann hält er/es aber mit weiteren Infos hinterm Berg. Gut, saubere Umwelt und Heilung für alle Krankheiten sind natürlich durchaus Dinge, die die Mächtigen der Welt nicht unbedingt für erstrebenswert halten, denn daraus kann man ja keinen Profit schlagen. Wenn das allerdings die "Menschlichkeit" sein soll, die man hier vor einer vermeintlich übermächtigen Maschine schützen will...

Ganz ehrlich, wenn man das sowieso so betrachtet, zeichnet der Film ja nicht unbedingt ein positives Bild der Menschheit, wenn, dann ist eher die künstliche Intelligenz der Sympathieträger. Ich meine, man stelle mal gegenüber:

Die "Menschlichkeit"-Menschheit-Vertreter: Töten andere, die nach ihrer Auffassung falsche Dinge tun und gehen zur Durchsetzung ihrer Interessen sogar so weit, noch mehr Menschen zu töten und jegliche Technologie schon von vornherein abzulehnen, auch wenn sie lebensnotwendig ist, gerade der große GAU am Ende dürfte ja auch allerhand Menschen das Leben kosten, sei es nun durch den Ausfall lebenserhaltender Maschinen in Krankenhäusern oder technisches Versagen von  Flugzeugen usw. - wenn man das mal logisch weiterdenkt - aber ok, es ist halt "menschlich", gegen die "überschrittene Linie" muß man ja unbedingt was tun, auch wenn sich am Ende herausstellt, daß es ja gar nicht so ist, wie angenommen. Aber hey, wir haben ja "die Menschlichkeit" bewahrt, künftig sind Laptops nur noch als Türstopper zu gebrauchen(weil ja, wie anfänglich erwähnt, das Internet eine allmächtige Datenkrake ist, über die sich alle Technologie der Welt mit links lahmlegen läßt, wenn man nur quasi den An/Aus-Schalter findet) und man haust nun in einem Endzeit-Szenario. Wirklich ein großer Gewinn.

Die künstliche Intelligenz, der menschliche Verstand im Computer: Schafft es, Lahme, Blinde und andere Kranke zu heilen, schickt reinigenden Regen, der überall die Natur gedeihen läßt, opfert sich am Ende dann sogar noch für seinen verräterischen undankbaren Freund, trotzdem muß er eben sterben, weil er ja vermeintlich zu mächtig geworden ist. Über das Wohl aller entscheidet dann mal eben eine dubiose Vereinigung, die oben genannten "Guten" inklusiver einer Frau, die alle fünf Minuten ihre Gefühle ändert und dadurch eine Entscheidung trifft, die den ganzen Planeten betrifft(!!). Ja, das könnte man durchaus so zusammenfassen(irgendwo ist es ja auch so): Die Menschheit kann man eigentlich völlig vergessen, aus Angst vor Neuem nimmt man eben lieber eine andere Form der totalen Katastrophe hin und fertig.

Kommen wir dann noch zu der Darstellerleistung. Zwar gibt es einen namhaften Cast, aber auch der überzeugt nicht mal im Ansatz. Johnny Depp wirkt hier zu jedem Zeitpunkt völlig gelangweilt, Rebecca Hall liefert auch nur ein abgeschmacktes Standardprogramm ab und Cilian Murphy...so blaß war der noch nie. Und dann der legendäre Morgan Freeman - auch er liefert hier nur eine recht abgedroschene Leistung als wohlväterlicher Professor ab, die sein Talent nicht mal im Ansatz ausreizt. Der Rest der Truppe? Überhaupt nicht erwähnenswert.

Somit bleibt schlußendlich ein fragwürdiges, langweiliges und auch konfuses Machwerk, zwar bildgewaltig in Szene gesetzt, aber ein guter Kameramann(Wally Pfister) ist noch lange kein guter Regisseur. Ich hoffe ja nur nicht, daß es für den Murks auch noch einen Nachfolger gibt - zwar deutet das Ende ja irgendwie darauf hin, aber so sehr, wie das Drehbuch hier in den Sand gesetzt wurde, wäre das ein hoffnungsloses Unterfangen.

Ich kann als Fazit nur vom Ansehen abraten, nicht vom namhaften Cast und der auf dem Umschlag vielversprechenden Thematik täuschen lassen. Der Film dürfte einen guten Platz in meiner Worst 10 haben.

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Kommentare

30.05.2015 10:11 Uhr - Insanity667
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Hui! Da macht sich aber jemand Luft!
Aber allein wegen deiner angesprochenen Punkte über die "Dummheit" der Menschheit als durchaus kritisch angelegten Aspekt des Filmes würde ich ihm doch schon ein paar Punkte mehr geben.


30.05.2015 10:45 Uhr - cecil b
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Ein Review mit viel Herzblut! :)

Aber gut dass du die Spoilerwarnung gegeben hast, da du den Film -da ich ihn nicht gesehen habe, habe ich manche Passage überflogen- offensichtlich im Ganzen besprichst. Aber 1 Punkt? Ich brauche den Film nicht gesehen zu haben, um mir sicher zu sein, dass er einem hohen inszenatorischen Standard entsprechen wird, selbst wenn er schlecht gemacht ist. Filme wie Violent Shit und Die Rache des Würgers müssten dann Minuspunkte bekommen. ;)

30.05.2015 12:36 Uhr - NoCutsPlease
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Eine sehr emotionale und sprachgewandte Rezension!
Gerade weil ich den Film nicht kenne und überhaupt nicht weiß, ob die harte Bewertung gerechtfertigt ist, macht einen die Kritik neugierig, ob das wirklich so ein konfuses Durcheinander ist.

31.05.2015 01:32 Uhr - cecil b
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Sehr sprachgewand, da stimme ich dir zu, NCP! Hoffentlich liest man noch mehr Reviews von diesem Autoren.

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