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Ex Machina

Herstellungsland:Großbritannien (2015)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:Ex_Machina
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,15 (20 Stimmen) Details
inhalt:
In dem mitreißenden Thriller Ex Machina gewinnt der 24-jährige Web-Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) einen firmeninternen Wettbewerb – sein Preis: eine Woche Aufenthalt im privaten Bergdomizil des zurückgezogen lebenden Konzernchefs Nathan (Oscar Isaac). Vor Ort muss Caleb allerdings an einem ebenso seltsamen wie faszinierenden Experiment teilnehmen und mit der weltweit ersten, wahren künstlichen Intelligenz interagieren: einer bildschönen Roboterfrau (Alicia Vikander). Die packende Story verwickelt Caleb in ein kompliziertes Liebesdreieck, in dem es um die großen Fragen der menschlichen Natur geht: Worin unterscheiden sich Wahrheit und Lüge? Was ist das Wesen von Bewusstsein, Emotion und Sexualität?
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von deniro:

Da ist es also!

Das Regiedebüt des eigentlich als Drehbuchautor arbeiteten Alex Garland ( „28 Days Later“, „Sunshine“, „Alles, was wir geben mussten“ und "Dredd" ). Für seinen Einstand versucht sich Garland an einem bereits zur Genüge abgehandelten Stoff. Sollte man meinen!

Der junge talentierte Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) darf durch einen firmeninternen Losentscheid die Möglichkeit wahrnehmen, seinem Chef Nathan (Oscar Isaac) bei seiner streng geheimen Arbeit über die Schultern zu schauen. Dahinter verbirgt sich aber kein harmloser Firmenausflug, sondern die Entdeckung einer bahnbrechenden Technologie die die Frage nach den Parametern von künstlicher Intelligenz in Form der attraktiven und bezaubernden Roboterfrau AVA (Alicia Vikander) beantworten möchte. Dabei soll Caleb anhand des sog. "Turing-Testes" feststellen, ob die Maschine zu eigenständigem Denken fähig ist und über ein eigenes Bewusstsein verfügt. Das dies kein leichtes Unterfangen ist, wird allen Beteiligten nur all zu schnell klar werden...

Bereits mit seinen früheren Drehbuchstoffen, konnte Garland gesellschaftliche Herausforderungen abarbeiten und diese unter moralischen und teils philosophischen Gesichtspunkten betrachten und analysieren. Dabei gerät auch gerade der moralische Aspekt in diesem klaustrophobischen Kammerspiel zum zentralen Thema und lässt den Zuschauer immer wieder über die wahren Absichten und Intensionen der Protagonisten rätseln.

Da ist der berechnende, sich als Gottebenbildlich sehende Nathan, der sowohl Caleb als auch AVA nur als Werkzeuge benutzt um, so wie er sagt, die nächste logische Stufe der künstlichen Intelligenz heraufzubeschwören und damit der Menschheit die nächste Entwicklungsstufe zu ermöglichen. Dabei ist er doch ein zutiefst einsamer und emotional verkrüppelter Narzisst mit allzu offensichtlichen Alkoholproblemen. Für ihn ist Caleb nur ein willkommenes Instrument um den finalen Test mit AVA durchzuführen. Geschickt lässt Garland die Versuchsbeobachter im Unklaren, lässt uns kritisch mit Nathan ins Gericht gehen und seine Absichten in Frage stellen. Immer wieder spielt er dabei mit Kontrasten, "Nathan´s Festung", dunkel, be- und ausgrenzend und kühl, liegt in einer farbenfrohen und wilden ungebändigten Natur. So könnten auch die beiden menschlichen Hauptakteure unterschiedlicher nicht sein. Dabei hat der eher schüchterene und nerdige Caleb dem selbstbewußten Nathan natürlich wenig entgegenzusetzen und muss sich seinen ständigen Demütigungen unterwürfig aussetzen.

Stoisch erträgt Caleb das unberechenbare Verhalten Nathan´s, viel zu sehr hat ihn die erste "Sitzung" mit AVA in den Bann gezogen. Wissbegierig versucht er hinter ihr Geheimnis zu kommen und empfindet irgendwann mehr als nur Faszination für einen künstlich erschaffenen Organismus. Und auch AVA scheint ein enormes Interesse am jungen Programmierer zu haben. Tatsächlich sowas wie Liebe? Oder doch eisgaltes Kalkül? Fast scheint es als würde sich die erschaffene Kreatur selbstbestimmt Gedanken um das eigene Dasein, und das zu erleidente Schicksal, machen. Ähnlich wie der kleine "Mecha"- Junge David in Spielbergs A.I. – Künstliche Intelligenz (USA 2001) beginnt der Roboter Entscheidungen zu treffen und arbeitet fortan an der Verwirklichung seiner Träume. Das er sich dabei automatisch gegen seinen Erschaffer wenden muss, scheint fast schon unausweichlich und offenbart offensichtliche Parallelen zu Genreklassikern wie Frankenstein (USA 1931).

"Mit zunehmender Industrialisierung hört die Maschine auf, bloßes Werkzeug zu sein, beginnt ein Eigenleben und zwingt dem Menschen ihren Rhythmus auf. Er bewegt sich, sie bedienend, mechanisch, wird zum Teil der Maschine.“ - Fritz Lang

Selbstverständlich nutz Garland vermeindlich klare Charakterzeichnungen, nutzt einmal mehr das frankensteinische Thema um die größenwahnsinnigen Absichten des Schöpfers und der Sinnsuche seiner Maschine zu verdeutlichen, und trotz der bekannten Zutaten gelingt es ihm eine vortrefflich auf den Punkt gebrachte intelligente Parabel über die menschliche Hybris und den destruktiven Technologiewahn. Und trotz, oder gerade wegen des geringen Budgets von nur 11 Millionen Dollar, kommt der Film auch visuell mit dem Nötigsten aus und reduziert, ähnlich wie die Dialoge übrigens, alles auf ein angenehmes Wesentliche.

Schauspielerisch konnten mich alle Beteilgten restlos überzeugen. Obwohl man Oscar Isaac doch noch heraus heben sollte. Sein Nathan ist diabolisch und menschlich zugleich und jederzeit glaubwürdig und überzeugend.

Alex Garland ist mit seinem Erstling ein überaus spannender und eindringlicher Genrebeitrag gelungen. Mich hat der Film über die gesamte Laufzeit bestens unterhalten und zum Nachdenken angeregt. Mehr kann man nicht erwarten!

9/10
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Kommentare

30.05.2015 19:40 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
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Endlich mal wieder eins von DeNiro!

Ein einfach wunderbar formuliertes Review, welches das Thema des Films gut vor Augen hält!

30.05.2015 20:24 Uhr - KarateHenker
1x
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Erstklassige Kritik, die den Nagel genau auf den Kopf trifft - der Film ist wirklich herausragend und profitiert meiner Meinung nach gewaltig davon, im Vergleich zu diversen vergessenswerten Sci-Fi-Blockbustern der letzten Zeit fast lächerlich geringe production values zu besitzen.

30.05.2015 20:59 Uhr - NoCutsPlease
2x
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Es gab mal Zeiten, da waren 11 Mio. Dollar ein fettes Budget! Lang ist's her.

Auf jeden Fall ein feines Review vom "Kap der Angst"-Psycho. ;-)

31.05.2015 10:40 Uhr - Tom Cody
1x
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Ich schließe mich den obigen Meinungen zu 100% an (trotz der Tatsache, dass ich den Streifen bis jetzt leider noch nicht gesehen habe). Sehr gut geschriebene und äußerst informative Rezension zu Garlands Regiedebüt!
Es hilft dem Leser auf jeden Fall zu entscheiden, ob dieser etwas andere Science Fiction-Film seinen persönlichen Geschmack trifft oder eher nicht.
Mir scheint, der kürzlich erschienene "Automata" (mit Antonio Banderas) enthält ähnliche Fragestellungen wie die oben von dir angesprochenen.

31.05.2015 11:07 Uhr - deNiro
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Vielen Dank an alle!

Ich muss sagen das Schreiben dieser Rezi hat mir besonders viel Spaß gemacht. Der Film bietet einfach soviel Futter und wirkt dennoch nicht überladen oder überfrachtet. Einfach fokussiert, fast schon meditativ konzentriert.

@KarateHenker

Danke dir!

Absolut, Garland macht den Umstand des begrenzten Budgets zur Tugend. Fast wünscht man sich eine Art neue Dogma- Bewegung die nur mit wenigen Mitteln, Optimales erzielt.

@Tom

Vielen Dank!

Tatsächlich steht "Automata" als nächstes auf meiner "Sichtliste". Bin mal gespannt wie man sich hier dem Thema nähert.

31.05.2015 13:51 Uhr - Taran
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Moderator
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TOP! Das klingt sehr interessant und wandert sofort auf den Wunschzettel

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