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Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Originaltitel: On Her Majesty's Secret Service

Herstellungsland:Großbritannien (1969)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Thriller
Alternativtitel:Ian Fleming's On Her Majesty's Secret Service
Im Auftrag Ihrer Majestät
James Bond 007 - Im Geheimdienst ihrer Majestät
O.H.M.S.S
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,36 (45 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Rasante Jagden, technisch perfekte Ausrüstung und immer das letzte Wort. Mit smarten Sprüchen und fauststarken Argumenten kämpft sich James Bond (George Lazenby) bis zu der mächtigen Alpenfestung des skrupellosen Verbrechers Blofeld (Telly Savalas). Dort plant der Menschenfeind die bakterielle Verseuchung der Erde. 007 und die eigensinnig wie schöne Tracy (Diana Rigg) haben nur eine Chance, den selbsternannten Todesengel zu stoppen... (20th Century Fox)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

WARNUNG: LEST DEN TEXT WIRKLICH NUR, WENN IHR DEN FILM GESEHEN HABT!!!                            

 

                                             IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT

Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) ist neben Lizenz Zum Töten (1989) der wohl am meisten unterschätzte Film der James Bond 007 - Reihe. Als der Film in die Kinos kam, blieb er hinter den finanziellen Erwartungen zurück und konnte auch bei der Kritik nicht punkten, so dass der einzige Bond - Auftritt mit George Lazenby als kapitaler Flop galt. Im Geheimdienst Ihrer Majestät ist allerdings eine Art hässliches filmisches Entchen, das zum Schwan wurde, da er heute unter vielen Fans als ein absolutes Highlight der Reihe gilt.

Nachdem Sean Connery die Walther PPK an den Nagel gehängt hatte, engagierten die Bond - Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman George Lazenby, um die Nachfolge Connerys anzutreten. Er war zwar nicht die erste Wahl für die Rolle, aber da Darsteller wie Roger Moore, Patrick McGoohan, James Mason oder Timothy Dalton nicht konnten oder wollten, bekam der damals 29jährige Australier den Part. Lazenby hatte zwar keinerlei schauspielerische Erfahrung (Er hatte lediglich Werbespots für Modeartikel und Schokolade gedreht), aber die Produzenten waren von seiner maskulinen Ausstrahlung und seiner natürlichen Arroganz überzeugt - als Lazenby bei Probeaufnahmen für einer Kampfszene einem Stuntman die Nase brach, war für Saltzman und Broccoli klar: der isses! Die Rolle des Schurken Ernst Stavro Blofeld ging an Telly Savalas (Das Dreckige Dutzend, 1967), der später als Lollis lutschender Inspektor Kojak weltberühmt werden sollte. Das Bondgirl Tracy wurde Diana Rigg aus der TV - Serie Mit Schirm, Charme Und Melone, wo sie Emma Peel gespielt hatte. Blofelds Gehilfin wurde von der deutschen Schauspielerin Ilse Steppat gespielt, die kurz nach der Premiere des Films verstarb. Die Regie übernahm Peter Hunt, der bei früheren Bond - Filmen als Cutter in Erscheinung getreten war. Gedreht wurde in London und in der Schweiz.

Seit zwei Jahren jagt James Bond vergebens nach dem Superschurken Ernst Stavro Blofeld, dem Kopf der Terrororganisation Spectre. Gerade als sein Vorgesetzter M (Bernard Lee) ihn von diesem Auftrag entbunden hat, stößt Bond auf eine heiße Spur. Anscheinend hat sich Blofeld unter falschem Namen in die Schweizer Berge zurückgezogen und das Amt für Heraldik damit beauftragt, seinen vermeintlichen Adelstitel zu bestätigen. Als Gesandter des Amts für Heraldik schleust sich Bond in Blofelds Bergfestung ein und kommt einem teuflischen Plan auf die Spur ...

Auch wenn Im Geheimdienst Ihrer Majestät für mich ein echter Meilenstein der Serie ist, empfinde auch ich George Lazenby als Fehlbesetzung. Man merkt dem Australier seine fehlende schauspielerische Erfahrung außerhalb der Actionszenen, in denen er sich wirklich gut macht, zu jeder Sekunde an. Er wirkt einfach zu hölzern und raubt dem Film damit etwas Potenzial. Hinzu kommt, dass die Macher des Films ihren Helden der Lächerlichkeit preisgeben, indem sie ihn den halben Film über in Rüschenhemd und Kilt herumlaufen und an Kitsch kaum zu überbietende Sätze wie "Ich habe gelernt, dass Irrtümer aufgeklärt werden müssen. Vor allem unter Freunden. Und Liebenden." aufsagen lassen. Und dann macht er seiner Tracy (Diana Rigg) auch noch einen Heiratsantrag. "Das wäre dem anderen nie passiert," bemerkt Lazenby zu Beginn des Films. Richtig - in der Ära Connery hätte es das sicher nicht gegeben.

Auch wenn Im Geheimdienst Ihrer Majestät mit einem echten Schauspieler (wie z.B. Timothy Dalton, der sich für die Rolle aber noch zu jung hielt) mit Sicherheit besser ausgefallen wäre, ist er dennoch ein wirklich großer Film. Denn abgesehen von der Lazenby - Fehlbesetzung stimmt hier im Grunde alles: Die Story, der Schurke, das Bondgirl und nicht zu vergessen die atemberaubenden Actionszenen, die wieder einmal neue Maßstäbe setzten. Die spektakulären Ski - und Bob - Verfolgungsjagden im letzten Drittel des Films, für die Skispezialist Willy Bogner jr. und einige Olympiateilnehmer verantwortlich waren, lassen dem Zuschauer auch heute noch den Atem stocken - so etwas hatte es bis dahin noch nie auf der großen Leinwand zu sehen gegeben. Aber es gibt noch weitere Highlights, wie z.B. ein Stock Car - Rennen und den Showdown, der an einen Men On A Mission - Kriegsactioner erinnert und in dem  Blofelds Festung in bester Das Dreckige Dutzend - Manier in Stücke geschossen und gesprengt wird . Hunt erwies sich hier als sicherer Action - Regisseur.

Peter Hunt kommt es in seinem ersten und einzigen Bond allerdings nicht nur auf die Action an. Im Gegensatz zu Feuerball (1964) und Man Lebt Nur Zweimal (1967) hat Hunt die Anzahl der Actionszenen ein wenig reduziert, diese aber gut über den Film verteilt. Dafür legt er etwas mehr Wert auf die Geschichte des Films, die wirklich viel versprechend ist und dem titelgebenden Roman von Ian Fleming ziemlich nah stehen soll. Neben der Jagd auf Blofeld steht auch die Beziehung zwischen Bond und Tracy (Diana Rigg) im Vordergrund. Schade nur, dass Lazenby in dieser Romanze nicht halb so glaubwürdig wirkt wie die großartige Diana Rigg. Wie man sich als Bond glaubwürdig verliebt, zeigte Daniel Craig 37 Jahre später in Casino Royale ... Gekrönt, oder besser gesagt beendet wird der Film vom wohl erschütterndsten Finale der Serie. Das Eheglück zwischen Bond und Tracy wird brutal von Blofeld (brillant und mit diabolischem Charisma von Telly Savalas verkörpert) zerstört. In der wirklich bewegenden Schlussszene lässt Lazenby dann doch noch etwas schauspielerisches Können aufblitzen. Bis heute hat dieses Ende nichts von seiner Wirkung verloren.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät ist einer meiner Lieblings - Bond - Filme, der aber immer mit dem Makel des fehlbesetzten Hauptdarstellers leben muss, auch wenn das George Lazenby gegenüber sehr böse klingt. Obwohl der Film weltweit über 64 Millionen Dollar eingespielt hatte (bei einem Budget von sechs Millionen), galt er als Flop, weil die Connery - Bonds erfolgreicher waren. Das dürfte auch ein Grund sein, warum Peter Hunt, der hier einen tollen Job gemacht hat, keinen weiteren Bond mehr drehte, bzw. drehen durfte. Auch George Lazenby, der damals angab, den ihm angebotenen Siebenjahresvertrag aufgrund der Ratschläge von Freunden nicht unterschrieben zu haben, wurde in Wahrheit gefeuert, da man ihn für das enttäuschende Einspielergebnis verantwortlich machte. Irgendwie erinnert mich George Lazenby an (Ex-) Iron Maiden - Sänger Blaze Bayley, der ebenfalls die Nachfolge eines übermächtigen Vorgängers, Bruce Dickinson, antreten musste, dieser Aufgabe nicht gerecht werden konnte und - trotz aller Bemühungen - durch seinen Vorgänger ersetzt wurde. So ging es auch George Lazenby ... im nächsten Bond - Streifen Diamantenfieber (1971) stand wieder sein Vorgänger Sean Connery vor der Kamera.

Nichtsdestotrotz: Im Geheimdienst Ihrer Majestät ist ein Klassiker!                                  9,5/10

 

 

9/10
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Kommentare

20.06.2015 18:26 Uhr - Dissection78
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Sehr gut! Vielleicht würde ich Lazenby etwas weniger harsch beurteilen, aber im Großen und Ganzen empfinde ich es genauso wie Du. IHMSS sehe ich neben den ersten vier Connery-Filmen als bestes Bond-Werk. Definitiv ein Schwan :)

20.06.2015 18:40 Uhr - Punisher77
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Danke für Dein Lob :-)!
Wie ich schon sagte - mein Urteil gegenüber Lazenby mag durchaus etwas hart und gemein sein, aber ich empfinde ihn hier einfach als störend. In dem Giallo "Who Saw Her Die?" dagegen war er super!

20.06.2015 18:48 Uhr - Kable Tillman
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Deiner wie gewohnt herausragenden Filmkritik kann ich mich bedenkenlos anschließen, denn auch für mich ist "James Bond 007 - Im Geheimdienst ihrer Majestät" eines der besten Abenteuer des smarten Geheimagenten, aber VORSICHT: Dein Review darf man unter keinen Umständen lesen, wenn man den Film noch nicht gesehen hat! Das Ende zerreißt mich jedesmal. :'-(



20.06.2015 18:57 Uhr - Punisher77
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Danke, Kable!
Hab´ jetzt noch `ne zusätzliche Spoilerwarnung geschrieben, da man den Film unmöglich ohne sein Ende besprechen kann.

20.06.2015 19:45 Uhr - Tom Cody
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Wieder eine exquisite Punisher-Rezension - diesmal zu einem meiner absoluten Favoriten unter den Bondfilmen (möglicherweise sogar DER Favorit !).
Bond at his best - Diana Rigg, Telly Savalas, die geniale Location, die Finalschlacht auf dem Schildhorn, die Willy Bogner-Szenen, das Ende des Films, der John Barry-Soundtrack...bis auf ein paar Abzüge wegen Lazenby schlichtweg perfekt.
Das Restaurant "Piz Gloria" (das damals gebaut wurde) kann man ja auch heute noch besuchen (wenn ich nicht ganz falsch liege).

"Dafür legt er etwas mehr Wert auf die Geschichte des Films, die wirklich viel versprechend ist und dem titelgebenden Roman von Ian Fleming ziemlich nah stehen soll." - Stimmt. Ich habe mal "Goldfinger" gelesen und war nicht sonderlich angetan. Zudem gab es bei der Verfilmung damals auch schon erhebliche Abweichungen. Hier hat man sich tatsächlich ziemlich an die Vorlage gehalten. Ich meine mich zu erinnern, dass sogar die Szene mit der Schneefräse im Buch vorkam.

In der Szene, in der "Ruby" heimlich ihre Zimmernummer "Sir Hillary" mit Lippenstift auf den Oberschenkel schreibt, hatte die Crew Lazenby vor der Aufnahme eine (warme) Bockwurst um den Schenkel gebunden. Zur großen Überraschung blieb Angela Scoular aber absolut cool und sagte erst hinterher zu Lazenby "Du trägst ja überhaupt keine Unterhosen!"

20.06.2015 20:36 Uhr - deNiro
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Schönes Review, nicht überfrachtet mit unnützen Informationen und gerade deshalb schön zu lesen.

Auch ich würde Lazenby nicht unbedingt als Fehlbesetzung bezeichnen, ich mag seine Bond Interpretation sehr gern, auch wenn er natürlich nicht an Connery ran kommt, aber auch nicht kann.

20.06.2015 21:18 Uhr - NoCutsPlease
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Interessante und sehr gelungene Kritik, Mr. Castle! Wie immer, seitdem ich dein Schaffen verfolge.
Schön mal wieder etwas von dir zu lesen.

21.06.2015 09:25 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Rückmeldungen :-).

@Tom:
Nette Zusatzinformationen :-).
Bei den Bond - Filmen ist es häufig so, dass man nur den Titel, die Namen und ein Minimum an Handlung von den Romanen übernommen und den Rest weggeschmissen hat. Ein Grund war z.B., dass viele Dinge, die Fleming sich ausgedacht hat, zu "unrealistisch" sind. In dem von Dir angesprochenen "Goldfinger"-Roman sollte das Gold aus Fort Knox gestohlen werden - der Abtransport des Goldes hätte mit den damaligen Mitteln aber angeblich mehrere Wochen gedauert. Also beschloss man, das Gold atomar zu verseuchen.

Ein anderer Grund waren die Schauwerte. Im Roman sollte Bond mit einer Kreissäge in zwei Hälften zerteilt werden. Das war den Filmemachern jedoch zu unspektakulär, weshalb man den Laser einsetzte.
So wurde das jedenfalls in einem "Goldinger" - Making Of erklärt.

21.06.2015 19:39 Uhr - leichenwurm
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Punisher... verdammt gute Arbeit zu einem Bond-Film den ich... Achtung jetzt kommt es.... BIS HEUTE NIE GESEHEN HAB !!! Ich weiß, Asche auf mein Haupt und so... aber irgendwie hab ich diesen Teil nie auf der Pfanne wenn ich ma Bock hab mich mit James Bond zu beschäftigen... ;-) ! Aber ich denke irgendwann werd ich den wohl auch ma sichten MÜSSEN... ganz bestimmt....versprochen ;-D !!!

21.06.2015 22:14 Uhr - NICOTERO
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Einer meiner absoluten Lieblinge unter den klassischen Bonds.
Klasse Review. DAS WÄHRE DEM ANDEREN NICHT PASSIERT...
@ Tom Cody
Salute!:)
Jupp, das Restaurant im schönen Berner Oberland hat geöffnet! Es dreht sich sogar immer noch...;)!

22.06.2015 07:30 Uhr - Angertainment
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Gute Kritik für ein zu Unrecht zerrissenes Werk.

23.06.2015 22:00 Uhr - Dr. Jones
Für die Sychro auf G.Lazenby hat man G.G. Hoffmann weiter als Sprecher beibehalten um möglicherweise die Kontinuität zu Connery zu wahren oder zu simulieren .

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