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Der Profi

(Originaltitel: Professionnel, Le)
Herstellungsland:Frankreich (1981)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,78 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Der französische Geheimagent Joss Baumont soll den afrikanischen Diktator Njala töten. Doch bevor er seine Mission vollenden kann, ändert sich die politische Lage und Njalas Tod ist nicht mehr erwünscht. Verraten von seinen eigenen Auftraggebern, gelingt Joss nach zwei qualvollen Jahren in Gefangenschaft die Flucht. Zurück in Frankreich hat er nur noch einen Plan: Aus Rache an seinen Vorgesetzten will er seinen damaligen Auftrag trotzdem ausführen
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                 DER PROFI

Im Jahr 1980 beging Jean - Paul Belmondo sein 25jähriges Kinojubiläum und stand kurz davor, seinen sechzigsten (!) Spielfilm zu drehen. Dieser Film sollt etwas ganz Besonderes werden: eine Verfilmung seines Lieblingsromans Death Of A Thin - Skinned Animal von Patrick Alexander. Im Gegensatz zu den vielen Filmen, in denen sich Belmondo als Actionstar und Abenteurer mit komödiantischen Zügen präsentiert hatte, sollte die ernste, düstere Geschichte des Romans auch genauso verfilmt werden. Viele von Belmondos Freunden und Geschäftspartner fürchteten, er könne damit die Fans, die ihn wegen seiner Actionkomödien liebten, verlieren, aber "Bebel" hielt an dem Projekt fest, nahm aber kleine Veränderungen vor - so machte er aus der Hauptfigur, dem Briten Richard Abbott, den Franzosen Joss Beaumont.

Der titelgebende Profi ist der französische Agent Joss Beaumont, der einen afrikanischen Diktator liquidieren soll. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich das politische Klima. Anstatt Beaumont zurückzupfeifen, überlässt man ihn dem Feind, der ihn zu lebenslanger Haft in einem Zwangsarbeitslager verurteilt. Nach zwei Jahren kann Beaumont fliehen und nach Paris zurückkehren. Er kündigt dem französischen Geheimdienst an, er werde seinen alten Auftrag während eines dreitägigen Staatsbesuch des Dikators ausführen. Damit beginnt ein nervenaufreibendes Duell zwischen dem Profi und der französischen Staatsmacht. Als Beaumonts härtester Gegner entpuppt sich dabei der kaltblütige Inspektor Rosen (Robert Hossein)...

Der Profi, inszeniert von Georges Lautner, zählt zu den besten Werken in Jean-Paul Belmondos Schaffen, u.a., weil er sich von zahlreichen seiner Actionfilme und Komödien der 70er Jahre abhebt. Obwohl er (zumindest in der deutschen Synchronfassung) so manch coolen Spruch auf den Lippen hat und oft die Fäuste fliegen lässt, ist Joss Beaumont keineswegs der gutgelaunte Draufgänger und Frauenheld, den er in vielen anderen Streifen gespielt hat. Joss Beaumont ist ein betrogener Einzelgänger, der durch den Verrat seiner Auftraggeber all seine früheren Werte und Moralvorstellungen verloren hat. Auch wenn er leicht zu seinem früheren Leben mit Frau, Freunden und Kollegen zurückkehren könnte, hält Beaumont verbittert an seiner Mission fest - auch wenn sie für ihn den sicheren Tod bedeutet. Der ehemalige Geheimdienstler ist sich zu jeder Filmminute bewusst, dass er sich auf einem Himmelfahrtskommando befindet. Einmal - in einem Gespräch mit Journalisten - kokettiert Beaumont sogar mit seinen Todesgedanken. Es scheint ihm gar nicht wichtig zu sein zu überleben - am unerträglich spannenden Ende des Films läuft er z.B. ohne Hast auf den rettenden Helikopter zu, wohl wissend, dass ihn in jeder Sekunde tödliche Schüsse treffen können. All diese Facetten spielt Belmondo absolut glaubwürdig und es ist wirklich erfrischend, ihn mal wieder in so einer Rolle zu sehen als in einer weiteren, routinierten Actionkomödie wie Der Puppenspieler (1980).

In Der Profi hat Belmondo einen absolut würdigen Gegner, was auch nicht immer der Fall war. Besetzt wurde die Rolle seines Gegenspielers mit Robert Hossein, den man z.B. aus dem Western Friedhof Ohne Kreuze (1969) kennt. Der von ihm dargestellte Inspektor Rosen verströmt den Charme eines Eisblocks und ihm ist jedes Mittel recht, um Beaumont auszuschalten. Äußerlich ist er ruhig, kalt und arrogant, aber seine seltenen, plötzlichen Wutausbrüche machen ihn unberechenbar und bedrohlich. Ein Höhepunkt des Films ist das äußerst spannend inszenierte Duell zwischen ihm und Beaumont, das in bester Western - Manier ausgefochten wird.

Außerdem ist Der Profi ein spannend inszeniertes Katz - und - Maus - Spiel mit einigen interessanten Wendungen und ein paar effektiv platzierten Actionszenen. Der diesbezügliche Höhepunkt ist eine spektakuläre Autoverfolgungsjagd, die u.a. über die berühmten Treppen des Trocadero vor dem Eiffelturm führt.

Der Profi ist ein durchweg sehenswerter Actionthriller mit einer melancholischen Note, die durch Ennio Morricones Musik (besonders durch den Song Chi Mai) unterstrichen wird. In Frankreich lockte der Film über fünf Millionen Zuschauer in die Kinos und auch in Deutschland war der Film ein großer Erfolg. Allerdings kehrte Belmondo mit seinem nächsten Film Die Glorreichen (1982) wieder zur Actionkomödie zurück.

 

9/10
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Kommentare

23.06.2015 16:37 Uhr - Q. Tarantino
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Sehr gute Kritik.

23.06.2015 19:44 Uhr - Tom Cody
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Sehr schöne Kritik zu einem von Bebels besten Filmen.
"Der Profi" war übrigens damals die erste VHS, die ich mir ausgeliehen hatte (neben "Für ein paar Dollar mehr"). Die geniale Titelmelodie von Ennio Morricone höre ich immer wieder gern und ist offensichtlich auch heute noch eine der Favoriten des Meisters (wie man vor drei Monaten beim letzten Morricone-Konzert erfahren durfte)
Ich wusste auch nicht, dass die Story auf einem englischen Roman beruht. Vielleicht sollte ich das Ding mal lesen...

23.06.2015 23:06 Uhr - NoCutsPlease
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Ja, der Pannischer haut immer gute und informative Kritiken raus, die lohnen sich stets gelesen zu werden!

24.06.2015 00:02 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, Leute! Freu´ mich über Euer Feedback :-)!!

@Tom:
Du warst bei Ennio Morricone? Oh, wie ich Dich beneide ...

24.06.2015 10:12 Uhr - Stoi
Als DER PROFI rauskam, fand ich ihn genial, heute hat er etwas an Faszination und Qualität verloren. Ist aber im Vergleich zu dem vielen Müll, den Belmondo gemacht hat, immer noch einer seiner besten.

24.06.2015 15:51 Uhr - cecil b
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Spitze!

Mich überrascht, dass ich mich nun für diesen Belmondo-Film interessiere. Weil er offensichtlich eine sehr interessante Figur spielt.

01.07.2015 17:24 Uhr - JasonXtreme
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Ich liebe Bebel seit meiner Kindheit, schon da mein Vater grosser Fan war. Ich liebe ebenso Morricones Schaffen - das zusaamen kriegt von mir ebenso eine subjektive 10 out of 10. Klar kann die heutige Jugend mit so was nix mehr anfangen, aber der Streifen ist ganz ganz groß. Die Flucht von Joss, das Duell, das Ende... Einfach alles, gekrönt von Chi Mai

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