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Dishonored: Die Maske des Zorns

(Originaltitel: Dishonored)
Herstellungsland:Frankreich (2012)
Standard-Freigabe:USK 18
Alternativtitel:Dishonored: Definitive Edition (PS4/One Portierung)
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,13 (8 Stimmen) Details
inhalt:
Dishonored: Die Maske des Zorns ist ein spannungsgeladener Action-Thriller in beklemmend realistischer Ego-Perspektive, in dem Sie in die Rolle eines Assassinen mit übernatürlichen Fähigkeiten schlüpfen. Entehrt als Gardist der Kaiserin und getrieben durch das flammende Gefühl des Verrats, befinden Sie sich auf einem unerbittlichen Rachefeldzug.
eine kritik von jim:
Titel: Dishonored
System: PC
Genre: First Person Stealth
Beendet: 15.10.2012

~Honor & Blood~
Ein dunkler Schatten liegt über der Stadt Dunwall. Corvo, seines Zeichens Leibwache der Herrscherin Kaldwin und ihrer Tochter, kehrt nach einer Reise zurück ins Reich. Er sollte etwas gegen die von Ratten übertragene Plage finden die Dunwall gerade heimsucht und ins Chaos stürzt, doch alle anderen Länder können auch nicht helfen. Kaum ist er wieder daheim wird die Königin jedoch vor seinen Augen erstochen und Emily entführt - aufgrund der übernatürlichen Fähigkeiten der Attentäter kann Corvo nichts ausrichten. Umgehend wird er für die Tat beschuldigt und zum Tode verurteilt. Nur wenige Stunden vor der Vollstreckung wird er von dem Widerstand gegen das neue, totalitäre Regime befreit und es beginnt ein Kampf darum die Person auf den Thron zu setzen, die dort hin gehört - Emily Kaldwin. Doch erst einmal muss sie wiedergefunden und ein paar hochranginge Regierungsangehörige aus dem Weg geräumt werden, damit der High Overseer gestürzt werden kann.


~Show, don't tell~
Freunde von Spielen wie "Thief" werden in "Dishonored" aufgehen. Der Titel belohnt eindeutig das schleichen und leise, nicht tödliche Vorgehen gegenüber dem simplen Rambo Prinzip. Besonders am Anfang hat man noch echte Probleme wenn man sich mehreren Gegnern parallel stellen will. Zwar wachsen die Möglichkeiten zum Morden stetig - Corvo hat ein gut bestücktes Waffenarsenal und dazu fünf übernatürliche Fähigkeiten - doch Möglichkeiten um Feinde nicht tödlich auszuschalten sind bis zum Ende gering: Gegner von hinten bewusstlos würgen (dafür muss man sehr nahe an sie ran ohne bemerkt zu werden) oder Betäubungspfeile. Natürlich können betäubte Gegner wieder geweckt werden. Feinde dagegen direkt zu töten ist wesentlich einfacher, einfach weil es mehr Waffen gibt die dazu dienen. Es ist sogar möglich einfach einen Schwarm Ratten zu beschwören, welche sich auch gleich um die Leiche "kümmern".
Letzten Endes geht es aber eigentlich immer um eine Zielperson. Ob man diese nur neutralisiert oder tötet überlässt das Spiel dem Spieler selbst. Es gibt eigentlich immer eine Option eine Zielperson auch nicht tödlich aus dem Spiel zu entfernen. Zwar sagt das Spiel das dies weniger finster ist, dies ist jedoch nicht wirklich der Fall. So muss man zum Beispiel die Geliebte eines Hochrangigen Politikers erledigen. Auf dem Maskenball spricht ein Mann den Spieler an und bittet ihn die Frau nicht zu töten, denn er würde sie lieben. Man soll sie nur betäuben und zu ihm bringen, er würde dafür Sorge tragen das sie der Revolution nie wieder Ärger bereiten würde. Die letzten Worte des Mannes, während er mit der bewusstlosen Frau davonfährt: "Sie wird schon noch lernen mich zu lieben. Immerhin hat sie den Rest ihres Lebens dazu Zeit."
Auch in jeder Mission gibt kleine Nebenaktivitäten. Dabei kann man Runen oder Talismane finden. Mit Runen kann man weitere magische Fähigkeiten freischalten oder eine freigeschaltete Fertigkeit upgraden (jede Fertigkeit verfügt über zwei Stufen - darüber hinaus gibt es noch vier Buffs die man über das Runen System aktivieren kann, sodass man z.B. weniger Fallschaden nimmt). Talismane aktivieren kleine Buffs, z.B. das Tränke mehr Heilung bieten oder Feinde öfters verfehlen. Sowohl Runen wie auch Talismane muss man sich entweder durch kleine Sidequests verdienen oder im Level finden. Dabei hilft ein Herz, welches als eine Art Sonar fungiert. Wirklich interessant ist die Sekundärfunktion: deutet man das Herz auf eine Figur und aktiviert es, sagt es einem Dinge über diese Person. Über den Anführer der Revolution erfährt man so zum Beispiel: "Er hat schon Menschen und Wale geötet - beides für Profit und Vergnügen". In diesem Momenten fühlt sich das Spiel wirklich "lebendig" an. Leider geschieht die restliche Zeichnung des Universums primär über Bücher die man finden und lesen kann. Gelegentlich kann man auch Gespräche überhören und der Art-Style des Spiels tragen natürlich auch dazu bei, aber all das wirkt einfach etwas steif und veraltet. Andere Dinge werden hingegen einfach so gut wie gar nicht beleuchtet, wie der mysteriöse Outsider, welcher Corvo die magischen Fertigkeiten verleiht und generell eine Art Sagengestalt in der Welt von Dishonored zu sein scheint. Waffenupgrades und Munition hingegen kann man sich beim hiesigen Erfinder Piero im HQ der Revolution kaufen. Geld und Dinge die Geld wert sind findet man über das Level verstreut und selbst wer nicht sehr stark danach sucht kann sich gegen Ende des Spiels doch die meisten Upgrades leisten.

Das Gameplay selbst ist nicht perfekt, aber belohnt wie gesagt leises und nicht tödliches Vorgehen. Mordet man viel sorgt dies für mehr Wachen und Ratten (welche auch den Spieler angreifen können) im kommenden Level. Dummerweise hat das Gameplay einige Haken die es einfach zu leicht machen. Wenn man hinter einer Deckung ist kann man dahinter hervorlugen und wird dann so gut wie nie von Gegnern entdecken, selbst wenn man wirklich lange auf einen Gegner starrt der direkt auf einen zumarschiert kommt. Das allein macht die Schleicheinlagen teils extrem einfach. Die magischen Fertigkeiten können es ebenfalls möglich machen das man wirklich mühe- und gefahrlos von A nach B kommt. Effektiv bietet das Spiel aber sowohl dem Rambo wie auch dem Schattenläufer mehrere Pfade und Wege die er einschlagen kann - welchen er davon wahrnimmt ist eine Sache. Das es aber einfach keinen "falschen" Weg gibt sorgt dafür das es sich immer belohnend anfühlt. Und zwar ist man in der Lage Alarmanlagen oder Wachtürme zu deaktivieren, aber wieso man ausgerechnet keine Lampen kaputtschießen kann - ausgerechnet in einem Stealth Spiel - ist ein absolutes Rätsel.


~Knietief im Matsch~
Die Optik von Dishonored ist nicht schlecht, aber gerade bei einem Stealth Spiel wo man oft an Wände gepresst ist sollte über knackig scharfe Texturen verfügen. Dies ist bei Dishonored einfach leider nicht der Fall und die Wände sehen oft aus der Nähe hässlich und matschig aus, was das Spielvergnügen doch das ein oder andere Mal trüben kann. Die Optik des Spiels orientiert sich sehr deutlich am Steampunk Setting, durch und durch. Lediglich die Assasine fallen hier etwas aus dem Rahmen, sie wirken eher so als wären sie dem S.T.A.L.K.E.R.-Universum entkommen. Alles in allem wirkt der Art-style aber durchgängig und passend für die ansich finstere Welt.

Der Sound hingegen ist richtig großartig. In den Kanälen hört man Ratten quietschen, das Fleisch einer Leiche gibt schmatzend-feuchte Geräusche von sich wenn es von einem Rudel Ratten zerfressen wird und Feinde röcheln überzeugend, wenn man sie von hinten würgt um sie anschließend in einem quietschenden Müllcontainer zu verstecken. Die des öfteren eingestreuten Musikstücke passen zu Situation und Setting und das Voice-Acting ist ebenfalls durch und durch top gelungen (englische Synchronisation). Nicht jeder Satz ist immer 1A geschriebenes Gold, vor allem die gute Emily Kaldwin gibt teils sehr seltsame Sprüche von sich, aber das ist verschmerzbar. Den Preis für die definitiv beste Stimme geht aber auch hier wieder an "das Herz", welches gleichermaßen besänftigend und selbst doch stark verängstigt klingt.
Sehr ärgerlich ist das Corvo selbst durchgäng still bleibt. Zwar kann man in einigen Dialogen Antwort-Optionen wählen, diese sind aber in der Regel für die Story absolut irrelevant. Ein wenig mehr (hörbare) Interaktion für den Spieler hätte hier gut getan, so bleibt Corvo leider am Ende ein wenig farblos.

Die Bedienung läuft weitesgehend so ab wie man sie von anderen Ego Shootern kennt. Vielleicht etwas ungewöhnlich ist es das keine Waffe einen zweiten Feuermodus hat, sondern das man immer "Dual Wielding" ist. Corvo trägt zu jeder Zeit sein Kurzschwert in der einen und eine andere Waffe (oder magische Fertigkeit) in der anderen Hand. Das kann zu Beginn ein wenig verwirrend sein, man gewöhnt sich aber schnell daran.


Fazit
~Mission accomplished~
Die Story von Dishonored ist letzten Endes wenig überraschend, verläuft dafür aber erfreulich flott und gradlinig voran. Dennoch bleibt genug Zeit um einen Eindruck von der Welt zu kriegen in der man herumläuft. Am Ende des Tages ist die Frage wichtig: macht "Dishonored" Spaß? Ja. Ja, macht es. Zumindest wenn man schleichen und Heimlichkeit mag. Rambos werden mit dem Titel eher weniger Freude haben, vor allem da das Kampfsystem auch nicht immer ganz sauber läuft, aber für die Leute die gerne hinterrücks spielen ist der Titel fast durchgehend ein Genuss. Das Spiel ist beiweitem nicht ohne Schwächen und für einen Vollpreistitel auch ein wenig kurz geraten, aber wer das Genre mag wird wohl auf seine Kosten kommen. Ein mehrfaches Durchspielen lohnt ebenfalls, wenn auch leider nur in marginalem Ausmaße was die per se lineare Story angeht. Alles in allem aber gibt es einen Daumen nach oben - es war ein schöner Trip durch die Schatten einer Stadt im Verfall.
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