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Harte Ziele

Originaltitel: Hard Target

Herstellungsland:USA (1993)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Harte Ziele - Allein gegen alle
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,87 (192 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

New Orleans: Einige der reichsten Millionäre vertreiben sich ihre Zeit auf besondere Art. Sie machen Jagd auf Obdachlose. Ein tödliches Spiel, bei dem es für die Opfer keine Chance gibt. Auf der Suche nach ihrem Vater gerät die junge Natasha in die Schusslinie und trifft einen geheimnisvollen Fremden, der den Kampf aufnehmen will. Sein Name ist Chance Boudreaux. Harte Ziele - und ein noch härterer Jean Claude van Damme. In dem atemberaubenden Action-Thriller von Star-Regisseur John Woo. (Universal)

eine kritik von argamae:

Zuallererst einmal: drei Drehkicks in die Gesichtsmatratze und eine Ladung Blei in den Bauch des Redakteurs, der aus dem englischen Titel "Harte Ziele" gemacht hat. Meine Fresse, da geht mir echt jedesmal die Hutschnur hoch, wenn ich das lese. Von den verschiedenen Bedeutungsinhalten des englischen Adjektivs "hard" - u.a. "schwierig" - war augenscheinlich niemandem etwas bekannt, oder wie? Und wenn man hier schon einen Film "über" JCvD macht, warum muss dann noch aus dem Singular ein Plural werden? Ein Rätsel der Filmgeschichte Deutschlands... So, ich habe fertig (und werde rein aus Protest von nun an nur den engl. Originaltitel verwenden).

Als Hongkong-Action-Ikone John Woo in die USA ging, um dort Filme zu drehen, waren die Erwartungen groß - zumindest bei denen, die ihn schon kannten und schätzten. Das der amerikanische Markt und das dortige MPAA-Gremium (Motion Picture Association of America) in Sachen Zeigefreudigkeit allerdings anders gestrickt waren als in seiner Heimat, fand Woo mit seinem Erstlingswerk HARD TARGET bald heraus. Mehrmals mußte er seine knallharte Kick-&-Gun-Symphonie umschneiden und kürzen, um dort die Altersfreigabe "R - Rated" zu bekommen (ein Muss für den Ma$$enmarkt).
Mittlerweile aber ist HARD TARGET in der Unrated-Fassung auf Blu ray erschienen, die zwar immer noch leicht gekürzt, aber deutlich knackiger daher kommt und nun würdig gefeiert werden kann. In Sachen Gewaltexzesse weit entfernt von den "heroic bloodsheds" seiner HK-Werke ("Hard-boiled", "Bullet in the Head" oder "The Killer"), aber Woos Handschrift ist im Film deutlich zu erkennen und für Indizierungen hat's auch gereicht.

HARD TARGET hält bei genauerer Betrachtung an vielen Stellen der Logik nicht stand. Ob das die stets menschenleer wirkenden Straßen von New Orleans sind, das mit einer einzigen Ausnahme völlige Fehlen von Ordnungshütern trotz übelster Schießereien inmitten der Stadt, die Zulassung extrem explosionsgefährdeter Personenkraftwagen oder warum Matrosen derart intensiv in Kampfsport und Heimlichkeit geschult werden.
Aber selbstverständlich - ihr ahnt es schon - ist das alles vollkommen Wumpe. Denn wenn HARD TARGET erstmal in Fahrt gekommen ist, hält er bis zum Inferno-Finale nicht mehr an. Diese Aneinanderreihung von Gewalt, Feuer und Schmerz vor dem Hintergrund der südstaatlichen Häuser und Bayous ist virtuos gefilmt und mit Woos Zeitlupen-Optik perfekt abgeschmeckt. JCvD ist hier sehr gut in Szene gesetzt, überzeugt nicht nur wie gewohnt mit seinen Martial-Arts-Künsten, sondern kann auch als waffenschwingender Akrobat punkten. Seine Gegner sind mit blutigen Einschüssen und verdrehten Gliedmaßen zum Sterben schön anzuschauen, wenn sie im Mündungsfeuer aus zwei Kurzwaffen durch Flammenwände oder in Explosionen und berstende Glasscheiben hindurch ihr Leben lassen.

Kommt der Cast da noch mit? Oh ja! Die weibliche Rolle besetzt Yancy Butler ("Kick-Ass"), die schmollmündig die Unschuldstochter mimen darf und gegenüber den männlichen Parts ziemlich unauffällig bleibt. Dafür rocken Arnold Vosloo ("Die Mumie") und Lance Henriksen ("Alien", "Millenium") als rabiate und eiskalte Menschenverächter. Besonders Henriksen spielt schlichtweg genial und darf sich ein erinnerungswürdiges Finale mit JCvD liefern. Unser Belgier macht seine Sache ebenfalls sehr gut, wenn man ihm auch die Rolle als Gelegenheits-Seemann nicht recht abnehmen mag und seine geölte Vokuhila-Matte Erinnerungen an "New Kids" weckt.

HARD TARGET zelebriert trotz einiger Schwächen im Drehbuch das Actionkino auf extrem unterhaltsame Weise und zeigt, warum John Woo die größten Cojones hat, wenn es um Bleigewitter-Zeitlupe und Explosionen geht. Dies sollte er mit vielen seiner Folgefilme aus der US-Schaffenszeit (z.B. "Face/Off") immer wieder unter Beweis stellen. Für mich ein Muss-Film.

9/10
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Kommentare

16.07.2015 21:12 Uhr - NoCutsPlease
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Der italienische Titel (Senza Tregua = Ohne Atempause) passt trotz der stärkeren Abweichung zum Originalnamen eindeutig besser als der deutsche, denn so würde ich auch den Film am ehesten beschreiben. Obwohl er mit sämtlichen Eigenheiten des Action-Kinos inflationär umgeht und damit die Grenzen jeglicher Glaubwürdigkeit auslotet, unterhält er doch immer wieder aufs Neue!

Sehr gute Kritik in deinem lockeren Stil, der trotz der Kurzfristigkeit ja schon fast zum Markenzeichen geworden ist. ;-)

17.07.2015 10:45 Uhr - Stoi
3x
Das schlimmste an dem Film ist JVDs Frisur.

17.07.2015 11:34 Uhr - JasonXtreme
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Geiler Film, geile Kritik - gewohnt guter Schreibstil!

19.07.2015 21:45 Uhr - sonyericssohn
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Cool !

Trotzdem finde ich mein Review hierzu noch cooler ! :-D

Komm, lass dich ned verarschen...schon gar nicht von mir ! Go on !

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