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American Guinea Pig: Bouquet of Guts and Gore

Herstellungsland:USA (2014)
Genre:Horror, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,54 (13 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Mutter und ihre erwachsene Tochter werden auf dem Nachhauseweg von einem Maskierten entführt. Ihre Endstation befindet sich in einer Lagerhalle, in der sie unter Drogen gesetzt und zu Tode gefoltert werden. Kameramänner filmen das Ganze, denn die Frauen sind Opfer einer Snuff-Film Produktion.
eine kritik von hudeley:

American Guinea Pig: Bouquet Of Guts And Gore

Als Unearthed Films Lableboss Stephen Biro 2014 verkündete, ein amerikanisches Reboot der berüchtigten, auf sechs Teile angewachsenen "Guinea Pig" Reihe zu machen, war die Vorfreude der Fans groß. Bis heute zählt vorallem Teil 2 der asiatischen Splatter Kurzfilmreihe, "Flowers Of Flesh And Blood", zu dem Abartigsten, was jemals gedreht wurde. Auch die anderen Teile, "The Devil's Experiment", "He Never Dies", "Mermaid In A Manhole", "Android Of Notre Dame" und "Devil Woman Doctor" (das Best Of "Slaughter Special" sei an der Stelle mal ausgeklammert), sind in ihrer Brutalität nicht zu verachten, obgleich das Aushängeschild auf Ewigkeiten der zweite Teil bleiben wird. Alleine schon aus dem Grund, weil Charlie Sheen auf einer Party in den 90ern den Film zu sehen bekam und ihn umgehend dem FBI meldete. Den Umstand möchte ich an der Stelle allerdings nicht auf seinen möglicherweise benebelten Geisteszustand schieben - vielmehr ist "Flowers Of Flesh And Blood" in der Tat ein Film, der als realer Snufffilm daherkommen wollte und es offensichtlich geschafft hat.
Okay, genug gesabbelt: Hält Teil 1 des amerikanischen Reboots die Erwartungen? Ja. Und er übertrifft sie:

Zunächst einmal sollte eben diese Erwartungshaltung erläutert werden: "Bouquet Of Guts And Gore" ist kein Film, für den "normalen" Horrorfan. Hier gibt es keine Handlung und keine Moral. Es gibt keine Elemente der Spannung, untermalende Musik, schöne Aufnahmen oder sonstige Kunstgriffe, die einen Film künstlerisch wertvoll machen. Hier wird nichts suggeriert oder durch Wegblenden dem Zuschauer bloß angedeutet (wie es beispielsweise bei "Grotesque" noch der Fall war) - "Bouquets Of Guts And Gore" hält die Kamera 72 Minuten stoisch aufs Geschehen und ja, hier werden einige an ihre Ekelgrenze kommen.
Somit kann ich den Film nur als das bewerten, was er ist: Ein Film, der nur Gewalt zeigen möchte.

Müsste ich Vergleiche zu anderen Pseudosnufffilmen ziehen, so würde ich behaupten, dass hier "Last House On Dead End Street" auf "Flowers Of Flesh And Blood" trifft, möglicherweise mit einer Prise "Tumbling Doll Of Flesh" abgeschmeckt. Das Produktionsteam ist mit ihren Kameras in vielen Einstellungen zu sehen, während sie dem Folterer mit Baphometen Maske Anweisungen zurufen, was mich hauptsächlich an Roger Watkins "Last House On Dead End Street" erinnert hat. Gefilmt wurde alles mit originalen Super 8 Kameras, weswegen das Bild entsprechend voller Artefakte und Bildrauschen ist. Soger Rollenwechsel in der Kamera ließ man im fertigen Film drin.
Die nacheinander stattfindenden Folterungen der beiden Frauen standen dafür sehr in der Tradition von "Flowers Of Flesh And Blood", da bei dem ersten Opfer, der Tochter, wirklich systematisch amputiert wurde. Ohne jedes Detail verraten zu wollen, aber absolutes Highlight ist die Szene, in der der Tochter mit einer Säge die Mundwinkel bis zum Kiefergelenk aufgerissen werden, man ihr anschließend den Kiefer herausbricht und ihn für den Rest des Filmes dort hängen lässt, während die Zunge heraushängt und noch zuckt. 
An der Stelle muss man auch dem Effektkünstler Marcus Koch gratulieren, den man wahrscheinlich am ehesten als Regisseur des meiner Meinung nach wirklich unterhaltsamen Slasher "100 Tears" kennt. Seine Frühwerke, interessanterweise beides Fakesnufffilme, "Snuff Perversions: Bizarre Cases Of Death" und "Shock 2000" kennt leider kein Mensch mehr. Was schade ist, denn die waren schon sehr kurios. Als Effektekünstler war er bisher recht oft an Seiten von Andreas Schnaas unterwegs oder am Set von Troma, doch so trashig diese Filme auch sein mögen - seine Arbeit in "Bouquets Of Guts And Gore" ist absolut realistisch. Klar, ein paar Einstellungen sind für den erfahrenen Horrorfan als Effekte schon zu erkennen, aber das stört nicht weiter. Denn der Film ist letzten Endes so ein gestörtes Brett an purer Gewalt, dass sowas nicht ins Gewicht fällt.

Am Ende gibt es dann noch den geschmacklosesten Twist aller Zeiten, bei dem ich mir sicher bin, dass er selbst viele Leute verstören wird, die den Film bis dato durchgestanden haben. Ohne es zu spoilern, aber so ein bösartiges Ende reinzupacken, ist mutig und etwas, was ich so noch nie gesehen hab. Für diese Konsequenz hat Mister Biro meinen Respekt. 

Okay, jetzt in aller Kürze: "American Guinea Pig: Bouquets Of Guts And Gore" ist genau der Einstand in die Reihe, den man sich als Fan der alten japanischen Filme erhofft hat. Mehr sinnlose Gewalt und Folter kann man nicht in einen Film reinpacken. Wieso trotzdem "nur" 7 Punkte? Das ist der Konkurrenz geschuldet. Folterfilme verlieren in der Masse bei mir schnell an Wirkung. Wer sich also von "August Underground" bis "Snuff 102" schon großzügig durch den Fakesnuff-Bereich gewütet hat und vergleichbare Filme aus der zweiten Reihe wie die "Sadi Scream" Teile und Konsorten kennt, der wird in "Bouquets Of Guts And Gore" nur wenig Neues entdecken. Aber ich weiß ganz genau, wie ich damals im frühen Jugendalter "Flowers Of Flesh And Blood" gesehen habe und kann mich noch gut an die Wirkung erinnern. Für all diejenigen, die sich im Foltergenre noch nicht auskennen, wird die "American Guinea Pig" Reihe wirklich ein Erlebnis werden! Alle anderen starten bitte jetzt einen Shitstorm über die Unnötigkeit solcher Filme und erwähnen bitte, dass sie prinzipiell ja nichts gegen harte Filme haben und Gegner von Zensur sind, aber gerade dieser (und natürlich der Serbe!) sie eklatant stören und sofort beschlagnahmt werden sollten. Die dritte Gruppe lehnt sich entspannt zurück und lässt sich von einem der wahrscheinlich blutigsten und gnadenlosesten Folterfilme der letzten Jahre berieseln, begeistern oder anekeln. Der Kreissaal ist geschlossen.


PS: Teil 2 ("Bloodshock") unter der Regie von Marcus Koch, wurde bereits angekündigt und ist sogar schon im Kasten!

7/10

7/10
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Kommentare

27.07.2015 01:07 Uhr - cecil b
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Ein toll verfasstes Review, welches den Film passend in dem Kontext bespricht, den Filme dieser Art angehören.

Thema: Sinnlose Gewalt im Film.
Welchen Sinn ergibt denn die fiktive Gewalt, wenn sie, in den Bud-Spencer-Filmen verherrlichend und als lustig dargestellt wird, bei Argento ästhetisch oder gar philosophisch, und in den Actionfilmen oft einfach zur unterhaltung dient? Für mich ist der Sinn immer der Gleiche: Sie soll Gefühle auslösen. Schon immer war die fiktive Gewalt ein Teil der Kunst. Fiktive Gewalt tut ja niemanden weh, und man muss sie sich nicht ansehen. Dass viele nicht die Gefühle mögen, die manche Filme in ihnen auslösen, ist verständlich und normal, aber niemand muss sich das angucken. :)

27.07.2015 01:38 Uhr - hudeley
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Danke Dir!

Zum Thema "sinnlose Gewalt"; ich sehe das ähnlich wie du.
Für mich fallen Filme (genau wie Musik, Games, etc.) im Grunde allesamt in die Kategorie "Unterhaltung". Und das fängt bei mir - wenn wir mal im Großraum Horror bleiben möchte - bei sinnlosem Gesuppe wie "Tokyo Gore Police" an, geht über Folterkram wie der oben Besprochene, bis hin zur Shockumentary. Egal wie die Gewalt beim Zuschauer wirkt, sei es belustigend (Braindead), gnadenlos überzogen (Hobo With A Shotgun), untermalend (... Of The Dead von Romero) oder brutal schockierend (August Underground), im Grunde schaut man es sich an, um unterhalten zu werden. Natürlich hat jeder seine eigenen moralischen Grenzen, aber ich für meinen Teil, fühle mich durch Fiktion nicht ethisch-moralisch angegriffen, weswegen ich im fiktiven Filmbereich für mich keine Grenzen kenne und auch gerne dazu stehe, mich von einem reinen Folterfilm prächtig unterhalten zu fühlen.

27.07.2015 02:06 Uhr - cecil b
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Im Kindergarten spielen sie nach, wie die böse Hexe in den Ofen gestoßen wird, nebenan betet jemand vor einem Kreuz, mit dem dargestellt wird, wie der Herr Jesus gekreuzigt wurde (beruht auf einer wahren Begebenheit ;)), und am Ende der Straße jubeln hunderte von Leuten, weil ein Boxer seinen Gegner K.O. geschlagen hat. Ich bin überzeugter Kriegsdienstverweigerer, und bei Ichi The Killer lache ich immer wieder.

27.07.2015 03:23 Uhr - hudeley
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Das sind gute Vergleiche und ich sehe es ähnlich. Das ist eine Doppelmoral und nichts weiter. Nur leider geht die Horrorszene sich ja teilweise schon selbst an den Kragen, wenn es um solche Filme geht. Da wundert mich es ehrlich gesagt dann auch nicht, wenn der Otto-Normal-Bürger sich über solch vermeintlich gefährlichen Streifen echauffiert, wenn man sich selbst vor Fans des Genres dafür rechtfertigen muss, "A Serbian Film" gut gefunden zu haben...

27.07.2015 09:18 Uhr - cecil b
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Wenn es dabei an Kreativität mangelt, dann kann mich fiktive Gewalt auch nerven. Weil sie dann schlichtweg platt ist, und so zweckorientiert wie massenhaft Geballer in manchen Actionfilmen, bei dem ich eher einschlafe.

27.07.2015 09:49 Uhr - Frank the Tank85
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Auch hier wirklich gute Arbeit. Auf Shitstorms wirst du bei den Review-Kommentaren aber vergeblich warten. Wir sind hier ja nicht in den Kindergartengruppen bei Facebook ;-)

27.07.2015 19:04 Uhr - Necron
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Die Review klingt mal interessant. "Flowers Of Flesh And Blood" hatte ich in der Vergangenheit mal durch puren Zufall gesehen. Krankes Zeug. Eine genauere Bewertung des ganzen passt nicht in meine gewohnten Filmskalen. Normalerweise gucke ich mir sowas nicht an, auch wenn es mich nicht groß schockt, aber nicht meine normale Art von Film wenn ich ehrlich bin. Wirklich nicht mein Genre.

Die Review von Bouquet Of Guts And Gore macht mich aber alle Mal neugierig. Mal gucken ob ich da nicht doch besser einen Blick riskieren sollte, gerade da ich jetzt nochmal besonders neugierig bin auf den Twist...gerade wenn der für solch einen Film nochmal extra sic sein soll! Also das muss ich ja quasi checken, keine Wahl denke ich...

28.07.2015 17:22 Uhr - Crítter
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Schickes Review. Ja, wenn man schon so einiges in den Bereichen gesehen hat, kann das brutalste dabei schnell mal die Langeweile sein. Bei der Bewertung scheinen wir uns auch einig. Wobei es in diesem Fall sein kann, das ich einfach ein wenig pissed bin, das sogar hier die Amis mit ihrem Wahn asiatische Filme zu Remaken nicht die Finger von lassen konnten, und denken einen draufsetzen zu müssen. Was bei dem Werk wohl sogar gelungen ist. Hätten die etwas eigenständigeres gemacht wäre er bei mir vielleicht noch in den grünen Bereich geschlittert, da sich die Effekte sehen lassen können. Die Sadi Scream Reihe ist mir ebenfalls bekannt, von denen ich aber noch nicht alle Teile gesehen habe.

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