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I-Lived

Herstellungsland:USA (2015)
Genre:Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,00 (1 Stimme) Details
eine kritik von angertainment:

...puh, wo fang ich bloss an? Franck Khalfoun, dieser Name dürfte einigen Horrorfreunden bekannt sein, gehört er doch in den auserlesenen Freundes-/Kollegenkreis des französischen Regisseurs Alexandre Aja. Khalfoun hat bereits mehrere Produktionen vorzuweisen, die gerne im Horror bzw. Terror-Bereich angesiedelt sind, wie z.B. dem oft unterschätzten "P2- Schreie im Parkhaus" oder eben dem facettenreichen aber auch teils brachialen Remake zu "Maniac". Oft als Alexandre Aja's Remake beworben ist dieser Film nämlich Khalfoun's bisher teuerstes aber auch (meine Meinung) gelungenstes Werk geworden. Dieser hat im direkten Vergleich zur Vorlage von 1980 eben andere Qualitäten und konnte so die angehobene Messlatte umgehen. Das Drehbuch wurde ein wenig aufgepeppelt und mit Elijah Wood die perfekte Besetzung für den unschuldig wirkenden Psychopath von nebenan geboten. Khalfoun hat mit genau dieser Regie bewiesen, welche künstlerische Qualität er zu fabrizieren vermag und der perspektivische Ansatz gehört auf jeden Fall zum großen Plus in "Maniac". Wo geht die Reise also hin, wenn man nicht gerade wieder als Nebendarsteller in den Filmen von Aja auftritt und sich nun auch in Hollywood einen Namen gemacht hat?

Der Film "i-LiveD" basiert auf einer cleveren Idee von Khalfoun selbst und auch das Drehbuch wurde von ihm ausgearbeitet. Jetzt muss ich aber dazu sagen, dass Mr. Khalfoun anscheinend gleich mehrere Deals abgeschlossen hat und fürs gleiche Jahr noch einen weiteren Film dreht, denn ein neuer Sproß der "Amityville"-Reihe ist auch noch auf dem Weg. Also konnte man nur hoffen, dass er sich mit 2 Projekten gleichzeitig nicht übernimmt und beiden Ideen gerecht wird. Vielleicht hat sich noch wer gewundert, dass der Regisseur eines äusserst erfolgreichen Kinofilms mit seinem Nachfolgewerk im Direct-to-Homevideo-Markt versunken ist...

Um die Story nicht zu spoilern, und nur die Grundidee wiederzugeben verrate ich auch nicht so viel. Es geht um Josh, ein Kerl Mitte 20 der nicht nur dauerpleite ist, sondern auch noch von seiner Freundin betrogen wurde und der sich vergeblich als "App-Reviewer" im Netz rumtreibt. Dann findet er die einfach-alles-versprechende-App "i-Lived" und bekommt plötzlich eine Erfolgssträhne nach Registrierung...

Von der Grundidee finde ich den sehr cool, vor allem weil man im heutigen medialen Zeitalter ja selber weiss was es alles für skurrile Apps gibt. Wenn man nun den *augenzwinkernden* Aspekt sieht, dass es sich um einen Horrorfilm handelt, kommt man bestimmt schnell auf die Schliche wo es hinführt. Also nicht nur ein Film über Medienkritik, Nutzer die ungelesen die Nutzungsbedingungen akzeptieren und gleichzeitig spielt Josh einfach nen netten Kerl der einfach irgendwo hereinschlittert, so als Internet-User-Klischee, da viele sogenannte "Youtuber" sich bestimmt insgeheim wünschen mit ihren Channels den finanziellen Durchbruch zu schaffen.

Josh stellt also einen durchaus nachvollziehbaren Charakter dar, der im laufe des Films immer mehr die Abgründe der Seele eröffnet, wie weit ein Mensch geht um seine persönlichen Ziele zu erreichen. Die App weckt Mut und Ehrgeiz in Josh, lässt ihn aber später auch an seinem Verstand zweifeln. Dieses Wechselspiel ist meiner Meinung nach nicht so ganz gelungen, da die als sympathischer Protagonist gezeigte Figur von Josh eben irgendwann nicht mehr nachvollziehbar scheint.

Der Darsteller des Josh heisst Jeremiah Watkins und der muss ca. 80% der Gesamtlaufzeit alleine stämmen. Dieser quirlige Kerl passt auch super in die Rolle und kann die Figur glaubhaft vermitteln. Der Darsteller gibt sich sichtlich Mühe aber kommt für mich so grade über Vlogger-Niveau raus, was anhand des Charakters okay ist.

Die Machart ist zum Thema passend teilweise aus "Kamera-Sicht der App" gefilmt, teilweise sieht man eben die Video-Clips aus Josh's Channel und dazu aber noch normale Totalen. Damit ist es eben kein "Foundfootage" sondern erzählt einfach seine Geschichte. Nach gefühlt 40 Minuten flacht aber dann auch das Tempo ab und der Film wird etwas träge. Es gibt weder einen besonderen dramaturgischen Moment, einen erwähnenswerten Score oder einen spannungsschaffenden Schnitt. Wenn ich ganz ehrlich bin, wirkt der ganze Film aber irgendwie "unterbudgetiert". Der Look ist nicht auf Hollywood-Niveau und kommt schon fast Indiependent rüber. Klar ist dies zum Teil als Stilmittel so gemacht (Video-Channel etc.) aber irgendwie wirkte das ganze Ding nicht rund.

Wenn ich den Film ohne Hintergrundwissen betrachte und nicht weiss welche Macher dahinter stecken und ihn komplett losgelöst als Indie-Werk betrachte, ist er vollkommen in Ordnung. (Zum Ende sag ich mal nichts) Oh weh, ich hab mich wirklich auf den Film gefreut und auch nach den positiven Aspekten gesucht. Jedoch muss ich nun eingestehen, dass es keinesfalls ein Film ist den ich nochmal gucken würde und kann Franck Khalfoun hierfür nicht auf die Schultern klopfen. Kann man also nur hoffen, dass er die Kurve wieder kriegt um weiterhin in der Oberliga mitspielen zu können und auch die Lichtspielhäuser wieder erfreut.

5/10
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Kommentare

27.07.2015 15:20 Uhr - NoCutsPlease
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Von dem Filmplakat kriege ich irgendwie so ein unangenehmes Augenkribbeln.

Interessante Kritik! Auch hier klingt die Idee wieder super, aber das Ergebnis tendenziell unterdurchschnittlich.

27.07.2015 15:35 Uhr - Angertainment
1x
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Ja stimmt, ich frage mich manchaml auch ob es vielleicht an mir liegt dass mich so wenig aktuelle Filme begeistern, aber ich suche weiter nach der nächsten Perle ;)

27.07.2015 18:31 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Bloß nicht aufgeben! ;-) Bei manchen deiner Titel sieht man schon am Cover, dass es große Anwärter für den 3€-Wühltisch sind, aber die meisten aktuellen Big-Budget-Produktionen haben außer einem professionellen Look auch nicht viel mehr Substanz. Zwischendurch gibt es aber zum Glück schon immer mal Titel zu finden, die positiv aus der Masse hervorstechen.

28.07.2015 09:34 Uhr - Gorno
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Sehr schade, hatte mich schon auf einen guten Film gefreut. Naja.. schaue ich mir eben lieber nochmals P2 und Maniac an. Klasse Kritik ;)

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