SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Zombie Army 4 Dead War · Die Kultjagd · ab 38,99 € bei gameware Ganz böses Zombiespiel aus AT · Hol dir das böse Game ohne Zollprobleme · ab 34,99 € bei gameware

The Road

Herstellungsland:USA (2009)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,08 (24 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Die Zivilisation, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Ein Vater zieht mit seinem Sohn durch ein zerstörtes Amerika, die verzweifelte Mutter hat die Hoffnung bereits verloren. Nur mit ihren Kleidern am Leib und ihrem Wunsch nach ein besseres Leben wandern die beiden durch ein Land, in dem sich nichts mehr bewegt und die Sonne von Asche verdeckt ist – ohne zu wissen, was sie an der Küste erwartet.
Angst, Furcht und Verzweiflung dominieren ihren Alltag auf der Suche nach Zuflucht, Wasser und Essen. In jedem Autowrack und jedem verlassenen Haus könnten andere Überlebende lauern, die ihnen nach den letzten Habseligkeiten oder sogar dem Leben trachten. Was ihnen bleibt, ist ihre bedingungslose Zuneigung und der Wille, ihre Menschlichkeit nicht aufzugeben. Inmitten dieser Welt aus Ödnis und kannibalistischer Gewalt versucht der Vater nach allen Kräften, seinem Sohn einen Rest Lebensmut zu erhalten. (Senator Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von s.k.:

Ein atomarer Anschlag oder gar ein Vernichtungskrieg - auch 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges findet diese angsteinflößende Zukunfts-Vision in den Köpfen vieler Menschen noch genug Nahrung. Das Medium Film hat sich dieser Thematik mehrfach bedient, jedoch sollte man nicht die mit verstärktem Unterhaltungsaspekt versehenen Hollywood-Blockbuster der jüngsten Zeit als Beispiel dafür nehmen, weil diese durch intensiven Einsatz spektakulärer Effekt-Action nur sehr oberflächliche Zivilisations-Kritik ausüben, wenn überhaupt. Wahre Vertreter des Endzeit-Films, die sich ernsthafter mit einer (fiktiv) zerstörten Welt auseinandersetzen und frei von jedwedem Sensationsinhalt sind, kann man an einer Hand abzählen. Den wohl bekanntesten Themen-Beitrag hierzu, nämlich "The Day after" aus dem Jahre 1983, kennt heute fast jeder. Ein Film, der aufgrund seines Inhalts und seiner realistischen Bilder auch nach fast 30 Jahre nichts von seiner schockierenden Wirkung eingebüßt hat. Nach ihm kamen leider kaum gleichwertige Nachwerke, doch nun gibt es mit "The Road" - eine Verfilmung nach dem Roman-Bestseller von Cormac McCarthy - endlich wieder ein kleines, aber dafür feines Endzeit-Drama, das ähnliche Qualitäten aufweist. Und obwohl in diesem Film nicht ein Wort über einen atomaren Angriff oder dergleichen verloren wird, passt seine Geschichte ins besagte Albtraum-Szenario wunderbar hinein.

Ein Mann und sein junger Sohn durchstreifen ein postapkalyptisches Amerika, das nach einer nicht näher beschriebenen Katastrophe nur noch totes Land ist. Ein ewig grauer Himmel, eisige Temperaturen und eine ausgestorbene Tier- und Pflanzenwelt erschweren ihnen Tag und Nacht den Kampf ums Überleben bzw. gegen den Hunger. Den Kontakt mit anderen Menschen meiden sie, da um die letzten Nahrungsreserven - wenn es denn welche zu finden gibt - erbarmungslos gekämpft wird. Jeder ist sich selbst der Nächste, und da machen viele auch vor Mord oder gar Kannibalismus nicht halt.
Vor all diesem Grauen versucht der Vater seinen Sohn zu schützen, um das letzte Bisschen Menschlichkeit und Moral zu wahren, an das er selbst felsenfest glaubt. Und so marschieren die Beiden immer weiter die Straße entlang, immer Richtung Ost-Küste, wo sie sich größere Überlebenschancen erhoffen...

"The Road" ist ein leiser Film, der sehr wenig Dialog enthält. Aber das reicht auch vollkommen aus, da die gezeigten Bilder eine eigene Sprache sprechen:
Die Umwelt schwimmt in einem durchgehenden Grauton. Ortschaften wirken einsam und verlassen. Es herrscht Totenstille. Nackte Bäume, die wie riesige Zahnstocher aus dem Erdreich ragen, schaffen eine unnatürliche Umgebung. Das Leben früherer Tage - wie ausgelöscht. Diese unglaublich düstere Stimmung sorgt von der ersten bis zur letzten Filmminute für pure Gänsehaut und Unbehagen.
Inmitten dieser Ödnis sieht man zwei Gestalten, die ihre wenigen Habseligkeiten in einem alten Einkaufswagen vor sich hin schieben. Die jedes verlassene Gebäude und jedes Fahrzeug nach brauchbaren Dingen und vor allem Essbarem absuchen. Sie sind verschmutzt und ausgezehrt, leben ständig in Angst und kämpfen mit der Nässe und Kälte.
Zwischendurch werden immer wieder Rückblenden bzw. Erinnerungen des Vaters eingestreut, die die Zeit vor und kurz nach der Katastrophe schildern. So erfährt der Zuschauer mehr über das damalige Familienleben und die Mutter, welche trotz allen Bittens ihres Mannes den Freitod vorzog, anstatt sich für ihr eigenes Leben und insbesondere für das ihre Sohnes zu entscheiden. Diese schmerzenden Gedanken und die Trauer plagen den Vater, und er würde lieber heute als morgen von dieser irdischen Welt verschwinden wollen. Nur ein Grund treibt ihn zum Weiterleben an: sein Sohn !

Kern des Films ist die Vater-Sohn-Beziehung und ihr Umgang mit ihrer perspektivlosen Situation. Es geht um verzweifelte Menschen, die verzweifelte Maßnahmen in Betracht ziehen. Regisseur John Hillcoat dringt in die Köpfe dieses Zweier-Gespanns und lässt tief in die mitgenommene Psyche totgeweihter Menschen blicken. So wie der Film-Vater, so versucht auch dieser niemals, irgendetwas zu beschönigen oder unnötig lang zu erklären. Es klingt sehr grausam, wenn der Vater seinen Sohn immer wieder daran erinnert, dass er sich mit einer der letzten beiden Patronen ihres Revolvers selbst erschießen soll, wenn dies die allerletzte und vielleicht bessere Option ist, um keinen qualvollen Tod durch Fremde zu erleiden. Gleiches trifft auf den väterlichen Rat zu, Alles in Zusammenhang mit der Mutter zu vergessen, weil schöne Erinnerungen den Überlebenswillen schwächen könnten. Und in Momenten wie jenem, wenn Beide in einer verlassenen Scheune auf eine erhängte Bauernfamilie stoßen, denkt der Vater gar nicht dran, seinem Sohn diesen Anblick zu ersparen, weil der freiwillige Tod nun mal die bittere Wahrheit ist und zu ihrer Realität dazugehört. Dies alles schafft die nötige Glaubwürdigkeit und den ernsten Ton, die für "The Road" unverzichtbar sind. "The Road" setzt allein aufs Drama; folglich gibt es keine Actionausbrüche, keine explizite Gewaltdarstellung, keine Antagonisten und keinen Showdown im herkömmlichen Sinne.

Dem Hauptdarsteller Viggo Mortensen sieht man an, dass er auch Jahre nach "Herr der Ringe" nicht ausschließlich als Fantasy-Ikone Aragorn in Erinnerung behalten werden will. Nach seiner grandiosen Vorstellung in David Cronenbergs "A History of Violence" spielt er völlig frei und authentisch eine sehr komplexe und anbivalente Figur. Wie viele andere Schauspiel-Kollegen gibt er für eine realistische Verkörperung gleich mehr als 100% Leistung und zeigt einen extra für den Film ausgehungerten Körper, dessen Anblick automatisch erschreckt, einfach weil man Mortensen so bisher noch nie gesehen hat.
Ähnlich abgemagert präsentiert sich Sohn-Darsteller Kodi Smit-McPhee. Als Newcomer fehlt ihm zwar noch die richtige Schauspielerfahrung und deshalb steht er immer im riesigen Schatten Mortensens, doch für sein Debut in einem großen Hollywood-Film ist seine Leistung gar nicht mal so schlecht. Die Spannung zwischen diesen beiden Vater- / Sohn-Darsteller, die dann entsteht, wenn der Sohn seinen Vater und Beschützer um Mitgefühl und Hilfsbereitschaft für andere Menschen bittet, kommt sehr glaubwürdig rüber.
Die übrige Prominenz taucht in kleinen Nebenrollen sehr kurz auf und weiss trotzdem ausnahmslos zu gefallen. Charlize Theron legt als voll von Todessehnsucht erfüllte Mutter trotz beschränkter Leinwandzeit einen sehr ansehnlichen Auftritt hin. Gleiches trifft auf Robert Duvall zu, der als einsamer, alter Mann einen der wenigen wehmütigen Momente für sich beansprucht. Zum Schluss wäre da noch Guy Pearce, der in den abschließenden Minuten die personifizierte Resthoffung an das Gute im Menschen verkörpert.

Fazit:
"The Road" - nicht nur einfach eine Straße, auf der Vater und Sohn Kilometer für Kilometer hinter sich lassen, sondern auch Sinnbild für eine ungewisse Zukunft. Von der man nicht weiss, ob es in dieser noch Hoffnung gibt oder nur der geduldige Tod auf einen wartet.
Nach "The Day after" der wohl beste Endzeit-Film der jüngsten Zeit. Wer mit Genre-Spektakeln wie dem bedeutungsschwachen "Book of Eli" oder dem reisserischen "Doomsday" nicht anfangen konnte, ist HIER vielleicht im richtigen Film.

9/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Punch
S.K.
9/10
die neuesten reviews
Fast
Phyliinx
8/10
Auf
McGuinness
8/10
Nightmare
CHOLLO
4/10
Fest,
cecil b
9/10
Laughing
dicker Hund
6/10
Rambo
Punisher77
10/10
Mu
hudeley
7/10
Reise
tp_industries
5/10

Kommentare

26.08.2015 23:08 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.508
Ein sehr geiles Review!!! Hut ab!

Ich habe einen deutlichen Eindruck von diesem Film, und ich finde dass du die enorme Dramatik sehr nahe gebracht hast! Den Film wollte ich immer mal sehen, und ich weiß nun auch warum!

27.08.2015 07:10 Uhr - spone
2x
User-Level von spone 4
Erfahrungspunkte von spone 300
Super Review! Da ist alles drin, was man braucht!! Für mich wär's sogar ne klare 10/10.

Selten hat mich ein Film so berührt wie THE ROAD. Man befindet sich inmitten der trostlosen Welt und man hofft nur das es die zwei schaffen zu überleben. Ergreifender kann ein Film nicht sein! Perfekt inszeniert und mit super Darstellern ausgestattet. Die Kameraarbeit von Javier Aguirresarobe gigantisch, der Score vom genialen Nick Cave ein Traum! Der beste Film bisher vom starken John Hillcoat und einer ganz oben auf meiner Bestenliste. Danke für dieses tolle Review dazu.

27.08.2015 08:20 Uhr - JasonXtreme
DB-Co-Admin
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.545
Für mich "nur" eine 8/10 aaaaber das ist sicher einer der düstersten und nihilistischsten Filme die ich jemals gesehen habe! Absoluter Schlag in die Tiefen der Magengrube, wen das Ding nicht runterzieht, der ist schon ganz unten!

31.08.2015 00:58 Uhr - Topper_Harley
User-Level von Topper_Harley 4
Erfahrungspunkte von Topper_Harley 237
Tolles Review!
Der Film liegt hier schon lange in meiner Reihe „gekauft, noch nicht geguckt“ rum und ist bald dran. :) Ich bin sehr gespannt!

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)