SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Daymare: 1998 Black Edition · Blutiges Horror-Gameplay mit Resi 2-Geschmack · ab 37,99 € bei gameware Destroy All Humans · Ein großer Tritt für die Menschheit! · ab 28,99 € bei gameware

Halloween - Die Nacht des Grauens

(Originaltitel: Halloween)
Herstellungsland:USA (1978)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:John Carpenter's Halloween
Halloween 1
Halloween I - Die Nacht des Grauens
Halloween: The Night He Come Home!
The Story of Michael Myers: Halloween
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,76 (172 Stimmen) Details
inhalt:
In dem kleinen, friedlichen Städtchen Haddonfield bringt der sechsjährige Michael Myers an Halloween brutal seine Schwester um. 20 Jahre später bricht er aus einer psychiatrischen Anstalt aus und verschwindet spurlos. Sein behandelnder Arzt Dr. Loomis verfolgt den Flüchtigen. Er ist überzeugt davon, dass Michael in seine Heimatstadt zurück kehren will, um wieder zu morden. Doch niemand will Loomis glauben. Die hübsche Babysitterin Laurie hat jedoch das Gefühl, dass sie ständig beobachtet und verfolgt wird. Der Horror beginnt erneut und endet in einem unglaublichen Alptraum.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                           HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS

John Carpenters Halloween - Die Nacht Des Grauens (1978) ist einer der größten Klassiker des modernen Horrorfilms. Die in 21 Tagen mit einem Budget von nur 300.000 Dollar gedrehte Low Budget - Produktion gehört zu den erfolgreichsten Independent - Filmen aller Zeiten und gilt als die Geburtsstunde des Slashermovies, auch wenn es vorher schon etliche Filme gab, die Elemente aufweisen, die sich auch in Carpenters Film wiederfinden (z.B. Jessy - Treppe In Den Tod, 1974). 

In der Halloween - Nacht des Jahres 1963 ersticht der sechsjährige Michael Myers seine ältere Schwester, weshalb er in einer psychiatrischen Anstalt landet. Hier verbringt er die nächsten 15 Jahre, ohne auch nur ein Wort zusagen. Am 30. Oktober 1978 bricht er aus seinem Gefängnis aus und kehrt in seinen Heimatort Haddonfield zurück. In der kommenden Halloween - Nacht macht er Jagd auf eine Gruppe von Teenagern. Die einzige Hoffnung der Kids ist Dr. Loomis (Donald Pleasance, James Bond 007 - Man Lebt Nur Zweimal, 1967), Michael Myers´ Psychiater ...

Trotz seiner schlichten Story ist Halloween - Die Nacht Des Grauens ein Horrorfilm par excellence, der unzählige Nachahmer auf den Plan rief und eine Flut ähnlicher Filme auslöste, von denen aber keiner, bzw. kaum einer die Intensität von Carpenters Halloween erreichte.

Schon der Beginn des Films bietet eine der schockierendsten und am raffiniertesten gemachten Auftaktszenen des Genres. Die Kamera schleicht um das Haus der Familie Myers, der Zuschauer nimmt alles aus subjektiver Perspektive wahr. Wir beobachten ein junges Mädchen mit ihrem Freund, schleichen uns ins Haus, nachdem er gegangen ist, und machen uns auf die Suche nach einem Küchenmesser. Danach wird eine herumliegende Maske aufgesetzt, durch deren Sehschlitze wir verfolgen, wie das junge Mädchen brutal niedergestochen wird - der Zuschauer beobachtet die Bluttat aus der Perspektive des Mörders und fragt sich unweigerlich, was das für eine Bestie sein muss, die einen solch kaltblütigen Mord begeht. Die Antwort auf die Frage lässt nicht lange auf sich warten. Der Täter wird demaskiert und wird dem Zuschauer präsentiert - der Mörder ist ein sechsjähriger, unschuldig aussehender Junge mit blonden Haaren! Allein wegen dieser Szene muss man Halloween - Die Nacht Des Grauens gesehen haben! Die Kameraführung und die Musik sorgen für einen hervorragenden Spannungsaufbau und die Demaskierung des Täters trifft den unvorbereiteten Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube. Selbst erfahrene Genrekenner dürften damals, anno 1978, nicht geahnt haben, dass es sich bei dem Killer um einen Sechsjährigen handelt. Sofort weiß man als Zuschauer: Ein Film, der schon am Anfang ein Kind als Mörder präsentiert, stellt die gängigen Konventionen auf den Kopf, und das tut Halloween, zumal Carpenter in der Eröffnungssequenz auf das Thema Inzest anspielt. Der junge Michael Myers stöhnt derart, dass man auf sexuelle Erregung schließen kann. Außerdem beobachtet er den Freund seiner Schwester eindringlich, ja im Grunde eifersüchtig, als wolle er seine Schwester nur für sich allein haben. Die Beziehung zu einem anderen Mann bestraft Michael Myers mit der Ermordung seiner Schwester, so dass die Eröffnung von Halloween noch deutlicher zum Tabubrecher wird.

Aber auch nach diesem Auftakt behält Halloween seine verstörend unkonventionelle Machart bei. So entzieht sich Michael Myers den gängigen, logischen Denkmustern, was den Film so furchteinflößend macht. Niemand weiß, warum Michael Myers ausgerechnet nach 15 Jahren aus der Psychiatrie ausbricht. Niemand weiß, warum er ausgerechnet Jagd auf Teenager macht. Myers´ Motive sind nicht erkennbar. Das Böse in Halloween ist nicht rational erklärbar und darin liegt die Spannung des Films begründet. Auch das Ende zielt in diese Richtung ab.

Elemente, die ebenfalls zur Spannung des weiteren Filmverlaufs beitragen, sind die bereits erwähnte Kameraführung, sowie die wirksam platzierte Musik, z.B. wenn es zu Morden kommt. Interessant ist hierbei, dass die Morde weitgehend unblutig ausfallen: Halloween ist bei weitem nicht so sensationsgeil wie das Gros seiner Nachfolger, denen es oft lediglich auf möglichst spektakulär und blutig inszenierte Kills ankommt. Außerdem ist die weltberühmte Halloween - Titelmelodie, die bei mir immer wieder für Gänsehaut sorgt,  ein Riesenpluspunkt.

Halloween ist auch wegen seiner beiden Hauptdarsteller sehenswert. Die damals noch völlig unbekannte Jamie Lee Curtis wirkt in der Rolle der zugeknöpften Babysitterin Laurie Strode, die am Ende über sich hinauswächst, absolut glaubwürdig und ist bis heute die brühmteste "Scream Queen", bzw. das berühmteste "Final Girl", an der sich alle Nachfolgerinnen messen lassen müssen. Auch Donald Pleasance überzeugt in der Rolle des Dr. Loomis. Ursprünglich sollte der jüngst verstorbene Christopher Lee (Dracula, 1958) die Rolle des Dr. Loomis übernehmen, aber - bei allem Respekt vor Lee - niemand hätte die Rolle des Dr. Loomis, dessen Besessenheit, die in späteren Filmen noch ausgebaut werden sollte, schon hier deutlich spürbar ist, so ausfüllen können wie Pleasance. 

Halloween setze Maßstäbe für das Genre. So wurde die Art und Weise der Inszenierung der Eröffnungsszene von anderen Regisseuren fast 1:1 übernommen und die Opfer der Nachfolge - Killer sterben, nachdem sie Dinge getan haben, die von der "ordentlichen" Gesellschaft als "verwerflich" empfunden werden, wie z.B. vorehelicher Geschlechtsverkehr oder der Konsum von Drogen und Alkohol. Auch dieses Element findet sich in Carpenters Halloween, wobei der als Freigeist bekannte Regisseur immer darauf hinwies, dass besagte "Zutat" reiner Zufall gewesen sei.

Halloween - Die Nacht Des Grauens ist einer meiner absoluten Lieblingshorrorfilme, die ich mir immer wieder anschauen kann. Jüngeren Zuschauern werden wahrscheinlich die ruhige Erzählweise sowie die Abwesenheit drastischer Mordszenen sauer aufstoßen (für die gibt´s Rob Zombies Halloween-Remake) sauer aufstoßen, aber nichtsdestotrotz ist Carpenters Halloween ein Klassiker, der von keiner seiner Fortsetzungen erreicht wird und der in die "Hall Of Fame" des Genres gehört!

 

10/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Stirb
Punisher77
7/10
Reindeer
Punisher77
8/10
Night
Punisher77
7/10
die neuesten reviews
Ashfall
sonyericssohn
6/10
Trabbi
crank15neun
4/10
Best
crank15neun
5/10
Troll
crank15neun
2/10
Stirb
Kaiser Soze
9/10

Kommentare

20.09.2015 17:06 Uhr - Insanity667
3x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.641
Jop, ein Klassiker vor dem Herrn und ein angemessenes Killer-Review dazu. Top geschrieben! Bei mir läuft der traditionell jedes Jahr zu Halloween. ;)

20.09.2015 19:12 Uhr - leichenwurm
1x
DB-Helfer
User-Level von leichenwurm 5
Erfahrungspunkte von leichenwurm 420
20.09.2015 17:06 Uhr schrieb Insanity667
Bei mir läuft der traditionell jedes Jahr zu Halloween. ;)


Bei mir auch... ;-) !

Punisher, ich ziehe meinen Hut vor diesem Review. Ganz grosse Klasse ! "Halloween" ist ebenfalls mein absoluter Lieblingsfilm in Sachen Horror. Carpenters Blaupause für den Slasher ist gleichzeitig mit der beste seines Genres. Vor allen Dingen die mysteriöse, leicht übernatürliche und rational nicht immer greifbare Präsenz vom Michael Myers wird in deinem Review punktgenau aufgeführt. Kein (erkennbares) Motiv, scheinbar allgegenwärtig, nicht zu töten, der Schwarze Mann eben...
Dann bin ich ja mal auf deine anderen "Halloween"-Reviews gespannt, zu Teil 2 gibt's ja auch schon eins... ;-) !

20.09.2015 19:43 Uhr - Punisher77
2x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.332
Vielen Dank, Leute!

@Leichenwurm:
Hab´ gehofft, dass Dir das Review gefällt, schon wegen Deines Avatars.
Zu den Teilen 4 & 5 hab´ ich auch schon Reviews geschrieben, war aber letztes Jahr, glaub´ ich.

20.09.2015 20:03 Uhr - Frank the Tank85
3x
DB-Helfer
User-Level von Frank the Tank85 5
Erfahrungspunkte von Frank the Tank85 379
Top Ding von mir, wobei neben Teil 1, Teil 6 mein Favorit ist.

21.09.2015 13:55 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.110
20.09.2015 20:03 Uhr schrieb Frank the Tank85
Top Ding von mir,...


Du hast hier wahrlich einen tollen Job als Ghostwriter gemacht, Frank! ;-)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)