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L.A. Confidential - Jeder hat seinen Preis

Originaltitel: L.A. Confidential

Herstellungsland:USA (1997)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,56 (42 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Sechs Tote, darunter ein Cop: Ein scheinbar sinnloses Blutbad bringt die Polizei von Los Angeles zum Kochen. Die drei Top-Agenten der Stadt übernehmen den Fall und stoßen bei ihren Ermittlungen auf einen unbeschreiblichen Sumpf aus Drogen, Mord und Korruption. Jetzt zeigt die "Stadt der Engel" ihr wahres Gesicht - ein Gesicht, dass man nur einmal lebend zu sehen bekommt... (Warner Bros.)

eine kritik von jasonxtreme:

Der amerikanische Autor James Ellroy war bisher mehrfach ein guter Lieferant für literarische Vorlagen zu düsteren Crime-Thrillern wie „Der Cop“ mit James Woods, dem actionreicheren „Street Kings“ oder auch „Dark Blue“. Er zeichnete sich auch für „Black Dahlia“ und „L.A. Confidential“ verantwortlich, die beiden Werke seiner L.A. Tetralogie die 2006 und 1997 verfilmt wurden. Um Letzteren soll sich diese Rezension drehen. Ellroy orientiert sich in seinen Werken stets an den alten Kriminalnovellen eines Raymond Chandler und Mickey Spillane, die mit ihren Hardboiled-Crime Werken den Noir Stil in Hollywood eindeutig mitprägten. So gestaltet sich auch „L.A. Confidential“ als moderner Film-Noir, oder bestenfalls als DIE Hommage an eben diese Werke aus Hollywoods 40er und 50er Jahren.

Die Geschichte führt den Zuschauer stilecht in die Stadt der Engel des Jahres 1953. Bei einem vermeintlichen Überfall auf das Café Night Owl wird auch ein Cop erschossen. Der war Partner des Haudrauf-Polizisten Bud White, der fortan mit Feuereifer den Fall aufklären will. Auch Elitecop Ed Exley wird auf den Fall angesetzt, während der geltungssüchtige Jack Vincennes eher zufällig in die Sache stolpert, da er sehr medienaffin ist, und sein Wissen gerne mit dem Boulevardmagazin Hush Hush teilt. Als die Verdächtigen bei einem Fluchtversuch von Exley ums erschossen werden, scheint der Fall gelöst, doch fortan werden die Cops immer tiefer in einen Sumpf aus Verrat, Korruption, Prostitution und Gewalt gezogen, und auch Edelnutte Lynn Bracken scheint mehr mit der Sache zu tun zu haben als es zunächst scheint.

So einfach sich dieser Storyabriss auch liest, so komplex entwickelt sich die Geschichte dann aber auch in ihrer faszinierenden Gesamtheit. Jede Figur hat ihren Platz, jede Aktion ihren Sinn. In „L.A. Confidential“ hat Regisseur Curtis Hanson rein gar nichts dem Zufall überlassen, und es gibt keine Nebensächlichkeiten. Zusammen mit Brian Helgeland, der sich bis dahin schon für die Drehbücher für „A Nightmare on Elmstreet 4“ und „Assassins – Die Killer“ verantwortlich zeigte, schrieb Hanson das Werk von Ellroy in eine filmgerechte Form um. Zu dieser gelungenen Arbeit kann man ihm vorab einfach nur gratulieren, denn ohne ein so formidables Drehbuch, hätte ein Film wie dieser nicht gelingen können. Handwerklich bewies Hanson vorher ja schon mit „Die Hand an der Wiege“ und „Am Wilden Fluß“, dass er etwas drauf hat – ein Meisterwerk wie „L.A. Confidential“ hatte ihm mit Sicherheit dennoch keiner zugetraut, und ist ihm bis heute auch nicht mehr gelungen.

Unterstrichen wird sein äußerst atmosphärischer Streifen von den Klängen von Jerry Goldsmith, der für „Chinatown“ mit Jack Nicholson bereits einen Film-Noir soundtechnisch unterstützen durfte, und dank mannigfaltiger Soundtrack-Bomben wie „Das Omen“, „Alien“, „Gremlins“ uva. ohnehin ein immer wieder gern genommener Komponist in Hollywood war. Aber was bringen einem gelungene 50er Jahre Ausstattung und gute Tracks, wenn die Darsteller nicht stimmen? Genau, nichts. Aber hier hatte Hanson sich als Co-Produzent soviel Freiraum einräumen lassen, dass er auch hier persönlich besetzen konnte, und er schöpfte aus den Vollen!

Mit Kevin Spacey als schmierigen Vincennes sicherte sich Hanson einen Mann, der die Jahre zuvor bereits mit „Sieben“, „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“, „Die Jury“ und „Die üblichen Verdächtigen“ sein Können mehr als unter Beweis stellen durfte, wie auch schon vorher genug Bühnen und Kameraerfahrung sammeln konnte. James Cromwell und Danny DeVito waren ohnehin immer eine sichere Bank, ebenso in diesem Film. Für die weiblichen Reize konnte Kim Basinger gewonnen werden, die für ihre Rolle sogleich auch noch den Oscar als beste Nebendarstellerin abstauben durfte. Russel Crowe hatte seinen Durchbruch mit „Gladiator“ noch nicht geschafft, hier aber definitiv seine erste wirklich denkwürdige Rolle als handfester Cop White, und ein echter Glücksgriff für den Regisseur. Ebenso mit Guy Pearce als ehrgeiziger Exley, der kurz danach mit „Ravenous – Friss oder Stirb“ und vor allem „Memento“ seine Bekanntheit erlangte.

Zusammen bildet dieses Ensemble an Regisseur, Autoren, Komponist und Darstellern ein Werk, welches ich erst mit Nichtachtung strafte, und nach der ersten Sichtung dann sogleich in jene Wertungshöhen hievte, wo es für mich bis heute Bestand hat. Meisterhaft in der Darstellung, detailverliebt in der Ausstattung und vor allem mit einer Spannungskurve und Kunst zu Fesseln versehen, wie es wenige Thriller schaffen, vor allem bei der zweiten, dritten… Sichtung. Die Geschichte ist absolut stimmig und gut aufgegliedert, obwohl Hanson und Helgeland diese für die Filmversion gegenüber dem Roman etwas zusammenstauchten, und sie gipfelt in einem denkwürdigen Finale, mit dem sicherlich kein Zuschauer gerechnet haben dürfte. Mit einem Wort: Chapeau – wer „L.A. Confidential“ nicht kennt, der hat definitiv was verpennt! Ein kleinen Verweis möchte ich noch auf Ellroys zweites Werk seines L.A. Quartetts geben, denn auch „Black Dahlia“ hat mich sowohl als fesselnder Thriller, als auch für einen modernen Film-Noir wirklich überzeugt, auch wenn dieser nicht ganz in die Höhen von Hansons Streifen gelangt. Neben dem Oscar für Basinger durfte der Streifen noch eine goldene Statur für das beste adaptierte Drehbuch einheimsen, und wurde auch sonst vielfach nominiert und mit Preisen bedacht. Die ganz große Ehre heimste damals allerdings Camerons „Titanic“ ab, wodurch man hier natürlich den Kürzeren zog – völlig zu Unrecht, wie ich meine, ohne das Schiffe versenken schlechtreden zu wollen…

10/10
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Kommentare

20.10.2015 13:31 Uhr - Angertainment
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Sehr guter Film und eine hervorragende Besprechung dazu. Weiter So!

20.10.2015 13:59 Uhr - NoCutsPlease
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DB-Helfer
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Na bitte, die Empfehlung hat sich ja gelohnt. ;-)
Sehr gutes Review zu einem Musterbeispiel von Thriller! Hier passt irgendwie alles.

Bei Jerry Goldsmiths umfangreichem Schaffen von gut 300 Beiträgen weiß man gar nicht, welche man sich als Beispiele nun aussuchen soll. ;-)

20.10.2015 14:10 Uhr - JasonXtreme
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Ja das dachte ich mir auch, daher hab ich mal jene genommen, die man eh kennt ;) :D

20.10.2015 14:26 Uhr - JasonXtreme
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Und natürlich dicksten Dank für die Empfehlung, nicht zu vergessen ;)

20.10.2015 17:50 Uhr - cecil b
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Zwei Daumen ganz nach oben!

20.10.2015 19:48 Uhr - Norminator
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Sehr schönes Review, Jason!

Für mich auch einer der besten Filme und Krimis sowieso!

Dein Schreibstil ist sehr flüssig und animiert zum wiederholten Lesen; desweiteren fügst Du ideal auch genügend "Hintergrundwissen" mit ein!

Weiter so :-)

20.10.2015 20:59 Uhr - JasonXtreme
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Dankeschön!

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