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Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt

Originaltitel: L'Instinct de mort

Herstellungsland:Frankreich, Italien, Kanada (2008)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,28 (18 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

1959. Angewidert von der sinnlosen Gewalt gegen Unschuldige im Algerienkrieg kehrt Jacques Mesrine (Vincent Cassel) der französischen Armee den Rücken und reist nach Frankreich zurück. Kein Gesetz, keine Autorität, nichts soll ihn künftig bremsen. Als Handlanger des Pariser Unterweltbosses Guido (Gerard Depardieu) macht sich der junge Mann schnell einen Namen als ebenso charismatischer wie eiskalter Typ. Nach seinem ersten Mord taucht er zunächst in Spanien unter. Als er zurückkehrt, heiratet Mesrine die Spanierin Sofia (Elena Anaya). Obwohl sie drei Kinder miteinander haben, hält es Sofia nicht lange mit ihm aus. Mesrine macht als Verbrecher unbeirrt weiter, mit der verwegenen Jeanne Schneider (Cecile de France) an seiner Seite und immer tollkühneren Coups. Bald ist Frankreich ein zu heißes Pflaster. Mesrine und Jeanne setzen sich nach Kanada ab - und geraten dort in die Hände der Staatsgewalt. Die Haftbedingungen sind erbarmungslos, doch Mesrine schlägt zurück... (Universum Film)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von roderich:

Public Enemy No. 1 besteht aus 2 Kinofilmen namens 'Mordinstinkt' und 'Todestrieb'. Hier bespreche ich Teil 1 Mordinstinkt.

Freunde anspruchsvoller, realistischer und harter Gangsterfilme werden sicherlich als erstes an GoodFellas oder aktuell Black Mass denken wenn es darum gehen soll, dass die Geschichte eines realen Gangsters zu einem Film verarbeitet wird. Aber in Frankreich gab es in den 1960 bis 1970er Jahren einen bereits zu Lebzeiten legendären Schwerverbrecher namens Jaques Mesrine, der Jahrzehnte (!) lang Frankreich und den Rest der Welt unsicher gemacht hat. Hier dürfte er weitgehend unbekannt sein, aber seine Geschichte ist dadurch nicht weniger unglaublich. So unglaublich, dass Regisseur Jean-François Richet so viel Material hatte, dass er gleich zwei Filme daraus gemacht hat. Wer keine Lust auf die ganze Saga hat sollte sich diesen, den ersten Teil anschauen, er bietet deutlich mehr Story und Action, dafür ist Teil 2 dann zeitweise amüsanter und der Hauptdarsteller, der einfach großartige Ausnahmeschauspieler Vincent Cassel, kann so richtig aufdrehen. 

Mordinstinkt beschreibt, wie Jaques Mesrine zum Verbrecher und international berühmten Ausbrecherkönig wurde. Geprägt vom Algerienkrieg, in dem er, wie angedeutet wird, als junger Angehöriger der französischen Streitkräfte diverse Gräuel begehen musste, hält er es nur kurz in einem "anständigen" Beruf aus. Ein Kumpel überredet ihn dazu, bei Einbrüchen mitzumachen und bald ist ersichtlich, dass Mesrine ein Naturtalent ist und keine Angst hat, sich wenn nötig auch auf brutalste Art durchzusetzen. Es dauert nicht lange, und er bekommt  Kontakt zu einem lokalen Gangsterboss, gespielt in einer Art Patenparodie vom feisten, schwer schnaufenden Gerard Depardieu, den man natürlich üblicherweise in einem Restaurant antrifft. In einer Art Aufnahmeprüfung begeht Mesrine seinen ersten Mord und diese Szene ist äußerst hart, nachdem man schon vorher keine Scheu hatte, extreme Gewalt zu zeigen. Diese sieht in beiden Filmen immer realistisch aus und weil auch sonst darauf Wert gelegt wurde, dass alles möglichst echt wirken soll, nimmt das einen durchaus mit. Hier wird nichts weichgespült. Das gilt übrigens auch für die präsentierte Mode der Zeit, Freunde von Schlaghosen und zu engen Pullis, grausigen Sonnenbrillen und Koteletten kommen in den Szenen aus den 1970er Jahren voll auf ihre Kosten.  

Der Film folgt naturgemäß linear dem Leben Mesrines (bis auf den Anfang, der Mesrines Ende andeutet und dann in einer Rückblende den eigentlichen Film beginnen lässt), zeigt aber immer nur Ausschnitte besonders wichtiger und interessanter Episoden. Weil Biografien der realen Vorlage folgen gibt es keinen echten Spannungsbogen, aber das macht nichts, weil einfach so viel passiert dass man sich nicht langweilt sondern manchmal einfach nur staunt. Mesrine wurde (und wird in den Filmen) zB diverse Male gefasst und in einer schlichtweg krassen Gefängnisfolterszene wird ihm derart zugesetzt, dass man nicht anders als echtes Mitleid empfinden und seinen Hass auf die Polizei, die "Flics", nachvollziehen kann. Diese Szene ist einfach großartig gespielt von Cassel, der keine Scheu hat, völlig nackt letztlich die Verwundetheit seiner Seele zu zeigen. Dem Zuschauer wird nach dieser Szene klar: Diesen Kerl kann man nicht mehr weiter brechen, der wird kämpfen bis er tot ist!

Wir folgen Mesrine bei seinen Frauengeschichten und etlichen Untaten, was makellos inszeniert, schön gefilmt und immer toll gespielt ist. Irgendwann wird es ihm in Frankreich bzw Europa zu heiss und er flieht mit seiner aktuellen Freundin nach Kanada, wo er eine irrwitzige Entführung eines schrulligen (und offenbar reichlich unvorsichtigen) Millionärs begeht, bei dem die beiden sich zuvor als Köchin und Chauffeur verdingt haben. Das ganze endet allerdings mal wieder in einem Gefängisaufenthalt für unseren "Helden", der aber nach einiger Zeit mit einem anderen Verbecher zusammen fliehen kann: Mesrine war sicherlich der größte Gefängnisausbrecher aller Zeiten. Sein Hass auf die Justiz führt aber dazu, dass er sich im weiteren Verlauf dazu entschliesst zusammen mit seinem Freund die anderen Mitgefangenen mit Waffengewalt zu befreien. Und so endet "Mordinstinkt" mit einer spektakulären Schiesserei (und einem anschliessenden Mord an zwei Forstpolizisten). Mesrine ist jetzt 'Public Enemy No 1' in Kanada...

Diese Schiesserei (insbesondere mit Schnellfeuergewehren) gehört zum besten, was ich je im Kino - bzw in diesem Falle auf BluRay - gesehen habe, und ist eigentlich nur mit der Referenzschiesserei schlechthin in HEAT vergleichbar. Wenn man dazu weiss, dass das ungefähr tatsächlich so passiert ist stockt einem erst recht der Atem. Der Film überzeugt also nicht nur schauspielerisch und in der Wiedererweckung vergangener Zeiten, sondern auch in etlichen Actionszenen, speziell dieser.

Wie immer ist Originalton der deutschen Synchro vorzuziehen, wer allerdings wie ich kein Französisch kann ist auf Untertitel angewiesen, ein Grund mehr, sich den Film auf BluRay/DVD anzuschauen. Aber bitte den Sound auf einer fetten Anlage abspielen, es lohnt sich, speziell am Ende.

Wer wissen will, wie es mit Mesrine weiterging, muss sich dann natürlich gleich "Todestrieb", den zweiten Teil von Public Enemy No 1 anschauen. Auch der lohnt sich! Mein Review dazu findet sich hier: Klick!

9/10
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Kommentare

28.10.2015 21:49 Uhr - Egill-Skallagrímsson
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User-Level von Egill-Skallagrímsson 4
Erfahrungspunkte von Egill-Skallagrímsson 227
Schön geschrieben. Kann die beiden Filme auch jedem empfehlen. Vincent Cassel kann sehr gut den Psychopathen mimen, wie man auch in Cronenbergs Meisterwerk "Eastern Promises" gut sehen kann.

28.10.2015 21:54 Uhr - deNiro
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Erfahrungspunkte von deNiro 337
Schönes Review, mag den Film auch!

30.10.2015 09:38 Uhr - Angertainment
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gute Review :)

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