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Starry Eyes

Herstellungsland:USA (2014)
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,65 (20 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Tagein, tagaus schuftet Sarah als Kellnerin und träumt davon, eine berühmte Schauspielerin zu sein. Erfolglos hangelt sich von einem demütigenden Casting zum nächsten. Plötzlich macht ihr ein alter Hollywood-Produzent ein wahrhaft teuflisches Angebot: Sarah soll die Hauptrolle in einem Horrorfilm spielen! Doch im Gegenzug will er ihre Seele und macht ihr das Leben zur Hölle! (NSM)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von horace:

Junge, Junge - hier hat aber jemand mit Hollywood ein Hühnchen zu rupfen. Kevin Kölsch und Dennis Widmyer scheinen so ihre Erfahrungen mit dem Film-Business in L.A. gemacht zu haben und es waren scheinbar keine guten.

Starry Eyes nimmt die Situation junger, aufstrebender Schauspieler als Aufhänger: Noch völlig unbekannt hastet man von Casting zu Casting und hofft entdeckt zu werden. Aus diesem Grund bleibt fast keine Zeit für einen "richtigen" Job, der einem die Miete zahlt und so ist man chronisch knapp bei Kasse während man eine Absage nach der anderen einfährt. Die Protagonistin Alex ist genau in dieser Situation. Sie und ihre Clique träumen von Ruhm und der großen Karriere. Dieses Setting wird sehr schön und authentisch geschildert: Einerseits sitzen alle im selben Boot, doch durchbrechen Konkurrenzdenken und Missgunst immer wieder die gemeinschaftliche Harmonie. Unterschwellig gönnt hier niemand jemand anderen Erfolg als sich selbst. Alex ist anfangs Teil dieser Gruppe und entfernt sich im Laufe des Films immer weiter von ihr, bis sie sie schlussendlich zerstört. Der Film kreist komplett um Alex, die Kamera bleibt stets nah an ihrem Gesicht und wir erleben den Film fast ausnahmslos aus ihrer Perspektive. Alex Essoe trägt mit ihrer außerordentlichen Leistung maßgeblich dazu bei, dass dies funktioniert. In Kombination mit der interessanten Idee, aus dem teilweise unmenschlichen Filmgeschäft einen Horrorfilm mit selbst-reflexiven Anleihen zu machen, ist Starry Eyes ein weiterer origineller Vertreter des aktuellen amerikanischen Independent-Horrors, der abseits ausgetretener Pfade wandelt. Zentrale Frage des Films ist es, wie weit man bereit ist zu gehen und wie weit man sich von sich selbst entfernt um Erfolg zu haben und seine Ziele zu erreichen. Die anfängliche Casting-Szene macht einem dies sofort deutlich und steckt Thema und Ton des Films ab. Hier wird deutlich wie fließend die Grenze zwischen einer Standard-Casting Situation und realem Horror ist. Meisterlich wird mit Unbehagen und Zwiespalt gespielt. Dass hinter Hollywoods Glamour eine satanistische Geheimgesellschaft steckt, spricht schon für sich. Leider ist deren Umsetzung meinem Geschmack nach etwas zu campy. Zum Teil fühlt man sich 1:1 an Rosemary's Baby erinnert und der sehr old-schoolige Stil passt irgendwie nicht zum Rest des Films. Dieser Teil der Story fühlte sich für mich fast unnötig an und es scheint als wollte man dem Mainstream Filmbusiness hier noch einmal vor Augen führen wie verkommen es ist. Damit geht der anfangs erzeugte Horror durch das Mysteriöse der gehemisvollen Produktionsfirma verloren.

Oftmals wirkt Starry Eyes wie eine schwarze Satire auf das Filmbusiness in Hollywood. Dieser Part beherrscht auch das erste Drittel des Films bis er eine starke Wendung in Richtung Body-Horror à la Cronenberg nimmt. Denn Alex wandelt nicht nur Ihr inneres Wesen. Ab hier nimmt der Horror-Anteil des Films stetig zu und kulminiert in einer langen, drastischen Sequenz, die in ihrer Härte überrascht.

Technisch ist Starry Eyes äußerst schön gemacht, zum Teil recht düster und trumpft mit einer hervorragenden Fotografie auf. Generell ist man sehr nach an den Protagonisten, was mit einigen weiten Stadtaufnahmen konterkariert wird. Die Herausforderung nahezu komplett aus der Perspektive der Protagonistin erzählt zu werden meistert der Film aber hervorragend. Die Effekte sind sehr schön (hand)gemacht und punktuell sehr drastisch (Gore-Hound Niveau) - halten sich aber quantitativ in Grenzen.

Die Darstellerleistungen sind allesamt sehr gut. Als Nebenfigur hat mir Alex' Boss in der Burgerbude sehr gut gefallen. Manche ihrer Freundinnen sind etwas ZU SEHR als 0815-Möchtegern Starlet angelegt, erfüllen diese Rolle aber mehr als ordentlich. Das Ensemble der Jung-Schauspieler/Regisseure wirkt durchaus authentisch und durchdacht und trägt sehr zum Setting bei.

Fazit: Mischung aus mehreren Horror-Genres (Teufelsanbetung, Body Horror) in Kombination mit einer Reflexion über das Arbeiten in der Filmbranche; zum Teil eine fast ätzende Abrechnung damit. In der Hauptrolle sensationell gespielt und außerordentlich schön fotografiert. Leider genannte kleine Drehbuchschwächen und stilistisch nicht ganz einheitlich inszeniert. Stellenweise ist das Pacing im Mittelteil auch etwas verbesserungswürdig. Ansonsten eine sehr solide Empfehlung!

Der Film ist übrigens (neben dem ebenfalls von mir rezensierten "Late Phases") auch im deutschen Angebot von Netflix zu finden (O-Ton mit dt. Untertiteln). Beide Filme sind ungeschnitten.

7/10
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Kommentare

29.10.2015 11:02 Uhr - NoCutsPlease
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.132
Ordentliches Review - informativ, gut formuliert und schlüssig begründet.

29.10.2015 16:14 Uhr - Gonzo Gates
Schönes Review. Ich fand den Film absolut super (denke eher 8,5/10) - toller Horrorstreifen mit 70er/80er Flair - insbesondere der Soundtrack ist ein Kracher (Synthisound a la Goblin oder Carpenter).

30.10.2015 08:59 Uhr - Angertainment
DB-Helfer
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Bin vom Film überzeugt und auch von dem Review erfreut.
Weiter So!

02.11.2015 13:55 Uhr - Dissection78
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.905
Treffende Rezension zu einer Independent-Perle, der ich sogar noch einen halben, wenn nicht gleich einen ganzen Punkt mehr geben würde. Während der Sichtung kamen in mir Assoziationen zu den gleichfalls sehr guten "The House of the Devil" und "Masks" auf.
"Starry Eyes" vermischt diverse Ideen, die so auch von Lynch, Cronenberg, Argento, Polanski oder aus Andrzej Żuławskis "Possession" stammen könnten. Er ist zwar nicht auf deren Meisterlevel, doch seine beiden Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer sind definitiv talentiert und gehen hoffentlich weiter ihren Weg.
Die ruhige Einführung erinnert dabei zuerst eher an ein Sozialdrama, ehe es in Richtung Body-Horror und Okkult-Grusel mit dem ein oder anderen ziemlich derben Gore-Effekt geht. Von Anfang an ist die Stimmung beklemmend und verstörend, und Los Angeles wurde selten so kalt und neblig gezeigt. Der Synthie-Score ist klasse, die Schauspielergarde ist insgesamt überdurchschnittlich, doch Hauptdarstellerin Alexandra Essoe (in ihrer ersten Hauptrolle) muss auch ich hier in der Tat einfach hervorheben, weil sie nuanciert und richtiggehend grandios den emotionalen Ausnahmezustand ihrer Figur Sarah Walker aufzeigt und den gesamten Streifen fast im Alleingang trägt bzw. tragen muss.

Tolle Sache, das!

03.11.2015 15:40 Uhr - Grrrg
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Erfahrungspunkte von Grrrg 338
Tolles Review, das mich sehr neugierig auf den Film gemacht hat. Wird angeschaut.
Danke

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