SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Zombie Army 4 Dead War · Die Kultjagd · ab 38,99 € bei gameware Mortal Shell · Die letzten Überbleibsel der Menschheit · ab 34,99 € bei gameware

Abwärts

Herstellungsland:Deutschland (1984)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Freitagabend in einem Bürohochhaus. Die Gänge menschenleer, die Angestellten auf dem Weg ins Wochenende. Für die letzten vier Nachzügler der Beginn eines Alptraums. 100 Meter über dem Boden bleibt der Fahrstuhl stecken. In ihm der Buchhalter Gössmann, gerade entlassen und mit dem Inhalt des Bürosafes in seinen Taschen, der abgehalfterte Macho-Yuppie Jörg, seine Kollegin und Ex-Geliebte Marion und der Schmalspurrebell Pit. Vor Montag ist keine Hilfe zu erwarten. Für eine lebensgefährliche Situation eine zu explosive Mischung. Angst schürt Wut und Hass und es kommt zu erbitterten Auseinandersetzungen. Dann reißt das erste Kabinenkabel...
eine kritik von nivram:

Ein Fahrstuhl wird von den unterschiedlichsten Personen verwendet, und zwar auch mal häufig zeitgleich. Wenn der Aufzug dann stecken bleibt, führt dies zumindest in der Filmwelt meist zu einem Aufeinanderprallen jener nicht selten grundverschiedenen Persönlichkeiten.
So läuft es auch in diesem deutschen Thriller aus den Achtzigern, welcher vier Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben (wollen), durch einen defekten Aufzug auf engstem Raum einpfercht und sie dazu zwingt, sich mit ihren vielfältigen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen, Ansichten sowie Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Dass es zwischen dem Macho Jörg, seiner Ex Marion, dem vorlauten Pit und dem schweigsamen Gössmann bereits zu eindeutigen Bekanntmachungen der gegenseitigen Abscheu kommt, bevor der Ernst der Lage überhaupt vollständig klar wird, ist keine große Überraschung. Dass der Film trotz der leicht vorhersehbaren Konflikte zu überzeugen weiß, hat mehrere Gründe.

Zum einen versteht Regisseur und Drehbuchautor Carl Schenk es, sowohl die zwischenmenchlichen Konflikte als auch die Bedrohung durch die gefährliche Notsituation spürbar werden zu lassen. Dabei konzentriert der Film sich grob umfasst in der ersten Hälfte auf die Konflikte, während in der zweiten Hälfte zusehends der defekte Fahrstuhl in den Vordergrund rückt, ohne, dass die Konflikte vergessen werden.

Zum anderen leisten die Schauspieler durch die Bank weg gute Arbeit. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Götz Georges Darstellung des Jörg: Ein Mann, dessen beste Zeit definitiv schon länger vorüber ist, der es sich aber trotzdem nicht nehmen lässt, auf andere herabzusehen. Seine aggressiven Wortgefechte mit dem damals noch recht jungen Hannes Jaenicke (spielt den Pit) gehören zu den Höhepunkten des Films.

Während innerhalb der Kabine durch nahe Kamerawinkel eine gewisse Enge erzeugt wird, sorgt die Kameraführung in den Ausflügen auf das Farhstuhldach durch geschickte Einstellungen des Abgrundes und der Füße der Schauspieler dafür, dass der schmale Grat, auf dem die Akteure balancieren, greifbar wird.

Das Alter des Films kommt diesem übrigens meiner Ansicht nach zugute: Heutzutage hätten mindestens drei der Eingesperrten ihr Smartphone dabei und die Angelegenheit wäre vom Tisch. Wenn hier aber Jaennicke seine Game-and-Watch-Konsole herauskramt und den vier Leuten zur Kontaktaufnahme nach außerhalb nichts besseres einfällt, als den Notknopf fest zu klemmen und gegen die Wände zu hämmern, wird klar, in welcher Zeit der Film spielt. Dadurch wirkt das Szenario glaubhafter als zum Beispiel das aus dem ähnlich aufgebautem "Elevator" von 2011, der an mehreren Ecken krankte, die "Abwärts" souverän meistert.

Ein paar Twists sorgen im letzten Drittel nochmal für Spannung, bevor die Reise nach circa 80 kurzweiligen Minuten ihr Ende findet.

 

Fazit:
Spannender Fahrstuhlthriller aus deutschen Landen, der sich nicht vor ähnlichen FIlmen aus anderen Ländern verstecken müsste. Weder für Leute mit Höhenangst noch für Klaustrophobiker zu empfehlen.

8/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Skyline
nivraM
4/10
Temper
nivraM
1/10
TubeClash
nivraM
die neuesten reviews
Hellraiser
Cabal666
6/10
Cadaver
Ghostfacelooker
Climax
InglouriousFilmgeeks
8/10
Klasse
sonyericssohn
9/10
Maniac
tp_industries
8/10
Johnny
cecil b
8/10

Kommentare

24.11.2015 08:58 Uhr - spone
User-Level von spone 4
Erfahrungspunkte von spone 300
Kurz auf den Punkt gebracht: Stark! Dein bestes Review bis jetzt! Bitte mehr davon ! :-)

24.11.2015 08:58 Uhr - JasonXtreme
DB-Co-Admin
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.545
Gute Arbeit, da kann man nur beipflichten :) Die Besetzung ist aber auch formidabel!

24.11.2015 09:43 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 23
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.125
Mensch Marvinator, ich bin überrascht!
Nachdem du so oft irgendwelche Arschkrampentitel rezensiert hast, nun mal so etwas. Du hast zwar immer noch ein bisschen dieses Aufsatzdeutsch intus, aber das gibt sich sicher im Laufe der Zeit.

Zum Film:
Sehr guter Beitrag aus deutschen Landen. George ist aber auch eine Bank - da fehlt es uns hierzulande echt an würdigem Nachwuchs. Jaenicke lief mMn nach zwar erst in den 90ern zu Bestform auf, aber hier war er schon sehr überzeugend.

24.11.2015 14:39 Uhr - Ismael
User-Level von Ismael 2
Erfahrungspunkte von Ismael 53
"Abwärts" sah ich vor 25 Jahren im Fernsehen, dass einzige was mir noch in Erinnerung blieb, war das Ende von Götz (kein Spoiler).
Denke, ich muss den Film mal wieder sichten.
Nivram, danke für diese Filmkritik.

24.11.2015 17:45 Uhr - Dr. Jones
Wahrlich ein starker Film aus den 80 ern , verpackt in eine super Kritik .
Der schweigsame Gössmann wird übrigens von Wolfgang Kieling gespielt den viele alte Sesamstrassen Kieker noch als Stimme von Bert kennen ( sollten ) .

Bester Spruch des Films : Was hat 32 Zähne und bewacht ein Ungeheuer ?
Mein Reißverschluss !
Wenn mich nicht alles täuscht war das Ralf Richter als Fahrstuhl Techniker .


25.11.2015 00:39 Uhr - NICOTERO
User-Level von NICOTERO 1
Erfahrungspunkte von NICOTERO 15
Top Review zu einem top Film der 80iger.

25.11.2015 07:22 Uhr - nivraM
DB-Helfer
User-Level von nivraM 9
Erfahrungspunkte von nivraM 1.198
Danke für die Blumen. Ich war etwas skeptisch, weil ich das Review gleich nach der (Erst)sichtung verfasste und dazu neige, Filme zuerst deutlich positiver zu bewerten (gut zu sehen an meinen Posts im Forum, wo ich Kinobesuche ausgesprochen häufig mit 10/10 Punkten honoriere).

25.11.2015 13:29 Uhr - cecil b
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.168
Tolle Auswahl, toll verfasst!

Schlechte Filme zu rezensieren halte ich auch für wichtig, damit kann man warnen, oder ironisch werden. Aber gute Filme zu besprechen macht auch beiden Seiten Spaß. ;)

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)