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Repo! The Genetic Opera

Herstellungsland:USA (2008)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Musikfilm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,18 (11 Stimmen) Details
inhalt:
In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft rottet eine weltweite Epidemie beinahe die gesamte Menschheit aus. Die einzige Heilungsmöglichkeit besteht im Austausch der befallenen Organa, die von GeneCo produziert werden. Die Biotech-Firma ist bereit, mit ihren Diensten in Vorleistung zu treten und übernimmt alle Kosten. Doch sollte der Empfänger nach Ablauf einer Frist nicht zahlen können, wird er zum Fall für den Repo-Mann. Und dieser ist befugt, GeneCo Besitz mit allen mitteln zurückzufordern...
eine kritik von angertainment:

Jetzt mal wieder eine Herzensangelegenheit, da ich immer wieder schrecklich erstaunt bin das dieses geniale Werk viel zu unbekannt geblieben ist. Mit Repo! The Genetic Opera hat sich Regisseur Darren Lynn Bousman unwiderruflich einen Platz in meiner Top-Liste gesichert. Da dieser Name oft nur in Verbindung mit dem ausgelatschten Saw-Franchise gebracht wird, sollte dem geneigten Leser empfohlen werden auch mal auf seine anderen cineastischen Beiträge wie Mother's Day oder eben Repo! zu schielen. Mit dem finanziellen Erfolg von Saw II hat Bousman nämlich genügend willige Produzenten aquirieren können um aus dem Kurzfilm-Projekt Repo! des Kreativkopfes Terrance Zdunich einen abendfüllenden Spielfilm zu produzieren und sich so trotz gescheiterter Einnahmen einen Fankult aufzubauen. Aber mal langsam...

Terrance Zdunich und Darren Smith sind die Schöpfer hinter dem kultigen Werk und schufen das Konzept um ein musikalisch unterlegtes Sci-Fi Rock-Abenteuer. Da die Werbemittel seitens Lionsgate eher gering ausfielen, die Crew aber an das Projekt glaubte, gingen sie samt Darsteller auf eine Road-Tour um die nun bewilligte Spielfilmproduktion zu promoten. Der Film war finanziell gesehen ein Flop, die Kritker haben ihn förmlich zerrissen. Jedoch ist es ein typisches Beispiel für ein Kunstwerk, welches erst eine Weile braucht um die ihm zustehende Achtung zu erlangen

Der Soundtrack ist am ehesten in Richtung Gothic-Rock-Oper einzuordnen und bietet zwischen Gitarrenriffs, elektronischen Klängen mit Schlagzeugwirbel eine perfekte Symbiose zwischen Handlung und Musik. Auch reine Sopran-Stücke, poppig anmutende Klänge und Industrial-Synthie-Rock sind hier eingebaut. Ein wilder Mix, aber stets zum dreckig futuristischen Stil passend und mit Bildern inszeniert. Bei der Ausarbeitung um weitere Songs und Figuren für das futuristische Monument boten sich dann auch stimmliche Ergänzungen an, welche durch Weltstar Sarah "Time to say Goodbye" Brightman, Anthony Stewart Head (Buffy Vampire Slayer, Little Britain) und Robert Rodriguez' Entdeckung Alexa Vega (Spy Kids, Machete Kills, Sin City) tolle verschiedene Klangfarben hinzucasten konnten. Neben weiteren skurrilen Stimmen wie dem unentdeckten Gesangstalent Paul Sorvino (Goodfellas), B-Movie-Knalltüte Bill Moseley (TCM 2, Devil's Reject's) everybodys Darling Paris Hilton (ja, genau die Paris Hilton!) und dem Bandleader Nivek Ogre der Formation Skinny Puppy ist noch Schöpfer/Songwriter und Hauptdarsteller Terrance Zdunich besonders hervorzuheben, da seine markante und eindringliche Stimme besonders auffällt. Das Spektrum der Darbietungen reicht von Rock-Balladen, treibenden Beats über Stimm-Duette und ist mitunter erfrischend blutig untermalt. Die Hauptfigur des Repoman (A.S. Head) ist grandios besetzt und wer den Darsteller noch aus der Serie Buffy als Mentor der Jägerin kennt, erinnert sich vielleicht auch daran, dass es eine Musical-Episode (Once more with Feeling) gab in der Head auch schon sein musikalisches Talent bewies.

Die Story wird zeitweise gesanglich durch den Graverobber (Zdunich) erzählt, um den Zuschauer die Sicht in diese Welt zu eröffnen und spielt in einer dunklen Zukunft. Wenn Menschen krank werden, ist es inzwischen möglich die erkrankten Organe tauschen zu lassen um so dem Verfall entgegenzuwirken. Jedoch gibt es die Organe nicht verkauft, sondern nur gegen monatliche Gebühren. Der RePo-Man (Re-Possession - Besitz-Zurück) treibt bei den Schuldnern die Organe wieder ein, sollten diese an GeneCo. nicht rechtzeitig zahlen. Kein Wunder, dass Nathan als Handlanger dieses Konzerns mit zweifelhaftem Job nicht über sein Tagesgeschäft mit seiner Tochter Shilo spricht. Der Tod von Shilos Mutter ist ein weiteres Mysterium für diese, so stolpert sie bei der Suche nach Antworten in die sinistre Welt des GenoCo-Imperium-Oberhaupts, seinen skurrilen Erben und dem Graverobber - der eine neue Droge aus Leichen entzieht.

Inszenatorisch ist der Film mit anderen wichtigen cineastischen Werken verglichen natürlich lange nicht perfekt. Die CGI-Hintergründe sind leicht zu durchschauen, einige Storyparts werden comichaft überzeichnet erzählt und auch nicht jeder Song vermag in seiner ganzen Länge vollends zu begeistern. Dennoch ist das Setting stimmig zum dreckigen Look, die Kostüme sind wohl überlegt und die Story samt gesellschaftskritischer Zukunftsvision schreit förmlich nach mehr Infos, so dass man sich als begeisterter Zuschauer eine längere Laufzeit oder gar eine Serie gewünscht hätte. Ein interessanter Ansatz ist leicht rauszukitzeln und wenn man sich auf die Musik einlassen kann, wird man hier bestens unterhalten. Auch für die GoreFreaks ist der Film mit einigen Schauwerten bestückt, erfreulicherweise unberührt von der deutschen FSK ab 16 ungekürzt abgesegnet. Der Film ist übertrieben stylish und geht schon etwas in Richtung Gothic/Gruftie-Szene, aber besitzt eben die Klasse und den Anspruch sehr abwechslungsreich daherzukommen. Eben mal kein ironischer Trash oder eine komödiantische Sorte von Musik, sondern eine ernste Story mit passendem Soundtrack im dreckigen Gewand. Das Genre pendelt irgendwo zwischen Sci-Fi-Horror und Familiendrama.

Anzumerken ist vielleicht noch, das es sich nicht um ein Musical in der Form von Grease oder sowas handelt, die Musik begleitet das gesamte Stück und bricht nie ab. Daher ist es eine wohltat für die Ohren, dass auch die deutsche Auswertung im Originalton vorliegt, da es wahrlich keinen Sinn gemacht hätte das Gesamtwerk mit Synchronsprechern neu einzusingen und zu verfremden. Der Film liegt also auch in der deutschen Fassung im Original vor und wird lediglich durch Untertitel unterstützt. Auf der deutschen Kinowelt-DVD ist ein Interessantes Extra dabei, denn hier wurden ein paar Szenen bereits synchronisiert und neu eingesungen, bis das Label und die Synchronstudios wohl selber gemerkt haben dass es keinen Sinn macht. ;)

Das Team aus Bousman und Zdunich haben sich jedenfalls hiermit einen kleinen Traum erfüllt und auch eine Fangemeinde geschaffen. Repo! - The Genetic Opera gilt in Fankreisen als die futuristische Rocky Horror Show. Der finanzielle Erfolg blieb aus, aber wenn man den weiteren Werdegang der beiden Macher verfolgt, merkt man dass sie nie aufgehört haben diese Produktion zu verteidigen. Bei der aktuellen Zusammenarbeit am Projekt um den Devil's Carnival gibt es inzwischen die Zweite Inkarnation Alleluia! - The Devil's Carnival und bei der Live-Road-Tour hierzu wurden auch kurzzeitig Wiederaufführungen von Repo!-Live-Konzerten ins Leben gerufen, welche im NullkommaNix ausverkauft waren. Der Cast zu The Devil's Carnival ist mehr als beeindruckend, so konnte man neben den Altbekannten Darstellern aus Repo! noch Größen wie Jimmy Urine (Mindless Self Indulgence), David Hasselhoff (Knight Rider) und Sean Patrick Flanery (Blutige Pfad Gottes) gewinnen.

Wer noch nie was von Repo! - the genetic Opera gehört hat, sollte dies nun schleunigst nachholen, denn der Film bekommt von mir den relativ seltenen Angertainment-Empfehlungs-Stempel!

Mein Appell an die Leute die schon das Kotzen kriegen wenn sie Lesen "Von den Produzenten/Regie der SAW-Reihe" und diversen Musical-Hassern - lasst Euch nicht abschrecken. Der Film ist ein viel zu unbekanntes Meisterwerk und verdient Aufmerksamkeit!

10/10
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Kommentare

20.01.2016 14:50 Uhr - dicker Hund
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Ambitionierte Vorstellung und interessant klingender Film!

20.01.2016 15:16 Uhr - JasonXtreme
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Super geschrieben, da beißt die Maus keinen Faden ab! Vom Hören/Trailer kenn ich den natürlich, aber wegen meiner immerwährend intensiven Abneigung gegen Musicals und dergleichen habe ich den gemieden :D

20.01.2016 16:47 Uhr - Insanity667
1x
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Geniale Rezension! :)

Ich würde mich zwar jetzt nicht unbedingt als Musical-Hasser bezeichnen, oder bezeichnen lassen wollen, aber von derartigen Filmen habe ich eigentlich nach "Stage Fright" und "Into the Woods" gehörig den Kanal voll! :(

TROTZDEM (!) muss ich zugeben, dass du mich heiß gemacht hast! Werde den mal abchecken, wenn es passt! Danke für den Tipp, mit Angertainment-Empfehlungs-Stempel! Da dürfte eigentlich nix schief gehen! :)

20.01.2016 17:38 Uhr - Horace Pinker
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Sehr schöne Review. Mir gefiel der Film auch gut, nachdem ich mich an die Machart gewöhnt hatte. Die Inszenierung einer solchen dystopischen Zukunft ist gut gelungen und auch die meisten Lieder waren nach meinem Geschmack. Dazu noch einige für einen FSK 16 Film recht harte Szenen, z.B. die "Rückholung" überfälliger Organe rundeten den Film zusätzlich ab. Ich muss aber auch gestehen das ich Darren Lynn Bousman's Filme bisher alle mochte (die von ihm inszenierten Saw Teile, insbesondere Teil 3 haben mir von allen Teilen der Reihe am besten Gefallen). Kleine Zusatzinfo: In Repo haben mehrere Darsteller aus den Saw Filmen Gastauftritte, u.a. Athena Karkanis als Opfer des Repo Man und J. La Rose.

20.01.2016 22:03 Uhr - Intofilms
2x
Eine ganz tolle Rezi von Dir, Angertainment, Dankeschön!! :D

V.a. kannst auch Du schlüssig Deine hohe Wertung begründen.

In meinem Bekanntenkreis genießt der, ähnlich wie bei Dir, absoluten Kultstatus.
Nur mich persönlich hat der irgendwie nie so ganz überzeugen können. Ich hatte oft das Gefühl, der Film will einfach zu viel.
Aber dass der bei vielen so hoch im Kurs steht, kann ich trotzdem gut nachvollziehen, weil der schon irgendwas hat. Und zumindest einmal gesehen haben sollte man den auf jeden Fall...!

"Phantom of the Paradise", der mir hier unweigerlich in den Sinn kommt, ist mMn aber schon eine ganz andere Hausnummer...

20.01.2016 22:26 Uhr - Argamae
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Wenn es nur kein Musical wäre. Ich ertrage Musicals nicht. Danke trotzdem für das ausführliche und sehr informative Review.

20.01.2016 23:49 Uhr - NICOTERO
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Absolut verdiente 10/10! Perle von Film....
Grossartig geschrieben

21.01.2016 09:19 Uhr - Angertainment
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Danke für Eure Meinungen,
es ist wirklich eines der Werke die einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und von daher bin ich froh wenn ich das auch vermitteln konnte.
@Insanity: Gib ihm ne Chance ;)

22.01.2016 18:43 Uhr - NoCutsPlease
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Kurzum: Tolle Arbeit wieder!
Auch an mir ist dieser Film bislang vorbeigegangen, aber er klingt allein durch seinen ungewöhnlichen Stil sehr interessant.

Storytechnisch fühle ich mich vom Prinzip des Organschindluders ein bisschen an den zwei Jahre später (!) entstandenen "Repo Men" erinnert, der auf einem Roman basiert, der ein Jahr später als dieser Film hier entstanden ist.

22.01.2016 19:18 Uhr - Insanity667
DB-Helfer
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21.01.2016 09:19 Uhr schrieb Angertainment
@Insanity: Gib ihm ne Chance ;)


Machter, mein Guter... machter! :)

03.05.2016 23:56 Uhr - Obi Wan
In meinem Bekanntenkreis bin ich leider der einzige Fan dieses Films, selbst meine Freundin als Fan von atmosphärischen und harten, blutigen (Horror-)Filmen (nur zu abgedrehte Filme wie ANTICHRIST, IRREVERSIBLE oder SANTA SANGRE usw. gefallen ihr nicht) wollte REPO! nach dem Trailer nicht mehr sehen. Ich liebe den Film/Musical - Anthony Stewart Head ist überragend, die Musik passt perfekt zur dystopischen Atmosphäre...
Auch wenn man keine Musicals mag, REPO! - THE GENETIC OPERA hat eine Chance verdient!

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