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Ufos zerstören die Erde

(Originaltitel: Yôsei Gorasu)
Herstellungsland:Japan (1962)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Science-Fiction
Alternativtitel:Gorath, the Mysterious Star
Suspicous Star Gorath
Astronaut 1980
Gorath
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Ein riesiger Meteorit mit einer hohen Gravitation rast auf die Erde zu. Um den Aufprall mit dem Meteoriten zu verhindern, verändern Wissenschaftler die Erdumlaufbahn. Doch dies hat gewaltige Naturkatastrophen zur Folge.
eine kritik von laughing vampire:

Im Sommer diesen Jahres erfolgt nach zwölf langen Jahren endlich der langersehnte Neustart der Godzilla-Saga. Während die vor einigen Wochen veröffentlichten Promo-Poster und kürzlich geleakten Bildern die Fangemeinde spalten, da Hideaki Anno (Shin Seiki Evangelion) wohl einen völlig neuen, düsteren Kurs einschlagen wird, bin ich Feuer und Flamme für das Projekt und kann es kaum erwarten, mir im Sommer Shin Gojira im Kino anzusehen! Da das neue Jahr jedoch gerade erst begonnen hat, bleibt noch genug Zeit, sich zur Vorbereitung wieder einmal die Klassiker aus den Tōhō-Studios zu Gemüte zu führen.

Zum Godzilla-Universum gehören bekanntlich nicht nur die bislang 28 Filme mit der Riesenechse. Besonders in den 1960ern wurden von den selben kreativen Köpfen viele weitere Science-Fiction-Abenteuer produziert, die thematisch von Alien-Invasionen über versunkene Welten bis hin zu radioaktiven Flüssigmenschen reichen. Gemeinsamkeiten dieser Werke sind eine stets pazifistische Grundhaltung, teils haarsträubende politische Konstrukte wie etwa eine vereinigte Weltarmee, phantastische wissenschaftliche Errungenschaften ohne Rücksicht auf die Grenzen der Physik und einfache Beziehungsdramen, die den Plot zusammenhalten. Hervorzuheben sind auch die oftmals kräftigen Farben und das seit 1957 genutzte TohoScope-Breitbildformat, was für einen starken Wiedererkennungswert sorgt und die Filme auch heute noch modern aussehen läßt.

Auch der vorliegende Film ist ein typisches Erzeugnis jener glorreichen Zeit, in denen Tokusatsu-Produktionen an den Kinokassen äußerst erfolgreich waren und die Tōhō-Studios noch genügend finanzielle Mittel hatten, um ihre Visionen entsprechend umzusetzen (was sich gegen Ende der 60er-Jahre leider änderte und insbesondere in den 70ern zu fürchterlichen Billigproduktionen wie Godzilla vs. Gigan führte).

Yōsei Gorath, entstanden unter der Regie von Ishirō Honda (Godzilla, Chikyū Bōeigun/The Mysterians, Mothra uvm.) und geschrieben von Takeshi Kimura (der für die eher düsteren, politisch-geprägten Filme verantwortlich war, im Gegensatz zu seinem Kollegen Shinichi Sekizawa), erzählt die Geschichte eines zerstörerischen Feuerplaneten mit gewaltiger Gravitationskraft, der ungebremst auf die Erde im Jahr 1980, damals noch nahe Zukunft, zurast. Eine Erdrakete, die eigentlich den Saturn erfoschen sollte, wird von Gorath vernichtet; als Reaktion darauf und zur Erfoschung des Fremdkörpers im Sonnensystem wird sogleich eine zweite Rakete entsandt, während auf der Erde die Mitglieder der Vereinten Nationen ihre politische Differenzen beiseite legen und gemeinsam an einer wissenschaftlichen Lösung zur Rettung der Erde arbeiten. Jene entpuppt sich dann als Projekt, die Erde unter Zuhilfenahme von Atomenergie mittels Düsen am Südpol aus ihrer Umlaufbahn zu befördern, um Gorath auszuweichen(!). Daß dies nicht ohne weitere Schwierigkeiten möglich ist, versteht sich von selbst, und so befreit sich dann auch mal ein riesiges Walroß(!!) aus dem ewigen Eis, um den Menschen etwas dazwischenzufunken. Währenddessen verliert einer der Piloten der Erdrakete, Kanai, beim Anblick Goraths sein Gedächtnis und erkennt auf der Erde seine Geliebte nicht mehr.

Ach ja, Gorath hat wahrlich alle Zutaten, die ein unterhaltsamer Science-Fiction-Film benötigt: Eine äußere Bedrohung, Weltraummissionen, Riesenmonster, schöne Frauen in der Badewanne und insbesondere gegen Ende noch ein wahres Feuerwerk an überzeugenden Spezialeffekten (natürlich unter der Regie von Miniaturset-Meister Eiji Tsuburaya). Die Geschichte ist natürlich hanebüchen, aber wen das stört, der sollte prinzipiell die Finger von solchen Produktionen lassen und sich Interstellar oder was weiß ich ansehen. Hier geht's um die Freude an der Sache, und nicht zuletzt wohl auch um eine naiv-humanistische Zukunftsvision zu Zeiten des Kalten Kriegs, da die Menschheit ihrem Untergang schließlich nur dadurch entkommen kann, indem sie ihre Differenzen überwindet und zusammenarbeitet.

Schauspielerisch befindet sich hierbei alles auf solidem Tōhō-Niveau; wie üblich begegnet man vielen bekannten Gesichtern wie Takashi Shimura, Akira Kubo und der wunderschönen Kumi Mizuno. Auch die Musik vermag zu überzeugen, wenngleich Komponist Kan Ishii nicht ganz an die Virtuosität eines Akira Ifukube heranreicht, aber der Meister war hier wohl gerade andersweitig beschäftigt. Die Spezialeffekte sind, wie schon erwähnt, atemberaubend und gehören zum Besten, was Tsuburaya je hervorgebracht hat -- einzig das Design des Monsters läßt vielleicht etwas zu wünschen übrig, was aber bestimmt daran lag, daß jenes in letzter Sekunde auf Wunsch des Produzenten Tanaka noch in den Film integriert werden mußte.

Wo der Film im Vergleich zu anderen gelungenen Tōhō-Produktionen etwas abfällt, ist die Liebesgeschichte, die mich nicht ganz überzeugen konnte. Die Charakterisierung des Piloten fällt etwas arg knapp aus; auch der Verlust des einstigen Geliebten seines Schwarms, der bei der ersten Raumfahrt zu Tode kam, wird nur angedeutet und spielt im weiteren Handlungsverlauf keine Rolle mehr. Da hätte man sicherlich noch etwas mehr machen können, aber die Science-Fiction-Rahmenhandlung hatte hier wohl Priorität. In jener Hinsicht gibt es auch keine allzu gravierenden Logiklöcher (vorausgesetzt, man läßt sich überhaupt auf diese Art von Film ein), und auch das Ende enttäuscht nicht.

Von meiner Seite gibt's jedenfalls eine warme Empfehlung an alle Freunde klassischer Science-Fiction, handgemachter Spezialeffekte und japanischer Monsterfilme. Den Film gibt's in Deutschland in seiner japanischen Originalversion in angemessener Qualität unter dem hirnrissigen deutschen Titel Ufos zerstören die Erde (was für Ufos?!) zu kaufen.

8/10
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Kommentare

21.01.2016 15:02 Uhr - Angertainment
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Wow, LaughingVampire legt ordentlich nach!
Wirklich gelungene Kritik und Einführung in die Tokusatsu.
Schön mal wieder von dir zu lesen, vor allem wie immer sehr asiatisch angehaucht ;)

21.01.2016 16:38 Uhr - dicker Hund
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Film interessiert mich nicht wirklich. Review war dennoch spannend zu lesen, was als Kompliment verstanden werden darf;-)

21.01.2016 18:11 Uhr - NoCutsPlease
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Da spricht mal wieder der Japanfilm-Insider, das merkt man von Anfang bis Ende!
Ein schöner und interessanter Beitrag zur bunten Vielfalt dieser Seite.

Die alten japanischen Monsterstreifen haben schlichtweg ihren eigenen Charme. Was jedoch die zum Teil abstrusen deutschen Titel sollten, ist mir immer noch ein Rätsel.

21.01.2016 21:02 Uhr - Dr. Jones
Gerade diese abstrusen deutschen Titel haben mich in den Siebzigern zur Sonntäglichen Jugendvorstellung um 13.30 Uhr doch erst neugierig ins Kino gelockt . ( Würd ich jetzt mal rückblickend behaupten )

22.01.2016 12:40 Uhr - Laughing Vampire
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Danke für die tolle Rückmeldung! :)

@Dr. Jones: Der Witz ist ja, daß die japanischen Titel oftmals selbst ziemlich abstrus sind, man also mit etwas genaueren Übersetzungen durchaus einen ähnlichen Effekt hätte erzielen können (hier etwa "Gorath, der Teufelsstern")... Außerirdische und Ufos kommen hier ja ausnahmsweise keine vor. Nichtsdestotrotz beneide ich dich etwas darum, in den 70ern jung gewesen zu sein (ich bin Jahrgang 93). :)

22.01.2016 18:39 Uhr - Dr. Jones
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@ Laughing Vampire
Ja diese Kino Jugendvorstellungen in den Siebziger ist schon ein gewisser Teil meiner Kindheit gewesen .
Denke mal das ich da die meisten ( oder sogar alle ) Japanischen Monsterfilme gesehen habe. Ganz zu schweigen von den ganzen Karate oder Kung-Fu Filmen ...
Besonders die Godzilla Filme waren immer was besonderes .
Wenn z.b Tokio von irgendwelchen Monstern fast schon den Erdboden gleichgemacht worden war , kam dann plötzlich unser aller Lieblings Godzilla daher und hat dann alle
Frankensteins Monster nen ordentlichen Arschtritt ins Weltall verschafft und somit wieder mal die gesamte Menschheit gerettet
Das ganze volle Kino hat dann immer gejubelt , gegröllt und geklatscht, und das alles für 1,50 DM .

Übrigens gibt u.a auch noch ein Japanischen Film mit dem Titel " Krieg der Planeten " wo eine Römische Galeere als Raumschiff ! zu sehen ist .



23.01.2016 21:28 Uhr - Argamae
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Immer wieder herrlich, diese Cover-Texte: "Das Filmerlebnis des Jahres"... hihihi.

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