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Der Satan ohne Gesicht

Originaltitel: La Bambola di Satana

Herstellungsland:Italien (1969)
Genre:Horror
Alternativtitel:The Doll of Satan
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Die junge Elisabeth fährt zusammen mit ihrem Freund Jack zwecks Testamentseröffnung ihres verstorbenen Onkels zur ländlich gelegenen Burg ihrer Familie. Die alten Gemäuer verbergen immer noch zahlreiche Geheimnisse, die sie noch nicht entdeckt hat, obwohl sie die meiste Zeit ihrer Kindheit dort verbrachte. Es geschehen merkwürdige Dinge. Elisabeth wird obendrein von seltsamen Träumen heimgesucht. Und wer ist der vermummte Mörder, der auf dem Schloss umher geht? Jack vermutet, dass alles mit dem Erbe zu tun haben könnte und stellt Nachforschungen an. Die Bewohner des Schlosses geraten in Lebensgefahr. (X-Rated Cover)

eine kritik von mynan:

Der geneigte deutschsprachige Giallo-Fan kann sich in den letzten Jahren wahrlich nicht beklagen: in schöner Regelmäßigkeit erscheinen deutschsprachige Erstveröffentlichungen von Werken dieser scheinbar mit einem unerschöpflichen Fundus gesegneten Filmgattung, auf die man sehr, sehr lange warten musste. Auf Anhieb fallen mir hier Lucio Fulcis "Die sieben schwarzen Noten" und "Don't torture a duckling" ein, und die nächste hochinteressante Neuveröffentlichung steht schon in den nächsten Tagen an: "Das Parfüm der Dame in Schwarz". Und manchmal erscheinen auch eher unbekannte Titel, bei denen man sich durchaus fragen kann, auf welchen verschlungenen Wegen ausgerechnet diese nunmehr den Weg zu uns gefunden haben.

Einer dieser Kandidaten ist "Der Satan ohne Gesicht" ("La Bambola di Satana"), der 1969 (ausschließlich) in die italienischen Kinos kam und anschließend auch nur auf VHS und hier wieder nur in Italien erschien und keine weitere internationale Auswertung mehr fand. X-Rated hat diesem Werk nunmehr tatsächlich nach Jahrzehnten eine gelungene Veröffentlichung spendiert, die den Film in wahrscheinlich nie zuvor gesehenem Glanz erstrahlen lässt und auch eine recht gelungene deutsche Synchronisation und sogar einen ausgeprochen interessanten Audiokommentar enthält, der viele Hintergrundinfos zu dem Werk und seiner Neuveröffentlichung bereit hält. Unter anderem erfährt man, dass "Der Satan ohne Gesicht" in Rom gedreht wurde und ein ziemlich rares und unbekanntes Werk ist, was bei eingangs erwähnter, damaliger Veröffentlichungsgeschichte sicherlich nicht weiter verwundert. Darüber hinaus wird ausgeführt, dass der Film wahrscheinlich bereits einige Jahre zuvor fertiggestellt wurde und aus unerfindlichen Gründen bis 1969 "auf Halde" lag.

"Der Satan ohne Gesicht" stellt die einzige Regiearbeit von Ferruccio Casapinta (was für ein wohlklingender Name) dar. An der Qualität dieses Films kann es eigentlich nicht gelegen haben, denn Casapinta hat hier ein recht ansehnliches Debüt hingelegt, das auch aus filmhistorischer Sicht als durchaus interessant anzusehen ist, da man hier von einem Bindeglied zwischen dem seitherigen klassischen Gothic-Horror der damaligen Zeit und der beginnenden Hochzeit des Giallo sprechen kann. "Der Satan ohne Gesicht" vereint beide Elemente und würzt sie darüber hinaus mit einem Schuss Edgar Wallace, insgesamt also eine Kombination, mit der ich mich durchaus anfreunden kann.

"Der Satan ohne Gesicht" punktet vor allem mit seiner Kulisse: dem Schloss (das neben seiner prunkvollen Ausstattung auch die klassischen wehenden Vorhänge und ein finsteres Kellergewölbe inklusive Folterkammer bietet), das die junge Elizabeth (Erna Schurer) von ihrem verstorbenen Onkel geerbt hat, in dem es aber offenbar nicht mit rechten Dingen zugeht, denn hier treibt ein Killer sein Unwesen. Dass dieser schwarz behandschuht daherkommt, ist sicherlich das offensichtlichste Merkmal, dass diesen Film zu einem waschechten (Früh)Giallo macht. Aber auch weitere Elemente das damaligen italienischen Genrekinos sind hier schon vereinzelt zu erkennen, bevor diese später von Fulci, Argento, Martino & Co auf die Spitze getrieben wurden: immer wieder werden Augenpaare kameratechnisch ins Bild gerückt, einige interessante Kamerafahrten gibt es zu bestaunen, und vereinzelt eingestreute Traumsequenzen geben dem ganzen eine surreale Note. Natürlich darf auch etwas Erotik nicht fehlen, wobei diese sehr zahm daher kommt, und einmal kommt sogar ein Hauch von Sleaze auf, als Elizabeth in der Folterkammer des Schlosses von einer Gestalt mit schwarzen Handschuhen das Nachthemd vom Leib gerissen und sie anschließend ausgepeitscht wird.

Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es insgesamt in "Der Satan ohne Gesicht" eher betulich und wenig zeigefreudig zugeht; es wird weitaus mehr gesprochen, als gemordet, und der Gewaltpegel bleibt stets niedrig und überschaubar. Die ganze Chose zieht sich ziemlich in die Länge, und der Plot ist zudem recht simpel und durchschaubar gestrickt, bietet aber immerhin noch eine halbwegs überraschende Auflösung, die zudem nicht ganz so abstrus daherkommt, wie in diesem Genre manchmal üblich.

Schauspielerich ist nicht alles Gold, und ausgerechnet die schön anzuschauende Erna Schurer ("Salamander", 1969, "Der geheimnisvolle Killer", 1975), die eigentlich den einzig bekannten Namen in "Der Satan ohne Gesicht" vorweisen kann, leistet sich den Fauxpas, recht hölzern zu agieren, stand damals aber auch noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere. Der richtige Name von Erna Schurer lautet im übrigen Emma Costantino; den Namen Erna Schurer (war das wirklich eine gute Wahl?) gab sie sich, weil das Publikum ihrer Meinung nach ein Faible für ausländische Namen hatte und sie ein großer Fan der damaligen bekannten Ski-Sportlerin Erna Scheurer war, deren Name ihr als Inspiration diente. Die übrigen Darsteller in "Der Satan ohne Gesicht" sind eher unbekannt und haben in ihrer Filmografie überwiegend kleine Nebenrollen aufzuweisen. Roland Carey ("48 Stunden bis Acapulco", 1967), der den attraktiven Verlobten von Elizabeth spielt und für die beiden einzigen "Actionszenen" in "Der Satan ohne Gesicht", nämlich zwei amtliche Prügeleien, mitverantwortlich ist, strandete in den 80' er Jahren sogar im Pornogeschäft.

Insgesamt ist "Der Satan ohne Gesicht" sicherlich nicht der ganz groß Wurf, aber recht kompetent und atmosphärisch, nicht uninteressant und nicht unspannend in Szene gesetzt, so dass ich meinen "Blindkauf" insgesamt nicht bereut habe. Wer mit den erwähnten Genres des Giallo und des Gothic-Horrors etwas anfangen kann und den Aufwand und den Mut von X-Rated für die gelungene Veröffentlichung dieses unbekannten Werkes honorieren möchte, dem sei hiermit eine vorsichtige Empfehlung ausgesprochen.

7/10
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7/10

Kommentare

22.01.2016 19:58 Uhr - Insanity667
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Eine der wenigen Lücken in meiner Sammlung und eine großartige Besprechung dazu, ich bin begeistert! :) Wirklich große Klasse, dass sich aktuell noch ein paar mehr Gialloliebhaber hier tummeln und ihre Lieblinge vorstellen! Ich war damals, als der Film angekündigt wurde, leider nicht schnell genug und jetzt ist das gute Stück fast nur noch zu Wucherpreisen zu finden! :( Bei "Das Parfüm der Dame in Schwarz" wird mir das wohl nicht passieren!

22.01.2016 22:03 Uhr - dicker Hund
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Flott geschriebene Kritik, bei der die Wortkombination "wenig zeigefreudig" mich voraussichtlich auf Abstand zu diesem Film halten wird. Mag stumpf klingen, aber dazu stehe ich.

23.01.2016 06:54 Uhr - Grrrg
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Schön geschrieben und vermittelt einen guten Eindruck vom Film. Klingt aber nicht so reizvoll.
Klau dem Fulci noch seinen ', dann ist ortographich alles Gold.

23.01.2016 09:58 Uhr - Mynan
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Danke für eure netten Rückmeldungen.

@ GrrrG: Ich habe Herrn Fulci von seinem ' befreit :-)

@ Insanity667: Ich hatte dann wohl Glück, den Film vor kurzem auf einer Filmbörse in einem DVD-Wühltisch zufällig zu finden, und dann auch noch als Blu-Ray und für recht kleines Geld. Auch wenn er sicher nicht zu den Vorzeigewerken des Genres gehört und keinen überteuerten Kaufpreis rechtfertigt, bin ich ob seiner Seltenheit und seiner interessanten Hintergrundgeschichte doch froh, ihn ergattert zu haben. Natürlich bin ich nur durch schnittberichte.com auf diesen Film überhaupt erst aufmerksam geworden. Diese Seite ist wirklich ein El Dorado für Giallo-Interessierte, und ich freue mich besonders über jedes Giallo-Review und bin immer wieder beeindruckt ob der sichtlichen Mühe, die darin investiert wurde. Ich habe hier noch recht viele "Bildungslücken", möchte die nach und nach schließen und bin für Anregungen und Erfahrungsaustausch immer dankbar ;-)

23.01.2016 11:24 Uhr - NoCutsPlease
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Gewohnt mynanische Arbeit! Soll heißen: interessante Auswahl, sehr gut formuliert, anschaulich dargestellt :-)

23.01.2016 13:30 Uhr - Insanity667
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Natürlich bin ich nur durch schnittberichte.com auf diesen Film überhaupt erst aufmerksam geworden. Diese Seite ist wirklich ein El Dorado für Giallo-Interessierte, und ich freue mich besonders über jedes Giallo-Review und bin immer wieder beeindruckt ob der sichtlichen Mühe, die darin investiert wurde. Ich habe hier noch recht viele "Bildungslücken", möchte die nach und nach schließen und bin für Anregungen und Erfahrungsaustausch immer dankbar ;-)


Das ist sehr gut, da kommt demnächst nämlich noch so einiges auf dich/euch zu! :)

23.01.2016 14:33 Uhr - Mynan
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23.01.2016 13:30 Uhr schrieb Insanity667

Das ist sehr gut, da kommt demnächst nämlich noch so einiges auf dich/euch zu! :)


Klasse, da wird es für mich dann sicher viel Neues zu entdecken geben. Auch wenn das für mich dann wieder schwer ins Geld gehen wird, aber was soll's: ich freue mich darauf ;-)

@ NoCutsPlease: Danke dir. Immer wieder schön und bemerkenswert, mit wieviel Interesse Du hier die neuen Arbeiten verfolgst.

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