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The Other F Word

Herstellungsland:USA (2011)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Dokumentation
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Die Dokumentation setzt sich am Beispiel des Sängers der Band "Pennywise", Jim Lindberg, der zu diesem Thema auch ein Buch geschrieben hat, damit auseinander, wie man als (Punk-)Rockmusiker älteren Semesters, das Touren und das Familienleben mit Kindern (denn Fatherhood ist das F-Wort um das es hier geht) unter einen Hut bringt. Unterstützt wird er dabei von Persönlichkeiten wie Flea (Red Hot Chili Peppers), Tim McIlrath (Rise Against), Lars Frederiksen (Rancid) und vielen mehr.
eine kritik von grrrg:

In den letzten Jahren sind einige Dokumentationen zum Thema Punk und Hardcore herausgekommen, gefühlt unzählige. Da sieht man dann die inzwischen mittelalten Herren (seltener Damen) auf der Couch sitzen und erzählen wie das früher so war, aufgelockert durch Konzertaufnahmen aus der guten alten Zeit. Um nur ein Bespiel zu nennen "American Hardcore" (2006) ist eine ausgezeichnete Dokumentation, die sich mit den Ursprüngen auseinandersetzt und sehr viele Beteiligte zu Wort kommen lässt und die haben meistens auch interessante Dinge zu erzählen. Ich mag Musikdokumentationen allgemein sehr gerne, z.B. "Days of our Lives" über Queen ist großartig, aber mein Herz gehört doch dem Punk/Hardcore. Es gibt ja auch einige Beispiele, aus der Gründerzeit wie "Another State of Mind" (von 1984 und der Hammer), aber woher kommt diese Vielzahl an aktuellen Dokus? Vielleicht sind die Akteure von damals inzwischen etwas gesetzter, haben eventuell auch Jobs in der Filmbranche und damit überhaupt erst die Möglichkeiten sich an solchen Werken zu versuchen und den Wunsch einen sehr wichtigen Teil ihres Lebens, anderen Leuten darzulegen. Dass die dafür benötigte Ausrüstung inzwischen auch einiges erschwinglicher geworden ist, hat sicher auch einen Teil dazu beigetragen.
Leider erfährt man oft nicht so viel darüber, was die ganzen Leute inzwischen so treiben. Viele sind ja der Musik treu geblieben, bzw. können nichts anderes, da sie in ihrer Jugend ihre gesamte Energie und Zeit investiert haben und, meistens ungeplant, ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Aber wie das nun mal so geht, wird man doch oft im Alter etwas gesetzter und lebt nicht mehr ganz so wild (zumindest ich und auch viele meiner Bekannten sind, seit die Mitte dreissig überschritten wurde, nicht mehr so viel unterwegs). Ein weiterer Punkt oder gar mehrere, der dazu beiträgt, dass man abends nicht mehr so oft in die Kneipe oder auf Konzerte geht, sind Kinder. Geplant oder nicht, sind sie doch etwas, was das Leben in eine gänzlich andere Richtung lenken kann.  Da verschieben sich die Prioritäten plötzlich ganz gewaltig und dass zumindest einer der Elternteile am Sams- oder Sonntag morgen früh mit einem klaren Kopf auf der Matte stehen muss, macht abendliche Exzesse nicht mehr so einfach. Was aber, wenn man Berufspunk/-jugendlicher ist? Wenn die einzige Einnahmequelle das Touren ist, da die Plattenverkäufe dank Internet in den Keller gegangen sind?
Die Dokumentation " The other F Word" versucht diesem auf den Grund zu gehen. Am Beispiel des Sängers von Pennywise, Jim Lindberg, wird gezeigt, wie der Spagat zwischen Familien- und Rock´n´Roll-Leben aussehen kann. Dazu werden einige andere bekannte Gesichter zum gleichen Thema befragt,. Am bekanntesten für Menschen jenseits des Punk und Hardcore Umfelds dürfte noch Flea von den Red Hot Chili Peppers sein, gefolgt von Mark Hoppus (Blink 182), Fat Mike (No FX), Lars Frederiksen (Rancid) und Tim Mc Ilrath (Rise Against).
Dabei nimmt sich die Doku am Anfang etwas Zeit die Geschichte von Pennywise bzw. Punk und Hardcore allgemein etwas zu erläutern, was für mich eher uninteressant war, aber für Zuschauer, die sich mit dieser Musik nie beschäftigt haben, wichtig sein könnte. Ob solche Menschen sich diesen Film anschauen, steht auf einem anderen Blatt. Dann wird ausführlich das Leben auf Tour gezeigt, was man so auch schon in diversen anderen Veröffentlichungen gesehen hat. Ich empfehle hierfür die No FX Backstagepass Serie, die wirklich sehr unterhaltsam aber auch ungeschönt daher kommt. Zumal dort auch auf das Verhältnis von Fat Mike zu seiner kleinen Tochter, die gar nicht begeistert ist, dass Papa so lange weg ist, eingegangen wird. Irgendwann will sie ihn auch nicht mehr über Skype sehen, was ihm schwer zu schaffen macht. Das kommt auch in "The other F Word" vor, meiner Meinung nach kommt aber auch das zu kurz.
Es gibt einige sehr rührende Momente, wenn Flea mit Tränen in den Augen von seiner Tochter erzählt, oder Duane Peters (US Bombs) vom Unfalltod seines Sohnes. Daneben wird auch kurz thematisiert, wie man denn mit den anderen Eltern zurechtkommt, die nunmal keine gefärbten Haare haben und die Hälfte des Jahres um die Welt reisen. Allerdings finde ich, dass das eigentliche Thema des Filmes etwas im Touralltag von Pennywise untergeht. Wenn man das zweite Mal "Brohymn" live mitverfolgen durfte, reicht es dann auch mal und leider werden einige Aspekte, die mich wirklich nteressiert hätten überhaupt nicht angesprochen. Da wäre zuerst einmal, warum die Herren (und es sind nur Herren, immerhin geht es ja um Fatherhood) überhaupt Kinder bekommen haben. War es ihr Wunsch, waren es "Unfälle" oder haben sie sich dem Diktat der biologischen Uhr ihrer Partnerinnen gebeugt? Man erfährt es nicht, die Kinder sind einfach da. Apropos Partnerinnen: auch von denen gibt es praktisch keine Kommentare, wobei es sicherlich interessant wäre, wie die mit dem Lebenswandel ihrer Männer umgehen. Man sieht sie gelegentlich durchs Bild huschen oder auf einem Monitor beim Skypen,aber das war es dann auch. Meiner Meinung nach wurde da auch eine Gelegenheit verschenkt, aber vielleicht hatten die Damen auch keine Lust vor die Kamera zu treten.
So bleibt im Endeffekt eine Pennywise-Doku, die von den Geschichten über Punkrockers Familienleben aufgelockert wird, aber sich für meinen Geschmack zu wenig auf das eigentliche Thema konzentriert. Trotzdem ist das ganze sehr unterhaltsam anzuschauen und auch für mich selbst, der ich bisher noch kinderlos bin, interessant, da das doch immer mehr Thema wird. Man wird ja nicht jünger. Und da muss man sagen, dass der Film schon Lust auf Kinder macht, wenn man sieht wie die gestandenen Punker begeistert von ihren Sprößlingen erzählen bzw. mit ihnen umgehen.

7/10
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Kommentare

24.01.2016 23:54 Uhr - NoCutsPlease
3x
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Ich wusste gar nicht, dass Stephen Kings kinderfressender Clown eigentlich ein eingefleischter Punkrocker ist. ;-)
Spaß beiseite - absolut nicht mein Metier, aber nichtsdestotrotz ein schönes Review in Grrrg-Rhetorik.

25.01.2016 01:40 Uhr - Grrrg
2x
User-Level von Grrrg 5
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24.01.2016 23:54 Uhr schrieb NoCutsPlease
absolut nicht mein Metier

Kinder oder Punkrock?:)
Wie auch immer, danke für's trotzdem lesen.

25.01.2016 08:10 Uhr - dicker Hund
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Informative und angenehm persönlich verfasste Kritik. Ein punkaffiner Autor mit perfekter Rechtschreibung und Grammatik ist schon etwas besonderes;-) Du darfst mich gerne weiterfüttern...

25.01.2016 18:57 Uhr - Insanity667
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Wow, das nenne ich doch mal ein wirklich symphatisches (nicht dass du sonst unsymphatisch wärst Krümelmonster!) und erdiges Review! Die Doku habe ich selbst bisher leider immer nur Happenweise (Wenn's bei Freunden grad mal nebenbei lief etc.) verfolgt, dass es da um die Kids ging bzw. vorrangig darum gehen sollte, hab ich so gut wie kaum mitbekommen... Bin ja aber auch eher im Metal Bereich unterwegs! :)

26.01.2016 04:58 Uhr - Grrrg
1x
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Vielen Dank.

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