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Blob - Schrecken ohne Namen

(Originaltitel: The Blob)
Herstellungsland:USA (1958)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Science-Fiction
Alternativtitel:Angriff aus dem Weltall - The Blob
Glob That Girdled the Globe, The
Glob, The
Meteorite Monster, The
Molten Meteorite, The
Night of the Creeping Dead, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,15 (13 Stimmen) Details
inhalt:
Ein Meteor stürzt auf die Erde und birgt ein schreckliches Geheimnis: Einen gallertartiger Klumpen, der sich fortan die Bewohner einer beschaulichen amerikanischen Kleinstadt einverleibt. Steve Andrews (Steve McQueen) und seine Freunde sind sich dessen gewahr, aber keiner der Erwachsenen möchte auf sie hören; also müssen die Jugendlichen sich selber dem immer größer werdenden Monstrum stellen.
eine kritik von angertainment:

Dieses mal möchte ich mich einem weiteren Klassiker der Sorte widmen, die meine Kindheit geprägt haben und mich bereits in jungen Jahren faszinierten. Als das Heimkino der VHS-Kassetten begann, war eine vielfach abgespielte Kassette dieser Film hier, damals jedoch noch unter dem Titel "Angriff aus dem Weltall".

Als ein Meteorit auf der Erde landet, entweicht eine glibberige Masse daraus. Die bewegungsfähige Masse nährt sich von lebendem Fleisch und wächst dadurch zu enormer Größe. Der Jugendliche Steve und seine Freundin sind die Einzigen, die die Gefahr kommen sehen, doch niemand scheint ihnen zu glauben. Wie kann der Blob noch aufgehalten werden?

Klingt vom ersten Moment an nach einem ziemlich einfachen formelhaften Plot, das ist es auch. Die damaligen Kritiker haben den Film zerrissen und die in der gleichen Dekade erschienenen großen Sci-Fi-Werke wie H.G.Wells' Kampf der Welten, Der Tag an dem die Erde still stand, Invasion vom Mars oder Die Dämonischen (Body Snatchers) zum Vergleich genutzt. Das kleine Budget des Films, welcher nicht in großen Hollywood-Studios gedreht wurde machte dies auch nicht möglich, jedoch birgt der Film einfach einen Low-Budget-Charme, den man ihm nicht absprechen kann. Die vergleichbaren Monster- bzw. Sci-Fi-Filme wie Formicula (Them) oder Tarantula haben damals auch nicht unbedingt den besten Ruf gehabt, konnten aber Filmfans über Jahre immer noch begeistern und einen Fankult aufbauen. Auch der zweite Versuch den Film für das große Publikum etwas schmackhafter zu machen und ihn unter neuem Titel (oben bereits erwähnt) in Anlehnung an Gefahr aus dem Weltall (It came from Outer Space) zusätzlich mit großen Steve McQueen-Schriftzug 1977 erneut in die Kinos zu bringen scheiterte erfolglos. Die Idee mal keine mutierten Riesen-Insekten oder einen Mann im Gummi-Monsteranzug zu nutzen, war nicht gerade ertragreich - wenn auch kreativ. Wer sich weiter für die Ursprungs-Idee interessiert, könnte auf die körperlose Killermasse stossen, welche bereits in Frühwerken von H.P.Lovecraft unter den Namen "Shogotten" beschrieben wurde. Wie dem auch sei, Der Blob bleibt ein eigenständiges und einflussreiches Werk.

Der damals noch recht junge, aber bereits ungestühme Steve McQueen bekam nach diversen Rollen in TV-Produktionen die erste echte Hauptrolle in einem Spielfilm. Später als Kultstar durch seine Auftritte in Bullitt, Gesprengte Ketten oder eben The Getaway zu ewigem Ruhm und Ehre gekommen, spielt McQueen einen Halbstarken in einem Kleinöd. Die Rolle des aufmüpfigen Jugendlichen steht ihm zwar naturgemäß zu, könnte aber den ein oder anderen Zuschauer wegen des Alters etwas verwundern. Immerhin ist der damals bereits 28 jährige Darsteller sowie seine Filmpartnerin Aneta Corsaut (Zeit der Sehnsucht) mit einem Alter von 25 für die Rolle von Minderjährigen ebenso daneben. Es gibt auch Schnittechnisch viel zu lästern, wenn man denn unbedingt möchte, so wirken viele Szenen und Übergänge etwas unbeholfen oder zu lang - aber der Film sprüht einfach Charme aus. Ja ich wiederhole mich, aber selbst den persönlichen Nostalgie-Faktor ausgeblendet und viele Jahre später noch mal geschauten Film, finde ich einfach klasse unterhaltend. Der Horror besteht darin, das die Teenager keine Aufmerksamkeit für Ihre Befürchtungen bekommen und sich so der marmeladenartige Unhold nähren kann. Zum Finale kommt noch ein wenig Beklemmung hinzu, als man sich der Bedrohung stellt und von ihr auf engstem Raum gefangen gehalten wird. Die Figuren und Sets mögen zeitweise etwas "altbacken" wirken, dies kommt aber dem Gentleman Steve zu Gute und er darf den klassischen Helden mimen.

Um die Figuren besser in die Story einzuführen durfte Haudegen McQueen, welcher übrigens hier als Steven McQueen darstellt und im Film dann Steve heisst, erst mal den anderen Halbstarken seine überlegenen Fahrskills zeigen. (Denn sie wissen nicht was Sie tun... lässt grüßen) Ja und wenn man ehrlich ist, wirkt seine Mimik teilweise etwas drüber aber er sollte eben einen verruchten jungen Spund spielen dem die Erwachsenen nichts glauben. Die Regie hielt Irvin S. Yeaworth Jr. (Der 4-D Mann, Mördersaurier) wobei es aber Gerüchte gibt, dass Steve McQueen manche Szenen nicht gefielen und er sie noch mal nach seinen Vorstellungen drehen liess.

Das Drehbuch schrieben gleich mehrere Personen, welche lobenswerter weise auch im 14 Jahre später veröffentlichten, aber noch viel unbekannteren Sequel Beware! The Blob! und im temporeichen 80er-Jahre Remake von Chuck Russell (Nightmare 3, Eraser) partizipiert waren. Das Sequel hat weder den Charme noch die Ironie des Originals, ist also bis auf den Regisseur Larry Hagman (Bezaubernde Jeannie, Dallas) keineswegs erwähnenswert. Das 1988 erschienene Remake hingegen ist ein actiongeladener Horrortrip, mit subtiler komödiantischer Note und hat 30 Jahre nach dem Original bewiesen, dass Remakes nicht immer schlechter sein müssen. Das Remake lebte natürlich die inzwischen wesentlich besser gewordenen SFX aus und konnte den schleimigen Bösewicht wundervoll in Szene setzen. Die Effekte die beim Original-Blob noch Erinnerungen an Stop-Motion-Werke des Ray Harryhausen hervorrufen sind beim 80er-Remake gegen tolle plastische und kreative Gemeinheiten verbessert worden und gehen schon in Richtung Splatter.

Alles in allem wirkt die Handlung sowie die Charakterzeichnung mit heutigen Maßstäben verglichen vielleicht etwas holprig, aber der glitschige Fremdkörper hat einfach etwas faszinierendes. Das Storytelling ist akzeptabel und die Protagonisten handeln nachvollziehbar. Auch die vielen alternierenden Filmtitel finde ich durchaus interessant, aber das "Untote kriechende Meteoritenmonster Glob das die Welt umgibt" ist zum Glück ein "Schrecken ohne Namen" geblieben ;)

Für Freunde der klassischen Unterhaltungsfilme die auch mal ein Auge zudrücken können wenn Overacting nicht vermeidbar ist, dürfen gerne meinem Rat vertrauen und einen schleimigen Abend mit dem Blob verbringen. Nicht vergessen, das es für 1958 noch eher untypisch war einen Genrefilm dieses Kalibers in Farbe zu präsentieren.

Kurioses am Rande:

In Japan wurde bereits im gleichen Jahr ein Film mit dem Titel The H-Man veröffentlicht, welcher von vielen als Rip-Off abgetan wird. Die italienische Antwort von Mario Bava erschien 1959 mit dem Film Caltiki - The Immortal Monster, welcher ganz offensichtliche Parallelen aufzeigte, jedoch ausserhalb Italiens nie große Aufmerksamkeit erlangte.

Der Titelsong The Blob ist übrigens von niemand anderem geschrieben worden als Swing-Legende und Oscar-Gewinner Burt "Raindrops keep fallin' on my Head" Bacharach.

In der legendären Szene wo der Glibberfeind Blob in ein Kino einfällt und die Leute panisch aus dem Filmtheater rennen wird gerade Dementia gezeigt, da der Produzent des Films hier derzeit die Rechte besaß und so keine weiteren Kosten anfielen.

Das Sequel Beware! The Blob war eine absolute Gurke und ist Larry Hagman's einzige Regiearbeit fürs Kino geblieben. Im Gegensatz zum Original fragt man sich hier wirklich, ob das ganze als Trash intendiert war, wirklich nur für Komplettisten empfehlenswert.

Ein weiteres Remake ist angekündigt und so dürfen wir auf einen actionreichen Vertreter der Reihe hoffen, denn als Regisseur ist Simon West (Expendables 2, Con-Air) bestätigt.

Es gibt jährlich ein sogenanntes Blobfest in Pennsylvania, bei dem die Kinozuschauer nach der Vorstellung alle fluchtartig aus dem Saal rennen um der epischen Szene zu huldigen.

Es wird der Produktion auch ein leichter politischer Unterton zugesprochen, da sich die allesverschlingende Masse nach dem Verzehr von Menschen rot färbt und dies als angebliche Bedrohung des Kommunismus anspielt. Reine Spekulation.

8/10
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Kommentare

28.01.2016 15:57 Uhr - sonyericssohn
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KLASSIKER !!!
Hab den leider bisher nur einmal gesehen, hat mich aber gut unterhalten. Wie deine Kritik.

Warum nur sieht der Blob im 88er Remake eigentlich besser aus ? ;-)

28.01.2016 15:58 Uhr - dicker Hund
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Auch wenn ich das Remake klar bevorzuge: super Review! Musste bei der Politisierungsidee "rote Masse" schon ziemlich breit schmunzeln - und in die Breite ist da 'ne Menge Platz; -)

28.01.2016 16:10 Uhr - Angertainment
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Danke Dicker, Danke Sony!
Es freut mich wenn auch die Genreklassiker hier Anklang finden und ich mit den Gedanken an einen Film aus meiner Kindheit erinnern darf.
CO2-Feuerlöscher los!!

28.01.2016 16:52 Uhr - Insanity667
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Meiner Meinung nach ein absolutes Must-See der Horror oder auch Monsterfilmgeschichte, keine Frage! :) Ich liebe den Klassiker, aber auch das Remake hat mir als junger Filmfan freudige, schleimige Stunden unter der Bettdecke beschert, wenn es mal im Nachtprogramm lief! (Jetzt aber mal nicht an was versautes denken, also bitte! Leute!)
Trefflich rezensiert, wie immer hocherfreut Signore! :)

28.01.2016 18:05 Uhr - Intofilms
2x
Eine glänzende Rezi, Angertainment!
Und besondere Anerkennung gebührt Deiner Rubrik 'Kurioses am Rande', die so herrlich informativ ist! :D

Und was soll ich sagen: Natürlich "liebe" (da hat Insanity das passende Wort gewählt) auch ich diesen Film und werde ihn wohl immer lieben - allein schon wegen dieses flippigen und zugleich leicht biederen 50er-Jahre-Charmes, der praktisch jede einzelne Einstellung durchzieht. Geballte Retro-Power, der ich nichts entgegensetzen kann... :D

28.01.2016 19:57 Uhr - NoCutsPlease
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Mensch, den habe ich mal vor rund 15 Jahren gesehen. Da kannte ich das überaus unterhaltsame Remake schon längst, aber dennoch habe ich das Original in angenehmer Erinnerung.
Für eine konkrete Punktevergabe müsste ich es allerdings noch einmal anschauen.

Tolle Arbeit wieder! :-)

28.01.2016 21:48 Uhr - Angertainment
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Danke Euch :)

29.01.2016 21:17 Uhr - Punisher77
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Tolle Rezension! Sehr gut geschrieben und mit vielen interessanten Infos versehen.

Ist noch gar nicht so lange her, dass ich mir den Film angesehen habe. Für sein Alter finde ich den Film auch heute noch ziemlich gelungen und würde auch `ne 8/10 vergeben.

30.01.2016 00:39 Uhr - NICOTERO
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Gerade an den vergangenen Weihnachtstagen herum wieder genossen. Auch ich bevorzuge klar Chuck Russell's Remake. Dennoch ein tadelloses Review über einen Klassiker seines Genres. Cool...

31.01.2016 12:08 Uhr - Dissection78
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Super! Ich mag den Streifen, finde das Remake allerdings ebenfalls besser.

Es wird der Produktion auch ein leichter politischer Unterton zugesprochen, da sich die allesverschlingende Masse nach dem Verzehr von Menschen rot färbt und dies als angebliche Bedrohung des Kommunismus anspielt. Reine Spekulation.

Dieser politische Unterton wurde ja in etlichen Sci-Fi-Klassikern der 50er verortet ("The Thing", "Invasion of the Body Snatchers" etc.). Manchmal zurecht, andererseits wurde desöfteren auch zuviel dort hineininterpretiert. Ob in konkretem Fall die Rotfärbung des "Blob" eine Anspielung auf den Kommunismus war, möchte ich nicht beurteilen, aber Regisseur Yeaworth war Antikommunist, gehörte zur christlichen Rechten der USA und drehte neben seinen Science-Fiction-Streifen ("4D-Man", "Dinosaurus!") viele religiöse Filme.

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