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Dragon Wars

(Originaltitel: D-War)
Herstellungsland:Südkorea (2007)
Genre:Action, Fantasy
Alternativtitel:D-War: The Rebirth of Legend
Dragon Wars - D-Wars
Dragon Wars: D-War
War of the Dragons
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,71 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Laut einer alten koreanischen Legende kehrt Drache Buraki alle 500 Jahre zurück um sich der Erde zu bemächtigen.
Dem gegenüber stehen nur ein alternder Krieger, sein viel zu junger Schüler und Drache Imoogi.
Ein Auserwählter besiegelt das Schicksal der Erde. Und welcher Drache sich dessen bemächtigt, hängt einzig und allein daran wer hinter dem Einzigen steht.
Die Schlacht der Alten beginnt von neuem. In der Gegenwart, im Jetzt.
Das Schicksal der Erde wird von Drachen entschieden.
eine kritik von laughing vampire:

Was mich an wirklich schlechten Filmen immer fasziniert, ist die Tatsache, daß die Hohlköpfe dahinter stets über das Talent verfügen, genügend Leute für ihre minderwertigen Ideen zu gewinnen, damit die Projekte überhaupt zustande kommen können. Denn anders als etwa einen Roman kann man einen Film naturgemäß nicht komplett im Alleingang drehen. Richtig interessant wird es vor allem dann, wenn solche Werke auch noch völlig überteuert sind, also irgendein Verrückter das notwendige Geld zur Verfügung gestellt haben muß, wohl in der Annahme, einen Erfolg landen zu können. Manchmal funktioniert das ganz gut, siehe Transformers und Konsorten -- aber oft geht's auch gehörig in die Hose, wie der vorliegende Film beweist. Das nennt man wohl Gerechtigkeit. Ich kann mir das, ehrlich gesagt, nur durch irgendwelche ausufernden Partys erklären, bei denen den Financiers unter dem Einfluß bewußtseinserweiternder Drogen auf den Rücken von Prostituierten schwammige Verträge vorgelegt werden...

D-War (nur schon der Titel) hat sich vor allem als "teuerster koreanischer Film aller Zeiten" einen Namen gemacht. Satte 75 Millionen Dollar soll das Machwerk gekostet haben, das es dem Regisseur Shim Hyung-rae ermöglichte, seine feuchten CGI-Träume auszuleben. Was für moderne Hollywood-Verhältnisse wohl gerade noch im Rahmen liegt, bei denen schließlich auch Weltstars und Promotion finanziert werden müssen, ist anderswo eine ungeheure Summe -- koreanische Blockbuster bewegen sich für gewöhnlich im Rahmen von 10-20 Millionen. So kostete etwa der äußerst erfolgreiche Amsal / Assassination von letztem Jahr gerade mal 16 Kisten und spielte ein Vielfaches davon ein; Myeongryang / The Admiral blieb auch bei 18 Kisten und brachte den Machern weit über 100 Millionen zurück. In diesen Dimensionen bewegen wir uns also; in Europa sieht es im Übrigen ganz ähnlich aus.

Bei D-War wollte man dann auch keine unnötigen Risiken für einen internationalen Erfolg eingehen und verlagerte das Setting komplett nach Amerika, holte sich ein paar zumindest halbwegs namhafte Schauspieler wie Robert Forster und Jason Behr (unser Protagonist) an Bord und reicherte die Suppe mit etwas verklärter koreanischer Mythologie an, um doch noch für einen fernöstlichen Touch garantieren zu können. Daß indes die komplette Handlung derart an den Haaren herbeigezogen ist, daß es weh tut, und die Charaktere an Blaß- und Blödheit kaum zu überbieten sind, das hat scheinbar niemanden gestört.

Der Film erzählt die Geschichte eines Reporters (Ethan), der irgendwie als Kind von einem seltsamen Opa in einem Antiquitätenladen erzählt bekommen hat, er sei die Wiedergeburt eines koreanischen Kriegers, weil er eine Kiste zum Leuchten brachte. Er müsse also schnellstmöglich sein weibliches Gegenstück (Sarah) finden, um die Prophezeihung zu erfüllen, denn alle 500 Jahre erscheint der böse Drache Sowieso, aber auch der gute Drache Wasweißich. Dann muß er das Mädchen opfern, um für Frieden zu sorgen, denn sonst wird die Welt zerstört. Er erhält ein Anime-artiges Amulett; das Mädchen sei an einer angeborenen Tätowierung an der Schulter zu erkennen. Ethan findet Sarah dann mithilfe seines schwarzen Computer-Sklaven Bruce -- ja, der Schwarze muß für den Weißen den ganzen Film hindurch völlig selbstlos die Drecksarbeit erledigen und wird am Ende dadurch belohnt, daß sein Schicksal ungewiß bleibt -- und "verliebt" sich natürlich in sie, nachdem er sie aus einem Krankenhaus entführen konnte, das indes von CGI-Drachen angegriffen wird. Nach und nach kommen mehr böse CGI-Drachen, und der böse Lord aus der Vergangenheit, die Sarah irgendwie schnappen wollen, weil, was weiß ich. Der Opa von früher taucht auch noch einige Male auf und kann sich sogar in andere Personen verwandeln und fliegen und mit Superkräften kämpfen. Was dann folgt, bumm, krach, badamm, tschsch, SARAH!!!, ETHAN!!!, ratatata, und am Ende gibt's ein Finale bei einer fiesen Drachenburg und der gute Drache und der böse Drache dürfen sich CGI-mäßig zerfetzen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Shim, der auch das Drehbuch verbrochen hat, jemals einen intelligenten Roman gelesen hat oder sich überhaupt je mit Dramaturgie auseinander zu setzen gewagt hat. Sein gesamtes künstlerisches Vorwissen hat er sich anscheinend ausschließlich aus hirnlosen Hollywood-Blockbustern zusammengeklaut, anders kann ich mir das nicht erklären. Selbst ein 12-Jähriger macht sich mehr Gedanken um seine Charaktere als es in diesem Werk der Fall ist, derart lieblos sind sie gestaltet, und nichts, aber auch gar nichts, ergibt Sinn oder versucht es nur schon. Das ist alles so komplett willkürlich, daß es eine Anmaßung für jeden Menschen ist, der in seinem Leben schon mindestens einen guten Film gesehen hat.

Tricktechnisch, tja. Die Computereffekte sind ansehlich, die visuelle Gestaltung des Films ist bis auf das lieblose Creature-Design ebenfalls erträglich, aber irgendwohin muß das Geld ja geflossen sein. Immerhin: Man kann durchaus von Hollywood-Maßstäben sprechen, wenn man denn so will. Also, auf die Effekte bezogen. Nur rettet dies gar nichts. Die Musik bewegt sich auch in vergleichbaren Dimensionen: Typisches uninspiriertes Orchester-Tätätä und -Badumm, wie man es aus Amerika eben kennt. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Der Regisseur hatte übrigens bereits vor D-War 1999 ein vergleichbares Desaster produziert, in dem er ein Remake des Trash-Klassikers Yonggari (eine koreanische Godzilla-Kopie aus den 60er-Jahren, leider im Original verschollen) veröffentlichte, das offenbar so schlecht war, daß es die Originalversion gar nicht mehr gibt und der Film komplett mit neuen Szenen angereichert wurde. Das half dem Film, im Westen als Reptilian erschienen, wohl auch nicht mehr, war doch auch jenes überteuerte Projekt ein finanzielles Debakel. Wie wohl das Sequel von D-War wird, das dieses Jahr erscheinen soll? Ich kann's mir ungefähr denken.

2/10
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Kommentare

07.02.2016 10:23 Uhr - Frei.Wild
1x
User-Level von Frei.Wild 6
Erfahrungspunkte von Frei.Wild 473
Herrlich... "Drache Sowieso gegen Drache Wasweißich"... Deine Inhaltsangabe ist um ein Vielfaches unterhaltsamer als der Scheiß-Film!

07.02.2016 11:01 Uhr - Mynan
1x
User-Level von Mynan 7
Erfahrungspunkte von Mynan 618
Das deckt sich genau mit dem, was ich seither über dieses Werk gehört habe. Danke für die eindringliche und sehr gut und unterhaltsam geschriebene Warnung :-)

07.02.2016 15:01 Uhr - Laughing Vampire
1x
DB-Helfer
User-Level von Laughing Vampire 5
Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Haha danke. Ich habe durch meine koreanische Freundin noch ein paar Informationen zusammentragen können: Der Regisseur ist in der Heimat vor allem als Comedian bekannt und seine Filme sind auch in Korea für ihre miserable Qualität und unpassende patriotische Ausschweifungen bekannt (bei D-War erklingt am Ende ja auch die inoffizielle koreanische Hymne "Arirang"). Im koreanischen Fernsehen haben sie Herrn Shim dementsprechend auch schon ordentlich durch den Kakao gezogen: youtube.com/watch?v=k6Hvv7oZotc (leider keine englischen UT) :)

09.02.2016 08:26 Uhr - Angertainment
1x
DB-Helfer
User-Level von Angertainment 15
Erfahrungspunkte von Angertainment 3.893
Sehr ordentliche Kritik zu einem echt miesen Müll ;)
Der hat mir scheinbar weniger Spaß gemacht als anderen hier, aber was soll's, eine Kritik hat jeder Mist verdient.

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