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Wild Tales - Jeder dreht mal durch

Originaltitel: Relatos salvajes

Herstellungsland:Argentinien, Spanien (2014)
Genre:Drama, Komödie, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (10 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Jeder kennt das Gefühl: die Wut über die Unzulänglichkeiten des Lebens. Ein harmloser Moment bringt das Fass zum Überlaufen und ruft eine Kettenreaktion hervor. Manche bleiben ruhig. Andere explodieren. WILD TALES ist ein Film über Menschen, die explodieren.

Zum Äußersten getrieben in einer unberechenbaren, ständigem Wandel ausgesetzten Realität, überschreiten die Figuren in WILD TALES den schmalen Grat, der Zivilisation von Barbarei trennt. Der Verrat eines Liebenden, die Konfrontation mit einer vergessen geglaubten Vergangenheit und die Gewalt, die sich aus ganz alltäglichen Begegnungen ergibt, treiben die Figuren immer weiter, in den Wahnsinn hinein. Und je weiter sie in diese Richtung getrieben werden, desto mehr lassen sie sich fallen und geben sich dem verbotenen Vergnügen hin, die Kontrolle zu verlieren. Mit WILD TALES ist dem argentinischen Filmemacher Damián Szifrón ein aufregendes Meisterwerk gelungen, ein sechs Geschichten umfassender Anthologiefilm, in dem jede einzelne Sequenz auf ungeheure und ungeheuer aberwitzige Weise eskaliert.

Die rabenschwarze Komödie WILD TALES ist eine geniale Mischung zwischen Tarantino, Almodóvar und den Coen Brothers. Der Publikumsliebling der Festivalsaison und Argentiniens Oscar®-Beitrag 2015. (20th Century Fox Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von haitoman:

Wild Tales - Jeder dreht mal durch!

Als ich die Blu-ray das erste Mal in den Händen hielt, warf sie erst mal einige Fragen auf: Was ist das denn? Es war für den Oscar nominiert? Aus Argentien? Die Verpackung ließ verheißungsvoll verlauten, es handele sich um einen "unbändigen Spaß" und einen "wilden Ritt". Also gut.

Wild Tales (OT: Relatos salvajes, was übersetzt überraschenderweise tatsächlich "Wilde Geschichten" bedeutet) ist eine schwarzhumorige Drama-Komödie aus dem Jahr 2014, die sich in sechs voneinander unabhängigen Episoden mit menschlichem Kontrollverlust, Rachegelüsten und Vergeltung auseinandersetzt. Geschrieben und inszeniert von Damián Szifron, der für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt war, aber in Argentien schon durch seine TV-Arbeiten auffiel, vor allem mit Los Simuladores (https://de.wikipedia.org/wiki/Los_Simuladores).

Vorab: Der Film ist das reinste Vergnügen.

In der ersten Episode stellen im Verlauf eines zunächst harmlosen Smalltalks nach und nach sämtliche Passagiere eines Flugzeugs fest, dass sie in der Vergangenheit alle mit derselben Person Kontakt hatten und sie auf die eine oder andere Art verärgert haben - und dass diese Person der Pilot des Flugzeugs ist und soeben die Cockpit-Tür verriegelt hat.

Weiter geht es mit einer Kellnerin, die eines späten Abends in ihrem gottverlassenen Schnellimbiss ausgerechnet den Mann bedienen muss, der das Leben ihrer Familie ruiniert hat (ohne sich daran noch zu erinnern, da er als Kredithai andauernd anderer Leute Leben ruiniert). Das hätte sie nicht so unüberlegt der mordlüsternen Köchin erzählen sollen...

Episode 3 befasst sich mit einer Situation, die viele von uns kennen: Man fährt gemütlich über die Landstraße und plötzlich rast von hinten jemand mit seiner dicken Karre heran, gibt Lichtsignale, hupt, fuchtelt wild herum, will halt unbedingt und sofort vorbei. Es kommt zu einem kurzen Austausch verbaler und gestikulärer Beleidigungen während des Überholmanövers. (Wahlweise kann man sich auch in die Rolle des Überholenden versetzen.) Was geschieht also, wenn der Angeber mit seiner schönen Limousine auf dieser verlassenen Straße eine Panne hat und der Überholte als einziger in der Nähe ist? Mehr als nur ein Mittelfinger im Vorbeifahren. In Wild Tales wird das Ganze zu einem Kampf auf Leben und Tod. Wirklich richtig köstlich.

In der vierten Geschichte muss die Stadtverwaltung auf bittere Weise lernen, dass es eher suboptimal ist, einen (vor allem von der Ehe) frustrierten Sprengmeister mit Falschparker-Tickets zu verärgern.

Die vorletzte Story behandelt den missglückten Versuch einer betuchten Familie, den Autounfall mit Fahrerflucht, den ihr Sohn in der letzten Nacht begangen hat, zu vertuschen. Besonders schräg wird es, als der Anwalt der Familie hinzukommt und es darum geht, welche Version der Geschichte man wem erzählt, wie man die Indizien manipuliert und wen man mit welcher Summe bestechen muss. Doch völlig unbeeindruckt von solchen Ränkeleien schlägt das Karma zu.

Das Highlight des Filmes kommt zum Schluss: in Episode 6 erfährt die Braut während der Hochzeitsfeier, dass ihr frischgebackener Ehemann eine Affäre hat und dass diese Affäre sich sogar unter den Gästen befindet. Und dann dreht sie wirklich vollkommen durch, im Beisein hunderter Gäste. Die Eskalation dieser Situation wird wunderbar aufgebaut und bleibt trotz ihrer Absurdität und Drastik stets nachvollziehbar. Am Ende gibt es zwar nicht gerade Tote, aber jede Menge Blut und Tränen.

Eine wirklich fantastische, rabenschwarze, clever inszenierte, emotional mitreißende Komödie. Ganz klare 10/10.

10/10
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Kommentare

07.02.2016 09:55 Uhr - JasonXtreme
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.545
Danke fürs erinnern! Der muss endlich mal ran, der wurde mir schon mehrfach ans Herz gelegt - und du machst nochmal mehr Bock drauf

07.02.2016 23:47 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 20
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 8.430
Wesentlich besseres Review und kann mich Jason nur anschließen, nach dem Trailern und deinem Beitrag muß ich mir den Film zulegen.

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