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Krampus

Herstellungsland:Neuseeland, USA (2015)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Fantasy, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,65 (17 Stimmen) Details
inhalt:
Weihnachten mit der Familie – für Max (Emjay Anthony) ist das kein Spaß, denn von Harmonie und Freude ist bei seiner Familie wenig zu spüren. Als er seinen Glauben an das himmlische Fest verliert und sich abwendet, ahnt er nicht, dass dies den Zorn des Krampus‘ weckt. Ein uralter und teuflischer Dämon, der jeden bestraft, der nicht an den besonderen Geist der Weihnacht glaubt.

Die Hölle bricht los, als die beliebten Figuren und Symbole der Weihnachtszeit als Monster zum Leben erweckt werden. Und so wird Weihnachten für Max und seine Familie tatsächlich zum Horror. Statt um Geschenke und Gezänk geht es für sie plötzlich ums pure Überleben – und das kann ihnen nur gelingen, wenn sie gegen Krampus zusammenhalten und für einander einstehen, doch das ist für die zerstrittene Familie gar nicht so einfach…
eine kritik von kokoloko:

Krampus

Was für ein wunderschönes 80s-Cover, handgezeichnet!

Und auch abseits davon war meine Erwartungshaltung sehr hoch und der Hype auch nach dem Trailer ungebrochen - ein Weihnachtshorrorfilm, der zudem noch schwarzhumorig sein soll und mit nem richtigen Budget daherkommt, gar noch mit KINOSTART und von Michael Dougherty, (bei dem Name kein Wunder mit dem Budget, höhö...ok) der den hoch gehypten "Trick ´r Treat" gemacht hat?! WOW!
Bei der Ankündigung habe ich mich also richtig gefreut, die Krampus-Geschichte/Mythologie finde ich sowieso sehr interessant und reizvoll, der Trailer hatte dann ne richtig abgefuckte und beängstigende Kreatur dabei und sah optisch hochwertig aus, wuhu! Also voller Erwartungen mit ner mindestens 7/10 im Hinterkopf ins Kino geschritten und gefühlte 130 Minuten später ziemlich enttäuscht wieder raus...das war nix.

Denn "Krampus" versucht viel, hat viele Baustellen und Themen und demnach auch viel für mich zum drüber schreiben und auch wenn davon nicht alles misslungen ist, so gibt es leider doch mindestens so viele Probleme, wie gelungene Momente oder Aspekte - könne also ne ziemlich lange Review werden, legen wir los:

Was den Cast angeht, so sind die einzig vorkommenden ~10 Mitglieder der Familie durch die Bank weg eigentlich gut besetzt und auch das Schauspiel kann sich hier sehen lassen: Adam Scott und Toni Collette (gerade letztere imho perfekt geeignet für die Rolle) kauft man das gestresste sich langsam entfremdende Pärchen durchaus ab, US-Comedygröße David Koechner spielt die selbe Rolle wie immer, die kann er aber dafür einfach, Conchata Ferell aus Two and a half men hat als F-bomb-droppende und trinkende Tante zwar nicht viel zu tun, bleibt aber trotzdem ein unterhaltsamer Charakter, Stefania La Vie Owen als süße Tochter mit ausnahmsweise mal nicht nervender, rebellischer Teenie-Attitüde passt auch und Emjay Anthony als Quasi-Hauptcharakter und intelligenter 12-Jähriger ist überaus talentiert, sympathisch und eine kleine Offenbarung im Bereich der Kinderdarsteller, zumal es wahrlich einfacherere Rollen gibt.
Optisch macht der Film auch durchaus was her: Schön weihnachtliche Beleuchtung, in dunklen Szenen sieht man trotzdem noch genug, CGI hier und da nicht ganz gelungen aber seis drum, die Umgebung künstlich, aber eisig zugeschneit mit verheerenden Wolken über dem Haus und fiesen Schneemännern im Garten, schaut alles sehr hochwertig aus. Und last but not least sei auch der Soundtrack äußerst lobend erwähnt, da wir hier einige große Weihnachtsklassiker wahlweise als Ironisierung oder zur auch zur ernst gemeinten Untermalung vorgesetzt kriegen, die vorzüglich passen und funktionieren - sei es "It´s the most wonderful time of the year" direkt am Anfang, "Santa clause it´s coming to town" oder später gar eine extrem schwere, langsame und epische Chor-Version von "Silent night, holy night" an einer spannenden Stelle, klappt bestens.

Doch das war es dann leider auch fast schon wieder mit dem Lob, denn während die Voraussetzungen bestens waren und auch das Intro direkt wunderbar konsumkritisch und schwarzhumorig daherkommt in einer nett gefilmten Zeitlupenaufnahme, liegt von da an dramaturgisch leider einiges im argen. Die Familie sammelt sich nach und nach und die einzelnen Charaktere werden teils besser, teils schlechter integriert, aber abseits von ein paar Lachern oder witzigen Momenten ist hier nicht viel zu holen - weder so überdreht, dass es lustig oder interessant sei, noch ernsthaft dramatisch und von Foreshadowing oder dem Krampus keine Spur. Nach ner geschlagenen viertel Stunde oder so kommt dann sehr schlagartig das Event, das den Krampus "auslöst", wer allerdings glaubt von jetzt an gruselige Action mit der titelgebenden Kreatur zu kriegen, liegt auch falsch, da es jetzt erstmal Standard-Belagerungssituation/Chaos/Panik heißt, einem xmal durchgekautem Szenario, dem auch hier kaum neue Aspekte abgewonnen werden.
Aber gut, da es ja immer wieder ulkige Dialoge oder Charaktereigenschaften gibt um die völlig fehlende Bedrohung auszugleichen ist das noch ok, danach begibt sich ein Charakter endlich mal raus aus dem Haus und siehe da - Krampus! Also, äh, zumindest im Hintergrund irgendwo am Rumspringen, nicht von vorne oder sonstwie toll gezeigt.

Die Art der Vorbewegung ist hier noch recht cool und durch das wuchtige Sounddesign denkt man sich vielleicht "Oh, scheiße!  :D ", aber wenn dann der erste Krampusmove/kill kommt, bricht das zwar Genrekonventionen und ist dadurch sogar noch recht originell und unerwartet, nur ist die Szene so schleppend langsam und unspektakulär getrickst, dass ich sie nicht wirklich feiern konnte, zumal der mit Abstand "beste" Charakter bisher einfach futsch ist und man mit einigen unliebsameren Gesellen verbleibt. Zugegeben, meine Neugierde was genau passiert war geweckt und somit gabs Rätselspannung als neuen Antrieb, auch ist die zugrunde liegende und damit etablierte Idee sehr cool, aber dem Pace hat das Ganze nur geschadet und von jetzt an hat der Film direkt zweimal am Stück ein drehbuchtechnisches Problem, das ganz erheblich ausbremst und einfach kein bisschen klappt: Eine Sache passiert und wird dem Zuschauer gezeigt, statt seiner eigenen Reaktion kriegen wir dann aber AUCH noch die der Protagonisten als Thematisierung, bevor diese dann den anderen Protagonisten nochmal erzählen dürfen, was passiert ist. Wtf, was soll das? Das ist hier nun leider weder spannend noch witzig gelöst und blutarm auch noch, außerdem gibt es bereits hier eine Szene, in der unsere Protagonisten ungläubig und wundernd in einem dunklen Gebäude rumlaufen und mit ner Taschenlampe die ramponierte Wand angucken: Ist der Krampus da, so dass wir uns um die Charaktere fürchten oder Action erwarten dürfen? Nein. Fiebern wir mit, wer oder was das war? Nein, weil wir wissen dass es der Krampus war. Ist die Szene also spannend? NEIN!

Aaaber auch dieser im Film als aufregend verkaufte Abschnitt wird geschafft und etwas Beziehungstrara weiter geht es dann endlich Richtung letztes Drittel, wo wir dann ein großes Plothole (alle sind völlig außer sich und unter Stress, die Situation ist natürlich beängstigend und unruhig, trotzdem schlafen danach alle wie ein Baby und kriegen nix mit an lauten Geräuschen, WENN dann einer wach wird, versucht er auf eigene Faust zu handeln, statt die anderen tu wecken) überwinden müssen, um zur ersten direkten "Konfrontation" zu kommen - diese macht erneut neugierig und etabliert ein unerwartetes Element, ändert aber nichts daran dass es von jetzt an wieder viel zu viel "Bereitet euch vor, wir gehen los!" gibt, mit Voranlaufen in Zeitlupe und einer prinzipiell schicken Hinterrgrundgeschichte in edler Inszenierung, die aber unpassend eingefügt wird.

Anyway, von jetzt an wandelt sich der Film zu einem unerwartetem Creature-Feature der Marke (aufgepasst!) "Silent Night, Deadly Night 5" oder auch "Toy Soldiers", denn mit Krampus hat das ganze herzlich wenig zu tun - seine Helferlein dominieren das Geschehen! Und eben jene Helferlein kann man wahlweise sehr "abwechlungs- oder auch einfallsreich" nennen, oder aber eben absolut random und ohne Zusammenhang zur Story - eine der Kreationen ist verdammt geil geworden, furchteinflößend gruselig und gut getrickst, eine andere sorgt für die comic relief-Momente und recht witzige Konfrontationen - der Rest aber ist vielleicht optisch ganz geil, macht aber nix und passt auch nicht rein. Five Nights for freddys, der Film. Was ich mit "macht aber nix" meine? Genau das: Selbst WENN unsere Protagonisten mal angesprungen werden von den Viechern, passiert nichts, niemand stirbt, keine blutigen Wunden, wtf? Somit ist die Bedrohung so ziemlich weg und das Ganze wird zur kurzweiligen, wenn auch bis auf ein paar Blutspritzer recht harmlosen Actionplatte mit abgefuckten Viechern, wirklich ganz nett, aber ohne jeden Aufbau und ich bin für den KRAMPUS ins Kino gegangen for fuck´s sake!

Sobald man durch die erstmalig wirklich aufkommende Aufregung dieser Szenen durchgekommen ist, folgt jedenfalls ein auf vielerlei Wegen merkwürdiges, antiklimaktisches und unübliches Finale, dessen Szenen teilweise unzusammenhängend aneinandergereiht wirken um finalement richtig Eier zu haben, dann mit 180°-Kehrtwende den Schwanz einzuziehen und dann doch wieder mit sehr coolem Kameramove die Zuschauer zu verblüffen - man hat sich also an einem dreifachen Doppeltwist versucht und das Finale kann zweierlei interpretierrt werden, was mir ganz gut gefällt und auch ne nette Idee ist, nur leider klappt das inhaltlich so oder so nicht so ganz, die Rechnung geht auf der logischen Ebene nicht auf, entweder das oder aber die filminterne Logik wird nicht ausreichend erklärt.

EINE Szene gab es schlußendlich, in der der Krampus richtig mächtig, episch und angemessen inszeniert wurde, doch sonst macht er in dem Film leider wirklich kaum was, was sehr schade ist bei einem Film, der "Krampus" heißt. Die Masken und Kostüme sind ziemlich egal, optisch macht der Film wie gesagt was her und wenn es mal Effekte gibt, dann sind die auch recht gelungen, aber das epische Finale versaut es sich selber etwas und wirkt, wie viele Szenen, zu lang gezogen und unschlüssig: Der Film hat zu viel "Wir laufen langsam im dunklen rum", der Anfang ist ziemlich behäbig, das Verhalten der Charaktere (insbesondere der deutschen Oma) ist nicht gerade sinnvoll und bis auf viele nette Ideen klappt "Krampus" imho leider nicht.

Denn Krampus will eine dystopische und somit prinzipiell dramatische Familie durch einen mystisch-horrorlastigen Antagonisten zusammengewinnen und dabei eine Mischung aus schwarzer Komödie und Horror sein, ist nur leider weder dramatisch, noch witzig, noch großartig gruselig oder spannend, dazu auch komplett unblutig. Gewalttechnisch war ich extrem enttäuscht, gruseltechnisch hat man im Trailer das Highlight gesehen, was Comedy angeht, so klappen einige Szenen im Original sicher besser, aber die Gagrate ist erschreckend niedrig, einiges an Potential wird garnicht genutzt. Die trinkende Tante z.B. hätte während der gesamten ernsthaften Panik und Belagerung einfach dicht sein sollen, das wär richtig gut gewesen und hätte zum Charakter sowie der Darstellerin gepasst.

Sich das Teil im Kino ansehen muss imho also nicht sein, auch von der deutschen Fassung kann ich nur absolut abraten, da die Oma im Film wie gesagt deutsch ist und die Historie deutschen Ursprungs beisteuert, wodurch auf die Dialoge stets reagiert wird, als seien sie unverständlich. In der Synchro hat man das so gelöst, dass die Oma mit starkem bayrischen Akzent spricht, was nur unfreiwillig komisch rüberkommt.  :|

Ein totales Desaster ist "Krampus" also keinesfalls, man kann ihn als Fan der Materie mal gucken - nur war ich, gemessen an der Erwartungshaltung, doch sehr enttäuscht: Durchschnittliche Unterhaltung mit guten Ansätzen, die aber selten durchgezogen werden, weder sonderlich gut noch sonderlich schlecht, 5/10

5/10
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Kommentare

10.02.2016 03:41 Uhr - Grrrg
User-Level von Grrrg 5
Erfahrungspunkte von Grrrg 338
Geh, im Original spricht´s eestereichisch.
Ich war auch sehr enttäuscht, nachdem der Trailer echt gut aussah. Klasse Rev.

10.02.2016 12:59 Uhr - N0ir
stimmt so weit. ziemlich zusammengewürfelt und ausgegegoren aber mit tollen ansätzen.
lobend erwähnt werden muss allerdings noch die animations-sequenz und die vielen handgemachten effekte und kostüme wodurch wenig cgi nötig war.

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