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5 Dolls for an August Moon

(Originaltitel: 5 bambole per la luna d'agosto)
Herstellungsland:Italien (1970)
Genre:Thriller, Mystery
Alternativtitel:Cinco muñecas para la luna de agosto
Cinque bambole per la luna d'agosto
Five Dolls for an August Moon
Island of Terror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (3 Stimmen) Details
eine kritik von angertainment:

Passend zum Review meines geschätzten Kollegen Insanity667 gibt es nun eine weitere Bava-Besprechung zur Schaffensphase von 1970. Dieser Film atmet die pure Atmosphäre der späten 60er-Jahre und zeigt Mario Bava dennoch von einer erfrischend vielfältigen Seite. Inszenatorisch nicht ganz so oppulent wie das Giallo-Referenzwerk Blutige Seide, aber dennoch skurril und mit eundeutiger Absicht voran.

Die Bilder: Auch wenn hier keine Farbausleuchtung die Töne angibt, spielen Farben dennoch eine große Rolle für die Bildsprache des Films. Die Damen zum Beispiel tragen alle auffällig unterschiedliche Farben bei ihren Abendkleidern. Generell ist der Spirit hier eher farbenfroh gehalten und zeigt die Akzente der Swingin-60s auf. Auch die Set-Ausstattung ist mit exzentrisch aussehenden Möbeln gerade zu überfüllt und so ziemlich in jedem zu sehenden Raum gibt es was zu sehen. An dieser Stelle muss man wirklich Antonio Rinaldi erwähnen, welcher es gekonnt versteht den Facettenreichtum eines Bava-Films mit der Kamera festzuhalten und nicht ohne Grund ein fester Partner an Bava's Seite für mehrere Filme (u.A. Planet der Vampire, Gefahr:Diabolik) war. Close-Ups von Augenausdrücken, traumartige Kamerafahrten und stilvolle Totalen finden sich in einem wunderbaren Einklang. Die Kamera spielt mit den Konventionen und vermag es das Inselparadies in eine beklemmende Falle zu verwandeln. Bava's Folgefilm Blutrausch des Satans geht schon in eine andere Richtung und gilt ja auch für viele als der "erste Slasher", hier hat der Maestro aber auch selbst die Kamera geführt.

Die Story: Ein wohlhabender Investor lädt mehrere Kollegen sowie einen Wissenschaftler samt heissbegehrter neuer Formel auf eine Insel zum Wochenende ein. Während der erste Abend noch ausgelassene Stimmung verbreitet, spitzt sich die Situation immens zu als am nächsten Morgen eine Leiche gefunden wird. Niemand kann so richtig begreifen was hier vorgeht, aber alle wollen den Zuschlag für die Formel des Wissenschaftlers. Nachdem sich alle wieder etwas gefangen haben und die Leiche im Kühlraum platziert wurde, gibt es plötzlich schon den nächsten Toten...

Das Drehbuch stammt von Mario di Nardo, welcher neben weiteren Gialli wie Ein Schwarzer Tag für den Widder und Blonde Köder für den Mörder auch noch den Western Drei Hallunken und ein Halleluja für Mario Bava schrieb. Man bemerkt schnell, dass die Charaktere mit Absicht zwielichtige Gestalten sind und die Industriellen Herren wirklich "über Leichen" gehen. Die Charaktere sind gut zu unterscheiden und auch die Damenwelt bekommt genügend Screentime gleichwohl die Sleaze-Anteile sich in Grenzen halten.

Die Musik: Um den zeitgenössischen Flair gekonnt zu untermalen wurde Piero Umiliani engagiert, welcher neben Morricone, Cipriani und Ortolani vermutlich zu den meistgebuchten Komponisten dieser Zeit gehörte. Seine lässigen und teilweise hypnotisch-anmutenden Jazz-Sounds vermag er ebenso einzubinden, wie auch einen dramaturgisch auf den Punkt sitzenden Score. Von über 150 Komponierten Songs und Scores für diverse Sex- und Genrefilme (Der Ritt nach Alamo, Nackte Eva, Blonde Köder für den Mörder) ist auf jeden Fall "Mah na Mah na" sein bekanntestes Werk, welches aber erst Jahre später durch Neuinterpretationen (u.A. Muppets) weltweite Zuhörerschaft gewann. Was teilweise vielleicht unfreiwillig komisch rüberkommt, ist die immer wieder einsetzende Thema wenn sich die Leichen häufen. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht sagen, um keinen Spoiler zu riskieren :)

Die Darsteller: Ob die lasziven Blicke von Edwige Fenech (Sklaven Ihrer Triebe, Farben der Nacht), die Pokerface-Mimik von Maurice Poli (Rabid Dogs, Belle & Sebastian) oder der entschlossene Blick eines William Berger (Mio Caro Assassino). Für die kleine Besetzung des Films, der eben die Dramatik um diese wenigen Personen auf einer Insel aufbaut, wurde zu Recht auf einen ausdrucksstarken Cast gesetzt und jeder erfüllt seine Rolle. Edwige Fenech hat hier noch vor Ihrer absoluten Glanzrolle in Der Killer von Wien mitgespielt und konnte so neben diversen Ausflügen in Exploitation-Filmen erstmals auch eine ernstzunehmende Figur darstellen, wobei Top Sensation meiner Meinung nach separat zu betrachten ist.

Im Verlauf des Films hatte ich allerdings ein paar Mal den Effekt, dass ich gerade nicht wusste ob die gezeigte Szenerie noch im chronologischen Aufbau verblieb oder ein Schnipsel eingeworfen wurde, dies klärt sich auch erst gegen Ende und ist vermutlich sogar intendiert. Die Rolle der Isabel ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar, bietet aber eine wichtige Debut-Rolle für die noch sehr junge Ely Galleani (Black Emanuelle 2, Lizard in a Women's Skin). Der Film ist mit knappen 80 Minuten Laufzeit kurzweilig und basiert laut Internetquellen sogar auf einer Geschichte von Agatha Christie.

Es ist insgesamt kein Meilenstein wenn ich das so frech behaupten darf, aber dennoch funktioniert die Spannung und das Verwirrspiel gut und man rätselt heimlich mit. Das passende Eye-Candy, ein anmutiger Sound und gute Darsteller festigen meinen nachträglichen Eindruck einer gehobenen Wertung.

7/10
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Kommentare

12.02.2016 12:18 Uhr - Insanity667
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Da ist es ja! Sehr schön geschrieben und informativ, wie eigentlich immer! :)

12.02.2016 12:22 Uhr - NoCutsPlease
2x
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Und wieder ein interessantes Review mit Insanitys Alter Ego in einer tragenden Rolle. ;-)

In der IMDb sind übrigens hierzu bislang keinerlei Filmfehler gepetzt worden.

12.02.2016 14:15 Uhr - Angertainment
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Danke Danke, hat was länger gedauert aber hatte diese Woche Review-Stau ;)

12.02.2016 15:16 Uhr - dicker Hund
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@Angertainment
Von Dir würde ich auch noch sechs weitere Staureviews lesen;-)

Es erweitert den Filmhorizont schon enorm, wenn man hier am Ball bleibt und so erfährt, was man so alles gerade nicht kennt...

12.02.2016 15:59 Uhr - Angertainment
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@Dicker Hund: Danke Dir, versuche auch zwischendurch mal einen Genreausreisser ;)

12.02.2016 16:39 Uhr - NoCutsPlease
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12.02.2016 15:59 Uhr schrieb Angertainment
@Dicker Hund: Danke Dir, versuche auch zwischendurch mal einen Genreausreisser ;)


"Tom, Crosby und die Mäusebrigade" ist z.B. ein interessanter Ausreißer im Angertainment-Programm UND fiel auch einst einer allgemeinen Veröffentlichungslawine zum Opfer.

12.02.2016 22:26 Uhr - Intofilms
Ganz tolle Rezi von Dir, Angertainment!
Sehr schöne Formulierungen und ganz viel Wissenswertes, was für ein Service...! :D

Schon bemerkenswert, wie gut der Film doch zu gefallen weiß, obwohl er mMn eindeutig nicht zu den Glanzleistungen des großen Bava gehört (wobei das bei mir auch daran liegen könnte, dass ich das Genre mittlerweile so sehr ins Herz geschlossen habe... :) Trotzdem (oder gerade deshalb?), ich schaue den unheimlich gerne und mit der jüngsten Arrow-VÖ hab ich den fast noch einmal neu entdeckt...!

13.02.2016 00:17 Uhr - Dissection78
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Eine sehr lesens- und somit lohnenswerte Rezension mit deren Fazit ich hundertprozentig übereinstimme. Wunderbarstens, Anger!

Übrigens:
Ich hab nur den Titel "Mah na Man na" gelesen, und sofort hatte ich die Melodie und die Muppets-Version im Kopf. Ich werd grad WAHNSINNIG! (was ja gut zum Giallo-Genre passt) - :))

13.02.2016 12:56 Uhr - Punisher77
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Hervorragend geschriebenes, gut strukturiertes Review! Alle relevanten Aspekte werden angesprochen und auch wenn der Film "nur" 7 Punkte bekommt, macht Deine Kritik Lust, sich den Film mal anzuschauen.

15.02.2016 07:10 Uhr - Angertainment
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@Intofilms, Dissection und Punisher: Danke Danke, freut mich wenn Euch die Schreibe gefällt.
@NoCuts: Das dir mein Review von Tom,Crosby und die Mäusebrigade so gut gefällt weiss ich sehr zu schätzen, da es ja auch eine Herzensangelegenheit war :)

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