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Lebendig begraben

(Originaltitel: Premature Burial)
Herstellungsland:USA (1962)
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Nach dem sein Vater an einem Herzinfarkt gestorben ist und beigesetzt wurde, denkt Guy Carrel noch verzweifelt Schreie aus dem Sarg gehört zu haben.

Panisch vor Angst auch einmal so zu enden trifft er Vorkehrungen sich notfalls selbst wieder aus dem Sarg befreien zu können..

Als sich seltsame Ereignisse in seinem Umfeld häufen und er sicher ist daß ihm nach dem Leben getrachtet wird, muss er seine Befreiung noch besser planen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                LEBENDIG BEGRABEN

Die Filmproduzenten – und verleiher James H. Nicholson und Sam Arkoff waren Inhaber der Produktionsfirma American International Pictures, die sich auf B – und C – Filme aus den Bereichen Horror, Science – Fiction und Fantasy spezialisiert hatte. Das Unternehmen verdiente eine Menge Geld mit sogenannten Doppelprogrammen – zwei billig produzierten Filmen, die zusammen auf einem Plakat beworben und hintereinander gezeigt wurden. Dabei setzte man vor allem auf Masse: Allein im Jahr 1958 entstanden über 20 Schwarzweiß-Filme, die jeweils nur 100.000 Dollar kosteten, aber vor allem an den Kassen von Auto – und Undergroundkinos ordentliche Profite erwirtschafteten.

Ende der 50er Jahre schielten Arkoff und Nicholson neidisch nach Großbritannien, wo die Firma Hammer Films mit Filmen wie Frankensteins Fluch (1956) und Dracula (1958) das große Geld machte. So entstand die Idee, in den USA etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. Der Regisseur und Produzent Roger Corman, der bereits für die AIP – Bosse gearbeitet hatte, schlug vor, statt zwei Schwarz – Weiß – Filmen für je 100.000 Dollar einen Farbfilm für 200.000 Dollar zu drehen, der auf der Erzählung Der Untergang Des Hauses Usher von Edgar Allan Poe basieren sollte. AIP gaben grünes Licht und der Film wurde ein voller Erfolg und ein Horrorfilmklassiker. Arkoff und Nicholson hatten Blut geleckt und gaben weitere Poe – Verfilmungen in Auftrag. Zu ihnen gehört Lebendig Begraben.

Die Hauptfigur in Roger Cormans dritter Poe – Adaption ist der ehemalige Mediziner Guy Carell (Oscar - Preisträger Ray Milland - Das Verlorene Wochenende, 1945), der von der Angst besessen ist, lebendig begraben zu werden. Schon ein paar Blumen, die er als „Beerdigungsutensilien“ bezeichnet, lösen bei ihm schiere Panik aus. Um auf keinen Fall eines Tages lebendig bestattet zu werden, baut sich Guy ein Mausoleum mit mehreren Fluchtmöglichkeiten, falls er eines Tages in einem Sarg aufwachen sollte. Guys Frau Emily (Hammer Films - Schauspielerin Hazel Court) beobachtet Guys Entwicklung mit wachsender Bestürzung. Doch eines Tages wird sein schlimmster Alptraum wahr: Guy bricht zusammen und wird für tot erklärt …

Lebendig Begraben orientiert sich genau wie seine beiden Vorgänger deutlich an den Hammer – Filmen. Die Atmosphäre ist gruselig – spannend, Kulissen und Kostüme sind stilvoll und mit viel Liebe zum Detail gemacht und die Nebelmaschinen befinden sich im Dauereinsatz. Im Gegensatz zu heutigen Low Budget/B-Movies aus dem Horrorfilmbereich, wie sie allwöchentlich die Verkaufsregale verstopfen, um nach wenigen Wochen auf dem Grabbeltisch zu landen, haben sich die an Lebendig Begraben Beteiligten wirklich Mühe gegeben.

Der von Roger Corman inszenierte Lebendig Begraben ist allerdings kein bloßer Hammer – Abklatsch, sondern ein hervorragender, atmosphärisch dichter und bis zur letzten Minute spannender Gruselfilm. Die (angedeuteten) Gewaltszenen des Films wirken zwar heute bei weitem nicht mehr so erschreckend, als dass sie auch dem heutigen, an Filme wie Alexandre Ajas Maniac (2013) oder The Evil Dead (2014) gewöhnten  Zuschauer noch kalte Schauer  über den Rücken jagen könnten, aber dafür ist z. B. die unheimliche Eröffnungssequenz, in der man einen Mann, der lebendig begraben wurde, zu sehen bekommt, immer noch der Hammer! Die Szene lässt den Zuschauer immer noch erahnen, welche grauenvolle Qualen der Erstickungstod mit sich bringt und ist deswegen effektiver als viele Splatterszenen. Hier wird gekonnt mit menschlichen Urängsten gespielt und auch im weiteren Verlauf des Films sorgt das Motiv des Lebendig-Begraben-Werdens immer wieder für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.

Mit Roger Corman verfügt Lebendig Begraben über einen Regisseur, der nicht nur in der Lage ist, das Maximum aus dem schmalen Budget herauszuholen, sondern auch inszenatorische Rafinesse beweist, wie z.B. in einer Szene, in der das Innere des Sargs und das Mausoleum eine wichtige Rolle spielen, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll, um nicht zuviel zu verraten.

Ray Milland ist die Idealbesetzung für den getriebenen Guy Carell, der von der Wahnvorstellung besessen ist, lebendig begraben zu werden. An einigen Stellen mag er schauspielerisch vielleicht etwas zu dick auftragen, aber dennoch gelingt es ihm, seine Paranoia auf den Zuschauer zu übertragen. Auch die anderen Darsteller, vor allem Hazel Court, machen ihre Sache gut.

Lebendig Begraben hat eine kompakte Spieldauer von nur 78 Minuten. Deshalb kommt einerseits im Grunde keine Langeweile auf. Andererseits wirken (wenige) Teile des Films dadurch etwas überhastet, was auch auf das Ende des Films zutrifft. Ein paar zusätzliche Filmminuten hätten sicher nicht geschadet.

Trotzdem ist Lebendig Begraben eine kleine Perle des 60er-Jahre-Horrorkinos, die sich nicht hinter den Streifen der britischen Hammer - Filmschmiede verstecken muss und Freunden des Genres hiermit wärmstens empfohlen wird.

8-9/10

9/10
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Kommentare

04.03.2016 02:42 Uhr - Dissection78
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Habe mir vor einigen Wochen die ganzen Corman-Gothic-Grusler aus den 60ern mal wieder gegönnt - also neben "Premature Burial" auch "House of Usher" ("Die Verfluchten", 1960), "The Pit and the Pendulum" ("Das Pendel des Todes", 1961), "Tales of Terror" ("Der grauenvolle Mr. X", 1962), "The Raven" ("Der Rabe - Duell der Zauberer", 1963), "The Terror" ("The Terror - Schloss des Schreckens", 1963), "The Haunted Palace" ("Die Folterkammer des Hexenjägers", 1963), "The Masque of the Red Death" ("Satanas - Das Schloss der blutigen Bestie", 1964) und "The Tomb of Ligeia" ("Das Grab der Ligeia", 1965) - und siehe da, sie waren vielleicht nicht mehr gar so unheimlich wie als Kind (da hab ich sie tatsächlich das erste Mal gesehen), aber trotzdem immer noch äußerst überzeugend in ihrer schaurig-schönen Atmosphäre. Außerdem sind etliche Szenen auch heute noch recht beklemmend. Und "The Masque of the Red Death" ist sogar gewachsen. Im Endeffekt können mich all diese Streifen noch immer begeistern (gut, mit Ausnahme von "The Terror" vielleicht). Insofern kann und muss ich Deinem exzellenten Review also in fast jedem Wort zustimmen, Punisher.

04.03.2016 07:09 Uhr - Angertainment
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Sehr schönes Review zu einem tollen Corman-Streifen. Den Marathon den Dissection hier durchgezogen hat, hab ich zwar noch vor mir aber zum Glück gibt es ja da ein britisches Label die eben jene Titel anbietet.
Ray Milland ist eine Wucht.
Danke für das schöne Review am Morgen :)

04.03.2016 07:49 Uhr - Punisher77
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Nichts zu danken :-).

@Dissection:
Wow, das ist ja ein ganz schöner Marathon gewesen. Danke, dass Du all die Titel aufgezählt hast, denn unter diesen Filmen sind einige, die ich noch nicht kenne, so dass diese Aufzählung einige gute Tipps enthält.

04.03.2016 12:12 Uhr - Dissection78
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Ach, als "Marathon" würde ich das gar nicht bezeichnen. Hat schließlich Spaß gemacht... ein Wort, das ich mit einem Marathon eher nicht in Zusammenhang bringe ;)
Die neun Filme dauern allesamt meist nur zwischen 75 und 85 Minuten (auch ich bin der Meinung, einigen hätte zusätzliche Laufzeit nicht geschadet, weil manche Sachen in der Tat etwas gehetzt wirken), und die bekommt man in anderthalb Wochen gut weggeschaut.

Übrigens: "Tower of London" ("Der Massenmörder von London", 1962) kann man in die Aufzählung mit dazunehmen, den hab ich letztens nur nicht gesehen. Der ist allerdings statt von Edgar Allan Poe oder H. P. Lovecraft von Shakespeare inspiriert.

04.03.2016 13:56 Uhr - Punisher77
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Klingt auch gut. Eigentlich finde ich eine Laufzeit von 85 bis 95 Minuten für einen Horrorfilm ideal, aber Du hast schon Recht - einige Streifen könnten etwas länger sein. Wie eben "Lebendig Begraben".

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