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Gone Girl - Das perfekte Opfer

(Originaltitel: Gone Girl)
Herstellungsland:USA (2014)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,53 (37 Stimmen) Details
inhalt:
Regisseur David Fincher zeichnet in seinem Thriller GONE GIRL - basierend auf dem weltweiten Bestseller von Gillian Flynn - das Psychogramm einer Ehe auf. Wie gut kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Diese Frage stellt sich Nick Dunne (Ben Affleck) an seinem fünften Hochzeitstag, dem Tag, an dem seine schöne Frau Amy (Rosamund Pike) spurlos verschwindet. Unter dem Druck der Polizei und des wachsenden Medienspektakels, bröckelt Nicks Darstellung einer glücklichen Ehe. Durch seine Lügen, Täuschungen und sein merkwürdiges Verhalten stellt sich jeder bald dieselbe unheimliche Frage: Hat Nick Dunne seine Frau ermordet?
eine kritik von laughing vampire:

Ich dachte, ich probiere mal etwas Neues: Kein koreanischer Avantgarde-Film aus den 1970ern, kein japanisches Beziehungsdrama aus der Vorkriegszeit (beides auf der Liste), sondern zur Abwechslung einen Film aus dem amerikanischen Mainstreamkino, der auf dieser Seite bereits breit rezensiert wurde und den entsprechend auch wesentlich mehr Leute gesehen haben dürften als die Werke aus meiner üblichen Nische. Zwar kann ich dazu weder mit Insiderwissen glänzen noch eine außergewöhnliche Analyse verfassen, aber dazu zwingt mich ja auch niemand. Genießt also meine erste Kritik ohne jeglichen Mehrwert für die Community.

Nicks Ehefrau Amy verschwindet nach fünf Jahren Ehe urplötzlich. In der Wohnung deutet zunächst vieles auf einen Mord hin. Dementsprechend gerät der Durchschnittstyp, der mit seiner Zwillingsschwester eine Bar führt, schnell ins Visier der Ermittlungen. Als sich nach und nach herausstellt, daß in der Ehe vieles nicht mehr im Lot war und er sich in der Öffentlichkeit kaum betroffen zeigt (zu allem Übel taucht auch noch eine junge Geliebte auf), steigert sich das öffentliche Interesse und er wird schnell als abscheulicher Verbrecher abgestempelt, auf den sich die sensationsgierigen amerikanischen Medien mit Hingabe stürzen. Doch scheint Amy vor ihrem Verschwinden bewußt Spuren hinterlassen zu haben, um Nick in Ungnade zu stürzen. Er setzt also alles daran, ihre Pläne aufzudecken und das Rätsel zu lösen, das ihn schlimmstenfalls in die Todeszellen Missouris führen könnte.

David Fincher ist natürlich einer der amerikanischen Regisseure, um die man nicht herumkommt, egal, auf welche Art von Film man sich spezialisiert hat: Wer sich auch nur periphär fürs Kino interessiert, dürfte sicherlich mit Fight Club oder Seven vertraut sein, ihres Zeichens zwei der hervorragendsten Thriller der 1990er-Jahren. Auch ich halte diese Filme für Meisterwerke in jeglicher Hinsicht: brillantes Storytelling, Hochglanz-Inszenierung, tolle Schauspieler, enorm dichte Atmosphäre. Dem restlichen Output stehe ich jedoch eher gespalten gegenüber. Panic Room von 2002 etwa fand ich keineswegs außergewöhnlich; Benjamin Button von 2008 sogar grottenschlecht, und der hochgelobte The Social Network konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, war er mit seiner Story über Facebook doch zu aktuell und jetzt-bezogen, um in Zukunft noch für irgendjemanden von Belang zu sein (schließlich niemand wird sich in 20 Jahren an Facebook erinnern). Zodiac etwa habe ich hingegen nie gesehen, The Game lediglich als Kind im Fernsehen, ergo ist mein Bild von Finchers filmischen Schaffen vielleicht sehr unvollständig.

Nach den Erfahrungen mit Benjamin Button und dem Zuckerberg-Biopic waren meine Erwartungen an Gone Girl entsprechend eher niedrig; der Film ist bei seinem Erscheinen an mir vorbeigezogen, und nur auf Empfehlung einer sehr wichtigen Person habe ich mich kürzlich doch noch daran gewagt. Zum Glück! Denn tatsächlich konnte mich dieser Film, ähnlich wie die beiden obengenannten Meisterwerke, von Anfang an in seinen Bann ziehen und über zweieinhalb Stunden durchwegs unterhalten. Da ich ein großer Freund von Filmen bin, die ihren Grundtenor permanent wechseln und mit unerwarteten Wendungen aufwarten, fiel es mir leicht, mich auf dieses packende Katz-und-Maus-Spiel einzulassen. Geholfen hat dabei sicherlich auch, daß ich mich im Vorfeld so gut wie gar nicht über die Handlung informiert hatte, mir also auch die Romanvorlage gänzlich unbekannt war/ist, und ich wirklich bis zum Ende wissen wollte, wer "gewinnt" -- auch wenn ich solche Fragen für gewöhnlich für nebensächlich halte, da sie im Gesamteindruck eines Films selten Spuren hinterlassen. Und gut, ohne viel verraten zu wollen, kommt es dann doch nicht zu einem bombastischen Finale à la Fight Club. Aber das hatte ich auch nicht erwartet.

Schön fand ich, daß die Hauptcharaktere zu Beginn möglichst nichtssagend porträtiert werden, nur um nach und nach mehr Geheimnisse und verborgene Abgründe zu enthüllen. Ben Affleck (war der nicht mal mit Jennifer Lopez zusammen? Egal) spielt den persönlich gescheiterten 08/15-Amerikaner sehr überzeugend, aber das eigentliche Highlight ist natürlich Rosamund Pike (war mir gänzlich unbekannt), die dem mysteriösen Charakter der Amy viel Luft läßt, sodaß man ihr irgendwann alles zutraut. Auch die Nebendarsteller gefielen mir gut: Neil Patrick Harris (wird für mich immer der Typ aus Starship Troopers sein) zeigt nach seinen Sitcom-Comedy-Blockbuster-Ausschweifungen mal wieder ein anderes Gesicht; Tyler Perry kauft man den afroamerikanischen Starverteidiger ohne Weiteres ab.

Auch die Musik von Trent Reznor leistet ihren Beitrag zur dichten Atmosphäre dieses Thrillers; inszenatorisch hingegen hält sich Fincher eher zurück und bietet solide amerikanische Hochglanz-Standardkost. Dafür brilliert er als Storyteller umso mehr, was dieses Manko für mich durchaus wett gemacht hat. Dennoch: Einige Elemente, wie etwa das Gewitter nach Amys unschöner Episode in der Absteige oder Harris' letzte Szene deuten darauf hin, daß durchaus noch mehr möglich gewesen wäre.

Kommen wir zum Fazit: Gone Girl ist auf jeden Fall ein hervorragender Thriller und für mich wahrscheinlich Finchers bester Film seit 1999. Und nun zum Wetter.

9/10
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Kommentare

04.03.2016 06:22 Uhr - dicker Hund
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Film kenne ich noch nicht, aber die subjektive Schreibe des Reviews hat mir sehr gefallen. Ich finde übrigens schon, dass Kritiken auch dann einen Mehrwert für die Community haben, wenn sie einen bereits rezensieren Titel betreffen.

04.03.2016 08:26 Uhr - UncleBens
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Auch wenn ich dir widersprechen muss, dass Gone Girl nicht wirklich dem Mainstreamkino anzusiedeln ist, ist dieses Review wirklich gelungen. David Fincher macht jedes mal einen hervorragenden Job.

04.03.2016 08:29 Uhr - Angertainment
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Ich sehe es mit Fincher's Werken ähnlich. Die besten Filme kommen definitiv aus einer anderen Dekade, aber Gone Girl hat auch mich fasziniert und ich habe die Gedanken dazu kurz danach niedergeschrieben. Gone Girl ist wirklich Oberklasse und Rosamund Pike spielt grandios. Hab kürzlich Zodiac gesehen und auch der war um einiges bissiger als Panic Room.
Da ich deine Reviews über asiatische Filme und die Hintergründe besonders gerne verschlinge, kann ich dir nur sagen, auch zu diesem Film hier kannst du mit der guten Schreibe überzeugen. Man darf sich ruhig mal was neues trauen, Weiter So!

04.03.2016 08:55 Uhr - NoCutsPlease
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Ich kann das mit dem Nährwert nachvollziehen: Sonst verweist du immer auf fernöstliche Insiderkost, auf die hier sonst kaum jemand aufmerksam werden würde und jetzt schnappst du dir einen Film, den ohnehin schon viele kennen oder zumindest bereits auf dem Schirm haben.
Ich für meinen Teil schreibe auch lieber meine Meinung unter ein bestehendes Review zu "Evil Dead", als dort die x-te Rezension draufzupacken.

Aber gut, das ist alles nicht so entscheidend. Dein Review ist in gewohnter Qualität und ich freue mich ohnehin über jeden "westlichen" Film, der auch dir gefällt.

04.03.2016 10:05 Uhr - JasonXtreme
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04.03.2016 08:26 Uhr schrieb UncleBens
Auch wenn ich dir widersprechen muss, dass Gone Girl nicht wirklich dem Mainstreamkino anzusiedeln ist, ist dieses Review wirklich gelungen. David Fincher macht jedes mal einen hervorragenden Job.


Gone Girl ist Fincher, und Fincher ist Mainstream.

04.03.2016 12:36 Uhr - Dissection78
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04.03.2016 08:26 Uhr schrieb UncleBens
Auch wenn ich dir widersprechen muss, dass Gone Girl nicht wirklich dem Mainstreamkino anzusiedeln ist, ist dieses Review wirklich gelungen. David Fincher macht jedes mal einen hervorragenden Job.

"Gone Girl" ist durchaus Mainstream, aber Mainstream muss ja nicht immer was Schlechtes sein.

Sehr lesenswerte Kritik zu einem sehenswerten Film, Laughing Vampire. Finde es übrigens gar nicht übel, wenn mehrere Rezensionen zu einem Streifen vorhanden sind.
Ich weiß, Geschmäcker sind desöfteren vollkommen verschieden, und mir würden hier jetzt viele User vehement widersprechen, aber "Zodiac" ist mMn neben "Seven" und "Fight Club" Finchers bestes Werk. Es ist nur viel ruhiger erzählt. Vielleicht gefällt Dir sowas ja.

04.03.2016 18:19 Uhr - Insanity667
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Sehr schöne und treffende Rezension zu einem wirklich genial erzählten und brillant gespielten Psychothriller. Fincher hat hier wirklich meisterhafte Arbeit geleistet, Mainstream hin oder her. ;)

04.03.2016 19:34 Uhr - JasonXtreme
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Ich finds super wenn mehrere Rezis zu einem Film existieren. Zumal man bei dem ein oder anderen ja besser einschätzen kann ob der einem selber zusagen würde. Und mal ehrlich: zu vielen Filmen existieren leider eh nur so unsägliche Kurzkommentare, von daher...

04.03.2016 20:37 Uhr - Laughing Vampire
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Vielen Dank für die tolle Rückmeldung. :) "Zodiac" werde ich mir dann wirklich mal ansehen müssen. Bin gespannt!

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