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Human Centipede - Der menschliche Tausendfüßler

Originaltitel: The Human Centipede (First Sequence)

Herstellungsland:Großbritannien, Niederlande (2009)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,08 (93 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Auf einem Road-Trip durch Deutschland haben die beiden Amerikanerinnen Lindsay und Jenny eine Reifenpanne.Hilfsuchend kommen sie zu dem abgelegenen Haus des deutschen Chirugen Dr. Heiter.Der sehr hilfsbereit und freundlich wirkende Mann entpuppt sich allerdings später als kranker Psychopath der die beiden Mädchen in seinem Keller einsperrt und mit ihnen und einem weiteren Gefangenen eine kranke, perverse und wahnsinnige Operation durchführen will. ()

eine kritik von gottchiller:

Ein Doktor nimmt ein drei Leute gefangen, näht sie aneinander und kreiert sich einen menschlichen Tausendfüßler.

Hätte ich nur diese Beschreibung gelesen, hätte ich vielleicht über die Idee geschmunzelt, mir den Film allerdings niemals angesehen. Man mag einen typischen Torture Porn-Film erwarten, aber das ist The Human Centipede überraschenderweise nicht. Inhaltlich hat der Film abgesehen von seiner verrückten Grundidee nicht allzu viel zu bieten. Die Leute werden eingesperrt, “verarztet“, vom Doktor durch die Wohnung und über das Grundstück gescheucht und versuchen zu entkommen. Mehr ist da nicht.

Auf schauspielerischer und charakterlicher Ebene bewegen sich die Figuren auch mehr auf „Mittel zum Zweck“-Niveau, mit einer Ausnahme: Dr. Heiter, gespielt von Dieter Laser. Nein, dieser Charakter ist nicht realistisch geschrieben, er ist auch nicht realistisch gespielt. Aber es ist auf eine sehr schwarzhumorige und makabre Weise ist ziemlich unterhaltsam, den von Overacting geprägten cholerischen Ausbrüchen von Dr. Heiter zuzuschauen. Der Film hat nicht den Anspruch, realistisch zu sein. Das sollte ein Film mit solch einer Grundidee auch gar nicht. The Human Centipede will nur eines sein: anders.

Besonders die Kameraarbeit hat mich wirklich überrascht. Die teilweise recht langen Kameraeinstellungen mit nüchternen und tristen Bildkompositionen haben mich doch tatsächlich mehr an Arthousefilme als an Schmuddelwerke erinnert. Da wird nicht immer voll draufgehalten, sondern auch gerne mal Distanz gewahrt, was besonders der Szene, in der Heiter den Tausendfüßler im Garten spazieren führt, so grotesk und surreal wirken lässt, dass man fast schon vergisst, was man gerade eigentlich für einer dämlichen Handlung folgt.
Der Atmosphäre zuträglich ist zudem, dass alle Figuren in ihren Muttersprachen reden. Ich kann also nur empfehlen, sich den Film im Originalton anzuschauen.

Und wer in dem Film eine Folterorgie erwartet, wird enttäuscht, oder wie ich positiv überrascht. Klar kommt man um gewisse Unappetitlichkeiten nicht herum, aber der wirkliche Ekel entsteht eher im Kopf als auf der Leinwand. Und das rechne ich dem Film hoch an, denn es gibt schon genug Machwerke, die nur irgendwelche Folterszenen aneinander reihen. Aber nicht falsch verstehen: THC ist definitiv ein unangenehmer Film, den man mit schwachen Magen nicht gucken sollte. An dieser Stelle sei noch gesagt, dass ich u.a. zwar gerne Horrorfilme und derbe Thriller schaue, mit Torture Porn für gewöhnlich aber überhaupt nichts anfangen kann.

Fazit:
Man kann The Human Centipede vieles nennen: Widerwärtig, abstoßend, dumm oder bescheuert. Aber eines ist er gewiss nicht: gewöhnlich. Und genau deshalb hat mir der Film sogar gefallen. Er ist so herrlich anders als alles, was ich bisher gesehen habe und mixt eine groteske Grundidee mit einem abgedrehten Antagonisten und einer überraschend anspruchsvollen Inszenierung. Die Gewalt in dem Film wirkt zudem gerade durch das Andeuten und nicht durch permanent extrem explizite Szenen so verdammt unangenehm. Man kann nicht pauschal sagen, für welche Art Zuschauer dieser Film funktioniert und ich kann auch nachvollziehen, wenn man THC für nichts weiter als einen Haufen Dreck hält. Wer aber zumindest kein Problem mit Filmen der etwas härteren Gangart hat, sollte THC nicht sofort als 08/15-Torture Porn abstempeln, denn das ist er definitiv nicht.

6,5/10

7/10
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Kommentare

06.03.2016 08:38 Uhr - dicker Hund
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.141
Nachvollziehbare Auseinandersetzung mit diesem doch sehr speziellen Werk. Mir gefällt der persönlich klingende Schreibstil.

06.03.2016 12:59 Uhr - Crítter
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"Er ist so herrlich anders als alles"

Hast Du ne Ahnung...
Komischerweise schreibe ich momentan selbst über eine kleine Reihe, wo ich teilweise solche Sätze sogar verwende. Also ein Satz aus deinem schicken Review ist schon dabei. ;)

06.03.2016 14:00 Uhr - Gottchiller
1x
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Erfahrungspunkte von Gottchiller 184
Vielen Dank für das Lob! Sowas hört man immer gerne :D.
Ich schaue auch hin und wieder Filme aus VÖ-Reihen wie Kino Kontrovers oder Bildstörung, aber ein Film, der sich mit THCs spezieller Kombo aus Provokation und Absurdität vergleichen lässt, ist mir bisher noch nicht untergekommen.

08.03.2016 07:32 Uhr - Crítter
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Ach so meinst Du das. Na dann hab ich nichts gesagt. ^^
Wobei ich aber auch nicht glaube, dass THC der einzige bei einer solchen Hinsicht ist.

12.03.2016 00:10 Uhr - Gottchiller
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Kann gut sein, dass es da noch weitere Filme gibt. Aus dem Grund schreibe ich auch lieber Sachen wie "anders als alles, was ich kenne" und nicht "anders als alles, was es gibt".

12.03.2016 19:16 Uhr - Crítter
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Ein Streifen der vielleicht in das Schema passen würde -Die 120 Tage von Sodom
Denke mal das der den Kriterien eventuell gerecht werden könnte.
Und Glückwunsch zu deinem Gewinn :)

16.03.2016 21:51 Uhr - Gottchiller
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Von Salo habe ich bisher nur gelesen, aber die absurde Komponente von THC ist mir da bisher nicht aufgefallen.
Und vielen Dank :)

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