SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Böses Zombie-Spiel PS4 aus AT · Hol dir den Klassiker ohne Zollprobleme · ab 19,99 € bei gameware Daymare: 1998 Black Edition · Blutiges Horror-Gameplay mit Resi 2-Geschmack · ab 37,99 € bei gameware

Casino Royale

Herstellungsland:Großbritannien, Tschechien, Deutschland, USA (2006)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Thriller
Alternativtitel:James Bond 007 - Casino Royale
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,60 (89 Stimmen) Details
inhalt:
CASINO ROYALE stellt JAMES BOND vor, bevor er seine Lizenz zum Töten erhielt. Doch dieser Bond ist keineswegs weniger gefährlich, und nach zwei professionellen Anschlägen innerhalb kurzer Zeit wird er in den "00"-Status befördert. "M" (Judi Dench), die Chefin des britischen Secret Service, schickt den soeben beförderten 007 auf seine erste Mission, die ihn nach Madagaskar, auf die Bahamas und schließlich nach Montenegro führt, wo er Le Chiffre gegenübersteht, einem rücksichtslosen Finanzier, der von seiner Kundschaft aus dem Terroristenmilieu bedroht wird und nun bei einem Pokerspiel im Casino Royale seine Kasse aufzufüllen versucht. "M" unterstellt Bond dem wachsamen Auge der Finanzbeamtin Vesper Lynd. Zunächst zweifelt Bond an Vespers Fähigkeiten, doch während die beiden gemeinsam diverse Gefahren meistern, wächst sein Interesse an ihr. Dann treffen Le Chiffres Gerissenheit und Grausamkeit die beiden Agenten auf eine Weise, die Bonds Erwartungen übersteigt, und er lernt seine wichtigste Lektion: Vertraue niemandem!
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                      CASINO ROYALE

Als 2002 der zwanzigste James Bond 007 – Film Stirb An Einem Anderen Tag in die Kinos kam, schien alles in Butter zu sein. Viele Kritiker konstatierten, dass der berühmteste Geheimagent der Welt den Sprung ins neue Millennium geschafft hatte und das weltweite Einspielergebnis von 432 Millionen Dollar (Bei Produktionskosten von 140 Millionen Dollar) sprach ebenfalls für sich. Bond – Darsteller Pierce Brosnan gab bekannt, dass er ein weiteres Mal den Doppelnull – Agenten geben würde. Schien also alles in Ordnung zu sein. Nachdem Stirb An Einem Anderen Tag auf DVD veröffentlicht wurde, wendete sich plötzlich das Blatt. Irgendwie war dieser Jubiläums – Bond doch nicht der wahre Jakob, meinten selbst Kritiker, die den Film beim Kinostart noch gelobt hatte. Man belächelte den unsichtbaren Aston Martin und einen Bond, der vollends zur Comicfigur geworden war. Außerdem zeigten sich die Bond – Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson unzufrieden mit dem Einspielergebnis. Für das Produzentenduo stand fest – es musste etwas geschehen.Zuerst wurde Pierce Brosnan aus allen Verträgen entlassen. Eine Umfrage hatte ergeben, dass Stirb An Einem Anderen Tag die Kinobesucher unter 20 Jahren verfehlt hatte. Da Broccoli und Wilson der Ansicht waren, dass ein Mann Anfang 50 nicht mehr zum Actionhelden für Teenager taugte, musste Brosnan gehen. 

Der nächste Bond – Film sollte auf Ian Flemings Roman Casino Royale (1953) basieren. Casino Royale ist der erste der zwölf James Bond – Romane, dessen Rechte sich die ursprünglichen Bond – Produzenten Albert „Cubby“ Broccoli und Harry Saltzman damals nicht sichern konnten. Man war also entschlossen, zu den Wurzeln der (Roman)Figur James Bond zurückzukehren. 

Die Entscheidung, Casino Royale zu verfilmen, sorgte nicht überall für Begeisterung, da z.B. die beliebten Nebenfiguren Q und Miss Moneypenny hier noch gar nicht auftauchen. Aber das war noch gar nichts gegen den Sturm der Entrüstung, den die Meldung entfachte, dass der damals 38jährige Daniel Craig den nächsten James Bond spielen sollte. Obwohl noch Craig überhaupt keine Chance gehabt hatte, sich als neuer Bond zu präsentieren, schlugen große Teile der 007 – Fangemeinde und der Presse auf ihn ein. Im Internet gab es Anti – Daniel Craig – Seiten und die Klatschspalten verbreiteten „hochseriöse“ Meldungen, laut denen Craig nicht Auto fahren könne, keine Stunts selbst ausführen wolle etc. Und außerdem … ein BLONDER James Bond? Das geht gar nicht (Und wie verträgt sich dieser Kritikpunkt mit Roger Moore…?). Craig und die Casino Royale – Crew ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. 

Bei all dem Theater um Daniel Craig ging beinahe unter, dass man für Casino Royale eine beachtliche Besetzung versammelt hatte. Während Judy Dench wieder als M am Start war, wurde Bonds Widersacher Le Chiffre von dem dänischen Charakterdarsteller Mads Mikkelsen gespielt, der in so unterschiedlichen Filmen wie Pusher 1 & 2 (1996 & 2004), Dänische Delikatessen (2003) und King Arthur (2004) bleibende Eindrücke hinterlassen hatte. Das Bondgirl wurde die atemberaubende Eva Green, die zuvor in Königreich Der Himmel zu sehen war. Auch unter den Nebenrollen befinden sich mit Jeffrey Wright (Shaft – Noch Fragen?, 2000 / Boykott, 2001), Giancarlo Giannini (Hannibal, 2001) und Jesper Christinsen (In China Essen Sie Hunde, 1999) weitere interessante Namen. Mit Ludger Pistor, bekannt aus der TV – Serie Balko (1995 – 2003), hat auch wieder einmal ein deutscher Schauspieler eine (kleine) Rolle in einem Bondfilm. Dass man für Casino Royale überwiegend Charakterdarsteller auswählte, zeigt, wie ernst es den Machern des Films war, einer guten Geschichte den Vorzug gegenüber den Effektorgien der letzten Bond – Filme zu geben.

Casino Royale könnte auch Bond Begins heißen, da die Serie hier quasi neu gestartet wird. Der Zuschauer wird Zeuge, wie sich James Bond (Daniel Craig) sich seine Lizenz zum Töten verdient und gleich darauf seinen ersten Einsatz verpatzt. Um bei seiner Chefin M (Judi Dench) nicht völlig in Ungnade zu fallen, ermittelt Bond auf eigene Faust weiter und gelangt über halsbrecherische Umwege an den mysteriösen Bankier Le Chiffre (Mads Mikkelsen), der das Geld internationaler Terroristen verwaltet und ein Faible für Poker hat. Als der frischgebackene Doppelnullagent Le Chiffre ein lukratives Geschäft vermasselt, organisiert er ein Poker-Turnier, um das verlorene Geld wieder einzufahren. Der britische Geheimdienst beauftragt James Bond, Le Chiffre bei diesem Turnier finanziell zu ruinieren und ihm somit das Handwerk zu legen. Unterstützung erhält Bond von der attraktiven Regierungsangestellten Vesper Lind (Eva Green) …

Casino Royale war nicht nur ein Highlight des Kinojahres 2006, sondern ist auch innerhalb der gesamten James Bond 007 – Reihe ein echtes Glanzstück, das Daniel Craig als absolut überzeugenden Bond – Darsteller präsentiert. Auch wenn Sean Connery für immer die Nummer 1 unter den Bond – Schauspielern sein wird, hat es kaum einer seiner Vorgänger geschafft, Ian Flemings Romanfigur so nahe zu kommen wie Daniel Craig mit seiner Darstellung des 007. Im Gegensatz zu den meisten Bond – Filmen ist der Agent mit der Lizenz zum Töten in Ian Flemings Büchern ein eiskalter, knallharter Top – Spion mit Ecken und Kanten, ein Mann, der auch mal zweifeln darf und der deshalb nur so viele Frauen hat, weil er seit einer großen Enttäuschung völlig beziehungsunfähig ist. Daniel Craig zeigt all das auf eindrucksvolle Weise. In Casino Royale ist Bond noch unbeherrscht, zynisch und dickköpfig. In seiner ersten Leinwandmission ist Craig als Bond auch noch nicht so souverän, wie man es von einem Doppelnull – Agenten erwartet. Auch vom notorischen Frauenvernascher, als den man James Bond kennt, ist Craig hier noch meilenweit entfernt und stattdessen geht er eine ernsthafte Beziehung mit Vesper Lind ein; diese Romanze ist  genauso reizvoll wie die Action des Films. Im Gegensatz zum hölzernen George Lazenby in Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) nimmt man Daniel Craig zu jeder Sekunde ab, dass er sich ernsthaft in seine (Film)Partnerin verliebt und dass ihm das Ende dieser Beziehung tiefere Wunden beibringt als es jede Schlägerei und jede Folter könnte. All das bedeutet aber nicht, dass James Bond in Daniel Craigs Interpretation nun zum Softie oder Emo verkommen ist, ganz im Gegenteil! Was Daniel Craig mit Sean Connery gemeinsam hat ist, dass der Engländer – ähnlich wie Connery – kein aalglatter Schönling ist, sondern über eine aggressive, männliche Ausstrahlung verfügt, die ihn auch in den Actionszenen absolut glaubwürdig erscheinen lässt. Craig war nach Pierce Brosnan, der ebenfalls ein guter James Bond war, aber auf viele Fans etwas zu glatt und gelackt wirkte, die beste Wahl für dessen Nachfolge.

Aber auch die anderen Darsteller können überzeugen, allen voran Mads Mikkelsen als Le Chiffre. Obwohl er in seiner Rolle keinen Superschurken mit einer Basis im Krater eines Vulkans spielt, passt seine bodenständige, aber deshalb nicht weniger bedrohliche Darstellung bestens zur neuen, realistischen Ausrichtung von Casino Royale passt. Auch Eva Green überzeugt in ihrer Bondgirl – Rolle, die weit über das Klischee des Bond anhimmelnden Betthäschens hinausgeht. In ihrer Rolle der Vesper Lind bewegt sie sich auf Augenhöhe mit Bond und ihre gemeinsamen Szenen gehören zu den Highlights des Films. Da auch die Nebendarsteller überzeugen und der Gastauftritt von Ludger Pistor den deutschen Zuschauern ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte, erweist sich Casino Royale als starker Ensemblefilm.

Aber was wäre ein Bond – Film ohne Action? Und auch in diesem Punkt weiß Casino Royale zu überzeugen. Zwar wurde die Anzahl der Actionszenen im Vergleich zu den Brosnan – Bonds etwas reduziert, aber dafür sind sie gut über den ganzen Film verteilt und bilden damit echte Höhepunkte. Schon die Auftaktsequenz, in der Bond einen flüchtigen Bombenleger im Stil der französischen Kamikazesportart Parcours verfolgt, verpasst dem Adjektiv „atemberaubend“ eine völlig neue Bedeutung und gehört definitiv zu den fünf besten und spektakulärsten Pre – Title – Szenen der gesamten Reihe. Auch wenn hier mitunter den Gesetzen der Physik getrotzt wird, zeigt bereits dieser Einstieg, dass die Action diesmal direkter und realistischer ausfällt, ohne dass man übertriebene Effektspielereien wie unsichtbare Autos oder explodierende Kugelschreiber vermisst. Und auch die übrigen Actionszenen sind spektakulär und verzichten – wie von Regisseur Martin Campbell angekündigt – auf übertriebenes CGI. Aber nicht nur die Actionszenen wurden von Campbell mit sicherer Hand inszeniert, sondern auch die Szenen am Pokertisch, die so spannend sind wie der Showdown zwischen zwei Revolverhelden in einem guten Western.

Was Casino Royale ebenfalls bemerkenswert ist, ist seine Nähe zur literarischen Vorlage. Häufig war es so, dass man den Romantitel, die Namen der Figuren, ein paar Dialoge und wenige Handlungselemente übernommen und den Rest weggeschmissen hat. In Casino Royale ähnelt die zweite Filmhälfte fast 1:1 dem Roman, nur das man ein paar Elemente modernisiert hat – so spielt man im Film (im Gegensatz zum Roman) Poker (Texas hold `em, wenn ich nicht irre - bin nicht so der Pokerkenner...).

Schade ist nur, dass man die Idee eines James Bond – Reboots nicht konsequent verwirklicht hat. Obwohl der Roman Casino Royale zeitlich vor allen anderen Bond – Romanen und – filmen angesetzt ist, spielt er in unserer Gegenwart und nicht zur Zeit des Kalten Kriegs, wie es die literarische Vorlage getan hat. Stattdessen werden das Ende des Kalten Kriegs und der 11. September 2001 erwähnt … es ist irgendwie schade, dass die Produzenten nicht den Mut hatten, ein echtes Prequel zu drehen, das in den 50er oder 60er Jahren spielt, aber das hätte die Beteiligten wahrscheinlich vor zu große Herausforderungen gestellt, was den Fortgang des Franchises angeht.

Nichtsdestotrotz ist Casino Royale ein brillanter, spannender und hervorragend besetzter Bond – Film der auch als eigenständiger Agententhriller bestens funktioniert und unterhält.

9-10/10

10/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Reindeer
Punisher77
8/10
Night
Punisher77
7/10
die neuesten reviews
Brawl
TheMovieStar
7/10
Nie
Cabal666
7/10
American
Cabal666
7/10
Hatchet
dicker Hund
7/10

Kommentare

22.03.2016 15:51 Uhr - JasonXtreme
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 13
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.531
Ja holla! Bravouröse Arbeit, die alles drin hat, was bei dem Film drin zu sein hat! Ich ziehe meinen Hut, und die 9/10 kriegt er auch von mir. Ich war bei Craig auch sehr skeptisch, aber alles ist besser als Brosnan. Connery ganz klar super, mein Fave war immer Timothy Dalton, der mich optisch am ehesten an den Roman-Bond erinnerte

22.03.2016 16:41 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.318
Danke, Jason!
Brosnan fand ich eigentlich ganz ok, aber Dalton ist meiner Meinung nach besser - DER HAUCH DES TODES und LIZENZ ZUM TÖTEN sind erstklassige Filme! Den einzigen Bond-Darsteller, den ich nicht so richtig mag, ist George Lazenby, obwohl sein IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT ein super Film ist.

22.03.2016 19:02 Uhr - leichenwurm
1x
DB-Helfer
User-Level von leichenwurm 5
Erfahrungspunkte von leichenwurm 420
Spitzen Review zu einem Spitzen Film... ;-) ! Ich würd hier auch die Höchstwertung raushauen, denn ich persönlich halte "Casino Royal" nicht nur für den besten Craig-Bond, sondern für einen der besten Bond-Filme überhaupt. Die Neuausrichtung der Titelfigur war bitter nötig, auch wenn das erst im Nachhinein richtig klar wurde... schade das man mit "Spectre" diese Neuausrichtung aber fast schon wieder rückgängig gemacht hat und wieder beim unnahbaren, unkaputtbaren Alleskönner-Bond angekommen ist...

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)