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Saw

Herstellungsland:USA (2004)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,12 (275 Stimmen) Details
inhalt:
Zwei Männer erwachen in einer kargen Kellerzelle aus ihrer Ohnmacht, mit Ketten an gegenüber liegende Wände gefesselt. In der Mitte liegt eine übel zugerichtete Leiche. Nach und nach werden den beiden Fremden Hinweise zugespielt, die ihnen angeblich den Weg in die Freiheit oder einen elenden Tod weisen sollen. Aus diesem sparsamen Szenario entwickelt James Wan einen panischen Wettlauf mit der Zeit, dessen klaustrophobische Enge durch Rückblenden und einer parallelen Storyline über einen obsessiven Cop auf der Suche nach dem Jigsaw-Killer aufgebrochen wird.
eine kritik von dicker hund:

Mit "Saw" löste James Wan im Jahre 2004 eine regelrechte Lawine des so genannten "Torture Porn" aus, die in Gestalt der sechs Fortsetzungen seines Werkes, weiterer Mainstreamproduktionen wie der "Hostel"-Reihe und etlichen Trittbrett-B-Streifen unterschiedlichster Qualität ins Rollen kam. Allerdings passt die Genrebezeichnung auf den hier besprochenen Film kaum. Zum Einen wird nicht ein Quadratzentimeter nackter Haut gezeigt (Sex 1/10), zum Anderen fehlt der Folterknecht, der im Stil von Klassikern wie "Hexen bis aufs Blut gequält" das körperliche Leiden aktiv herbeiführt. Selbst eine Kategorisierung als "Torturemovie" bleibt damit jedenfalls ungenau, transportiert aber wenigstens den Aspekt, dass das gezielte Quälen von Menschen Gegenstand des Gezeigten sind. Späterer Output des Regisseurs wie "Insidious" (2010) und "Conjuring" (2013) lässt zudem aufhorchen, wenn die erste Säge mancherorts als besonders blutig oder gewalthaltig beschrieben wird. Hier gilt es sauber zwischen ihr und den Fortsetzungen zu differenzieren, damit das Sehvergnügen nicht durch eine völlig falsche Erwartungshaltung geschmälert wird.

Denn "Saw" ist zwar zu Recht berühmt-berüchtigt für die fiesen Fallenkonstellationen des "Jigsaw", die er mit verzerrter Tonbandstimme zynisch als intendiertes "Spiel" bezeichnet, bei dem sich die Teilnehmer selbst etwas antun müssen. Diese makabre Variante von Schnitzeljagd und Hindernisparcour erhöht den Bodycount indes nicht mit Blutfontänen und Close-Ups auf Amputationen. Vielmehr geschieht vieles im Off, was für Gorehounds eine herbe Enttäuschung sein kann (Gewalt 4/10). Es ist der geschickten Zeitraffertechnik und den gewieften Kameraeinstellungen geschuldet, dass diese Art der Darstellung nicht billig oder weichgespült wirkt, sondern die Schocks nichtsdestoweniger sitzen lässt (Horror 6/10). Setgestaltungen wie der total versiffte Riesenwaschraum mit braun besprenkelten Kacheln, die einmal weiß waren, der verstopften Toilettenschüssel und der Blutlache in der Mitte tragen ihr übriges zur gelungenen Atmosphäre bei. Hier treffen sich Adam (Leigh Whannell, zuvor Alex in "Matrix Reloaded") und Lawrence (Cary Elwes, u. a. Kent Gregory aus "Hot Shots!"), um ihrem Schicksal zu begegnen. Dabei kauft man beiden Schauspielern ihre geistige Grenzsituation ohne weiteres ab.

Wie es anderen Opfern des "Jigsaw"-Killers ergangen ist, bekommt man in verschachtelten Rückblenden mitgeteilt, was innovativ sein mag, aber nur manchmal und eben nicht immer spannungsfördernd ist. Danny Glover (u. a. Lieutenant Harrigan aus "Predator 2") als Detective David Tapp kann nichts dafür, verkörpert er den verfolgungseifrigen Ermittler doch gekonnt. Problematisch sind vielmehr die zahlreichen Drehbuchlöcher, die Kable Tillman in seinem Review auf dieser Seite bereits optimal zusammengefasst hat. Derartige Patzer sind mit einer Dramaturgie, die sich hauptsächlich auf den twistreichen Plot verlässt, kaum vereinbar. Zu allem Überfluss laufen die Geschehnisse aus der Vergangenheit auf den mit zunehmender Neugier erwarteten Ausgang für die Protagonisten im Waschraum hinaus, den das Ende dann schlichtweg nicht liefert. Offene Enden mögen legitim und bei einer Aufbereitung wie in der Serie "Akte X" reizvoll sein, hier wirkt der plötzliche Schluss aber so, als seien die letzten 20 Minuten in guter alter 1980er-Jahre-Schnittmassaker-Manier kurzerhand herausgekürzt worden. Ein Blick auf die für das Review verwendete Fassung, den "Director's Cut" von Kinowelt, weist einen solchen Verdacht allerdings als unbegründet zurück.

So negativ sich das jetzt wiederum liest, ist das Ergebnis dann doch wieder nicht geraten. Die infame Stimmung des Films ist nämlich ansteckend und wird weder durch Erotik, noch durch Humor (1/10) verwässert. Dazu passend wird der sauber abgemischte Score ernst gehalten und stets an der richtigen Stelle eingesetzt. Die authentisch wirkenden Dialoge sind auf den Punkt gebracht und lassen über so manche Unwägbarkeit hinwegsehen. Das wäre ohne die hervorragenden Schauspielleistungen, bezüglich derer noch der Rolle des Übeltäters Zep (Michael Emerson, dem Ben aus der Serie "Lost") besonderes Lob gebührt, undenkbar. Nicht zuletzt dürfte so manche Wendung aller Fragezeichen zum Trotz selbst genreübersättigte Vielseher überraschen.

Unterm Strich kann man "Saw" als kleine Filmperle (7/10 Punkten) empfehlen, wobei sein Ruf als deftiger Blutstoß ähnlich unberechtigt ist wie jener der "Rambo"-Reihe als stumpfe, aber knallige Ballerorgie, was dort ebenfalls erst für die Fortsetzungen gilt. Denn so richtig splatterig ist nicht einmal jene Szene, in der die titelgebende Säge zum Einsatz gelangt. In dieser Hinsicht hat "Saw" - wie auf dem Cover tatsächlich einmal zutreffend aufgeführt - mehr mit Filmen wie "Sieben" (oder "Angel Heart") gemein als mit "Hostel". An die Qualitäten seiner zuerst genannten Thrillerkollegen kommt der überschätzte Film dabei nicht besonders nahe heran. Die viel gescholtene Tendenz in den Nachfolgern, die Schwächen im Drehbuch mit zunehmenden Mengen Kunstblut zu verdecken, kann auch als überfälliger Schritt verstanden werden, das Potential des fiesen Sujets, das viel mehr als "Torture" dann eben doch nicht hergibt, ordnungsgemäß auszukosten.

Die Erwachsenenfreigabe der FSK für den ersten "Saw" verwundert vor diesem Hintergrund kaum. Viel zeigefreudigere Genrekollegen aus demselben Jahr wie "Freddy vs. Jason", "The Toolbox Murders", "2001 Maniacs", "Dawn of the Dead" und "Dead Meat" wurden mit dem gleichen Siegel durchgewunken.

7/10
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Kommentare

11.04.2016 07:22 Uhr - Horace Pinker
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Wiedermal eine gut verfasste, wortgewandte und schwer unterhaltsame Kritik dicker Hund. :-) Auch wenn ich mich jetzt wahrscheinlich unbeliebt machen werde muss ich gestehen, dass mir die Teile 2-3 besser gefallen haben als der Erstling. Insbesondere Teil 3 hat mir wegen der recht guten Charakterisierung der Charaktere, den fiesen Gore-Effekten und den (insbesondere für den Teil eines erfolgreichen Horror Franchise ) überraschenden und konsequenten Ende sehr gut unterhalten. Danach hätte allerdings konsequenterweise Schluss sein können , so gibt es insbesondere ab Teil 4 einen deutlichen Qualitätsabfall.

11.04.2016 09:57 Uhr - Mynan
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Sehr gute und ausführliche Kritik zu einem Film, der mir nach wie vor unheimlich gut gefällt und der mich insbesondere bei der Erstsichtung schwer beeindruckt und zum Staunen gebracht hat. Gerade die Tatsache, dass "Saw" noch vergleichsweise wenig zeigefreudig ist und seine Faszination ausschließlich aus seiner verschachtelten Geschichte, Optik und Spannung bezieht, macht ihn für mich so interessant und zu einem 9 bis 10-Punkte-Kandidat. Mit den immer heftiger werdenden Nachfolgern konnte ich dann eher weniger anfangen und bin dann auch irgendwann ausgestiegen. Vielleicht bin ich "einfach zu alt für diesen Scheiß", um es mit den Worten Danny Glover's zu sagen :-) Aber das ist, wie immer natürlich, Sache des persönlichen Geschmacks.

11.04.2016 12:56 Uhr - cecil b
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Sehr sehr gute Besprechung dieses Films, differenziert!

Ich halte Saw für einen guten und sehr effektiven Horrofilm, der aber etwas mehr sein möchte, als er ist. Bei 7 Punkten bin ich dabei.

11.04.2016 14:23 Uhr - NoCutsPlease
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Gutes Review wieder mal vom ungeschmälerten Höllenhund. ;-)

Ja, der Erstling ist ein sehr gelungener Psychothriller, der mich damals angenehm überrascht hatte.
Leider wurden die Sequels nach und nach immer mehr zu reinen Folterpornos mit zunehmend abstruseren Prequel-Konstellationen.

11.04.2016 21:05 Uhr - dicker Hund
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Vielen Dank für die lobenden Worte und NCP für die versteckte Edith. Habe der Tante mal wieder die Hand gegeben;-)

12.04.2016 03:07 Uhr - Grrrg
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Gut gebellt, aber ich würde doch mehr Punkte vergeben, da mich in diesem Fall die von dir nicht weiter ausgeführten Logiklücken, die ich gerade in Kables Rev nachgelesen habe, nicht so stören. Wenn es einem so sehr aufstösst, dass ein Polizist keine Verstärkung holt, dann sollte man vielleicht keine Horrorfilme mehr schauen. Dann muss man sich ja auch fragen, warum die Leute gegen jede Vernunft in den Keller gehen etc. Fand ich hier nicht so störend und beim ersten Mal hat mich der Film mit seinen diversen Twists ziemlich weggeblasen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die gesamte Reihe ziemlich geil finde, da zwar später nur noch die Fiesheit zunahm und eine gute Story aufgegeben wurde, aber mich hat es trotz allem da immer noch schön geschaudert. Ok, der siebte war dann nimmer so prall, aber davor fand ich das immer noch relativ einfallsreich. Und die Musik packt mich auch jedesmal wieder. Die hat einfach was.

12.04.2016 20:46 Uhr - Tom Cody
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Wow (oder sollte ich sagen "Wau"??), sehr schönes Review zu Saw.
Interessant finde ich auch, dass der Streifen anfangs ja auch gar nicht als typischer "Horrorfilm" verkauft wurde, sondern als das was er ja eigentlich auch ist: ein Low-Budget, Independent-Thriller.
Die Definition solcher Streifen als "Torture-Porn" (2006 von David Edelstein so genannt) trifft mMn auch eher zu auf die ab 2005 folgenden Sequels, "Wolf Creek", "The Devil's Rejects" und insbesondere Eli Roths "Hostel"-Streifen.
Insbesondere die späteren "Saw"-Streifen empfand ich als eine immer langweiliger werdende Aneinanderreihung möglichst "kranker" Folter-und Mordsequenzen (halt wie im "Porn"ofilm - von Fickszene zu Fickszene, der Rest dazwischen gilt als unwichtiges Füllmaterial).

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