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Steiner - Das Eiserne Kreuz

Originaltitel: Cross of Iron

Herstellungsland:Deutschland, Großbritannien (1977)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krieg
Alternativtitel:Croix de fer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,61 (30 Stimmen) Details
inhalt:
Russland 1943: Mitten in den Wirren eines Rückzugs treffen zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander. Der kampferfahrene Feldwebel Steiner, der nicht mehr an einen Sieg glaubt, und der fanatische Hauptmann Stransky, dessen ganzer Ehrgeiz nur dem Eisernen Kreuz gilt. Die Feindschaft zwischen den beiden wächst sich zu einem hasserfüllten Privatkrieg aus. Stransky lässt Steiners Kolonne hinter der russischen Front ins Verderben laufen.
eine kritik von nocutsplease:

Regisseur Sam Peckinpah (1970 Oscar-Nominierung für The Wild Bunch in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch) hat sich mit Werken wie Wer Gewalt sät, The Getaway oder auch Pat Garrett jagt Billy the Kid zweifellos seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Der 1977 veröffentlichte und als deutsch-britische Co-Produktion entstandene Cross of Iron alias Steiner - Das Eiserne Kreuz gilt als Klassiker des Kriegsfilms und genießt einen ähnlichen Kultstatus wie Peckinpahs andere Meilensteine. Das Drehbuch verfassten Julius J. Epstein (Arsen und Spitzenhäubchen, 1944 Oscar für Casablanca, insgesamt drei weitere Nominierungen, u.a. für Peter und Tillie), Walter Kelley (Minirollen-Darsteller in Pat Garrett jagt Billy the Kid, Convoy, Die Killer-Elite) und James Hamilton. Als Basis diente hierfür der 1955 entstandene Roman Das geduldige Fleisch von Willi Heinrich, welcher die Kampfhandlungen an der Ostfront selbst miterlebte. Zu den führenden Produzenten gehörte übrigens Wolf C. Hartwig, der für den berüchtigten Schulmädchen-Report sowie sämtliche Folgetitel verantwortlich zeichnete. Zwei Jahre später wurde noch ein Sequel produziert, das allerdings trotz bekannter Schauspieler nicht an die Qualität und den Ruf des Originals anknüpfen konnte.


Die Story führt in die Wirren des Zweiten Weltkriegs während des Jahres 1943. Seit der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad ist die Ostfront so gut wie zusammengebrochen und den deutschen Truppen bleibt außer einem schrittweisen Rückzug keine wirkliche Alternative. Eigentlich möchte jeder dieser Hölle entfliehen, nur ein Mann lässt sich extra von Frankreich auf die russische Halbinsel Taman versetzen: Hauptmann Stransky, ein Nachkomme preußischer Adliger, der unbedingt das Eiserne Kreuz verliehen bekommen möchte. Ihm gegenüber steht der langgediente Feldwebel Steiner, welcher schon längst alle Ruhmesallüren zu Grabe getragen hat und sich mit Stranskys Standesdünkel absolut nicht arrangieren kann. Die Differenzen zwischen den beiden grundverschiedenen Soldaten entwickeln sich zu einer offenen Feindschaft, die im ohnehin schon vom Kriegswahnsinn gebeutelten Alltag zu schwerwiegenden Konsequenzen führt. Der Plot präsentiert sich in gewohnter Peckinpah-Manier als die ernüchternde Geschichte eines desillusionierten Protagonisten in einem Spannungsfeld aus individuellen Bestrebungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bzw. in diesem Falle des gnadenlosen Frontlebens. Die grundsätzlich pessimistische Perspektive spricht sehr für den Charakter eines kritischen Antikriegsfilms, allerdings scheint der Fokus überwiegend auf einer spannenden sowie atmosphärischen Erzählweise zu liegen und es wird auch nicht der Anspruch an eine historisch korrekte Rekonstruktion gehegt. Dies ändert jedoch alles nichts an der niederschmetternden Wirkung des Films, der den Zuschauer am Ende erschüttert und aufgewühlt zurücklässt.


Auf darstellerischer Seite hatte Peckinpah ein sehr kompetentes Schauspielerensemble rekrutiert. James Coburn (Die glorreichen Sieben, Gesprengte Ketten, Pat Garrett jagt Billy the Kid, 1999 Oscar als Bester Nebendarsteller in Der Gejagte) verkörpert Feldwebel Steiner mit einer derartigen Präsenz, als hätte er selbst jahrelang diesen zermürbenden Krieg geführt. Inmitten einer Welt aus Hoffnungslosigkeit und Wahnsinn versucht er nicht nur die Moral der ihm unterstellten Männer aufrechtzuerhalten, sondern sich auch eine gewisse Menschlichkeit zu bewahren -  so verschont er beispielsweise eingangs einen russischen Kindersoldaten. Den absoluten Kontrast bildet hingegen der von Maximilian Schell (Die Brücke von Arnheim, Topkapi, 1962 Oscar als Bester Hauptdarsteller in Das Urteil von Nürnberg und 1976 Nominierung für The Man in the Glass Booth sowie 1978 als Bester Nebendarsteller in Julia) mit einer diabolischen Aura gespielte Hauptmann Stransky. Dieser brennt vor Ehrgeiz und kennt keine Skrupel, um seine fragwürdigen Ziele zu erreichen. Stranskys einzige halbwegs positive Charaktereigenschaft ist dabei die klare Distanzierung zu dem Gedankengut der Nationalsozialisten, wenngleich er sich in seinem preußischen Standesdenken dennoch als ausführendes Instrument seiner Regierung betrachtet - egal, ob diese nun gute oder schlechte Ziele verfolgt. Zwischen ihm und Steiner ist die Atmosphäre von der ersten Begegnung an mit kühler Ablehnung und emotionaler Gegnerschaft durchtränkt. Weiterhin darf sich James Mason (1955 Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller in Ein neuer Stern am Himmel sowie 1967 und 1983 als Bester Nebendarsteller in Georgy Girl und The Verdict) als Regimentskommandeur Oberst Brandt beweisen und stellt dabei einen ebenfalls von allen Illusionen verlassenen Offizier dar, welcher zudem klar auf der Seite Steiners steht. David Warner (Das Omen, Titanic, Tron) spielt Brandts nicht minder ernüchtert denkenden Adjutanten Hauptmann Kiesel und unter Steiners Leuten bildet Klaus Löwitsch (Die Akte Odessa, Firefox, TV-Serien Peter Strohm und Derrick) die Speerspitze der Prominenz, während die übrigen Akteure außerhalb der deutschen TV-Landschaft kaum bekannt sind. Nichtsdestotrotz agieren sämtliche Darsteller auf einem hohen Niveau und leben ihre Rollen glaubhaft. Außerdem ist positiv hervorzuheben, dass die wesentlichen Charaktere vielseitige Eigenschaften aufweisen und nicht einfach nur als eindimensionale Abziehbilder voller Wehrmachts-Klischees fungieren. Unter den wenigen weiblichen Rollen sei noch Senta Berger (Der Schatten des Giganten, Sierra Charriba, Das Testament des Dr. Mabuse, Als die Frauen noch Schwänze hatten, Die Sieger) als Krankenschwester in einem Lazarett zu erwähnen - sie mochte den Film selbst übrigens gar nicht und meinte im Nachhinein sogar, dass man ihn am besten nie hätte drehen sollen.


Steiner - Das Eiserne Kreuz wurde mittels eines Budgets von rund sechs Millionen US-Dollar realisiert, was angesichts des verwendeten Umfangs an Statisten, Material und handgemachter Pyrotechnik bereits zum damaligen Zeitpunkt ein knapp bemessener Betrag war, weshalb gegen Ende die eine oder andere Form der Improvisation notwendig wurde. Außerdem dürfte die Tatsache, dass Peckinpah an manchen Drehtagen bis zu vier Flaschen Hochprozentiges konsumierte, nicht unbedingt zu einer Optimierung des Entstehungsprozesses beigetragen haben. Zur Kosteneinsparung nutzte man vorwiegend das bewaldete Gebiet des heutigen Sloweniens und Kroatiens sowie die italienische Stadt Triest als Kulisse. Hinter der Kamera lenkte John Coquillon (Wer Gewalt sät, Pat Garrett jagt Billy the Kid, Die Wilby-Verschwörung) sämtliche Geschicke und fing viele beeindruckende Bilder ein. Leider haben sich auch einige Anachronismen sowie faktische Fehler eingeschlichen, von denen die meisten jedoch lediglich eingefleischten Militärhistorikern sauer aufstoßen dürften. Einen etwas auffälligeren Kritikpunkt bildet hingegen der Umstand, dass einzelne Schnitte und Szenenwechsel etwas ungelenk wirken, aber zum Glück tritt dies nur punktuell auf. Im Vergleich zu den meisten anderen Kriegsfilmen aus jener Zeit weist die grafische Gewalt kaum Zurückhaltung auf, weshalb sich die Gefechtshandlungen in gewohnter Peckinpah-Manier als blutgetränkter Reigen des Todes präsentieren und währenddessen häufig Zeitlupenaufnahmen Verwendung finden. Dadurch entsteht ein gleichermaßen realistisches wie auch bedrückendes Gefühl den Kriegswahnsinn direkt mitzuerleben. Weiterhin ist die seitens Ernest Gold (Das Urteil von Nürnberg, 1961 Oscar für Exodus sowie drei weitere Nominierungen, u.a. für Eine total, total verrückte Welt) komponierte Filmmusik hervorzuheben, da diese die Grundstimmung treffend untermalt und mit klassisch anmutenden Melodien einen vielseitigen Charakter aufweist. In puncto Akustik sei auch zu erwähnen, dass der mit Dokumentaraufnahmen aus der NS-Zeit unterlegte Vorspann durch das heitere Kinderlied Hänschen klein eingeleitet wird.


Fazit: Steiner - Das Eiserne Kreuz ist zweifellos ein verdienter Klassiker des Genres und genießt zu Recht den Ruf eines Kultstreifens. Die Kombination aus einer deprimierenden Atmosphäre, einem erzählerisch spannenden Plot und der pessimistischen Sichtweise beschert ein mitreißendes Erlebnis, das durch herausragende darstellerische Leistungen und eine kompetente Inszenierung zu überzeugen weiß. Für den Status eines absoluten Meisterwerks fehlt es meiner Meinung nach zwar hier und da noch etwas an Feinschliff, aber nichtsdestotrotz handelt es sich um einen der besten Kinofilme vor dem thematischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs.

9/10
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Kommentare

19.05.2016 13:28 Uhr - Tom Cody
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"Kommen Sie, Hauptmann Stransky...ich zeige Ihnen, wo die eisernen Kreuze wachsen!"

Jau, tolle Kritik zu einem meiner Lieblings-Kriegsfilme (wen wundert's - Peckinpah halt!).
Die von dir erwähnten finanziellen Engpässe (und das Dietrich auch nicht die versprochene Menge an Panzern und Material bereitstellen konnte) waren auch der Grund für das ungewöhnliche, etwas offene Ende.
Interessant finde ich auch, dass dies einer der wenigen amerikanischen Kriegsfilme ist, in denen DEUTSCHE Soldaten die Hauptrolle spielen und nicht nur als Schießbudenfiguren verheizt werden. Sonst fallen mir spontan nur "Ausbruch der 28" oder "Der Adler ist gelandet" ein.
Die Besetzung ist ebenfalls großartig. Coburn ist so lässig-cool wie selten, auch Vadim Glowna oder Klaus Löwitsch passen sehr gut. Maximilian Schell HASST man nach diesem Film, so überzeugend verkörpert er den schmierigen Stransky.

Die Fortsetzung mit Richard Burton habe ich mir aufgrund der absolut vernichtenden Kritiken auch nie angesehen (oder sollte ich das nachholen?).

P.S.: Ob die gute Frau Berger unbedingt noch mit einem Film wie "Als die Frauen noch Schwänze hatten" in Verbindung gebracht werden will? ;-) Immerhin war sie ja auch in Peckinpahs "Sierra Charriba" oder neben Kirk Douglas in "Der Schatten des Giganten" zu sehen.

19.05.2016 13:39 Uhr - JasonXtreme
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Ich sach mal: Kann man so stehen lassen :D da setz ich meinen Servus drunter

19.05.2016 13:49 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank für euer positive Feedback! :-)
Dieser ohnehin schon sehr gute Genrevertreter wäre ohne Peckinpahs Trinkeskapaden und die zig Kilometer Film, die den Schneideraum nie lebend verlassen sollten, sicher noch einen Ticken besser geworden.

Zum Sequel: Ich habe nur noch sehr verschwommene Erinnerungen daran, aber es war trotz Richard Burton, Rod Steiger, Robert Mitchum und Curd Jürgens leider bloß im annehmbaren Mittelmaß angesiedelt.

Zu Senta Berger: Da war ich recht unentschlossen, was ich als Beispieltitel nehmen soll. In den letzten Jahren war sie ja eher in Rosamunde-Pilcher-Gedöns und Standard-TV-Krimis zu sehen gewesen, während ihre jungen Jahre mit urigen Schwarz-Weiß-Krimis oder eben so Zeugs wie "Toll trieben es die alten Germanen" durchsetzt waren, aber auch immer mal neben Hollywoodstars posiert wurde. Ich setze also "Der Schatten des Giganten" und "Sierra Charriba" mal noch mit hinzu. ;-)

19.05.2016 23:58 Uhr - NICOTERO
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Ooooh ja!! Großartig...

20.05.2016 07:02 Uhr - Angertainment
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Ein Klassiker durch und durch! Die Besprechung ist wie immer gut formuliert und beinhaltet ein rundes Gesamtpaket an Infos und Kritik.
Gute Arbeit

20.05.2016 12:52 Uhr - NoCutsPlease
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Thanks a lot, dear readers! :-)
Schön, dass man sich so einig ist. Ich frage mich übrigens, welcher Stransky dem Streifen einst 1/10 gegeben hat.

Echt schade, dass Peckinpah schon mit 59 gestorben ist, der hätte uns sonst sicher noch einige gute Filme beschert.

Und auch hier war ich sehr überrascht, dass den Titel bislang niemand rezensiert hatte.

20.05.2016 15:20 Uhr - cecil b
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Eine weitere gelungene Review für unsere En­zy­k­lo­pä­die!!!!! :)

Peckinpah ist übrigens einer der Regisseure, die den Körper der Cecil b demented-Gang zieren. Demented foreeever!


20.05.2016 15:55 Uhr - Dissection78
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Sehr gute Rezi zu einem sehr guten Peckinpah-Werk (wenn auch in der Tat nicht seinem besten). Wurde damals von vielen Kritikern verrissen. Doch das geschah ja mit etlichen Streifen von Bloody Sam. Während der Regisseur in "Cross of Iron" definitiv einen ANTI-Kriegsfilm sah und die aussichtslose Endsituation jeder kriegerischen Auseinandersetzung zeigen wollte, verglich ein Teil des Feuilletons ihn mit einer "Stalinorgel", einem Inferno aus krepierenden Granaten, prasselndem Maschinengewehrfeuer, sprudelnden Blutfontänen, abgetrennten Extremitäten etc. Und das alles von John Coquillon in ästhetischen Bildkompositionen (u.a. in entlarvenden Zeitlupen-Studien) eingefangen.
Man kann es ja so sehen, dass dies alles nicht dazu beiträgt, "Cross of Iron" als Anklage gegen die Unmenschlichkeit des Krieges zu empfinden. Mag auch sein, dass Peckinpah, durch dessen Arbeiten sich die Themen Gewalt und Moral wie ein roter Faden zogen, eine gewisse Faszination für Krieg, Kampfsequenzen und Heldenmythos hegte, das bedeutet jedoch nicht, dass er Krieg glorifizierte. Es zeugt nur von einer normalen Ambivalenz im Charakter eines Menschen. Ich empfinde Geschichte/Kriegsgeschichte bzw. die Dynamik von kämpferischen Auseinandersetzungen durchaus als faszinierend. Und doch verabscheue ich Krieg.
Meine persönliche Meinung ist, gerade durch seine eigenwillige Machart gelingt es "Cross of Iron", die Inhumanität fühlbar zu machen. Ein Film kann sehr wohl noch ein Antikriegsfilm sein, wenn er Grausamkeit ausgeprägt zeigt, und trotz oder gerade wegen einer gewissen holprigen Machart präsentiert vorliegendes Werk den Wahnsinn der Bestie Krieg sehr gallig, sehr zynisch, aber ebenso konsequent verstörend.
Freilich kann man seine Botschaft auch so verpacken wie Dalton Trumbo es in "Johnny Got His Gun" (1971) darbot - ohne Kriegsszenarien. Beide Antikriegs-Varianten sind finster, extrem hart, beklemmend und eindrucksvoll.

Sehr interessant ist auch Dein Satz:
"Stranskys einzige halbwegs positive Charaktereigenschaft ist dabei die klare Distanzierung zu dem Gedankengut der Nationalsozialisten, wenngleich er sich in seinem preußischen Standesdenken dennoch als ausführendes Instrument seiner Regierung betrachtet..."
Hier wird nämlich kurz der Unterschied zwischen Nationalsozialismus und Faschismus angekratzt. Die eine Ideologie wollte aus dem Volk eine möglichst homogene Menschenmasse machen, der völkische Sozialismus sollte herrschen (selbst wenn das - wie die Anarchie, also eine Ordnung ohne Herrschaft - tatsächlich einer Utopie gleichkommt), während die andere Ideologie ein Ständestaat-Prinzip bevorzugte, mit all den Unterschieden innerhalb eines Volkes, weshalb etliche Adlige mit dem italienischen Faschismus (der im Ursprung nicht unbedingt völkisch-rassistisch war) oder dem Austrofaschismus liebäugelten. Der Nationalsozialismus hingegen wurde von ihnen oftmals abgelehnt. Dazu gehörten übrigens auch Widerständler des 20. Juli 1944. Aber das ist nur extrem vereinfacht ausgedrückt, und eine Vertiefung würde hier wohl eindeutig zu weit führen ;)

20.05.2016 19:19 Uhr - NoCutsPlease
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DB-Helfer
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Ganz großes Danke auch an euch zwei! :-)

@ Dissection:
Ich zitiere deinen Beitrag mal nicht noch extra, weil ich da einfach rundum zustimmen muss!

Bei den Kritikern, die "Cross of Iron" so verrissen haben, frage ich mich ernsthaft wie oberflächlich die an die Sache herangegangen sind. So grafisch die Gewalt auch sein mag - wer darin einen plakativen oder verherrlichenden Unterhaltungswert sieht, sollte sich filmisch besser simpleren Dingen widmen.

Zu den ideologischen Abgrenzungen gäbe es wirklich noch einiges zu sagen, aber deine Grunderklärungen sind schon mal eine gute Orientierungsbasis. Da ich auch historisch sehr interessiert bin, sehe ich die Sache mit der Kriegsgeschichte ebenfalls in einem ähnlichen Licht.

Meine Formulierung im Review war in etwa so gemeint, dass mir Stransky als "echter Nazi" noch ein gutes Stück unsympathischer wäre, wobei aristokratische Obrigkeitsfanatiker seiner Bauart auch nicht gerade meine Freunde sind.

14.11.2017 16:21 Uhr - Mr.Tourette
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User-Level von Mr.Tourette 2
Erfahrungspunkte von Mr.Tourette 63
Wunderbare Review, das Filmchen fehlt mir noch in meiner Raupensammlung, muss ich nachholen...

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