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Masters of Horror - Jenifer

Herstellungsland:USA (2005)
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Masters of Horror
Masters of Horror:Jenifer
Jenifer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (15 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zwei amerikanischen Klischeebullen sitzen im Dienstwagen und fressen ihr China Fast Food aus dem Pappkarton. Dann hören sie Schreie und rennen in Richtung der Schreie. Ein verwahrloster Mann versucht eine Frau mit einem Beil zu ermorden. Im letzten Moment verhindert einer der Polizisten den Mord, indem er den Mann erschießt. Das letzte Wort des verzweifelten Mannes ist: Jenifer. Die Frau hat ein monströses Gesicht. Der Polizist ist mehr fasziniert als erschreckt. Er erfährt, dass sie heimatlos ist, und in ein Heim für Kranke muss. Sie geht ihm nicht aus dem Kopf. Sie kann nicht sprechen, hat ein animalisches, kindliches und geradezu welpenhaftes Verhalten. Er nimmt sie zu sich auf. Es dauert nicht lange, und seine Familie zieht brüskiert ab. Jenifer umgarnt den Polizisten animalisch hingebungsvoll und er ist ihr vollkommen verfangen. Ihre blutigen, animalischen Züge erschweren das Zusammenleben allerdings zunehmend.
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Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von horace pinker:

Jenifer ist die 4. Episode der 1. Masters of Horror Staffel. Als Regisseur wurde diesmal Dario Argento (Profondo Rosso, Tenebre) angeheuert. Der Polizist Frank Spivey wird zufällig Zeuge, wie ein Mann versucht eine Frau mit einem Fleischerbeil zu ermorden. Notgedrungen erschießt Spivey den Täter. Die Frau namens Jenifer hat ein schrecklich entstelltes Gesicht und scheint zudem geistig behindert zu sein, so ist sie nicht in der Lage zu reden. Aus Mitleid nimmt Frank sie bei sich auf, muss aber schon bald feststellen das Jenifer nicht so unschuldig ist wie es zunächst scheint.

Argento setzt hier eine durchaus reizvolle Idee um, welcher er zudem einiges an Subtext verleiht. So kann die Figur der Jenifer, welche einerseits den Körper einer attraktiven Frau besitzt, andererseits ein unmenschliches Antlitz aufweist, den animalischen Teil des Menschen darstellen. So geht sie im Laufe der Handlung vor allem ihren grundlegendsten Bedürfnissen, wie dem Sexualtrieb oder dem Drang sich zu ernähren hemmungslos nach. Dabei erinnert sie durch ihre schwarzen, ausdruckslosen Augen und ihre scharfen Zähne, so wie ihre Unfähigkeit zur verbalen Kommunikation sehr stark an ein Tier. Dies wird auch durch ihre Verhaltensweisen deutlich, da sie sich über jedwede Regeln der zivilisierten Gesellschaft hinwegsetzt und dabei selbst vor Kannibalismus nicht zurückschreckt. Auf der anderen Seite steht der Protagonist Frank Spivey, welcher anfangs durch seinen Job bei der Polizei das Gesetz repräsentiert und auch privat mit seiner Frau und seinem Sohn den „American Way of Life“ auslebt. Dies ändert sich aber schon bald nach seinem Treffen mit Jenifer, so wird er von seiner Familie verlassen, verliert seinen Job und wird somit zu einem Ausgestoßenen der Gesellschaft. Spiveys Unzufriedenheit mit seinem Leben und seine steigende Hingezogenheit zu Jenifer könnten in diesem Zusammenhang als Dekonstruktion der modernen Gesellschaftsordnung und Kritik an den vorhandenen Fehlern gesehen werden. Visuell liegt hier meiner Meinung nach eher Standardkost vor, da hier auf die Argento typischen Merkmale, wie die spezifische Farbgebung, größtenteils verzichtet wurde. Negativ anzumerken  ist zudem, dass die Geschichte einige Logiklücken aufweist und zudem die Hauptfigur oftmals wenig nachvollziehbar handelt. So fand ich es zum Beispiel äußerst unlogisch, dass Spivey Jenifer nicht spätestens nach dem diese die Familienkatze gegessen hatte in die Psychiatrie zurückbringt und selbst nach dem sie die Nachbartochter ermordet hat noch bei ihr bleibt. Ein weiteres Manko war für mich, dass das Ende bereits nach der Anfangsszene extrem vorhersehbar war und so wenig Spannung aufkam. Effekttechnisch wurde wiedermal gute Arbeit geleistet, so sind die Gore Effekte (auch wenn sie nicht so heftig wie in Pelts sind) allesamt recht blutig und realistisch umgesetzt worden und auch die für die Figur Jenifer entworfene Maske schafft es abstoßend auszusehen.

Auf darstellerischer Seite kann vor allem die Darstellung von Hauptakteur Steven Weber (  The Shining Miniserie) gelobt werden. Dieser schafft es sowohl als mitfühlender Polizist und Familienvater zu überzeugen, als auch seinen allmählichen Verfall und seine wachsende Verzweiflung glaubwürdig zu präsentieren und dabei das Mitgefühl der Zuschauer zu wecken. Carrie Anne Fleming (Supernatural) gelingt es trotz kompletten Verzicht auf Dialoge und einer vollständigen Gesichtsmaske die Figur Jenifer zum Leben zu erwecken und sie sowohl als hilflose und schutzbedürftige Person erscheinen zu lassen, als auch später ihre diabolische Seite auf furchterregende Weise zu präsentieren. Die weiteren Schauspieler spielen keine sonderlich große Rolle und liefern auch eher mittelmäßige Darstellungen.

Jenifer wurde in Deutschland ungekürzt mit einer kj Freigabe veröffentlicht.

Mit Jenifer geling Argento ein solider Beitrag zur Masters of Horror Reihe mit überzeugenden Hauptdarstellern, einer interessanten Grundidee, einigen Interpretationsmöglichkeiten und einem Vergleichsweise hohen Härtegrad. Für mich wird hier aber aufgrund einiger Defizite in der Handlung und insbesondere dem extrem offensichtlichen Ende einiges kaputt gemacht, so das hier leider nicht die hohe Qualität von Argentos zweiter Masters Folge erreicht wird. Da ich mich insgesamt aber dennoch gut unterhalten gefühlt habe vergebe ich 7/10 animalischen Frauen.

7/10
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Kommentare

24.05.2016 08:11 Uhr - Angertainment
1x
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Da isser Ja! Kann deine Wertung nachvollziehen, gegen Ende verlor das mystische Wesen Jenifer dann doch an Qualität. Eine gute Kritik und 7/10 sind sauber.

24.05.2016 11:11 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
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Interessante und gelungene Kritik.

Das Kannibalen-Subgenre erhielt mit "Jenifer" eine ziemlich kreative Fußnote, die ich für einen kleinen Höhepunkt der "Masters of Horror " halte.

24.05.2016 11:39 Uhr - Horace Pinker
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24.05.2016 08:11 Uhr schrieb Angertainment
Da isser Ja! Kann deine Wertung nachvollziehen, gegen Ende verlor das mystische Wesen Jenifer dann doch an Qualität. Eine gute Kritik und 7/10 sind sauber.

Vielen Dank. Ich habe mir Jenifer letzte Woche ausgeliehen und war nach meinen hohen Erwartungen, da mir Pelts sehr gut gefallen hat, dann doch ein wenig enttäuscht, besonders wegen dem zu offensichtlichen Ende. Trotzdem ist Jenifer bei weiten kein schlechter Film und schafft es insgesamt noch recht gut zu unterhalten.

24.05.2016 11:40 Uhr - Horace Pinker
1x
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24.05.2016 11:11 Uhr schrieb dicker Hund
Interessante und gelungene Kritik.

Das Kannibalen-Subgenre erhielt mit "Jenifer" eine ziemlich kreative Fußnote, die ich für einen kleinen Höhepunkt der "Masters of Horror " halte.

Danke für das Lob und schön das dir meine Kritik gefallen hat obwohl dir Jenifer scheinbar etwas besser als mir gefallen hat.

25.05.2016 12:06 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Spitzenreview!

Für mich ist es immer wieder erfreulich, dass du schlüssige Interpretationen bietest, die ich zu einem Teil auch so sehe, die aber auch von meinen abweichen. Ich liebe diesen kreativen Austausch.

25.05.2016 15:13 Uhr - Horace Pinker
User-Level von Horace Pinker 22
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25.05.2016 12:06 Uhr schrieb cecil b
Spitzenreview!

Für mich ist es immer wieder erfreulich, dass du schlüssige Interpretationen bietest, die ich zu einem Teil auch so sehe, die aber auch von meinen abweichen. Ich liebe diesen kreativen Austausch.

Es freut mich, dass dir auch dieses Review gefallen hat. Was die verschiedenen Interpretationen angeht kann ich dir nur hundertprozentig beipflichten, es ist häufig sehr interessant von der eigenen Meinung abweichende Deutungen eines Films kennenzulernen, da es so manchmal möglich ist neue Aspekte des besprochenen Werks zu entdecken :)

26.05.2016 02:16 Uhr - Deathking
1x
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Herrlich, deine Reviews zur MOH-Reihe sind schlüssig.... nachvollziehbar, wie auch mit Spaß zu lesen.
Du schaffst es immer wieder in deinen MOH-Reviews deine Interpretationen in eben diese einfließen zu lassen und diese auch noch in angemessener Länge.
Auch wenn wir uns in diesem Beitrag so gar nicht d´acord gehen, da mir "Jenifer" sehr gut gefällt.... Two thumps up dafür.

26.05.2016 13:48 Uhr - Horace Pinker
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26.05.2016 02:16 Uhr schrieb Deathking
Herrlich, deine Reviews zur MOH-Reihe sind schlüssig.... nachvollziehbar, wie auch mit Spaß zu lesen.
Du schaffst es immer wieder in deinen MOH-Reviews deine Interpretationen in eben diese einfließen zu lassen und diese auch noch in angemessener Länge.
Auch wenn wir uns in diesem Beitrag so gar nicht d´acord gehen, da mir "Jenifer" sehr gut gefällt.... Two thumps up dafür.

Vielen Dank für deinen Kommentar und schön das dir das Review trotz abweichender Meinung gefallen hat. Muss dazu auch sagen das ich diese Folge bisher nur einmal angesehen habe und meine Erwartungen vielleicht etwas zu hoch waren, vielleicht gefällt sie mir ja nach nochmaligem Ansehen besser. Allgemein kommt es ja bei den Masters Folgen teilweise sehr auf den eigenen Geschmack an, so haben mir die beiden Beiträge von Tobe Hooper sehr gut gefallen, während sie von anderer Seite eher negative Bewertungen bekamen. Das hier aufgrund der kreativen Freiheit der Regisseure keine Folge der anderen gleicht und auch die gewählten Themen teilweise sehr unterschiedlich sind gehört ja zu den größten Vorteilen dieser großartigen Anthologieserie und sorgt dafür das sicherlich für jeden Horrorfan etwas lohnenswertes dabei ist :)

27.05.2016 04:15 Uhr - Nick Toxic
1x
User-Level von Nick Toxic 1
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Mir hat der auch mit am besten gefallen aus der Reihe, neben "Cigarette Burns" und "Deer Woman", obendrauf auch sehr genial das hier eine Comicstory verfilmt wurde.
Im großen und ganzen teile ich die Wertung vollkommen.

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