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Wilderness

Herstellungsland:Großbritannien (2006)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Splatter, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,62 (38 Stimmen) Details
inhalt:
Die Insassen eines Jugendgefängnisses sind Mörder, Vergewaltiger und Drogendealer. Die Gesellschaft hat sie ausgestoßen, ihr Knast ist ein Schuttabladeplatz für menschlichen Müll. Nichts erschreckt die jungen Kriminellen, niemand kann sie einschüchtern...bis sie in die Wildnis geschickt werden. Abgesetzt auf einer Insel, inmitten einer unheimlichen Welt voll dichter Wälder, gefährlicher, reißender Flüsse und zerklüfteter Küstenlandstriche, müssen sie lernen, als ein Team zu arbeiten. Aber es ist noch jemand auf der Insel, der den Teenagern eine weitaus härtere Lektion erteilen will: der Jäger. Und sie sind verdammt dazu, seine Beute zu sein. Nach einem bestialischen Mord völlig auf sich allein gestellt, begreifen die jungen Kriminellen, dass keine Hilfe zu erwarten ist. Jetzt sind sie dem erbarmungslosen Raubtier, seinen teuflisch perfiden Fallen und einer blutdurstigen Hundemeute schutzlos ausgeliefert. Nur, wenn alle ihre Differenzen beilegen und als Team zurückschlagen, haben die Kids noch eine winzige Chance, dieses blutige Martyrium zu überstehen. Doch wie weit werden sie gehen, um den nächsten Tag noch zu erleben? Weiter, als sie es je geahnt hätten...
eine kritik von nocutsplease:

Welche Werke verbindet man mit Regisseur Michael J. Bassett? Nun, primär wohl seinen Debütfilm Deathwatch, der vom Publikum mitunter zwiespältig aufgenommen wurde. Des Weiteren gehen u.a. Solomon Kane, Silent Hill: Relevation 3D sowie zwei Episoden der TV-Serie Ash vs. Evil Dead auf sein Konto. Außerdem sei natürlich der Horrorthriller Wilderness nicht zu vergessen, der 2006 auf Basis eines Drehbuchs von Dario Poloni (Deathwatch) für ein schmales Budget von rund drei Millionen Britischen Pfund realisiert wurde.

 
In jenem Film begleitet man sechs Insassen einer Jugendstrafanstalt -  solch grundsympathische Zeitgenossen wie Mörder, sadistische Psychopathen, Bankräuber, Drogendealer und Vergewaltiger - sowie ihren Gefängnisaufseher auf eine unbewohnte britische Insel, die früher als militärisches Trainingsgelände diente und nun den Schauplatz einer (quasi hoffnungslosen) Disziplinierungs- bzw. Resozialisierungsmaßnahme bilden soll. Bereits wenige Stunden nach Ankunft darf der erste von ihnen blutig das Zeitliche segnen und derjenige, der dies zu verantworten hat, möchte unbedingt dafür sorgen, dass es nicht das letzte Todesopfer bleibt, weshalb eine gnadenlose Menschenjagd beginnt. Dahingehend muss sich Wilderness zu einem gewissen Grad den Vorwurf gefallen lassen, dass das Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip routiniert angewendet wird, da der Plot zu einem großen Teil von der Frage lebt, wer als nächstes bzw. auf welche Weise abtreten darf. Einen weiteren Negativpunkt bildet zweifellos die Tatsache, dass viel zu schnell bekannt wird, mit wem oder was es unsere Gruppe hier zu tun hat und selbst der Denkfaulste unter ihnen ziemlich flink die Lage durchschaut. Somit  ist der Umfang an Überraschungen mitunter begrenzt und die (un)logischen Eigenheiten des Horrorgenres werden mehr als einmal bemüht. Nichtsdestotrotz weiß das Ganze kontinuierlich zu unterhalten, denn die Geschichte wird nach einer zweckdienlichen Exposition der Charaktere recht rasant erzählt und wenn das Morden einmal angefangen hat, bleibt den Beteiligten auch nie lange Zeit zum Durchatmen.


Das simple, aber effektive Wesen von Wilderness setzt sich auch in puncto Charakterzeichnung auf einem pragmatischen Niveau durch. Grundsätzlich ist anzumerken, dass hier nicht der (typisch amerikanische) Fehler begangen wurde potenzielle Seifenopernschönlinge zu casten, sondern Jungschauspieler zum Einsatz gelangten, die auch ein kriminelles und gewalttätiges Image ausstrahlen. Toby Kebbell (Prince of Persia: Der Sand der Zeit, Planet der Affen: Revolution, Die Lincoln Verschwörung) übernimmt dabei die Rolle des unkontrolliert jähzornigen Callum, der als Neuling frisch in der Strafanstalt gelandet ist und trotz seines gewalttätigen Wesens noch die meisten Zuschauersympathien genießen dürfte. Ihm gegenüber steht der großmäulige und offensichtlich psychopathisch veranlagte Nazi Steve, welcher äußerst hassenswert von Stephen Wight (Weekender) gespielt wird. Steves Schatten und Mitläufer Nummer Eins bildet dabei der etwas stumpfsinnig wirkende und von Luke Neal (Jupiter Ascending, The Borderlands) dargestellte Lewis, während Adam Deacon (Shooters, Comedown, Montana - Rache hat einen neuen Namen),  Richie Campbell (Get Lucky, TV-Serie The Frankenstein Chronicles) sowie Ben McKay (Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis) - Letzterer übrigens in der Rolle des permanent um Anerkennung bettelnden Prügelknaben - die charmante Truppe komplettieren. Diese steht unter der Führung des Gefängnisaufsehers Jed, der von Sean Pertwee (Dog Soldiers, Event Horizon, Equilibrium) in gewohnt rustikaler Söldnermanier dargestellt wird und Alex Reid (The Descent 1+2, Arachnid) darf sich als eine der wenigen weiblichen Handlungsfiguren beweisen.


Inszenatorisch ließ das eingangs erwähnte Budget zwar nur einen Spielraum innerhalb der typischen B-Movie-Gefilde zu, aber dennoch kann sich Wilderness über weite Strecken sehen und hören lassen. Grundsätzlich bieten die Arbeitsergebnisse von Kameramann Peter Robinson (Roadkill) stimmige Ansichten, die das Potenzial der bewaldeten und felsig-kargen Inselkulisse zu nutzen wissen. Zwischendurch zeigen Überflugperspektiven ernüchternde Impressionen der rauen Landschaft und bilden eine angenehme Überleitung im Rahmen von Szenenwechseln. Manche der etwas rasanteren Sequenzen leiden allerdings unter einer relativ wackligen Optik und auch eine wortwörtlich ins Wasser gefallene Szene hätte man selbst vor Jahrzehnten unter niedrigbudgetierten Bedingungen deutlich stilsicherer hinbekommen. Im Gegenzug wissen jedoch die überwiegend handgemachten Splattereffekte zu überzeugen, da diese beim Zuschauer - empathische Gefühlsneigungen vorausgesetzt -  nicht nur einmal schmerzverzerrte Gesichtsausdrücke hervorrufen. Trotz der hierzulande attestierten schweren JK-Freigabe und des Platzes auf der Ehrengästeliste der BPjM sollte man kein extremes Gewaltmaß erwarten, aber das originäre BBFC-15-Rating mutet schon erstaunlich großzügig an. Auf akustischer Seite kann man der Filmmusik von Mark Thomas (Dog Soldiers, TV-Serie Shaun das Schaf) zwar einen routiniert anmutenden Charakter unterstellen, aber als dramaturgisch wirksame und spannungsfördernde Untermalung des Geschehens erfüllt diese durchaus ihr Plansoll.


Fazit: Wilderness ist ein solider Beitrag aus der mitunter sehr gefälligen Ecke des britischen B-Horror-Sektors und weiß trotz einzelner audiovisueller Schwächen sowie der Verwendung vieler storytechnischer Konventionen auf eine recht erfrischende Weise zu unterhalten. Mit etwas mehr Handlungstiefe, weniger Vorhersehbarkeiten und ein paar zusätzlichen Schippen an inszenatorischer Feinarbeit wäre dieser Film sicher noch ein gutes Stück nachhaltiger geworden, aber Horror- und Splatterinteressierte können sich zweifellos auf überdurchschnittlich gelungene Genrekost freuen.  

7/10
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Kommentare

26.05.2016 13:06 Uhr - leichenwurm
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Jau... "Wilderness" hat mir damals auch gut gefallen. Du hast es mit "simpel, aber effektiv" gut auf den Punkt gebracht. Witziges Detail am Rande: in der Szene in der Sean Pertwee von den Schäferhunden attackiert wird, sind einige POV- Shots zu sehen. Hier übernahm Regisseur Basset höchstselbst die Kamera und ließ sich von den Tierchen attackieren, da der Kameramann wohl gestreikt hat... ;-)) !

26.05.2016 13:23 Uhr - cecil b
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Da sitzt wieder jeder Satz! Danke dafür!

26.05.2016 13:45 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank für das positive Feedback und die interessante Ergänzung zur Produktion (hatte ich gar nicht auf dem Schirm) sowie allen Lesern einen schönen Feiertag. :-)

26.05.2016 13:53 Uhr - Horace Pinker
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Schönes, hoch interessantes und äußerst lesenswertes Review mal wieder von unserem Schnittverhinderer ;) Den Film hatte ich witziger Weise beim letzten Videotheksbesuch in der Hand, habe ihn dann aber doch dagelassen. Nach deiner tollen Kritik werde ich die Sichtung beim nächsten Mal nachholen.

26.05.2016 15:26 Uhr - dicker Hund
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Aus irgendeinem kuriosen Grund verwechsele ich diesen Film oftmals mit "Break" und könnte nicht einmal mehr sagen, ob ich ihn nun schon gesehen habe, oder nicht. Womöglich liegt es am Cover-Layout? So erfrischend die Grundidee sich liest, so schlicht und vielleicht auch austauschbar scheint die Umsetzung geraten zu sein. Irgendwann wird hier mal ein Re(?)-Watch fällig.

Jedenfalls danke für die vorzüglich ausgearbeitete Einstimmung!

26.05.2016 16:02 Uhr - Punisher77
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Dass das Review spitzenmäßig finde, muss ich - glaube ich - nicht extra betonen...wie immer halt :-).

Den Film hab´ ich vor Ewigkeiten mal gesehen und fand ihn gut ... Deine Bewertung würde ich so unterschreiben.

26.05.2016 17:55 Uhr - Tom Cody
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Über die Qualität deiner Reviews brauche ich ja keine großen Worte mehr zu verlieren. Absolut top mit Referenz-Qualität.
Der Film habe ich auch als sehr gut in Erinnerung. In der Videothek, wo ich damals gearbeitet habe, war das immer ein kleiner Geheimtipp von mir für die Kunden. Das Feedback war dann auch überwiegend positiv. Dass der Streifen im UK mit einem 15er Rating davon kam, hat mich früher schon erstaunt. Vielleicht bekam er diese Freigabe ja auch, weil es ein britischer Film ist (und man da schon mal ein Auge zudrückt)?

26.05.2016 20:14 Uhr - NoCutsPlease
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Vielen Dank für das weitere fleißige Feedback, Leute!

@ Horace Pinker:
Das nenne ich doch mal echt einen witzigen Zufall. Hier macht man als Horrorfan wirklich nichts falsch! Es würde mich übrigens sehr interessieren, ob er bei dir dann im Nachhinein entsprechend gut ankam!

@ dicker Hund:
Meinst du diesen deutschen - etwas amateurhaft geratenen - Backwood-Titel "Break - No Mercy, Just Pain", der vom Plakat her wirklich ähnlich aussieht und auf dessen österreichischer DVD-Fassung ein abgetrenntes Paar Füße prangt?
Nein, nein - also auf diesem Niveau dümpelt "Wilderness" nun nicht dahin!
Und wie gesagt, abgesehen von dieser etwas "verschwommenen" Wasserszene ist hier ein stabiles B-Niveau vorhanden.

@ Punisher:
Cool, dass du nach einigen Wochen Pause mal wieder mit am Start bist und danke für die Zustimmung zur Wertung.

@ Tom Cody:
Mensch, mit dir hätte ich grad gar nicht gerechnet, denn du bist ja sonst kaum im B-Horror-Sektor unterwegs. Aber es freut mich umso mehr, dass du den Film ebenfalls gut fandest. Und es ist durchaus denkbar, dass die Briten die landeseigenen Produktionen etwas großzügiger bewerten.

29.05.2016 00:29 Uhr - NICOTERO
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Großartig! Vor allem die fiese Hundeszene hat mich ziemlich mitgenommen...
Respekt

29.05.2016 23:06 Uhr - NoCutsPlease
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Danke dir! :-)

Ja, die Hundeszene ist in der Tat mit die fieseste Stelle im Film.
Und wenn man bedenkt, wie sehr diese beim Anschauen schmerzt und wie schnell man im Gegenzug mit "strong sex" und "strong language" beim BBFC-18-Rating abgelangt ist...
Aber gut, als "Ausgleich" hat man es hierzulande mal wieder mächtig übertrieben.

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