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Oxen Split Torturing

Originaltitel: Tokugawa onna keibatsu-emaki: Ushi-zaki no kei

Herstellungsland:Japan (1976)
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Tokugawa - Joy of Torture 2
Shogun's Sadism
Joy of Torture 2: Oxen Split Torturing, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,88 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Im alten Japan regiert ein skrupelloser Diktator. Folterungen und Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Angewidert durch die ständigen Gewaltexzesse versucht ein Untergebener zwei der Sexsklavinnen zu befreien und ihnen zur Flucht zu verhelfen. Doch vor den Häschern des Diktators gint es kein entkommen. (Shock Entertainment)

eine kritik von dicker hund:

Yuji Makiguchis "Oxen Split Torturing" macht schon durch seinen Titel keinen Hehl daraus, ein Folterstreifen - genauer wäre vielleicht die Bezeichnung "Sexploiter" - zu sein. Passend zum Zeitgeist der 70er Jahre wird hier aus den Vollen geschöpft - und tatsächlich sehen ein par Bettler, die in einer Szene eine Frau vergewaltigen, wie die Kannibalen aus den italienischen Produktionen mit Dschungel-Set und Tiersnuff aus. Allerdings stellt das hier besprochene Werk in Sachen Härte selbst das Kannibalensubgenre in den Schatten.

Gleich zu Beginn werden drei im Grunde sinnlos aneinandergereihte Hinrichtungen dargeboten, woraufhin es dann munter weitergeht bei Folterungen mit Todesfolge an gesichtslosen StatistInnen. Nach einer Weile wird klar, dass man hier bereits in der Geschichte der ersten von zwei Episoden angelangt ist: Es geht um einen Richter des Tokugawa-Feudalsystems, der für die Christenverfolgung in Nagasaki zuständig ist. Seine Methoden sind dabei noch weniger gerecht als jene des Inquisitors in "Hexen bis aufs Blut gequält" von 1969. Das wird selbst dem treuen Samurai an Richters Seite zu viel, der daher einen Versuch wagt, eine unfreiwillige Konkubine des Despoten zu befreien.

Ja, richtig gehört. Nach etwas weichgezeichnetem, einvernehmlichem Beinahe-Koitus geht das aus den Fernost-Produkten der Kategorie III fast schon gewohnte erzwungene Fortpflanzungstreiben los. Teilweise bleiben die häufig dargebotenen Sexszenen (7/10) trotz aller Perversität auf eine bizarre Weise erotisch, was so wohl nur in derartiger Importware abgebildet werden kann. Leider sind die textilienarmen Aktivitäten an drei Stellen geblurrt, was das Sehvergnügen (?) dann doch etwas beeinträchtigt, wenn auch glücklicherweise nur für jeweils wenige Sekunden. So findet sich in der 15. Minute ein fetter Flatschen mitten im Bild, der sogar das Gesicht des "Recht-" Sprechers kurzzeitig verdeckt. Zwei weitere solcher Stellen sollen folgen, indem in der 20. Minute ein Viertel und in der 29. Minute gleich die Hälfte des Bildschirms vorübergehend sabotiert sind. Damit ist "Shogun's Sadism", wie der Alternativtitel der für das Review verwendeten, nicht synchronisierten Fassung von Japan Shock lautet, ein Paradebeispiel für paradoxe Zensur. Denn inmitten aller gewalttätigen und sexualtriebhaften Quälerei-Entgleisungen ist ausgerechnet der klassische Geschlechtsverkehr tabu - und das trotz (unterstellten) Fehlens jeglicher Hardcore-Elemente.

Unproblematisch erschien im japanischen Ursprungsland dagegen offenbar die überproportional vertretene Brutalität gegenüber Frauen. In dieser Hinsicht sind der Quantität, aber auch der Kreativität der Methoden des Herbeiführens von Sterben und Leid wahrlich keine Grenzen gesetzt (Gewalt 10/10). Die titelgebende Zweiteilung einer Christin durch Ochsen ist da nur die Spitze des Eisberges. Die Effekte brauchen sich bei alledem weder in Sachen Blutzoll, noch bezüglich ihrer technischen Umsetzung hinter modernen Releases zu verstecken. Das Geschehen findet währenddessen vor exotischen Kulissen statt, die den rauen Bilderreigen oftmals zu Edel-Schund adeln. Beispielhaft genannt seien die feudalen Räumlichkeiten mit Wandmalereien und Goldschmuck. Dazu gesellen sich die aufwändigen Requisiten, wenn etwa eine "Verbrennungsglocke" wie ein Pandabär designt ist.

Eine kurze Pause erhalten die erniedrigenden Gräueltaten zur Mitte hin durch einen lasziven Tanz in einem Bordell in Fukagawa, wo die zweite Episode beginnt, welche bedauerlicherweise nicht einmal im Ansatz mit der ersten inhaltlich verknüpft wurde. Hier geht es um einen mittellosen Taugenichts, der sich in dem ​établissement​ vergnügt und dann mangels Geld seine Schulden abzuarbeiten gezwungen wird. So bekommt er - zunächst frivol am Po mit roter und sodann demütigend im Gesicht mit weißer Farbe geschminkt - die natürlich wieder sehr misogynen und brutalen Methoden des Chefs gegenüber den Prostituierten mit. Diese veranlassen ihn dazu, ähnlich zu reagieren wie der Samurai in der ersten Episode. Die beschriebene Rahmenhandlung bietet sich gleichermaßen parallel als Basis für weitere Folterungen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen, Perversitäten und Hinrichtungen an. Langweilig wird das alles aufgrund der hohen Frequenz der einfallsreichen Übergriffigkeiten zu keinem Zeitpunkt.

Vielmehr entsteht über die gesamte Laufzeit zwar nur vordergründiger, aber doch aufdringlicher Horror (7/10). Zwei Ekelszenen mit Schlangen und Fäkalien runden diesen Aspekt ab. Zwischenzeitlich kommt so etwas wie Humor (3/10) ins Spiel, wenn in der ersten Episode unser amtsinhabender Menschenfreund Weisheiten wie:

"Mach' Deinen Geist frei, dann wird Dir selbst das Feuer kühl!"

vom Stapel lässt. Gegen Ende spielt dann noch ein atypischer Henker der besonderen Art betrunken mit Sand und lässt dabei sein debiles Gelächter vernehmen.

Abschließend erscheint "Oxen Split Torturing" modernen Folterfilmen qualitativ auf seine eigene Art ebenbürtig, ist allerdings nach wie vor beschlagnahmt. Die Entscheidung ist im Ansatz sogar einmal vor dem Hintergrund der (rechtspolitisch natürlich trotzdem fragwürdigen) Gesetzeslage verständlich. Die Darstellungen hübscher Frauenkörper in Überblendung zu kruden Triebtaten, Folter und Mord ist schon starker und zugegebenermaßen streitbarer Tobak.

Als Freund des schmierigen Geschmacks kann man diese kleine Perle des "Frauenfolterfilms" (7/10 Punkten) indes auch rechtfertigen: Ein 40 Jahre alter Subgenrebeitrag, der anscheinend nicht ganz unzutreffende Zustände im historischen Japan des 19. Jahrhunderts wiederspiegelt, beinhaltet reichlich Abstraktion, so dass das Gezeigte in seiner (von den Sittenwächtern besorgten) manipulativen Wirkung jedenfalls stark eingeschränkt sein dürfte. Zudem muss man die sexistischen Taten der männlichen Figuren nicht zwingend als misogyne Botschaft des Films deuten - schließlich sind die Frauen häufig als Sympathieträgerinnen und kein einziges Mal so dargestellt, als ob sie die grausamen Bestrafungen verdient hätten.

7/10
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Kommentare

27.06.2016 08:00 Uhr - naSum
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Scheint, als hätte ich da echt ne ganz alte Filmperle an mir vorbeikullern lassen.
Habe durch dein Review Lust ;) bekommen, ihn mal zu sichten.

27.06.2016 08:34 Uhr - JasonXtreme
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Hach wieder so ein Ding aus unseligen VHS Zeiten :D da sahen die Effekte natürlich noch etwas "echter" aus, durch die miese Quali damals hähä. Gutes Ding Herr Hund!

27.06.2016 09:04 Uhr - NoCutsPlease
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Und wieder einer dieser Filme, die man sich wahrlich nur aufgrund ihres berüchtigten Rufes gönnt. ;-)
Wie gewohnt sehr gute Schreibarbeit (ich stelle mir immer einen Mops vor, der mit seinen Stummelbeinen auf der Tastatur herumwerkelt) und ein interessanter Kontrast zu dem anderen 1/10-Review.

27.06.2016 12:01 Uhr - cecil b
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Du bist ein wahrer Künstler, Kleiner. ;)

27.06.2016 13:24 Uhr - dicker Hund
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Danke für Eure netten Kommentare!

Ja, mit der "Entzweirissfolterung durch Ochsen" macht man sicher nichts verkehrt. Die Effekte kommen selbst heute noch auf DVD gut rüber...

27.06.2016 18:53 Uhr - DOTD
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Eine sehr gut formulierte Kritik, die den Kern des Geschehens passend beschreibt. Habe von dem Film schon viel gehört, aber habe ihn noch nie gesehen. Da ich der härteren Gangart nicht abgeneigt bin, hast du mein Interesse geweckt. TOP!

29.06.2016 20:56 Uhr - Angertainment
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Trotz der wenigen Zeit, die ich aktuell zum schreiben/lesen habe, konnte ich hier nicht wortlos dran vorbei.
Ein grandioses wortgewandtes Review zu einem Klassiker!
Die Blur-Szenen bei Geschlechtsteilen in japanischen Filmen sind komisch, aber immer so. Darf ich noch klugscheissern dass Kategorie /Category III eigentlich nur Filme aus Hongkong/China sind...
Ganz tolles Review, und ich muss auch noch meinen Vorrednern beiflichten: Du bist ein Künstler und das macht Lust auf den Film :)

03.07.2016 16:00 Uhr - Horace Pinker
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Interessante Kritik zu einem Film den ich rein vom Titel her als selbstzweckhaften Folterfilm vermutet hätte. Da hier scheinbar doch ein interessanter Subtext vorhanden ist werde ich mir hier bei Gelegenheit mal eine eigene Meinung bilden.

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