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Green Room

Herstellungsland:USA (2015)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,93 (47 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain't Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten... (Universum Film)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von aquifel:

Regiessuer Jeremy Saulnier hat ja schon mit "Murder Party" (2007) und "Blue Ruin" (2013) auf sich aufmerksam machen können. Ich habe beide noch nicht gesehen, aber ihr Ruf eilt ihnen teilweise schon etwas voraus. "Normalos" geraten in Situationen heftiger Gewalt und müssen ihre extremere Seite hervorkehren. Nettes Konzept, dem auch "The Green Room" von 2015 folgt.

Eine kleine, eher erfolglose Punkband namens The Ain't Rights bekommt die Möglichkeit in einer Halle einen Gig zu spielen. Besonders wichtig, da die momentane Tour eher mies läuft und man kaum über die Runden kommt, so fern von zu Hause. Zwar soll die Crowd eher "Boots and Braces" (also Skinheads) sein, aber angeblich keine der ganz harten rechten Sorte. Also eher an den unpolitischen Kram halten. Nun, kaum angekommen, stellen die Musiker fest, dass das Publikum doch etwas stärker in diese Richtung geht. Nach dem Dead Kennedys-Cover "Nazi Punks Fuck off", das gleich einige missmutige Reaktionen zieht, kommt die Musik soweit doch ganz passabel an und der Gig läuft soweit so gut. Als sich die Band um Pat (Anton Yelchin, Star Trek Reboot) auf den Weg machen will, beobachten sie dummerweise etwas, dass sie nicht hätten sehen sollen.

Ab hier beginnt dann der Terror. Eins muss ich Saulnier hierbei lassen: Anstatt ein spektakuläres Blutbad oder überzogenes Belagerungsszenario zu inszenieren, bleibt er realistisch. Die Musiker sind, abgesehen von Reece (Joe Cole; Vor ihren Augen), alles andere als "ausgebildet" für eine solche Situation, ebenso wenig ihre unerhoffte Verbündete Amber (Imogen Poots; 28 Weeks Later, Need for Speed). Dementsprechend überfordert und unbeholfen sind sie dann auch oft. Die Neo-Nazi Truppe, die sie quasi belagert, ist wesentlich organisierter, erfahrener was Gewalt angeht und entschlossen, die unangenehmen Zeugen zum Schweigen zu bringen. So wird die Gruppe unserer "Helden" natürlich reduziert, aber ab und an gelingt ihnen auch ein kleiner Gegenschlag.

Die Gewaltspitzen sitzen dann auch, sind nicht gerade zimperlich, aber nie plumper Selbstzweck. Sowieso steht hier das "Grauen" der Situation im Vordergrund. Ganz realer Horror sozusagen: Eine überlegene Gruppe, die einem ans Leder will, steht zwischen einem und der "Freiheit". Dabei ist die Atmosphäre dicht und das Setting sehr klaustrophobisch. Das kennt man so oder so ähnlich aus x anderen Filmen, wie z.B. allen voran John Carpenters "Assault – Anschlag bei Nacht" (1976). Doch "The Green Room" braucht nicht innovativ zu sein, denn das was er macht, macht er hervorragend.

Die Spannungsschraube ist von Anfang an angezogen, sobald die Band vor Ort ist, spürt man die Anspannung, das drohende Grauen und bis zum Ende scheint die Situation immer auswegloser. Für einen echten Thriller ein sehr gutes Zeichen. Dazwischen stehen dann auch die Charaktere. Zugegeben, wirklich tiefgründig ist keiner der Charaktere. Abgesehen von Amber und Pat bleiben die Helden recht oberflächlich, auf Seiten der Neo-Nazis gibt es viele zwielichtige Gestalten, bei denen sogar teilweise die menschliche Seite angedeutet oder gezeigt wird. Hier sticht besonders Patrick Stewart hervor, der als Oberfiesling Darcy wirklich aufgeht. Auf eine sehr schleichende Weise ist er diabolisch: Er ist ein Verführer, vertritt eine hässliche Ideologie, gibt ihr aber ein durchaus sympathisches Gesicht und wirkt, weiß man nicht, was ihn aus macht, wie ein netter Kerl. Genau die Art Neo-Nazi, die wirklich gefährlich ist, die leicht zu beeindruckende und frustrierte Jugendliche um sich scharen kann. Aber ist man auf der falschen Seite, dann ist er der Teufel persönlich. Wie gesagt, mit Stewart genauso überraschend, wie hervorragend besetzt. Ich hab sogar den Vergleich zu Heisenberg gelesen und das wirkt recht akkurat. Auch der erst kürzlich verstorbene Yelchin und Poots machen eine gute Figur.

Was bleibt sonst? Sicher, einige Möglichkeiten werden ausgelassen, manch eine aus dramaturgischen Gründen wichtige Entscheidung könnte einer logischen Hinterfragung nicht komplett standhalten, aber das möchte ich "The Green Room" gerne verzeihen. Denn die recht minimalistische Austattung wirkt authentisch, es bleibt stets spannend, obwohl man sich wirklich auf sehr wenige Settings verlässt (überwiegend der Green Room und der "Bunker" darunter), und die Thrills sitzen.

Also insgesamt nicht DER kein Ausnahmethriller und auch kein innovatives Meisterwerk, aber spannend und atmosphärisch dicht von der ersten bis zur letzten Minute. Dazu mit einem herausragenden Stewart und guten restlichen Darstellern, passenden Gewaltspitzen und hohem Unterhaltungswert. Macht also etwas her.

8/10
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Kommentare

10.07.2016 21:15 Uhr - Andman1984
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Gut geschriebene Kritik! Sind uns denk ich ziemlich einig was den besprochenen Film an geht. :) Wirklich sehr schade um Yelchin, der hatte echt eine riesen Karriere vor sich. Fand ihn schon in Alpha Dog klasse.

11.07.2016 08:18 Uhr - dicker Hund
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Der hat die weite Reise von meiner Wunschliste in mein Regal noch nicht hinter sich. Mit solchen Texten wächst die Vorfreude natürlich um so mehr:-)

11.07.2016 10:50 Uhr - cecil b
Moderator
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Wieder eine sehr gut gelungene Review, und eine interessante Vorstellung!

11.07.2016 12:00 Uhr - Aquifel
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Vielen Dank :) Wie gesagt, ein wirklich spannender Film, denke aber, dass manch einer (z.B. bei der imdb) ihn doch etwas sehr overhyped.

11.07.2016 12:00 Uhr - Aquifel
1x
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Upps, Doppelpost. Egal: @ Andman1984: Wirklich sehr schade, vor allem da er ja durch Star Trek, zumindest gefühlt, seinen Durchbruch hatte. Und gute Schauspieler in großen Rollen, die dann auch kleinere Projekte bereichern gibt es leider weniger als man denken mag.

11.07.2016 14:49 Uhr - NICOTERO
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Sehr gelungene Kritik zu einer kleinen, fiesen Perle von Film. Cool

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