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Lost World - Die letzte Kolonie

Originaltitel: World Gone Wild

Herstellungsland:USA (1988)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Science-Fiction
Alternativtitel:World Gone Wild - Die letzte Kolonie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,71 (7 Stimmen) Details
inhalt:
Es ist das Jahr 2097 - 100 Jahre nach dem atomaren Inferno.
Die wenigen Überlebenden haben sich an einen entlegenden Ort zurückgezogen: Lost Wells. Doch sie sind nicht allein. Eines Tages wird das Dorf von einer Sekte skrupelloser Mörder angegriffen. Die verzweifelten Bewohner wenden sich an den Söldner Landon, um mit seiner Hilfe gegen das Böse zu kämpfen.

MICHAEL PARÈ und BRUCE DERN in einem Endzeitabenteuer.
eine kritik von tom cody:

Begeben wir uns doch heute mal in die vielfältige Welt der Endzeit-B-Movies, die gerade in den 80ern nach dem Erfolg der "Mad Max"-Filme (1979, 1981, 1985)  wie Pilze aus dem Boden schossen. Insbesondere die Italiener waren diesbezüglich ja besonders fleißig. Das Beispiel hier ist allerdings zu 100% amerikanisch und stammt aus dem Jahr 1988. Ob aber

Lost World – Die letzte Kolonie  

a.k.a.

World Gone Wild

tatsächlich so eine herbe Kritik verdient hat, wie sie ihr unser verehrter Kollege Il Gobbo in seinem (dennoch) lesenswerten Intro zum Schnittbericht der deutschen Fassung zukommen lässt („alberne Trash-Gurke“), oder ob sich hier vielleicht eher eine kleine Genre-Perle verbirgt, wird im Folgenden zu klären sein.

Wir sind im Jahr 2087, nachdem die Menschheit vor mehr als einem halben Jahrhundert mittels eines Atomkriegs wieder mal versucht hat, sich den Garaus zu machen. Eine der besonders unangenehmen Spätfolgen dieser Apokalypse ist, das es seit mehr als 50 Jahren nicht geregnet hat! Beim Kampf um die letzten Wasservorräte bzw. kargen Wasserrationen ist der Mensch wieder des Menschen schlimmster Feind geworden. (Okay, hier muss ich einmal kurz eingrätschen. Man sollte auf keinen Fall versuchen, die Ausgangssituation mit Logik zu klären. Wie es z.B. möglich sein soll, bei so wenig Wasser (oder kleinen Wasserrationen) zu überleben, in schicken 80er-Jahre Föhnfrisuren herum zu laufen oder (wie die Bösewichter hier) in strahlend, persilweißen Klamotten aufzutauchen, sollte man deshalb besser nicht versuchen zu ergründen.). Also wie gesagt, die Postapokalypse 2087 ist nicht unbedingt lebenswert. Einige Menschen haben sich in den Randgebieten der Städte auch dem Kannibalismus zugewandt. Nur in der kleinen Siedlung „Lost Wells“ herrscht eitle Freud‘ und Sonnenschein. Der Grund: Man hat eine kleine, versteckte Wasserquelle im Dorf. Und genau hier fällt der brutale Sektenführer Derek Abernathy (Adam Ant) mit sein Anhängerschaft ein, tötet viele, nimmt einige Jungs mit, um seine Herde aufzustocken und kündigt sein baldiges Wiederkommen an (ohne schon etwas von der Quelle zu ahnen).  Die Dorfbewohner sind solch einer Bedrohung natürlich schutzlos ausgeliefert. Bis der Dorfälteste Ethan (Bruce Dern), der sich eher aufführt wie ein 60er-Jahre Späthippie, die Idee hat ein paar Söldner anzuheuern (und ggf. mit Frischwasser zu ködern). Zusammen mit der jungen Lehrerin Angie (Catherine Mary Stewart) macht er sich auf die Socken, um erstmal seinen ehemaligen Kumpel und Ex-Soldaten George Landon (Michael Paré) anzuheuern. Der sorgt auch bald für ein paar weitere Mitstreiter wie den Spieler und Revolverschützen Exline (der aber eigentlich ein Schwindler ist), den hartgesottenen Rocker Hank und den Magier (what???) und Sprengstoff-Kundigen Nitro. Später schließt sich auch noch Landons alter Kumpel, der leicht durchgeknallte Ten-Watts der Truppe an. Ten-Watts hatte sich in der Zwischenzeit zwar den Kannibalen angeschlossen, scheint aber abgesehen davon ein netter Kerl zu sein. Zusammenkehrt man noch Lost Wells zurück, um Abernathy die Stirn zu bieten. Eine erste Schlacht wird erfolgreich geschlagen, aber so leicht gibt sich der Sektenführer nicht geschlagen. Nun ist er vorgewarnt und zudem auch noch von einem Verräter über die Quelle unterrichtet. Die endgültige Abrechnung steht bevor…

Wer bei dieser Inhaltsangabe sofort ein wenig stutzt, hat natürlich vollkommen Recht. Die Story des Films ist einfach ein Mix zweier Genre-Klassiker. Zum einen natürlich die postapokalyptische Welt aus „Mad Max 2 – The Road Warrior“ von 1981. Für die restlichen Story-Details orientierte man zudem sehr offensichtlich am Western-Klassiker „Die glorreichen Sieben“ („The Magnificent Seven“, 1960), von dem es ja bereits 1980 ein Science-Fiction Remake in Form von „Sador – Herrscher im Weltraum“ („Battle Beyond the Stars“) gab. Na gut, es sind nicht ganz sieben Söldner, aber ansonsten folgt man sehr genau den vorgegebenen Spuren.

Die Regie übernahm Lee H. Katzin, der zwar überwiegend durch seine langjährige Arbeit im TV bekannt war, aber auch in den 70ern z.B. die Filme „Top Secret - The Salzburg Connection“ (1972) oder den Steve McQueen-Streifen „Le Mans“ (1971) inszenierte. Nach ca. 15 Jahren Abwesenheit sollte "World Gone Wild“ so eine Art Kino-Comeback werden.

Auch die Besetzung kann sich durchaus sehen lassen, denn einige recht bekannte Gesichter sind hier zu finden. An erster Stelle (obwohl es nicht die Hauptrolle ist) muss hier natürlich  Veteran Bruce Dern genannt werden [„Driver“ (1978), Schwarzer Sonntag (Black Sunday“ 1977), „Familiengrab“ („Family Plot“ 1976), „Lautlos im Weltraum“ („Silent Running“, 1972), „The Hateful Eight“ (2015)], der seinen Ethan als einen altgewordenen Vertreter der Hippie- und Flower-Power Generation anlegt. Sein Name ist zudem auch ein Verweis auf einen weiteren Western-Klassiker. „Ethan“ hieß nämlich auch der von John Wayne gespielte Protagonist in dem genialen John Ford-Film „Der schwarze Falke“ („The Searchers“ 1956). Ethans Kumpel George Landon wird gespielt von Michael Paré. Paré machte in den 80er Jahren erstmals durch den Film „Eddie and the Cruisers“ (1983) auf sich aufmerksam und hatte weitere Achtungserfolge mit „Straßen in Flammen“ („Streets of Fire“, 1984) und „Das Philadelphia-Experiment“ (1984). In der Folge gelang ihm zwar nie der Sprung nach ganz oben, aber im B-Movie Bereich ist er auch weiterhin gut beschäftigt. Die weibliche Hauptrolle übernahm die absolut hinreißende Kanadierin Catherine Mary Stewart, die auch (ebenfalls vorrangig aus den 80ern) einige, kleinere Kultfilme vorzuweisen hat, wie z, B. „The Last Starfighter“ (1984), „Der Komet“ („Night of the Comet“, 1984) oder „Immer Ärger mit Bernie“ („Weekend at Bernie`s“, 1989). Der durchgedreht Sektenführer Derek Abernathy wird gar nicht mal schlecht gespielt vom damals bekannten Sänger und Musiker Adam Ant („Adam and the Ants“). Als Landons Kannibalen-Buddy entdeckt man zudem Anthony James, dessen Name einem vielleicht nicht sofort etwas sagt, dessen Gangster-Visage man aber aus unendlich vielen TV- und Kinoauftritten kennt, zumeist natürlich als Bösewicht [„Ein Fremder ohne Namen“ („High Plains Drifter“, 1972), „Die nackte Kanone 2 ½“ (1991), „Zum Überleben verdammt“ („Ravagers“, 1979)]

Und taugt der Film letztendlich was? Die Antwort ist ein dickes, fettes und mit Überzeugung vorgetragenes „JA“. Vielleicht bin ich nicht ganz objektiv, weil ich damals, nach einem ersten Artikel in der amerikanischen „Starlog“-Zeitschrift, fast ZWEI Jahre warten musste, bis der Film endlich in Deutschland erschien, aber „World Gone Wild“ macht einfach durchgehend Spaß! Hat man erstmal die Kröte der elefantengroßen Logiklöcher geschluckt, kann man sich der geneigte Endzeit-Fan wunderbar mit „World Gone Wild“ unterhalten. Es gibt keinem Moment, wo die Story durchhängt, einige knackige (und durchaus etwas ruppige) Actionszenen, Momente schwarzen Humors und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt ebenfalls. Das Einzige, was einem allerdings Kopfschmerzen verursacht, ist das Outfit von Nitro. Während Kunstschütze Exline ganz (Western-) stilecht mit Weste, Six-Shootern und Stetson herumläuft, hat sich Nitro in einen lilafarbenen Ganzkörperanzug gequetscht und trägt auf dem Kopf eine Bedeckung, die ein wenig an eine tote Qualle erinnert. Ich habe mich auch schon mal gefragt, ob man von so etwas bei längerem Hinsehen Augenkrebs bekommen kann?!?! Die Optik des Films selbst ist zwar etwas karg, was aber natürlich auch auf die Story zurück zu führen ist. Allerdings hat der Produktionsdesigner mit der später von einem Wall aus Autowracks geschützten Siedlung Lost Wells eine durchaus interessante Location fabriziert.

Der Soundtrack des Briten Laurence Juber ist jetzt nicht allzu auffällig und untermalt ganz passend die verschiedenen Stimmungen des Films. Ein Knaller aber ist der gleichnamige Titelsong der von Michael Des Barres gegründeten Rockgruppe „Chequered Past“ die sich u.a. aus früheren Mitgliedern von „Blondie“, „Tin Machine“ und den „Sex Pistols“ zusammensetzte. Der fetzige Rocksong wird einem zu Beginn und zum Ende des Films um die Ohren gehauen, wo er sich umgehend in die Gehörgange frisst und dort festbeißt. Herrlich.

Ist „World Gone Wild“ jetzt also große Filmkunst? Nein natürlich nicht. Aber durchaus gekonnte Unterhaltung aus dem gehobenen B-Movie Bereich. Manchmal braucht es halt nicht mehr als Tempo, kompetent inszenierte Action, ein paar coole Sprüche oder (hach!) Catherine Mary Stewart (ich glaube, ich oute mich hier gerade als früher Fan der Lady).  

Die erwähnte Ruppigkeit der Actionszenen (verbrennende Bad Guys, abgeschliffene Radkappen als tödliche Wurfgeschosse) sorgte auch dafür, dass „World Gone Wild“ 1990 indiziert und erst 2014 wieder aus der BPjM-Haft entlassen wurde. Die deutsche Fassung ist zudem leicht gekürzt, lässt sich aber trotz der Zensurmaßnahmen immer noch sehr gut anschauen. Zudem ist bereits die US-Fassung nicht ganz zensurfrei, denn auch hier musste im Vorfeld für ein R-Rating vorab die Schere angesetzt werden. Da der Film aber bis heute weder auf DVD oder Blu-ray erhältlich ist (Sauerei!), kann man nur spekulieren, wie er vielleicht ursprünglich mal hätte aussehen sollen.  

Der letzte Punkt, der noch erwähnt werden MUSS, obwohl er nichts über die Qualität des Streifens aussagt, ist die Scientology-Kontroverse, die ihn umgibt. Ursprünglich wollte man Abernathys Sekte im Film an die gemeingefährliche Psycho-Sekte „Scientology“ anlehnen (Ich weigere mich strikt, diese Spinner als „Kirche“ oder „Religionsgemeinschaft“ zu bezeichnen). Auch sollte Abernathy aus dem Scientology-Standardwerk „Dianetics – Eine moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ (bruahahaa!) von Sektengründer L. Ron Hubbard predigen. Leider bekam Scientology Wind von der Sache (der Mitarbeiter eines Fotolabors ließ ihnen einige deutliche Bilder zukommen) und die auch damals schon sehr streitlustige Sekte drohte den Produzenten mit verschiedenen Klagen, sollten nicht alle Anspielungen und Hinweise auf Scientology aus dem Film verschwinden. Die Macher knickten dann ein und die entsprechenden Szenen wurden entfernt. Derek Abernathy predigt nun aus „Leben und Werk von Charles Manson“. Das nur mal als Beispiel, wie weit damals schon der Einfluss dieser skrupellosen Sekte reichte. 

Unterm Strich ist „World Gone Wild“ also ein für Endzeit-, Western-, B-Movie- und Action-Fans durchaus sehenswerter und gelungener, kleinerer Endzeitfilm, der mit Action, sympathischen Hauptfiguren und leicht trashig angehauchter Atmosphäre durchaus zu überzeugen vermag.

Da "World Gone Wild" bei mir auch einen kleinen Sympathie-Bonus genießt, gebe ich dem Film daher sogar 8 von 10 Punkten.

George (zu Ten-Watts, der mit gezücktem Dolch fröhlich auf die herumliegenden Leichen zuläuft): "Ten Watts!?!? (*Antwort: fragend hochgezogene Augenbrauen*).  Nur ihre! (*Antwort: heftiges Nicken*). Keine von unseren! (*Antwort: entschiedenes Kopfschütteln*)".

8/10
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Kommentare

23.08.2016 17:12 Uhr - gok
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Ja mein lieber Schwan der Eisenbahn, das ist ja mal ein MONSTER von Review, und wie ich finde höchst informativ. Auch die Absätze toll gesetzt, und erst die lockere Schreibweise.
Ganz einfach eine tolle Review.

23.08.2016 17:23 Uhr - cecil b
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Was wie ein Kracher von Review! Liest sich wunderbar, äußerst informativ, gewitzt formuliert und differenziert den Film betrachtet. Danke dafür!

24.08.2016 08:59 Uhr - JasonXtreme
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Nie von gehört, dafpr jetzt super drüber gelesen :D informativ, unterhaltsam - und das Ding scheint ne Sichtung wert zu sein!

24.08.2016 13:03 Uhr - NoCutsPlease
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Für mich ist das Review das Autorencomeback des Monats!

Den Film selbst kenne ich nicht, aber er klingt nicht verkehrt.

24.08.2016 17:06 Uhr - Tom Cody
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Erstmal "Danke" in die Runde für's Feedback!

Klar, dass der Film jetzt nicht soo bekannt ist, und die Meinungen über
seine Qualitäten gehen ja auch stark auseinander, aber dass sich bis heute niemand gefunden hat, der "World Gone Wild" auf DVD oder Blu-ray veröffentlicht, ist schon ziemlich traurig. Da würde ich mich sogar auf eine "Platinum Cult Edition" aus dem Hause Krekel stürzen!

@ NoCutsPlease
Ich werde auch versuchen , mit meiner nächsten Review nicht wieder 4½ Monate zu warten, versprochen! ;-)

24.08.2016 19:06 Uhr - leichenwurm
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Oha... den Film kenne ich mal absolut gar nicht... noch nichtmal der Titel war mir geläufig ;-) ! Dein toll formuliertes Review hat mich jetzt aber mehr als neugierig gemacht. Klasse geschrieben und mit allen, für Nicht-Kenner relevanten, Infos gespickt... ! Ganz starkes Review Tom Cody ;-) !

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