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Ronin - Jeder ist käuflich

(Originaltitel: Ronin)
Herstellungsland:USA, Großbritannien (1998)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,57 (29 Stimmen) Details
inhalt:
In ihrer Welt kauft man sich Verbündete - Verrat gehört zum täglichen Geschäft: hier stellt eine neue und noch tödlichere Terroristenkaste die Regeln auf - die Auftragskiller! Der Kalte Krieg ist zwar vorbei, aber an den unsichtbaren Fronten der neuen Welt operiert eine Gruppe von Undercoveragenten, die sich auf Überwachung, Aufspüren und Überfälle spezialisieren. Sie arbeiten immer für den, der ihnen das beste Angebot macht. Fünf dieser Agenten, die auch "Ronin" genannt werden, treffen sich in Paris auf Weisung eines geheimnisvollen Auftraggebers, um in einer gefährlichen Mission einen Aktenkoffer mit Top-Secret-Inhalt zu stehlen. Der Auftrag hört sich höchst einfach an. Doch schnell entwickelt er sich zu einem Spießrutenlauf, denn auch andere Unterwelt-Organisationen richten begehrliche Blicke auf den Koffer. Die Verräter werden selbst verraten, während der Film auf seinen explosiven Höhepunkt zusteuert.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Einen Samurai, der durch Tod seines Herrn, Enthebung seines Amtes oder schlicht durch Verstoßung herrenlos wurde, nannte man "Ronin". Benennt man einen Film nach dieser Thematik, erwartet man sich eher einen Eastern oder einen klassischen Kostümfilm als einen harten Action-Thriller. Aber manchmal ist eben alles anders, und nur die Erwähnung jener klassischen Figuren aus der asiatischen Welt führen zum Titel des heute von mir ausgewählten Meilensteines des anspruchsvolleren Action-Kinos.

 

RONIN (1995)

 

"Der Action-Thriller Ronin handelt von einem Spezialisten-Team, das einer französischen Verbrecherorganisation einen mysteriösen Koffer abjagen soll. Dies gelingt auch, bis das Team bemerkt, dass mehrere von ihnen ein falsches Spiel spielen. Dies ist der Beginn eines vertrackten Katz- und Maus-Spiels, bei dem niemand mehr seinem Gegenüber vertrauen kann, erst recht nicht, als sich auch Terroristen für die brisante Beute interessieren."

Mann Mann, hat dieser Film eine Besetzung! Robert De Niro ("Kap der Angst", "Goodfellas" etc.), Jean Reno ("Leon - Der Profi"), Natascha McElhone ("Solaris"), Stellan Skarsgard ("Illuminati"), Sean Bean ("Silent Hill") und Jonathan Pryce ("Fluch der Karibik"), eine Ansammlung von Top-Schauspielern, die Fans schon vor Sichtung des Films anerkennend mit der Zunge schnalzen lässt. Sogar die ehemalige deutsche Ice-Queen Katarina Witt ist in einer Nebenrolle zu bewundern. Wer kann es schaffen, solch eine illustre Runde in ein und dem selben Film zu vereinen?

Die Antwort: Eine Regie-Legende namens John Frankenheimer ("Grand Prix", "French Connection 2") kann es! Der 2002 im Alter von 72 Jahren leider verstorbene Regisseur hatte eine Vorliebe für Autostunts und -rennen, was man hier den ganzen Film über eindrucksvoll demonstriert bekommt. Eine Verfolgungsjagd nach der anderen wird auf den Zuschauer losgelassen, und was das Schönste ist, alles ist handgemacht. CGI-Effekte sucht man den ganzen Film über vergeblich, was hier explodiert, erschossen oder verschrottet wird, sieht so real aus, wie man es nur darstellen kann. Insgesamt 80 Autos wurden bei den Dreharbeiten zu dieser Hommage an alte Kriminalfilme zerstört, eine echte Ansage im Vergleich zum Computereffekt-verliebten Hollywood der Gegenwart. Besonders beeindruckend für mich ist, dass dabei auch auf das Handling der verschiedenen Fahrzeuge Rücksicht genommen wurde, so sind zum Beispiel das Ziehen der Handbremse oder die Kraftvorteile eines A8 gegenüber leichteren Fahrzeugen deutlich dargestellt.

Passend zur in Frankreich stattfindenden Handlung wurde mit Robert Fraisse ein Franzose als Kameramann engagiert, der die Action rasant und detailgetreu eingefangen hat. Auch bei Top-Produktionen wie "Sieben Jahre in Tibet" oder "Hotel Rwanda" wurde deutlich, dass hier ein echter Fachmann am Werke war. In Kombination mit dem Schnitt von Anthony Gibbs ("Rollerball", "Die Brücke von Arnheim"), ist die Bildsprache tatsächlich richtungsweisend für die Inszenierung von realistischen Action-Sequenzen, hier läuft alles ohne Kamera-Gewackel und mit deutlichem Fokus auf das tatsächliche Geschehen ab.

Charaktermime Robert De Niro, sicherlich einer der besten Schauspieler aller Zeiten, ist die Idealbesetzung für die Hauptfigur, da die Handlung zwar vieles (bewusst) offenlässt, ihren Charakteren aber durchaus die Möglichkeit bietet, Tiefgang und Schauspielkunst zu beweisen. Auch die "zweite" Hauptrolle wird von Jean Reno absolut passend verkörpert, die Chemie zwischen ihm und De Niro stimmt von Anfang bis zum Ende und man merkt, welch spielfreudiges Gespann dem Film auf charismatische Art und Weise noch das Tüpfelchen aufsetzt. Mit Ausnahme von Theaterschauspieler Jonathan Pryce (Laurence Olivier Theatre Award für "Miss Saigon" 1990) können da die durchaus ebenso talentierten Nebendarsteller nicht ganz mithalten, obwohl jeder von ihnen seinen Job tadellos erledigt. Schade eigentlich, dass Sean Bean nur einen sehr kurzen Part erhalten hat, ihn hätte ich gerne länger gesehen.

Alfred Hitchcock hat den Begriff "MacGuffin" geprägt, dieser beschreibt ein mehr oder weniger beliebtes Objekt, das dazu dient, den Film oder seine Handlung voranzutreiben. Genau ein solcher Gegenstand ist der ominöse Koffer, der im gesamten Film von mehreren internationalen Spezialeinheiten gejagt wird, ohne dabei eine Erklärung über den Inhalt oder seine Verwendung abzugeben. Dies mag ungewöhnlich für manchen Seher erscheinen, schafft aber bei "Ronin" eine mysteriöse Spannung, die man sonst nur aus alten Agententhrillern kennt, zwischenzeitlichen Klamauk im Stile von James Bond sucht man hier vergeblich. Einige Fragezeichen, die letztendlich übrigbleiben, kann man aufgrund der perfekten Inszenierung und der kraftvollen Darstellerriege ohne weiteres ins Abseits befördern.

Als großer Robert De Niro Fan (der durch seine momentan nur durchschnittlichen Produktionen leider etwas enttäuscht ist) komme ich bei "Ronin" wieder und wieder voll auf meine Kosten. Ähnlich wie im Jahre 1995 abgedrehten "Heat" demonstriert er auch hier, dass seine Wandlungsfähigkeit ihn neben anspruchsvollen und komödiantischen Rollen auch zum Action-Star macht, was nicht viele Schauspieler derart auf den Punkt bringen können.

Der Gewaltgrad ist moderat, weswegen der Film zensurtechnisch keinerlei Probleme bekam und von der FSK mit einer Freigabe ab 16 Jahren bedacht wurde, was meiner Meinung nach durchaus realistisch ist. Ganz ohne Shootouts kommt aber selbst dieser Film nicht aus, blutige Einschusslöcher sowie ein recht grafischer Kopfschuss sind auch hier enthalten. Die perfekt inszenierten Verfolgungsjagten sind allerdings wesentlich wichtiger als die Härteeinlagen.

"Ronin" gehört seit ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, weswegen ich ihm gerne eine hohe Wertung von 9 Punkten gebe, den einen Abzug erhält er nur wegen manchen Handlungsfäden, die ich gerne mehr ausgeprägt gehabt hätte.

9/10
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Kommentare

30.08.2016 16:56 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Sehr gutes Review zu einem tollen Streifen!
Frankenheimer (seinerseits übrigens großer Frankreichliebhaber) hatte es eben einfach drauf und mit diesem coolen Cast konnte ohnehin kaum etwas schiefgehen.
Auch von mir 9/10 Koffer!

30.08.2016 16:58 Uhr - Ivan_Danko
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Danke, freut mich sehr, das es Dir gefallen hat, ist schön, von einem echten Review-Könner und Kenner ein Kompliment zu bekommen...

30.08.2016 17:03 Uhr - Punisher77
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Hervorragend geschriebenes, informatives Review zu einem hervorragenden Film, den ich vor gar nicht allzu langer Zeit auch mal wieder gesehen habe. Bei der Wertung gehe ich mit. Tolle Arbeit!

30.08.2016 17:10 Uhr - NoCutsPlease
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Danke für die Blumen Ivan, aber ich mache einfach nur mein Ding wie ich es für mich persönlich am passendsten finde, ohne mich mit Titeln schmücken zu wollen.

Da du im Review "Grand Prix" und "French Connection 2" erwähnst: Wie schneiden die denn punktzahlmäßig bei dir ab?

30.08.2016 18:45 Uhr - Ivan_Danko
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Hätte bei Grand Prix als Klassiker auch eine 9 und bei French Connection 2 eine 7-8 gegeben, auch gute Verfolgungsjagten, aber nur der Hackman reissts endgültig raus.

31.08.2016 07:22 Uhr - Ivan_Danko
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@ Punisher: Danke für das Lob

31.08.2016 09:22 Uhr - JasonXtreme
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Abermals richtig gute Arbeit! Den müsste ich mal wieder schauen, is sicher auch schon 15 Jahre her jetz :D aber ich fand ihn auf jeden Fall gut damals!

02.09.2016 10:00 Uhr - Tom Cody
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Sehr schönes Review zur Actionthriller-Perle "Ronin".
Bei John Frankenheimer konnte man sowieso nicht allzu viel falsch machen. Es ist wirklich traurig, dass manche Highlights von ihm entweder gar nicht ("Schwarzer Sonntag") oder nur zu Mondpreisen ("Dead Bang") auf DVD oder gar Blu-ray zu finden sind.

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