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Air Force One

Herstellungsland:USA (1997)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:AFO
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,75 (60 Stimmen) Details
inhalt:
Der amerikanische Präsident James Marshall und seine Familie befinden sich auf dem Rückflug von Kasachstan in die USA. Als Passagiere der Air Force One sind sie scheinbar völlig sicher, denn bei diesem Flugzeug handelt es sich um eine fliegende Festung, die selbst direkten Raketenangriffen standzuhalten vermag. Doch der Feind ist an Bord - eine Gruppe eiskalter Killer unter der Führung des russischen Terroristen Ivan Korshunov. Ihr Ziel ist es, den gefürchteten General Radek freizupressen! Für den Präsidenten steht nun alles auf dem Spiel: das Leben seiner eigenen Familie und die Verteidigung des Weltfriedens...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Ich habe einigermaßen zu zweifeln begonnen, als ich 1997 hörte, dass ausgerechnet der geniale Wolfgang Petersen ("Das Boot", "In the Line of Fire", "Outbreak") die Regie bei dem nächsten von mir beschriebenen Film übernahm. Hatte nicht erst zwei Jahre vorher ein anderer deutscher Regisseur auf eine so derart penetrante Art und Weise die USA-Flagge wehen lassen, dass man glatt auf den Gedanken kommen könnte, er sei nur ganz ganz knapp am hinteren Bunker der amerikanischen Regierung vorbeigekrochen. Ich möchte den Namen dieses Regisseurs nicht nennen, er hat sich halt dem Mainstream angepasst und einen Emmerich drauf gegeben, wo er herkommt. Macht ja nix, hauptsache die Action und die Einspielkohle stimmt. Wie siehts jetzt also mit

 

AIR FORCE ONE (1997)

 

aus? Würde sich auch Petersen anpassen und ein patriotisches Werk abliefern, dass ganz nach dem Geschmack des Weltpolizisten ausfällt und alle anderen eher peinlich berührt? Die Antwort ist ganz klar JA, aber trotzdem gibt es einige Dinge, die den Film durchaus locker und angenehm schaubar machen.

Erstens wäre da mal der Hauptdarsteller. Wer darf als Präsident in seinem Flugzeug in bester "Stirb Langsam" und "Alarmstufe: Rot" - Manier aufräumen wie Rambo's zwirntragender Alter(nder)-Ego, und dabei noch etliche (manchmal mehr und manchmal weniger prollige) Oneliner loslassen? Natürlich Harrison Ford ("Indiana Jones", "Die Stunde der Patrioten"), der auch in der Realität durchaus als Präsident durchgehen würde. Schauspielerisch ist er ohnehin über jeden Zweifel erhaben, und wie man es erwarten konnte, liefert er auch hier eine tadellose Leistung ab.

Als zweites muß man natürlich den wieder mal völlig durchgeknallten Gary Oldman ("Dracula", "Das 5te Element") erwähnen, der den Fiesling Ivan Korshunov als skrupellosen Terroristen darstellt, der mit der Entführung der Maschine den Kriegsverbrecher General Radek (Jürgen Prochnow - Ja, die Deutschen halten zusammen) freipressen will. Klingt schon etwas politisch inkorrekt? Ist es auch, nur dass die normalerweise immer schuldigen Russen diesmal mitgeholfen haben, den General einzufangen. Logischerweise durften natürlich die Amerikaner den bösen Buben per Spezialkommando festnehmen, da die Russen selbstverständlich die Lorbeeren gerne dem neuen besten Freund überlassen. Wem aufgrund dieser ultrarealen Idee vielleicht ein Schmunzeln entweicht, dem sei gesagt, dass General Radek übrigends Kasache ist, damit die Russen in keinster Weise wieder den Allerwertesten hinhalten müssen, wie es ja in der alten kalten Zeit viel zu oft passiert ist. Alles Friede-Freude-Eierkuchen bei den Großmächten also, wäre da nicht dieser böse Flugzeugentführer...

Den dritten positiven Punkt hat die große Glenn Close ("Eine verhängnisvolle Affäre", "Das Geisterhaus") bekommen, die eigentlich die gleiche Rolle spielt wie Morgan Freeman in "Olympus/London Has Fallen": Im Office sitzen, mitfiebern, im Zweifelsfall einmal für den Chef abstimmen und vor allem nicht mal annähernd schauspielerisch gefordert sein. Die Gute hat mir richtig leid getan, sicherlich hat sie vorher und nachher niemals wieder so wenig ihres Könnens abrufen müssen. Weiters sind noch William H. Macy ("Dark Knight") und Xander Berkeley ("Kick-Ass") zu erwähnen, die aber wie alle anderen Statisten in der dünnen Luft des Drehbuchs untergehen.

Beim vierten positiven Punkt muss ich schon wieder etwas schlucken. Zweifelsohne hat Wolfgang Petersen seine Regie routiniert durchgezogen, ein derart hanebüchenes Machwerk vergeudet sein durchaus vorhandenes Talent aber schon auf sehr sträfliche Art und Weise. Auch manche Special-Effects sind deutlich zu sehr CGI-lastig ausgefallen, vor allem der Flugangriff auf die Air-Force-One ist ein Schulbeispiel dafür, wie man eine Actionsequenz richtig versemmeln kann, man wartet förmlich darauf, dass man die Pixel des Computerscreens sieht. Abgesehen davon ist vor allem die On-Board-Action richtig gut gelungen, die Schießereien und Prügeleien sind vor allem für einen Harrison Ford-Film richtig blutig und kompromisslos ausgefallen, was die Freigage ab 16 Jahren mehr als rechtfertigt. Auch der alte Harrison geht so heftig zur Sache, dass man sich glatt wundern muss. Hier also doch wieder ein deutliches Pro für den Film.

Immerhin hat es der Film zu zwei Oscar-Nominierungen gebracht! Zur Überraschung aller ist es nicht für den besten Film und das beste Drehbuch gewesen, sondern für den besten Sound und den besten Schnitt. Beide Kategorien fallen auch untadelig aus und bilden ganz klar eine weitere Stärke. Auch Kamera-Legende Michael Ballhaus ("Goodfellas", "Gangs of New York" uvm.) macht genau das, was er besonders gut kann, und Komponist Jerry Goldsmith ("Die Mumie", "Der 13te Krieger") liefert die passende musikalische Untermalung.

Wie schon Jason in der Kritik zu "London Has Fallen" trefflich bemerkt hat, bei manchen Filmen sind mangelnde Handlung, fehlende Logik und krasse Fehleinschätzungen egal, solange man genug Spektakel geboten bekommt. Leider kommt hier auch der große Unterschied zum Vorschein. Während sich "London Has Fallen" keine Sekunde ernst nimmt, war "Air Force One" ohne Zweifel als ernste, teils politisch ambitionierte Produktion angedacht, ich bin mir sicher, dass Wolfgang Petersen die unfreiwillige Komik mit andauernden WTF-Momenten nicht geplant hat.

Nur ein Harrison Ford in gewohnter Spiellaune und die recht harten Action-Sequenzen bewahren den Film bei mir vor einem völligen Verriss, sodass ich mit 2 hängenden Augen, viel Bier und Bauchweh doch noch 6 von 10 gut gemeinte Punkte vergeben kann. Allerdings möchte ich dazu sagen, dass ein Herrenabend mit einer guten Kiste doch durchaus Gefallen an dem Film finden dürfte. 

 

6/10
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Kommentare

31.08.2016 11:08 Uhr - JasonXtreme
2x
DB-Co-Admin
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Erster - mit der Loberei :D danke für die gelungene Rezi! Ich hab den zwar seit damals nicht mehr gesehen, fand den aber auch immer ziemlich unterhaltsam!

31.08.2016 11:55 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Mensch Ivanovic, das wird ja derzeit eine regelrechte Kritikserie von dir.

Ich fand den damals als Gesamtpaket recht gelungen, wobei manche der Effekte wirklich schlecht gealtert zu sein scheinen. So aus der Erinnerung heraus kann ich dir von der Erläuterung her gut folgen.
Für mich insgesamt 7/10 wehrhafte US-Präsidenten.

31.08.2016 12:27 Uhr - Ivan_Danko
3x
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Erfahrungspunkte von Ivan_Danko 313
Danke Leute! Ist richtig, die Effekte sind teilweise top, teilweise richtig furchtbar, vor allem eine Sequenz, in der man die Maschine von vorne sieht, während dahinter Raketen explodieren. Wie gesagt, aber mit viel Bier doch noch unterhaltsam.

02.09.2016 11:19 Uhr - Major Dutch Schaefer
Top Review Ivan Danko :)

Habe den Film als unfreiwillig komisch und stellenweise echt zum fremdschämen peinlich in Erinnerung...sofern man ihn alleine und ohne Bier samt Freunden anschaut ;-)
Aber die Szene mit den Mig29 und den F15 seh' ich dann doch irgendwie gern, muss ich zugeben.

in punkto grottigen Effekten fällt mir vor allem spontan der Absturz der Air Force One am Ende ein...alter alter alter :-D

https://www.youtube.com/watch?v=o4i8UYUpAKQ

02.09.2016 12:52 Uhr - Ivan_Danko
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@ Major:

Genau das hab ich versucht diesmal etwas weniger Ernst zu beschreiben...
Kann aber nur nochmal wiederholen, schaubar ist der trotzdem (vielleicht auch ohne Bier), hab ihn zwar etwas verrissen, aber die gute Durchschnittswertung ist ja nicht ganz mies. Das "London has Fallen" Review ist da ein super Vorbild und beschreibt auch ähnliches. Null Hirn aber genug Rums.

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