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The Greasy Strangler - Der Bratfett-Killer

(Originaltitel: The Greasy Strangler)
Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Komödie, Thriller, Trash
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,70 (10 Stimmen) Details
inhalt:
Big Ronnie und sein Sohn Big Brayden veranstalten Touren durch Los Angeles zu den besten Partylocations. So richtig gut war das Vater-Sohn-Verhältnis noch nie. Das bessert sich auch nicht, als die attraktive Janet sie bei einer ihrer Touren begleitet. Es entbrennt ein heißer Kampf zwischen den beiden. Wer kann nun die Gunst der schönen Janet für sich gewinnen? Zu alledem treibt sich nachts ein Killer durch Los Angeles' Straßen. "The Greasy Strangler" wird dieser fettige Würger genannt. Sein unverwechselbares Markenzeichen ist, sich mit ranzigem Bratfett einzureiben und seine Opfer zu erwürgen. Machen Sie sich bereit für dieses total abgefahrene und urkomische Feuerwerk der Geschmacklosigkeiten.
eine kritik von grrrg:

"Hootie Tootie Disco Cutie!"


Filmfestivals sind eine tolle Sache. Vor allem deswegen, weil man die Chance hat, Filme auf einer großen Leinwand zu sehen, die es im ungünstigsten Fall nicht mal zu einer DVD Veröffentlichung bringen. Dies wird beim "Greasy Strangler" hoffentlich nicht der Fall sein, denn ich würde ihn zu gerne noch einmal sehen. Angekündigt als der geschmackloseste und degenerierteste Film, den die Programmdirektoren seit längerer Zeit gesehen hatten, konnte ich nicht widerstehen, auch wenn er einer der letzten Filme am ersten Tag war, wo mir schon beim vierten Film die Augen manchmal etwas schwer wurden. Doch jede Müdigkeit wurde mir von dem Film ausgetrieben, wenn er auch für meinen John Waters gestählten Geist nicht der Schocker war, den ich erwartet hatte. Es gibt sehr viel frontale Nacktheit von Menschen, die nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und im einen Fall (der Vater) das Mindesthaltbarkeitsdatum ein wenig überschritten haben. Es wird viel geschleimt und auch fettiges Essen (sprich: in Fett getauchtes Essen) spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Dazu noch ein paar billige Effekte (viel Blut gibt es nicht, es handelt sich nunmal um einen Würger, da fliegen höchstens Mal die Augen aus den Höhlen) und fettich ist die Laube.


Die Story: Vater (Big Ronnie) und Sohn (Big Brayden), die trotz des fortgeschrittenen Alters Braydens noch unter einem Dach leben, verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit Stadtführungen zu Orten von discohistorischem Interesse. Eine der wenigen Kundinnen, die vom gelinde gesagt unfreundlichen Verhalten des Vaters nicht vergrault wird, beginnt eine Beziehung mit dem Sohn. Als der Vater sie ihm ausspannt, beginnt ein Kampf um ihre Zuneigung. Daneben werden noch diverse Menschen von einem mit Fett eingeschmierten Wesen erwürgt.


Nicht gerade oscarverdächtig, reicht aber um den Film nicht zu einer blossen Aneinanderreihung einzelner Szenen verkommen zu lassen. Überhaupt haben wir es nicht mit einem Trashfilm zu tun, wenn auch alles danach schreit. Da fallen zuallererst die Schauspieler auf, die zumindest in den drei Hauptrollen einen ausgezeichneten Job machen. Es ist sicherlich nicht leicht, angesichts teilweise surrealer Dialoge, viel Herumgeschreie und ständiger Nacktheit inklusive ziemlich unerotischer Sexszenen, seine Rolle überzeugend herüberzubringen, aber dies gelingt ihnen hervorragend. Als Vergleich fällt mir Matt Lucas in Small Apartments ein, der den größten Teil des Films spärlich bekleidet verbringt und sicherlich mehr als nur ein wenig verschroben ist und trotzdem schafft, große Sympathie für seine Figur zu erwecken. So fühlt man auch hier mit den Figuren allen ihren abartigen Handlungen zum Trotz. Desweiteren ist an dem Film technisch überhaupt nchts auszusetzen. Professionell gefilmt und geschnitten, kein Gewackel alles sitzt. Die Computereffekte sind sehr leicht als solche zu durchschauen, aber das störte mich hier kein bisschen. Auf jeden Fall wollte sich bei mir kein Trashfilmgefühl einstellen.


John Waters wurde nicht nur von mir als Vergleich bemüht und da liegt man gar nicht so falsch, was den Willen zu schockieren seiner früheren Werke betrifft. Und genauso findet man hier die Sympathie, die den schrägen Gestalten entgegengebracht wird. Aber ohne das Overacting (versteht mich nicht falsch, ich liebe das) und mit besseren technischen Mitteln. Natürlich ist es heutzutage auch wesentlich einfacher einen professionell aussehenden Film mit günstigen Mitteln herzustellen als in den 70ern. Und "Pink Flamingos´" Thron wackelt angesichts des "Greasy Strangler" auch nicht, aber letzterer sitzt zufrieden an der rechten Seite des ersteren.


Befremdlich wirkt auch das Fehlen jeglicher Statisten. Die Aussendrehorte (eigentlich immer irgendeine Seitenstrasse) sind menschenleer. Auch keine Autos fahren vorbei. Vielleicht dem Budget geschuldet aber eventuell auch gewollt, erzeugt das einen schönen Verfremdungseffekt.


Fazit: Dieser Film hat viel zu bieten: Man lacht, ekelt sich lustvoll, kratzt sich am Kopf angesichts äusserst seltsam anmutender Dinge, aber im Grunde handelt es sich doch auch um ein Familiendrama. Dazu gibt es jede Menge erinnerungs- und zitatwürdiger Szenen und ein paar running Gags. Alleine schon die spartanische, aber äusserst einprägsame (auch weil sehr laute) Musik (naja, ein Thema, mehr ist praktisch nicht) ist mir immer noch im Kopf.
Wer sich also von Penisprothesen, Discoklamotten und intensiver Behaarung von nicht ganz formvollendeten Körpern nicht abschrecken lässt, hat die Chance hier einen kleinen Schatz zu bergen.


"This is just not right! It´s not greasy enough!"

9/10
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Kommentare

03.09.2016 09:16 Uhr - cecil b
1x
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Sehr geil formuliert, und einen guten Eindruck vom Film gegeben, ohne viel von diesem zu verraten! Mir gefällt deine Einleitung sehr, und ich finde es gut, dass man auch einen Eindruck davon bekommt, aus welcher Perspektive du den Film gesehen hast, von dem ich erst durch dich weiß.

Du hast milde gesagt meine Neugierde geweckt, und endlich habe ich wieder einen tatkräftigen Grund, demented foreeeeever! zu 'brüllen'! ;) http://images2.villagevoice.com/imager/u/745xauto/6441144/9151307.0.jpg

03.09.2016 10:06 Uhr - naSum
1x
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Das hört sich doch mal nach ner klasse Unterhaltung an. Hast auch mich neugierig gemacht ohne zu viel zu verraten. Trotzdem waren genug eindrucksbildende Infos vorhanden.
Danke für den Tipp.

05.09.2016 20:09 Uhr - Grrrg
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Danke schön, ich hoffe, der Film gefällt euch so sehr wie mir. Anscheinend lief er ja auf dem Fantasy Filmfest. Und irgendwie wird man ihn schon bekommen können.
Btw top Bild, cecil. Irgendwann sollte ich auch mal ein Rev zu Pink Flamingos schreiben.

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