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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Originaltitel: Scott Pilgrim vs. the World

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2010)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Comicverfilmung, Fantasy,
Komödie, Liebe/Romantik
Alternativtitel:Scott Pilgrim
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,74 (19 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der ebenso charmante wie arbeitslose 22-Jährige Scott Pilgrim (Michael Cera) spielt Bass in der Indieband Sex Bob-omb und hat eben Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) kennengelernt - buchstäblich das Mädchen seiner Träume. Aber leider muss er erst ihre sieben bösen Ex-Lover besiegen, wenn er Ramonas Herz gewinnen will. (Universal Film Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von aquifel:

Mal wieder eine Comicadaption^^ Beziehungsweise eine Graphic Novel Adaption, denn Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt basiert auf einer Graphic Novel Reihe von Bryan Lee. Statt 6 Bände gab es 2010 nun einen Film, inszeniert von Edgar Wright, den wir alle durch die Blood and Icecream Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz & The World's End) kennen.

Scott Pilgrim (Michael Cera) leidet immer noch unter der Trennung von seiner Ex und stürzt sich in eine Beziehung mit der 5 Jahre jüngeren Schülerin Knives Chau (Ellen Wong). Seine Bandmitglieder Kim (Alison Pill) und Stephen (Mark Webber) findet das weniger lustig. Insbesondere als Scott die recht spezielle Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) kennen lernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Durch eine Mischung aus Eigenartigkeit und Hartnäckigkeit kommt es dann auch zum Date. Beim Battle of the Bands, der einzigen Chance für seine Band "Sexbobomb" einen Plattenvertrag zu erhalten, überschlagen sich dann die Ereignisse: Ramona hat 7 Ex-Lover, die Scott sein Glück nicht gönnen. Die gilt es nun zu besiegen.

Liest man das so, klingt das geradezu konventionell. Aber das täuscht. "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ist wirklich ein verfilmter "Comic" bzw. ein verfilmtes Videospiel (so wirkt es auf jeden Fall). Einblendungen, videospielartige Kämpfe, Weirdness an jeder Ecke, Punktestände... wer klassische Filmkunst mag, der wird sich hier sicher sehr schnell, sehr stark im falschen Film wägen (nicht nur sprichtwörtlich). Das Ganze ist quasi Street Fighter oder Double Dragon auf LSD (oder Pilzen, je nach Szene) und trifft garantiert nicht jedermanns Geschmack.

Die Ex-Lover (ganz wichtig!) sind dabei herrlich schräg und die Kämpfe dementsprechend kurios. Wir haben einen Bollywood-Heini mit ganz besonderen "Bollywood"-Kräften, einen Veganer, der durch die vegane Ernährung zum Supermenschen geworden ist, zwei Djs... ich will nicht zu viel Spoilern, aber es geht ziemlich überdreht und witzig zur Sache. Auch relativ abwechselungsreich, da nicht immer rohe Gewalt die Lösung zum Sieg ist. Hier punktet der Film, auch wenn, wie bereits erwähnt, sicher manche Leute bestenfalls kopfschüttelnd da sitzen dürften, wenn "normale" Menschen einen auf The Avengers machen.

Allgemein ist auch der kaputte und befremdliche Humor durchaus was für mich. Besonders Wallace (Kieran Culkin), Scotts homosexueller Mitbewohner, ist genauso ein Garant für Lacher, wie die beknackten Ex-Lover. Dazu dann schrammeliger Garagen Rock, als ob die Stooges (nicht die drei... sondern Iggy Pops Punkband der Spät 60er/Früh 70er) eine kleine Dosis frühe Nirvana injeziert hätten und Bands wie Gluecifer zeigen möchten, wie es noch zehnmal rotziger geht. Find ich gut.

Für einen richtigen Überknaller hapert es mir persönlich an zwei Dingen: Der Einstieg ist ernorm zäh. Bis die grundlegende Ausgangssituation (Scott liebt Ramona, die ist nicht gänzlich abgeneigt, der Battle of the Bands steht an, die Ex-Lover tauchen auf) erreicht ist vergeht zu viel Zeit. Ja, der Film ist auch bisdahin durchaus unterhaltsam, aber am Anfang hat man das Gefühl einem seltsamen "Teenie"-Drama beizuwohnen. Und dann wäre da der Hauptcharakter. Scott Pilgrim hat das Charisma einer auf Valium zum Trocknen aufgehängten Tennissocke. Das liegt nicht an Cera, sondern an der Rolle. Außerhalb der Kämpfe und bis zum Showdown taumelt Scott oft wie ein auf nem Kater und drei Joints hängegengebliebener Nullchecker durch die Gegend. Ja, er ist nicht (mehr) der große Macker, verstanden, aber muss er derart in Trance vor sich hinvegetieren? Mag ich jetzt als sehr krass empfinden, aber bis zu einem gewissen Punkt ist mir eigentlich egal gewesen, ob Scott gewinnt oder nicht. Hauptsache es war abgespaced und beknackt genug, dass es unterhält.

Von daher ist "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ein schön schräger Film, mit verrückten Ideen, durchgeknallter Inszenierung und durchaus hohem Unterhaltungswert... leider mit den Mankos eines Charisma befreiten Hauptcharakters und einer zu zähen Exposition. Von daher "nur" gut bzw. 7,5.

7/10
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Kommentare

04.09.2016 14:39 Uhr - Intofilms
Die Optik des Films finde ich so genial, dass ich gerne bereit bin, etwaige inhaltliche Schwächen zu verzeihen. Habe mich in diesen Film auf Anhieb verliebt (deshalb bekäme der von mir auch eine glatte 9..:)
Edgar Wright ist einfach großartig! Und die visuelle tour de force von "Scott Pilgrim" muss ihm erst mal einer nachmachen..! :D

Gleichwohl kann ich Deine Sichtweise sehr gut nachvollziehen, und Deine Besprechung ist auf jeden Fall sehr überzeugend und insgesamt hervorragend gelungen. Und Dein Schreibstil ist einfach klasse, AQUIFEL! :D

04.09.2016 16:10 Uhr - cecil b
Moderator
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Ja, der Aquifel hat es raus! Wunderbar luftig locker formuliert, ein deutlicher Eindruck vom Film, und trotz charmenten Wortspielen nah am Film geblieben. Dat lob ick mir. :)

04.09.2016 16:29 Uhr - Horace Pinker
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Gutes Review in dem du den Film passend besprichst und dabei auf alle wichtigen Eigenheiten eingehst . Ich würde sogar 1 Punkt mehr vergeben da mich das recht kreative Konzept und die Machart des Films angesprochen haben und ich einige von dir als negativ bewertete Punkte wie die Einführung und die Darstellung von Scott als nicht sonderlich störend empfunden habe .

05.09.2016 11:47 Uhr - Aquifel
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Vielen Dank ;) Die Optik fand ich auch klasse (hab ich im Review leider nicht so recht erwähnt, ist mir etwas untergegangen). Als ich den Film damals zuerst gesehen habe, hätte ich auch 8 bis 9 Punkte gegeben, aber bei der erneuten Sichtung letzte Woche... der Teil ab "Für einen richtigen überknaller:..." ist mir dieses Mal erst so richtig aufgefallen, vielleicht, weil ich dieses Mal darauf vorbereitet war, was danach kommt und es mich von daher nicht mehr eiskalt erwischt hat^^

btw. Die "Veganer"-Polizei zündet heute übrigens besser denn je xD

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