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Heat

Herstellungsland:USA (1995)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Gorączka
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,31 (90 Stimmen) Details
inhalt:
Er arbeitet genial, eiskalt und präzise: Neil McCauly - ein
Profigangster, Boss einer straff organisierten Bande. Vincent Hanna ist ein fanatischer Cop, ein Profi ohne Illusionen. In den Straßenschluchten von L.A. prallen die beiden aufeinander: Und nur einer kann das Duell überleben...

Oscarpreisträger AI Pacino und Robert De Niro stehen in diesem perfekten Hochspannungsthriller erstmals gemeinsam vor der Kamera.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

1989 wollte Top-Regisseur Michael Mann ("Collateral", "Miami Vice") eine Serie verwirklichen, die eine reale Verbrecherstory über den Gangster Neal McCauley aus den 60er Jahren erzählen sollte. Nur aufgrund von Diskrepanzen zwischen Mann und dem TV-Direktor über die Wahl der Hauptrolle, wurde die Serie nach dem Pilotfilm "Showdown in L.A." nicht weitergeführt. Was sich damals für Mann sicher wie eine Niederlage anfühlte, sollte später zu seinem Meisterwerk führen. Nach der 1992 erschienen Neuverfilmung des weltbekannten James-Cooper-Romans "Der Letzte Mohikaner", machte sich Mann an die Arbeit, um seine frühere Idee neu aufzugreifen.

Er selbst schrieb das Drehbuch neu um, verlegte die Handlung zeitgemäß in die Gegenwart und konnte schließlich mit Produzent Art Linson ("The Untouchables") und Warner Bros. mächtige, finanzstarke und kompetente Partner für das Projekt finden. Dies war auch durchaus notwendig, denn allein die beiden Hauptdarsteller Robert De Niro und Al Pacino verschlangen zusammen 19 Mio. Dollar des üppigen 70 Mio. Dollar Budgets. Nach seinem Start erntete der Film zunächst gespaltene Kritiken, die zwischen epischem Geniestreich und gepfleger Langeweile schwankten. Erst Jahre später gilt

 

HEAT (1995)

 

als echtes Meisterwerk und als einer der besten Heist-Thriller, die jemals auf die Leinwand gebannt wurden. 

Regisseur, Drehbuchschreiber und Produzent Michael Mann hatte bereits in den frühen Zeiten seiner Karriere einige Erfolge vorzuweisen. Nach der Emmy-prämierten TV-Produktion "Ein Mann Kämpft Allein", war er maßgeblich an der Serie "Miami Vice" mit Don Johnson beteiligt, die weltweit erfolgreich mit insgesamt 5 Staffeln im TV lief und mittlerweile Kultstatus besitzt. 2006 verfilmte Mann diese mit Colin Farrell und Jamie Foxx in den Hauptrollen qualitativ hochwertig und sehr lukrativ fürs Kino neu. Auch der bereits erwähnte "Letzte Mohikaner" und der Tom-Cruise-Thriller "Collateral" konnten sowohl das Publikum als auch die Kritiker durchaus überzeugen. Mann steht für intelligentes, gut durchdachtes Spannungskino, erklärt seine Charaktere ausführlich und ist stets bemüht, sich nicht in trivialen Plotverlängerungen zu verstricken. Dies gelingt eigentlich immer ganz hervorragend, nur sein bisher letzter Film "Blackhat" mit Chris Hemsworth floppte gewaltig an den Kinokassen, was nicht zuletzt daran lag, dass er das Drehbuch zum Cyber-Terroristen-Thriller nicht selbst verfasste.

Natürlich war das Interesse des Publikums für "Heat" schon im Vorfeld gigantisch. Die zwei gesamt gesehen wohl besten Darsteller der Gegenwart, Al Pacino und Robert De Niro, spielten zwar bereits beide in "Der Pate 2", hatten aber keinen einzigen gemeinsamen Kameraauftritt, was sich hier bald ändern sollte. Bei einem Restaurantdialog der beiden hat man durchaus den Eindruck, dass Mann diesen nur deshalb so ausführlich und intensiv inszenierte, um dieses alte Manko auszumerzen. In dieser Szene wird zwar der Respekt deutlich, den der Polizist dem genialen Bankräuber zollt, doch bereits zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass einer der beiden Kontrahenden die Geschichte nicht unbeschadet überstehen wird. Im spannungsreichen Showdown, der eindeutig an Noir-Thriller erinnert, wird diese vorab getätigte Vermutung durch eine weitere Konfrontation der Schauspielgiganten schließlich bestätigt. 

De Niro spiel Neal McCauley als akribischen, charismatischen Gangster mit Gewissen, der eigentlich aus dem Geschäft aussteigen will, die Frau fürs Leben gefunden hat und nur noch für seine Flucht ins Ausland Geld sammelt. Durch menschliches Versagen wird er mit seinem Team allerdings zum Dreifachmord gezwungen, weswegen der auf den Fall angesetzte Polizist Vincent Hanna (Pacino), der auch auf privater Ebene mit immer gravierenderen Problemen zu kämpfen hat, weitaus intensiver zu ermitteln beginnt als zuvor. McCauley sieht sich währenddessen ebenfalls mit fortwährend größeren Schwierigkeiten konfrontiert, von denen die Spielsucht einer seiner Männer und ein enttarnter Fluchtwagenfahrer noch die geringsten sind. Durch Verrat kommt der Polizeiermittler immer näher an die Bande heran, weswegen die Situation nach und nach immer mehr eskaliert.

Auch die weitere Besetzung ist geradezu unglaublich und strotzt nur so vor Referenzen. Mit dabei sind der damals noch in der A-Liga spielende Val Kilmer ("The Saint"), Jolie-Vater Jon Voight ("Runaway Train"), Tom Sizemore ("Das Relikt"), Diane Venora ("Der Schakal"), Amy Brenneman ("Private Practice"), Ashley Judd ("Denn zum Küssen sind sie da"), Wes Studi ("Geronimo"), Ted Levine ("Das Schweigen der Lämmer"), William Fichtner ("Black Hawk Down") und die damals blutjunge Natalie Portman ("Black Swan"), gibts noch weitere Fragen? Selten hab ich eine so lange, hochwertige Cast-Liste bei ein und dem selben Film niedergeschrieben, und alle spielen ihre Rollen gut bis äußerst überzeugend. 

Wie bereits erwähnt, ist die Stärke der meisten Mann-Filme die Komplexität der Geschichte. Auch hier geht die Story weit über die übliche "Cop jagt Superverbrecher"-Handlung hinaus. Es wird ausreichend Zeit dafür verwendet, die Haupt- und Nebenfiguren ausgiebig zu beschreiben und zu charakterisieren. Ihre Stärken, ihre Schwächen, ihre Probleme und ihre Fehler, alles findet Platz in dem fast dreistündigen Werk, ohne je Langeweile aufkommen zu lassen. Die Geschehnisse und ihre Auswirkungen werden ebenfalls ausreichend begründet, der berühmte rote Faden bekommt über die gesamte Spieldauer keine Risse, großes Lob hier also an Michael Manns Drehbuch, das sich deutlich von ähnlich gehaltenen Produktionen abhebt.

Was natürlich zu jedem Heist-Thriller dazugehört, ist eine gehörige Portion Action. Gerade hier wurde ganze Arbeit geleistet, der Sound donnert einem nur so um die Ohren und der Kugelhagel ist so realistisch eingefangen, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sitzen. Besonders die legendäre Straßenschießerei in der Mitte des Films ist ein Paradebeispiel für akustisch und bildtechnisch perfekte Inszenierung. Das italienische Kamera-Urgestein Dante Spinotti ("Schneller als der Tod", "L.A. Confidential") hat bereits bei ca. 70 TV-, Doku- und Kinoproduktionen mitgewirkt, bei "Heat" kann man seine Routine wirklich bei jeder Aufnahme erkennen, stillere Momente werden hier genauso gut eingefangen wie die äußerst intensiven Raubüberfälle. Verwunderlich ist nur, dass weder für die Kameraarbeit, noch für Drehbuch oder Regie eine Academy-Award-Nominierung herausgekommen ist.

Im Bereich Zensur gibt es nichts wesentliches zu berichten, nur die US-Blu-Ray enthält eine alternative und eine tontechnisch geänderte Szene, beide sind aber unwesentlich und vollkommen zu vernachlässigen. Auch die diversen Fernsehsender haben sich hier keine Blöße gegeben und meines Wissens nach auf eine Prime-Time-Fassung ab 12 Jahren verzichtet. Bei der Veröffentlichung wurde der Film sowohl im Kino als auch auf Video/DVD von der FSK ab 16 Jahren freigegeben, was durchaus nachvollziehbar und korrekt ist. Der Härtegrad ist moderat und bis auf ein paar Shootouts, die aber niemals in Blutfontänen abdriften, am ehesten vergleichbar mit genreverwandten Thrillern wie "Ronin" oder "L.A. Confidential".

"Heat ist nicht nur ein Action-Thriller, sondern auch eine Charakterstudie", so treffend haben es viele Kommentarschreiber und Kritiker zu Papier gebracht. Ehre wem Ehre gebührt, Michael Mann hat hier wirklich sein persönliches Opus Maximum abgeliefert und bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, einen Beitrag für die Filmgeschichte zu schaffen. Auch hier kann ich mit gutem Gewissen die volle Punktzahl vergeben, sicher ein Werk aus meiner persönlichen Top-10. Hab mich eigentlich sehr gewundert, dass noch niemand eine Review geschrieben hat und hoffe, der Qualität des Films gerecht geworden zu sein.

 

10/10
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Kommentare

04.09.2016 21:53 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
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Hervorragendes Review, Captain Danko!
Kompetent geschrieben, insbesondere die Darstellung der Schauspieler wurde gebührend gewürdigt!

"Heat" habe ich damals im Kino und danach immer mal wieder auf DVD gesehen und er ist auch heute immer noch 10/10 wert und wirklich gut gealtert. Ein Klassiker!

04.09.2016 22:13 Uhr - sonyericssohn
1x
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...der Shootout mitten auf der Strasse war etwas kurz... :-))

Ich glaub das ist die längste Schiesserei die ich kenn. Also das Kriegsgeballere komplett raus !

04.09.2016 23:37 Uhr - Ivan_Danko
1x
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Servus! Wer hat denn gesagt, dass die Schießerei etwas kurz war? Oder steh ich auf der Leitung?

04.09.2016 23:43 Uhr - Ivan_Danko
1x
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@ Punisher77

Vielen Dank für das Lob. Freut mich das von einem Action- und Thriller-Spezialisten zu hören.

05.09.2016 06:06 Uhr - DOTD
2x
DB-Helfer
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Klasse geschriebenes Review zu einem absoluten Michael Mann Klassiker! Deine Bewertung von 10/10 Punkten ist bei diesem Meisterwerk mehr als gerecht.

05.09.2016 08:42 Uhr - Ivan_Danko
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Vielen Dank DOTD

05.09.2016 09:12 Uhr - JasonXtreme
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Tja, da setz ich gerne meine Unterschrift drunter! Geiler Film, super Rezi! Die ganze Stimmung des Films ist genial, die Szene auf dem Flugfeld der Hammer!

05.09.2016 10:14 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Mensch Ivy, also wenn du so weitermachst, dann kann ich hier in puncto Action und Thriller entspannt in den Ruhestand gehen, denn das ist bereits der fünfte Genrestreifen mit dem ich bereits geliebäugelt hatte. :D
Wie gehabt eine super Arbeit mit zutreffender Bewertung und passender Einordnung!

05.09.2016 10:24 Uhr - Ivan_Danko
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Danke NCP, weiß nicht, warum ich Dir immer die Reviews vor der Nase wegschnapp, könnte wohl sein dass sich auch unser Filmregal etwas deckt...

05.09.2016 16:24 Uhr - sonyericssohn
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04.09.2016 23:37 Uhr schrieb Ivan_Danko
Servus! Wer hat denn gesagt, dass die Schießerei etwas kurz war? Oder steh ich auf der Leitung?


War de verzweifelte Versuch witzig zu sein... :-/

05.09.2016 16:39 Uhr - Ivan_Danko
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Habs dann auch noch kapiert sony! Hab nur erst gedacht, ich habs im Review irgendwo schlecht geschrieben und das ganze als kurzen Shootout bezeichnet...

06.09.2016 12:37 Uhr - Stoi
1x
Gutes Review und auf dem Punkt.
HEAT gehört auch in meine persönliche TopTen und ist für mich der beste Film der 90er - und die hatten einige Gute.

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