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Die purpurnen Flüsse

(Originaltitel: Les Rivières Pourpres)
Herstellungsland:Frankreich (2000)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller, Mystery
Alternativtitel:The Crimson Rivers
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,38 (27 Stimmen) Details
inhalt:
Zum gleichen Zeitpunkt, 300 Kilometer voneinander entfernt: Inspektor Pierre Niémans wird an eine abgelegene Universität hoch in den Alpen gerufen, wo sich ein grausamer Mord ereignete. Währenddessen untersucht Kommissar Max Kerkerian eine Friedhofsschändung. Das Grab eines vor Jahren mysteriös verstorbenen Mädchens wurde gewaltsam geöffnet. Bald kreuzen sich die Wege der sehr verschiedenen Polizisten und weitere verstümmelte Leichen tauchen auf. Nun suchen die zwei gemeinsam an der Grenze des Todes und des ewigen Eises nach dem Geheimnis der purpurnen Flüsse.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Jean-Christophe Grangé beteiligte sich mit seinem Roman "Les riviéres pourpres" maßgeblich am Serienkillergenre. Dem nicht zu verachtenden Erfolg des Buches war es geschuldet, dass dieses im Jahr 2000 verdientermaßen unter französischer Produktion verfilmt wurde. Manche Inhalte des Buches wurden dabei gravierend verändert, trotzdem wurde der Film ein echter Überraschungserfolg, der auch Jahre danach noch nichts von seiner Aktualität und Spannung verloren hat. Autor Grangé war allerdings im Gegensatz zu so manch anderem Schriftstellerkollegen vollkommen mit den Änderungen einverstanden, was zu einer meist durchaus erfrischenden Straffung der Handlung und zur Änderung des im Buch etwas unspektakulären Endes führte.

 

DIE PURPURNEN FLÜSSE (2000)

 

Viele französische Produktionen sind mittlerweile wesentlich angenehmer anzuschauen als die großen amerikanischen Konkurrenten, da sie wesentlich weniger vorhersehbar und steril gehalten sind, kreative Elemente einbauen und sich auch noch deutlich mehr trauen. Im Actionsegment kann man hier "Transporter" oder "Ghetto Gangz" hervorheben, im Horrorgenre wären "High Tension", "Inside" oder "Martyrs" solche Beispiele. Bei "Die purpurnen Flüsse" handelt es sich allerdings um einen Genremix, der den klassischen Thriller mit Actionelementen und kreativer Story anreichert.

Regisseur und Schauspieler Mathieu Kassovitz konnte durch diesen Film auch in Hollywood Fuß fassen, die Halle Berry und Vin Diesel-Vehikel "Gothika" und "Babylon A.D." kann man allerdings bestenfalls als mittelmäßig gelungen bezeichnen, bleibt zu hoffen, dass seine nächsten Produktionen wieder an die Qualität des von mir beschriebenen Films herankommen.

"An einer in den französischen Alpen gelegenen Elite-Universität wird die Leiche des Bibliothekars aufgefunden. Die Art des Mordes ist allerdings untypisch für eine so ländliche Gegend, weshalb der Pariser Polizeikommissar Pierre Niémans (Jean Reno, "Leon - Der Profi") zur Ermittlung dorthin geschickt wird. Weiters untersucht zur gleichen Zeit der leicht durchgeknallte Max Kerkerian (Vincent Cassell, "Jason Bourne") einen anderen Fall, der ihn durch gezielte Spurenverfolgung an denselben Ort führt. Die beiden ungleichen Polizisten müssen sich wohl oder übel zusammenraufen, vor allem, als immer mehr Morde in ihrer unmittelbaren Nähe passieren. Nach und nach kommt ein unglaubliches Szenario zum Vorschein, dass die beiden an ihre mentalen Grenzen stoßen lässt."

Jean Reno ist nicht umsonst auch in Hollywood ein gefragter Mann geworden. Nach "Leon - Der Profi" ging seine Karriere steil bergauf, in unzähligen mehr oder weniger großen Produktionen hat der in Casablanca geborene Franzose seitdem gespielt. Nicht nur in Actionfilmen ("Godzilla"), Thrillern ("22 Bullets"), auch in Komödien ("Wasabi") weiß der große, etwas brummig wirkende Charakterkopf zu überzeugen. Die Rolle als intelligenter Profiler wie in "Die purpurnen Flüsse" ist allerdings diejenige, die am besten zu ihm passt. Nicht minder überzeugend spielt der mittlerweile auch über den großen Teich hinweg wirkende Vincent Cassel ("Black Swan") den hitzköpfigen, jüngeren Kollegen, der es erst gegen Ende des Films schafft, zu Niemans durchzudringen. Den kompetenten Cast komplettiert Nadia Farès, die den beiden Ermittlern im Verlauf der Handlung einige Überraschungen bietet.

Nichts ist hier so, wie es scheint. Als interessantes Konzept werden gleichzeitig mehrere Handlungsstränge verwoben, die sich zum Schluss hin wie ein großes Ganzes zusammenfügen und eine plausible Erklärung für die Morde und weiteren Geschehnisse abliefern. Mindestens ebenso beeindruckend ist die wahnsinnig attraktive Kulisse der französischen Alpen, die nicht nur bisher ungesehene Schauplätze bietet, sondern den Zuschauer durchaus mit naturbelassener Schönheit in ihren Bann ziehen kann. Passend dazu fügt sich die unheimliche Universität als monumentales Bauwerk perfekt in die Kulisse ein und fördert dadurch den Spannungsaufbau immens.

Auch die Atmosphäre ist bedrohlich und düster, die winterbedingte Wettersituation mit Regen, Schnee und Dunkelheit lassen die grausamen Morde noch ein gutes Stück erschreckender erscheinen, mysteriöse Charaktere, Vertuschung von hoher Ebene und unerwartete Mitwisser sind ebenso gut in die Geschichte miteingebaut und führen durchaus zu einigen Überraschungsmomenten. In diesem Fall ist die Existenz einer Romanvorlage natürlich äußerst vorteilhaft, das Buch schafft mit seinem komplexen, ausführlichen Aufbau die perfekte Grundlage für Hochspannungskino der Superlative.  

Als kleines Manko kann man erwähnen, dass der Film im Gegensatz zum Buch manchen Handlungsstrang nur kurz streift und dadurch streckenweise hohe Konzentration gefordert ist, da man ansonsten leicht den Überblick verlieren kann. Einige Straffungen sind durchaus zum Vorteil, andere eben leider nicht. Um die überraschende Auflösung richtig zuordnen zu können, sollte man den ganzen Film über nicht allzu oft abwesend gewesen sein, manche Details wurden vielleicht etwas zu sehr vernachlässigt.

Im Jahr 2004 folgte eine etwas unmovivierte Fortsetzung mit dem Beititel "Die Engel der Apokalypse", die zwar durchaus interessante Ansätze hat, aber wahrscheinlich aufgrund der fehlenden Buchvorlage niemals die atmosphärische Dichte des Erstlings erreichen konnte. Nur Jean Reno war auch im Sequel mit dabei, was wohl die Rettung vor endgültiger trister Durchschnittlichkeit war. Eine Review zu Teil 2 wird demnächst folgen.

Als Fazit bleibt, dass sich dieser Serienkiller-Thriller den großen Vorbildern wie "Sieben" nur knapp geschlagen geben muss. Gute Kameraarbeit mit wunderbaren Bildern von Thierry Arbogast ("Das fünfte Element", "3 Days to Kill"), eine tolle Story und hervorragende Darsteller machen "Die purpurnen Flüsse" zu einem visuellen Erlebnis der Sonderklasse. Der Film wurde ab 16 Jahren freigegeben, für das TV wurde er auch schon zu einer 12er-Fassung zurechtgestutzt. Die Originalfreigabe ist hier durchaus berechtigt, da zwar die Morde meist im Off passieren, die Auswirkungen dieser allerdings bis in die kleinsten Details ausgearbeitet werden.

"Die purpurnen Flüsse" erhält von mir die hohe Wertung von 9 Punkten, da es in dieser Kategorie nur sehr wenige Filme gibt, die ihm das Wasser reichen können, auch bei mehrfacher Sichtung bleibt der Film spannend und abwechslungsreich.

9/10
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Kommentare

05.09.2016 09:08 Uhr - JasonXtreme
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Gut geschrieben, ich mag den Film auch ziemlich gerne - und muss dabei das Buch ausblenden. Ich würde mir eine 1:1 Verfilmung wünschen, weil die Figuren von Reno und Cassel einfach falsch angelegt wurden bzw. den Background vom Buch verdient hätten. Auch wirds im Film leicht konfus was die Handlung angeht, ist im Buch beser erklärt.

Das Problem scheint hier aber echt Grange zu sein. Ich mag seine Bücher echt, auch wenn er im Grunde immer nur das gleiche erzählt :D, aber er legt keinen Wert auf die Verfilmungen! Es gibt ja mittlerweile einige, weiß nur kaum jemand, weil das immer franz. TV Filme sind! Mein Lieblingsbuch DER FLUG DER STÖRCHE wäre als Film ein BRECHER, leider kam dabei auf deutsch ein gecutteter 90 minüter raus :( LIU SAN ist ebenso in die Binsen gegangen als Film, IMPERIUM DER WÖLFE obendrein... schade einfach. Die Vorlagen wären prädestiniert für weitere so Kracher!

05.09.2016 10:22 Uhr - Ivan_Danko
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Stimmt, nur das Imperium hat etwas mehr Bekanntheit, kann aber auch wieder nur der Reno retten. Schade eigentlich.

05.09.2016 12:05 Uhr - JasonXtreme
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Der wurde gegen Endce hin sowas von abgehandelt und unnötig konfus gemacht - einfach nur schade drum.

05.09.2016 20:10 Uhr - hudeley
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Tolle Kritik mit vielen Informationen zu einem absoluten Filmfavoriten von mir! Muss zu meiner Schande gestehen, nicht gewusst zu haben, dass Die Purpurnen Flüsse auf Buchvorlagen basieren...

05.09.2016 20:21 Uhr - Ivan_Danko
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Danke hudeley. Der zweite Teil ja dann nicht mehr... Macht aber auch nichts, hab den Film auch gesehen und erst danach das Buch gelesen.

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