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Moonraker - Streng geheim

(Originaltitel: Moonraker)
Herstellungsland:Großbritannien, Frankreich (1979)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction,
Thriller
Alternativtitel:James Bond 007 - Moonraker
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,15 (20 Stimmen) Details
inhalt:
James Bond im Weltraum. Eine US-Raumfähre wird entführt. James Bond (Roger Moore) entgeht einem Anschlag auf sein Leben. Jaws, "der Beißer", ist in diesem Bond-Film auch wieder dabei, in dem sich der verrückte Multimillionär Drax eine Weltraumstation aufbaut. Sein teuflischer Plan ist es, die gesamte Menschheit zu vernichten und eine neue Weltordnung mit seinen Astronauten zu schaffen. Bond muss Drax aufhalten, bevor es für die Erde zu spät ist. Der Countdown läuft bereits. Mit der Nasa-Expertin Holly Goodhead (Lois Chiles) entert er die Weltraumstation. Es beginnt ein Kampf wie in keinem Bond-Film zuvor: Galaktisch und genial.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                              MOONRAKER - STRENG GEHEIM

Eigentlich sollte James Bond mit In Tödlicher Mission (1981) auf die Leinwand zurückkehren, doch dann traten die Regisseure George Lucas und Steven Spielberg mit Krieg Der Sterne (1977), bzw. Unheimliche Begegnung Der Dritten Art (1977) auf den Plan und lösten einen neuen Science – Fiction – Boom im Kino aus. Davon wollte auch Bond – Produzent Albert R. “Cubby“ Broccoli profitieren, weshalb er beschloss, James Bond in seinem nächsten Film in den Weltraum zu schicken. Also kam 1979 nicht In Tödlicher Mission ins Kino, sondern Moonraker – Streng Geheim, der (ganz) lose auf Ian Flemings gleichnamigen dritten Bond – Roman basiert. In diesem Roman bedrohte ein Superschurke London mit einer Atomrakete, was den Bond – Machern allerdings viel zu läppisch war. Man übernahm also wieder nur den Titel, die Namen einiger Figuren und minimale Teile der Handlung.

Um mit den oben genannten Vorbildern mithalten zu können, wurde das Budget noch einmal kräftig aufgestockt: satte 34 Millionen Dollar sollte der elfte Bond – Streifen kosten. Für heutige Verhältnisse klingt das mickrig, aber wenn man bedenkt, dass man mit diese Summe das Gesamtbudget der ersten fünf Bond – Filme übertraf und auch der aufwändige Vorgänger Der Spion, Der Mich Liebte nur 14 Millionen Dollar gekostet hatte, wird der Größenwahn hinter dieser Mammut – Produktion deutlich. Das Budget war auch nötig, um die ganzen Spezialeffekte, Gadgets und Schauplätze, mit denen Moonraker geradezu vollgestopft ist, zu finanzieren. Gedreht wurde u.a. in Italien, Brasilien, den USA und in Frankreich. Dort besetzte man alle verfügbaren Filmhallen, um u.a. die Raumstation des Bondschurken Hugo Drax zu bauen, für die erneut Filmarchitekt Ken Adam verantwortlich war und die eine Summe von 500.000 Dollar verschlang. Außerdem wurde in Frankreich gedreht, um Steuern zu sparen, weshalb Moonraker eine britisch – französische Co – Produktion ist.

Mit Der Spion, Der Mich Liebte hatte Roger Moore seinen Vertrag erfüllt und unterschrieb von nun an nur noch für einzelne Filme, war aber bei Moonraker ebenso wieder dabei wie Desmond llewelyn (Q), Lois Maxwell (Miss Moneypenny) und Bernard Lee (M), für den Moonraker leider der letzte Bondfilm war – er starb im Jahr 1981, bevor In Tödlicher Mission gedreht wurde.

Da Moonraker – Streng Geheim eine britisch – französische Produktion war, wurde die Rolle des Bondschurken mit einem französischen Charakterdarsteller besetzt: Michael Lonsdale, bekannt aus Klassikern wie Der Schakal (1973), Der Name Der Rose (1986) und Ronin (1998). Die weibliche Hauptrolle bekam Lois Chiles (Tod Auf Dem Nil, 1978), die ursprünglich Barbara Bachs Rolle in Der Spion, Der Mich Liebte (1977) spielen sollte, diese aber ablehnte. Die Rolle der Holly Goodhead, die als NASA – Wissenschaftlerin getarnt für die CIA ermittelt, bekam Chiles zufällig – sie saß neben Regisseur Lewis Gilbert (Der Spion, Der Mich Liebte, 1977) im Flugzeug und Gilbert fand, dass sie die Idealbesetzung für die Rolle war.Weil er in Der Spion, Der Mich Liebte beim Publikum so gut angekommen war, spielte Richard Kiel noch einmal die Rolle des Auftragskillers Beißer.

Das Space Shuttle „Moonraker“ wird während eines Flugs nach Großbritannien entführt. Die britische Regierung entsendet ihren besten Agenten, James Bond 007 (Roger Moore), um das Verschwinden des „Moonraker“ aufzuklären. Seine erste Spur führt ihn zu Sir Hugo Drax (Michael Lonsdale), dessen Firma Drax Industries den Raumgleiter erbaut hat. Das merkwürdige Verhalten des Großindustriellen und ein Mordversuch führen Bond dazu, weiter in dessen Richtung zu ermitteln. Aber Bond ist nicht der einzige, der sich für Drax´ Machenschaften interessiert…

Moonraker gehört mittlerweile zu den umstrittensten und gemeinhin eher schwachen Beiträgen zur Bond – Serie, obwohl die Kritiken bei Erscheinen des Films recht wohlwollend waren. Das Publikum war von Moonraker völlig begeistert. Weltweit spielte der elfte Bond – Film über 210 Millionen Dollar ein – eine Summe, die erst 1995 von Pierce Brosnans Bond – Debut Goldeneye übertroffen wurde. Aber Erfolg allein sagt noch nichts über die Qualität eines Films aus. Rechtfertigt Moonraker aus heutiger Sicht seinen großen Erfolg, oder gehört er tatsächlich zu den Bond – Filmen, die man nicht unbedingt gesehen haben muss?

Bevor man sich Moonraker ansieht, sollte man sich darauf einstellen, ein Remake von / eine Parodie auf Der Spion, Der Mich Liebte vorgesetzt zu bekommen. Die Filme haben erstaunlich viele Berührungspunkte. Wieder geht es um einen Superschurken, der die Welt nach seinem Gutdünken verändern will – während der eine (Curd Jürgens) eine Unterwasserwelt erschaffen wollte, will der andere eine neue „Superrasse“ ins Weltall exportieren. Beide Schurken führen ihre Unternehmen von futuristischen Festungen aus durch, präsentieren sich aber abseits von ihren mörderischen Machtfantasien als Schöngeister und Freunde von Kunst und Kultur. Wie in Der Spion, Der Mich Liebte erhält Bond Unterstützung von einer selbstbewussten Frau, die auch hier für einen Geheimdienst arbeitet, und wird von Meuchelmörder Beißer verfolgt. Außerdem beginnt der Film erneut mit einem Wahnsinnsstunt und fährt jede Menge Gadgets auf. Trotzdem schneidet Moonraker im direkten Vergleich deutlich schlechter ab, was mehrere Gründe hat.

Moonraker nimmt sich zu keiner Sekunde wirklich ernst. Das ist einerseits – und das ist wirklich nicht zu leugnen – äußerst unterhaltsam, andererseits kommt dadurch wenig Spannung auf, u.a. da Bond stets das passende Handwerkszeug dabei hat, um sich aus jeder noch so brenzligen Situation zu retten. Gut, das war im Grunde in (fast) allen Bond – Filmen so, aber in keinem Bond – Film wurde dies so offensichtlich betrieben wie in Moonraker. Außerdem wurden der Humor und das (Selbst)Parodistische regelrecht auf die Spitze getrieben, was dem Film nicht nur gut tut. Es gibt in Moonraker eine Reihe gelungener Gags, aber auch so manche Albernheit, wie z.B. die Wandlung, die Beißer durchmacht. Da die Bond – Macher enorm viel Fanpost von Kindern erhielten, die fragten, warum der Beißer nicht einer von „den Guten“ sein kann, stutzte man die Figur zurecht, machte sie kindertauglich und nahm ihr damit viel von ihrer Bedrohlichkeit. Auch Lois Chiles überzeugt in ihrer Rolle nicht hundertprozentig. Viele Kritiker sehen sie als das bisher erste Bondgirl, das Bond hundertprozentig ebenbürtig ist. Haben diese Kritiker Honor Blackman als Pussy Galore in Goldfinger (1964) gesehen? Oder Barbara Bach in Der Spion, Der Mich Liebte? Im Gegensatz zum Vorgänger geht hier kaum ein Witz auf Kosten der weiblichen Hauptfigur und Chiles kann auch im Zweikampf hinlangen, aber zwischen ihr und Moore entwickelt sich keine so großartige Chemie wie zwischen ihm und Bach. Während Bach fast den ganzen Film über präsent war, gibt es in Moonraker erstaunlich viele Szenen, in denen Bond – dafür dass Holly Goodhead quasi seine Partnerin ist – erstaunlich oft allein arbeitet. Da hat das Duo Moore/Bach in Der Spion, Der Mich Liebte deutlich besser funktioniert.

Ganz auf hört es beim Showdown im Weltall (!), der mit Laserwaffen (!) á la Krieg Der Sterne (!!!) ausgetragen wird. Obwohl dieser Showdown tricktechnisch gut gemacht ist und man spätestens hier merkt, warum Moonraker ein so hohes Budget benötigte, wirkt dieses Weltraumfinale einfach nur übertrieben und aufgesetzt – dagegen wirkt Der Spion, Der Mich Liebte, der auch so manches phantastisches Element enthielt, fast schon dokumentarisch. Aber das Finale ist nur ein Beleg dafür, dass die Serie hioer ein Gefangener ihres eigenen „Höher – schneller – weiter“ - Konzepts geworden ist. Dass jedes neue Bond – Abenteuer das vorangegangene an Aufwand und Effekten übertreffen musste, wird an Moonraker besonders deutlich – was hier an Action, Effekten, Kulissen und Schauplätzen aufgefahren wird, ist wirklich phänomenal, löst aber auch das Gefühl aus, das man hat, wenn man zuviel von seinem Lieblingsgericht gegessen hat – man fühlt sich übersättigt und will es in naher Zukunft erstmal nicht wieder sehen.

Warum ist Moonraker trotz all dieser Kritik kein Schuss in den Ofen?

Weil er trotz allem ziemlich unterhaltsam ist. Abgesehen von einigen Albernheiten serviert der von Lewis Gilbert treffsicher inszenierte Film dem Zuschauer eine Reihe von gelungenen Gags – wenn Bond mit einem Luftkissenfahrzeug über den Markusplatz fährt, wurden die witzigen Reaktionen der Zuschauer (auch der tierischen!) perfekt eingefangen und auch der Gag, bei dem ein British Airways – Plakat eine Rolle spielt, gehört zu den gelungeneren Witzen des Films. Außerdem setzt Moonraker – abseits des Weltraumshowdowns – wieder Maßstäbe in Sachen Action. Schon der Fallschirmstunt zu Beginn des Films ist atemberaubend und steht der phänomenalen Auftaktsequenz von Der Spion, Der Mich Liebte in nichts nach. Und auch danach geizt der elfte Bond-Film nicht mit spektakulären Actionszenen, wie z.B. Kämpfen in auf den Dächern von Seilbahnen oder in einem Museum, in dem rekordverdächtig viel Glas zu Bruch geht. Lewis Gilbert hat diese Szenen bestens im Griff und auch heute noch kann sich so mancher wackelkameraaffine Reisseur eine Scheibe von der Arbeit des Altmeisters abschneiden.

Auch die Leistungen der Hauptdarsteller sind beachtlich. Der – damals immerhin schon 52jährige – Roger Moore überzeugt wie in Der Spion, Der Mich Liebte als Gentleman – Agent mit Charme und trockenem Humor. Die Highlights des Films sind seine Szenen mit Hugo Drax, der einen absolut würdigen Bond – Gegner spielt. Die gemeinsamen Auftritte Bond und Drax (Besonders zu Beginn, als sich die beiden taxieren) strotzen nur so vor pointierter Dialoge (Drehbuch: Christopher Wood) und tragen enorm zur Qualität des Films bei.

Außerdem verfügt Moonraker über phänomenale Kulissen und Effekte. Allein Drax´ Raumstation ist ein wahrer Augenschmaus (nicht nur) für Science – Fiction – Fans und man kann beim Anblick dieser Kulisse verstehen, dass Ken Adam das Herz geblutet haben muss bei dem Gedanken, dass er sie nur gebaut hat, damit sie im Film zerstört wird. Und auch die Spezialeffekte des Films sind gut gemacht – auch wenn sie sich nicht mit denen von Krieg Der Sterne messen können.

Moonraker ist sicherlich kein Meilenstein der Bond – Serie. Dafür hat er zu viele Schwächen. Dennoch ist der elfte Bond – Film unterm Strich recht unterhaltsam, bietet einige hervorragende Actionszenen, punktet mit ein paar witzigen Einlagen und zwei glänzend aufgelegten Hauptdarstellern. Und sollte man den Film aus ehrlich empfundener Überzeugung ablehnen – ohne den Effektoverkill von Moonraker hätte es das schön geerdete Meisterwerk In Tödlicher Mission möglicherweise in seiner Form nicht gegeben, da sich selbst Bonds Filmvater Broccoli eingestehen musste, dass man es mit Moonraker ein wenig übertrieben hatte und man die Serie deshalb zu ihren Wurzeln zurückführte.

P.S.: Falls sich jemand wundern sollte, dass es demnächst mit "Octopussy" weitergeht - ein Review zu "In Tödlicher Mission" von mir gibt es schon.

 

7/10
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Kommentare

06.09.2016 17:25 Uhr - NoCutsPlease
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Hehe, da ist es und natürlich so gut wie erwartet.
Trotz seiner Übertreibungen und Albernheiten finde ich "Moonraker" ebenfalls unterhaltsam.
Mensch, ich muss unbedingt mal wieder einige Bonds erneut sichten!

06.09.2016 18:12 Uhr - Intofilms
Du hast es wirklich drauf!
Deine Rezi strotzt nur so vor Detailwissen über den Film und souveräner Kennerschaft der gesamten Reihe. Ich bin schwer beeindruckt und kann nur sagen: Hut ab vor dieser grandiosen
Leistung und schenke uns bitte noch viele weitere Bond-Reviews..!! :D

06.09.2016 21:45 Uhr - Horace Pinker
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Und wieder ist dir eine unterhaltsame und informative Besprechung zu einem Abenteuer des Britischen Gentleman Agenten gelungen . Ich würde hier einen Punkt weniger vergeben, da Moonraker zwar teils recht unterhaltsam ist aber insgesamt einfach zu albern ist und das Star Wars mäßige Finale imho nicht zu einem James Bond Film passt .

06.09.2016 22:14 Uhr - Punisher77
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Danke,danke-freue mich, dass das Review so gut bei euch ankommt.

@NoCutsPlease:
Mach´ das. Du wirst es bestimmt nicht bereuen.

@Intofilms:
Zwei Reviews werden über kurz oder lang noch folgen, dann gibt es allerdings erstmal `ne Bond-Pause.

@Horace:
Im Prinzip bin ich auf deiner Seite, nur war mir der gesamte Unterhaltungswert dann doch noch `ne knappe 7 wert. Da finde ich den "Mann mit dem Goldenen Colt", dem ich 6/10 gegeben habe, schlechter.

07.09.2016 08:57 Uhr - JasonXtreme
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Ich setze hier mal stellvertretend auch für die anderen Bond-Rezis meinen Servuis drunter! Sehr sehr geile Arbeit, mein Bester! Stets superangenehm zu lesen, informativer Background und die Punkte kann ich ebenso unterschreiben!

07.09.2016 18:43 Uhr - Laughing Vampire
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Extrem gute Kritik, an der es inhaltlich und stilistisch nichts zu bemängeln gibt. Nur eine Bitte hätte ich: benutze doch Trennstriche und keine Gedankenstriche, wo diese nicht hingehören. Das hat meinen Lesefluß etwas beeinträchtigt und sieht wirklich nicht gut aus. Statt "Bond — Film" also einfach "Bond-Film". :)

07.09.2016 23:15 Uhr - Punisher77
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Danke für Euer nettes Feedback!

@Laughing Vampire:
Danke für den Hinweis. Ich werde in Zukunft drauf achten.

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