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Masters of Horror - Jenifer

Herstellungsland:USA (2005)
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Masters of Horror
Masters of Horror:Jenifer
Jenifer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (16 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zwei amerikanischen Klischeebullen sitzen im Dienstwagen und fressen ihr China Fast Food aus dem Pappkarton. Dann hören sie Schreie und rennen in Richtung der Schreie. Ein verwahrloster Mann versucht eine Frau mit einem Beil zu ermorden. Im letzten Moment verhindert einer der Polizisten den Mord, indem er den Mann erschießt. Das letzte Wort des verzweifelten Mannes ist: Jenifer. Die Frau hat ein monströses Gesicht. Der Polizist ist mehr fasziniert als erschreckt. Er erfährt, dass sie heimatlos ist, und in ein Heim für Kranke muss. Sie geht ihm nicht aus dem Kopf. Sie kann nicht sprechen, hat ein animalisches, kindliches und geradezu welpenhaftes Verhalten. Er nimmt sie zu sich auf. Es dauert nicht lange, und seine Familie zieht brüskiert ab. Jenifer umgarnt den Polizisten animalisch hingebungsvoll und er ist ihr vollkommen verfangen. Ihre blutigen, animalischen Züge erschweren das Zusammenleben allerdings zunehmend.
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Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dotd:

Wer Dario Argentos Regiearbeiten kennt weiß, dass er nicht nur Thriller, sondern auch Horrorfilme als auch Genremischungen gekonnt in Szene setzten konnte. Streifen wie „Suspiria (1977)“, „Inferno (1980)“ und Geniestreiche wie „Tenebrae (1982)“ sind gute Beispiele um das Talent des ehemaligen Meisters zu beschreiben. Wie bei jedem anderen Regisseur egal was für Meisterwerke diese auch abgeliefert haben kommt eine Phase in der die Qualität der Machwerke irgendwann nachlassen wird. Diese hatte die Regielegende am deutlichsten mit dem extrem enttäuschenden „The Card Player (2004)“. Mit „Do You Like Hitchcock? (2005)“ kehrte er vom Genre her zurück zu seinen Wurzeln und konnte ein durchschnittliches Ergebnis das trotz des nicht voll ausgenutzten Potenzials und der inszenatorischen Schwächen dennoch unterhalten. Wie das bei dem Beitrag „Jenifer“ der Masters – Of – Horror – Reihe aussieht wird sich Verlauf der Kritik zeigen…

Mit „Jenifer“ aus dem Jahr 2005 hat Argento die Chance genutzt einen Beitrag für die „Masters of Horror – Reihe“ in Szene zu setzten. Der heute besprochene Film ist die vierte Folge der ersten Staffel. Die Serie wurde für den Pay TV Sender Show – Time produziert und lief von 2005 bis 2007. Derjenige der das Projekt gegründet hat ist Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Mick Garris. Die Grundlage ist es bekannten Regisseuren des Genres die Möglichkeit zu geben ihre künstlerische Visionen zu realisieren ohne irgendwelchen Zensurbestimmungen ausgesetzt zu sein. Dies trifft bis auf ein paar Ausnahmen zu worauf ich in den späteren Verlauf der Kritik nochmal zurückkommen werde. Die jeweils 60 minütigen Produktionen entstanden in der Tradition der Horrorcomic – Reihen des New Yorkers Verlages EC (Entertaining Comics) zu finden. Dazu gehören die aus den spätern 1940er bis zu den 1980er Jahren erschienen legendären Reihen wie „Tales From The Crypt (1950 – 1954)“ oder „Creepy (1960 – 1983)“. Aus letzteren stammt die Story von Jenifer aus einer Ausgabe aus dem Jahr 1974. Gezeichnet wurde sie von Bernie Wrightson (Swamp Thing) und basiert auf einer Kurzgeschichte von Bruce Jones.

In der Story geht es um Detektiv Frank Spivey der während eines Einsatzes mitbekommt, wie ein dem Anschein nach verrückter Mann eine hilflose Frau töten will und dementsprechend in die Situation eingreift… Das Grundgerüst von Dario Argentos 20ter Regiearbeit auf das zurückgegriffen wird entspricht ganz klar dem Horrorgenre und mischt dieses zusätzlich mit dramatischen als auch schwarzhumorigen Inhalten die sich nahtlos mit den Gesamtbild vereinen. Getreu der Serie die sich mit den Meistern des Horrorgenres beschäftigt bezieht Argento unter anderem neben einer Hommage an James Whales „Frankenstein“ aus dem Jahr 1931 auch Stilismen seiner eigenen Filme mit ein. Da die meisten Regisseure Amerikaner sind sorgt die Beteiligung des Italieners für einen europäischen Touch, was in der Szene deutlich wird wo das Gesicht des Obdachlosen sich in dessen Reflektion seiner Mordwaffe wiederspiegelt. Das lässt sich ohne Zweifel als eine Komponente des Giallo einordnen. Die Fliege im Auto verweist auf das Interesse der Insektenkunde die in „Phenomena (1985)“ von signifikanter Bedeutung war.

Der Cast besteht unter anderem aus Steven Weber der die nicht nur die Hauptrolle des sozial konnotierten Polizisten verkörpert sondern auch das Drehbuch zur Episode geschrieben hat. Er schafft es seinem Charakter Leben einzuhauchen und seinen mentalen Zustand in jeder Minute authentisch wiederzugeben. Bekannt ist er zum Beispiel durch seinen Auftritt in der TV Mini Serie „The Shining (1997)“. Die entstellte Persönlichkeit von Jenifer wird von Carrie Anne Fleming gespielt die ihren Job ebenfalls ausgezeichnet macht und es vollbringt die Gefühlwelt ihres Charakters ohne Dialoge nonverbal mitzuteilen. Vielen wird sie wahrscheinlich aus der TV – Serie „Supernatural (2006 – 2011)“ bekannt sein. Auch die restlichen Schauspieler liefern eine glaubwürdige Performance ab und schaffen es die Glaubhaftigkeit der Erzählung aufrecht zu erhalten.

Die innerhalb ereignete Handlung als auch der Kern lässt sich zur einen Seite in die Thriller und zur anderen vielmehr dem Horrorgenre zuordnen. Der normale Alltag von Frank und seiner Familie die ihr Leben nach dem „American Way Of Life“ gestaltet wird durch die physisch entstellte Gestalt Jennifer auf den Kopf gestellt. In diesem Moment übernimmt die irrationale Komponente des Alptraumes die Führung und löst das irrationale Element von Franks ursprünglich geordnet konnotierten Leben auf. Der Film setzt seinen Fokus weniger auf die Darstellung von blutigen Details sondern mehr auf der Gefühlsebene des Hauptcharakters Frank Spivey der im Verlauf der Geschichte verschiedener Stadien der psychischen Veränderung durchlebt. Die Art und Weise wie die Episode inszeniert wurde schafft es diesen Aspekt vor allen Dingen durch die schauspielerische Leistung glaubhaft darzustellen. Ebenfalls interessant zu wissen ist, dass der Regisseur oft seine Aufnahmen mit den Bildern aus dem Comic verglich um sicher zu gehen, dass sich die Verfilmung so nah wie es nur geht an den Comic orientiert. Wer sich genauer mit den Werken Argentos beschäftigt weiß dass jeder seiner Filme reichlich interessanter Aspekte wie die zu entziffernden Metaphern innerhalb des Hauptkontextes bietet. Der aufmerksame Zuschauer wird zum Beispiel bemerken, dass...

  1. Jenifers Erscheinung für die Sehnsüchte des Hauptcharakters steht. Das wird dadurch bemerkbar, dass Frank sein eigenes Gesicht in den auf dem ersten Blick leeren schwarzen Augen von Jenifer sieht.
  2. Ihr animalisch mit Reißzähnen bestücktes Gesicht steht für die animalische Seite die er gerne von seiner Frau sehen möchte, aber nichts davon bekommt.
  3. Der im Gegensatz menschliche als auch sexualisierte weibliche Körper gibt einem ein klares Bild davon wie der Körper seiner Traumfrau aussehen soll. Ihre unkontrollierbare Art spiegelt das Ausmaß seiner eigenen Unzufriedenheit wieder was sich in Jenifers destruktiven Verhalten zeigt. Dann ist da noch die verspielte kindliche bzw. schwache Seite die an seinen Beschützerinstinkt appelliert.
  4. Die Fliege im Auto die die beiden Polizisten bei ihrer Essenspause stört ist ein Indikator dafür, dass die bereits brüchig gewordene Ordnung in Franks Leben von einem schicksalhaften Ereignis erschüttert wird. 
  5. Die für Argento untypisch inszenierten Sexszenen stehen für die Ambivalenz zwischen Frank und dem sexuell verstörend konnotierten Verhältnis mit der auf der einen Seite kindlichen als auch der gefährlich agierend entstellten Frau die somit Libido und Thanatos in einer Person vereint.

Die am Anfang aufgebaute Spannung wird durch das unerwartete erscheinen des mit einem Hackebeil bewaffneten Obdachlosen der eine auf dem ersten Blick wehrlos konnotierte Frau töten möchte gut aufgebaut und weckt unverzüglich die Aufmerksamkeit des Zielpublikums. Im gleichen Atemzug nimmt die Szene einen Teil vorweg, weil dadurch ein Hinweis auf das Ende impliziert wird. Punktabzug gibt es meinerseits für manch unverständliche Entscheidungen des Hauptcharakters. Das Frank von Jenifer angezogen und unter ihrem Bann steht ist am Anfang gut nachvollziehbar. Dass er ihr so viel Freiraum lässt obwohl er genau weiß, dass sie ein extrem destruktives Verhalten aufweist ist nicht immer nachzuvollziehen. Eine in der Situation logischere Handlungsentscheidung hätte dem Film von der Wertung her besser abschneiden lassen und das Maß an Intensität angehoben. Der zugegebener Maßen vorausahnende Twist hätte durch einen besseren Szenenaufbau effektiver ausfallen können.

Die musikalische Untermalung ist ein signifikanter Faktor der den Szenarien dazu verhilft das bestmögliche Potenzial über das Geschehen zu entfalten. Die Komposition von Claudio Simonetti transportiert die dramatische Gefühlsebene des Geschehens durch die sinnlichen als auch bedrohlichen Klänge. Der größte Teil des integrierten Spannungsbogens bleibt aufgrund der Art und Weise wie die Story erzählt und vor allen Dingen der Fokus auf die Dramaturgie betont werden auf ein überwiegend hohem Niveau das für die meiste Zeit konstant bleibt und selten nachlässt. Die nicht zu vergessene Bedeutung der erzeugten Atmosphäre ist ebenso wichtig wie die Erschaffung der Suspensemomente da diese beiden Eigenschaften eng miteinander verknüpft sind. Hier kann von einer gelungenen Mischung aus einer ernst, zynisch und verstörend konnotierten Grundstimmung sprechen die nahtlos mit den visuellen Bildern verschmilzt.

Das bringt den nächsten Punkt, die Kameraarbeit auf dem Plan. Mit Attila Szalay der unter anderem als in der second unit bei 30 Folgen der Serie „The X Files (1997 – 1998)“, „Crime Is King (2001)“ und „The Expendables 2 (2012)“ mitgewirkt hat, hat man sich einen kompetenten Kameramann mit ins Boot geholt. Durch die präzise positionierten Winkel in der die Kameralinse die Dramaturgie auf Celluloid bannt bekommt der Zuschauer einen tiefen Einblick in die erschütternde Welt eines Polizisten der nur ein Schatten seiner selbst ist und dabei ist alles zu verlieren. Die Locations in denen sich die bizarren Ereignisse abspielen sind durch die räumliche Anordnung als auch vom Punkt der Innovation abwechslungsreich und können durch das brillante Set Design und der Farbdramaturgie, die das Innenleben der Charaktere betonen überzeugen. Die Aufnahmen der Großstadt die für ein zivilisiertes, geregeltes Leben stehen werden mit der menschenleeren als auch naturalistischen Waldgegend die weit entfernt von den Strukturen einer geordneten Gesellschaft ist parallelisiert. Durch die professionell geführte Kamera werden die wichtigsten Schlüsselszenen mit viel Liebe zum Detail präsentiert und durch ein sauber abgestimmtes Beleuchtungsverhältnis mit der richtigen Tiefe eingefangen.

Wer einen Film produziert der sich im Horrorgenre ansiedelt muss dafür sorgen, dass verstörende Szenarien zum Kontext des Werkes passen und mit den Schauplätzen fusionieren. Diese sind über die Laufzeit in guten Abständen verteilt und verfehlen ihre Wirkung aufgrund der treffenden Pointe nicht. Für die Kreation der blutigen Effekte waren die Experten von KNB EFX verantwortlich. Wie ich oben bereits erwähnt habe, wurden den auszuführenden Regisseuren keine Steine in den Weg gelegt indem man Ihnen bei Ihrer Verwirklichung ihrer künstlerischen Visionen freie Hand ließ. Mit Ausnahme von Zur Schaustellung von männlichen Geschlechtsteilen und sich gegenseitig tötenden Kindern war im Grunde genommen alles erlaubt. Wer mit dem Genre vertraut ist weiß von den erstklassigen Fähigkeiten von Greg Nicotero & Co. Durch die realistisch sowie leicht überspitzte Darstellung der blutigen Ergebnisse wird nicht der Fehler begangen, dass man sich auf die den Akt des Mordens anstatt auf den entscheidenden Punkt der dramatischen Mechanismen. Die Jungs von KNB haben hier sehr gute Arbeit geleistet.

Fazit: Mit „Jenifer“ hat Dario Argento bewiesen, dass er es immer noch drauf hat einen guten Horrorfilm zu inszenieren. Mit seinem Beitrag zur „Masters Of Horror“ Serie ist es ihm gelungen einen interessanten als auch faszinierenden Film zu erschaffen. Mit dem guten Soundtrack, der überzeugenden Kameraführung, den passenden Darstellern schafft er es eine packende Story zu erzählen. Die Schwächen bezogen auf die manchmal nicht verständlichen Entscheidungen Franks und dem Hinweis wie das Ganze enden könnte verhindert somit die volle Wertung. Für die positiven Aspekte die den negativen deutlich überwiegen gibt es wohlverdiente 7/10 Punkte. 

7/10
Weiter:

Kommentare

06.09.2016 21:39 Uhr - Horace Pinker
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Tolle Kritik zu Argentos erstem MOH Beitrag . Auch deine Interpretationen sind sehr interessant auch wenn sie teils von meinen eigenen abweichen, aber es ist ja immer interessant neue Blickwinkel kennen zu lernen ;-) Was die Bewertung und die Kritikpunkte angeht stimme ich dir zu ich fand das Verhalten der Hauptfigur äußerst störend und das Ende war leider auch viel zu vorhersehbar, was die Spannung ziemlich reduziert . Bin schon gespannt auf dein Pelts Review (eine meiner MOH Lieblingsfolgen ).
P.S. Komplette narrenfreiheit hatten die Regisseure übrigens nicht, sie durften keine männlichen Geschlechtsteile darstellen und nicht zeigen wie Kinder einander umbringen (witziger weise waren Kinder die Erwachsene töten und Erwachsene die Kinder töten kein Problem ).

07.09.2016 06:23 Uhr - DOTD
1x
DB-Helfer
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Danke für das Interesse und die gut gesinnten Worte! Bei dem was die Serie alles zeigen darf dachte ich, dass die Regisseure totale Narrenfreiheit hatten. Wird korrigiert.

08.09.2016 19:46 Uhr - Lazlo Panaflex
Mal wieder eine Top-Review! Ich verfolge die Argento-Rezensionen schon ne Weile und bin immer wieder begeistert. Ich bin ein riesiger Fan seiner Filme der 70er und 80er. Von den "neuen" Filmen kenne ich nur "The Card Player" und "Do you like Hitchcock", zweiterer war zwar besser als der Kartenspieler, jedoch haben mich beide Filme davon abgehalten die anderen Argentos der 90er und 2000er zu sichten. Das wird sich wohl aber doch ändern :)

11.09.2016 10:51 Uhr - DOTD
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Vielen Dank für das ausgesprochene Lob und Interesse. Wenn du Argentos Filme der 90er und 2000er Jahre sichten solltest darfst du nicht erwarten, einen klassischen Argento wie er in den 70ern bis zu den späten 80er Jahren entstanden ist erwarten. Schlecht sind die Filme bis auf Ausnahmen deswegen noch lange nicht.




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