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Sons of Anarchy

Herstellungsland:USA (2008)
Genre:Drama, Krimi
Alternativtitel:Forever Sam Crow
Sons
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,84 (33 Stimmen) Details
inhalt:
Jackson "Jax" Teller (Charlie Hunnam), der Sohn des verstorbenen Gründers, ist zwischen den gewalttätigen Bikern aufgewachsen. Immer mehr gerät er jedoch mit den skrupellosen Methoden der "Sons of Anarchy" in Konflikt. Als Jax´s Mutter (Katey Sagal) und sein Stiefvater Clay Morrow (Ron Perlman) die Gang in immer kriminellere Geschäfte verwickeln, ist Jax zwischen der Loyalität zum Club und dem ideellen Vermächtnis seines Vaters hin und hergerissen…
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Lange Zeit habe ich überlegt, mich an dieses Monster von einer Serie heranzuwagen, und als ich für mich selbst endlich so weit war, habe ich bemerken müssen, dass es schon eine Review dazu gibt. Etwas enttäuscht hab ich mein Projekt auf Eis gelegt, die Vorgängerversion nie gelesen und erst vor kurzem bemerkt, dass da durchaus noch etwas Spielraum vorhanden ist.

Vorab bemerkt, das letzte Mal, dass ich etwas Motorisiertes mit weniger als 4 Rädern gelenkt habe, war in meiner Jugend und es war eine Puch Maxi, ich bin also alles andere als ein Biker. Deshalb war ich auch etwas skeptisch, als ich mehrmals Empfehlungen bekommen habe, mir eine Serie anzuschauen, die sich lose an der Geschichte der legendären "Hells Angels" orientiert. Diese wurden im Jahre 1949 von Ralph "Sonny" Barger in den USA gegründet und dehnten sich mit Ende der 60er Jahre auch auf Europa aus, Standorte in Deutschland und Österreich entstanden mit der Zeit ebenso. Da der Motorradclub immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kam (Drogen-, Waffenhandel, Prostitution), wurden einige davon allerdings zwangsweise wieder geschlossen.

Nun aber zurück zur eigentlichen Fernsehserie. Ich habe es von der ersten Folge an niemals bereut, über meinen Schatten gesprungen zu sein, habe die insgesamt 7 Staffeln in Rekordzeit verschlungen und bin bitter enttäuscht gewesen, als es zu Ende war. Insofern kann ich die Empfehlung nur weitergeben und auch jedem, der kein Interesse an Motorrädern und Harley-Davidson hat versprechen, dass dies zweifelsohne eine der besten Serien ist, die jemals den Weg auf die TV-Leinwände gefunden hat.

 

SONS OF ANARCHY (2008 - 2014)

 

Die "Sons Of Anarchy" sind eine Motorradvereinigung, die über viele Staaten hinweg in zahllosen legalen und illegalen Geschäften operiert. Vorwiegend handelt es sich um Waffenhandel, der in Kooperation mit der IRA ("Irish Republic Army") groß aufgezogen wird, später wird der Handel noch auf ein mexikanisches Kartell und auf andere Institutionen ausgeweitet. Die verschiedenen Standorte werden in sogenannte "Charters" eingeteilt, in diesem Fall ist der Haupthandlungsort die fiktive, vom Motorradclub kontrollierte Stadt "Charming". Dort nennt sich die Gruppe auch "SAMCRO" (Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Origins), und betreibt neben den ertragreichen Waffengeschäften zur Tarnung eine Autowerkstatt, die gleichzeitig auch das Clubhaus darstellt. Die meisten Polizisten haben sich mit der Existenz des Clubs arrangiert, und drücken (gegen Schmiergeld) zunehmend beide Augen zu. Im Verlauf der Serie tauchen immer wieder neue Mitglieder und mal mehr mal weniger erwünschte Bekannte und Gegner auf. Dies macht eine detaillierte Auflistung aller Personen und ihrer Darsteller nahezu unmöglich, weswegen ich mich hier auf die allerwichtigsten Charaktere beschränken muss.

 

- Clay Morrow - "President" (Ron Perlman, "Blade 2", "Hellboy")

Clay ist in den ersten beiden Dritteln der Serie der Anführer in Charming, und genießt vorerst hohes Ansehen beim Club, der Stadtgemeinde, den anderen Charters und bei der IRA. Nicht zuletzt wegen ihm laufen die Waffengeschäfte reibungslos und die Sons können sich eine gewisse Zeit gut damit finanzieren. Immer wieder auftretende Probleme mit dem FBI, den Marshalls und den rivalisierenden "Mayans" führen allerdings dazu, dass Clay mehr und mehr fragwürdige Entscheidungen trifft, die seine Unantastbarkeit erheblich reduzieren und schließlich fast zum Zerbrechen des Charters führen. Ron Perlman ist hier die perfekte Besetzung, sein animalisches, rauhes Erscheinungsbild und das dazugehörige knochenharte Verhalten lässt den Zuschauer in keiner Sekunde an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln, die anfängliche Sympathie wird allerdings mit der Zeit durch regelrechte Abscheu ersetzt, die man ob seiner zunehmend radikaleren Maßnahmen nach und nach empfindet. Immer wieder schafft er es allerdings, sich in brenzligen Situationen durch kluge Schachzüge und Intrigen die Haut zu retten, erst gegen Ende hin wird sein durchtriebenes Spiel entlarvt und die Fronten ändern sich.

 

Gemma Teller-Morrow - "Old Lady" (Katey Sagal, "Eine Schrecklich Nette Familie")

Kurz vorweg, eine sogenannte "Old Lady" ist die Ehefrau eines Clubmembers, Frauen können durch die strengen Statuten des Clubs nicht selbst Mitglied werden. Ist die Ehefrau allerdings so dominant, schlagkräftig und gewitzt wie Gemma, fällt dieses Manko nicht wirklich ins Gewicht. Sie ist eine Art heimliche Anführerin und dabei noch wesentlich intelligenter als ihr Mann Clay, den sie nach dem Tod ihres ersten Mannes John Teller geheiratet hat. Auch Gemma schafft es immer wieder, Probleme auf ihre ganz spezielle Art und Weise zu lösen, und sie kann dabei den Schein lange aufrecht erhalten. Wer hätte das gedacht, das naive Mauerblümchen "Peggy Bundy" aus "Eine Schrecklich Nette Familie" hat eine optische Wandlung hinter sich, die wohl niemand erwartet hätte. Die Frau des Produzenten Kurt Sutter (spielt als inhaftiertes Sons-Mitglied Otto Delaney selbst eine spektakuläre Nebenrolle) zeigt hier das berühmte "zweite Gesicht" und ist sich ständig fluchend weder zu schade, auch mal zuzuschlagen noch den einen oder anderen sogar ins Jenseits zu befördern. Katey Sagal spielt die Biker-Frau und Mutter äußerst realistisch und zeigt, ständig hin- und hergerissen zwischen Club und Familie, welch talentierte Schauspielerin sie eigentlich ist. Ihre Leistung wurde übrigends mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

 

Jackson "Jax" Teller - "Vice President" (Charlie Hunnam, "Pacific Rim")

DIe eigentliche Hauptfigur kämpft in seiner Rolle als Vizepräsident des Clubs zuerst gegen seinen dominanten Stiefvater, später als Präsident mit dem tiefen Abgrund, in den sich die Sons of Anarchy mit Verlauf der Geschehnisse manövriert haben. Gleichzeitig versucht er, den vermeintlichen Selbstmord seines Vaters zu verarbeiten und sein Leben als Vater und Ehemann in den Griff zu bekommen, was nicht wirklich gelingen will. Von Ausstiegsgedanken getrieben, muß er mit unkonventionellen Ideen ständig die mehrfach schwer geprüfte Existenz des Motorrad-Clubs retten und bemerkt erst viel zu spät, dass er den Absprung schon lange verpasst hat. Charlie Hunnam ist zwar der Hauptdarsteller, kommt aber nicht ganz mit der Leistung einiger Kollegen mit. Dies mag vielleicht am Routinevorsprung von Perlman, Sagal oder auch Kim Coates liegen, allerdings wäre hier manchmal etwas weniger mehr gewesen, vor allem sein definitiv zu lässiger, künstlich aussehender Gang hat mich doch ziemlich genervt. Trotzdem macht er seine Sache insgesamt gesehen auch sehr gut und verkörpert den Outlaw und Frauenhelden mit viel Feingefühl.

 

Alle weiteren Clubmitglieder so ausführlich zu beschreiben würde die Länge der Kritik sprengen, es sei aber noch erwähnt, dass auch Mark Boone Junior als Bobby "Elvis" Munson, Tommy Flanagan als irischstämmiger "Chibs" Telford, Dayton Callie als korrupter Sheriff Wayne Unser, Maggie Siff als Bikerfrau und -ärztin Dr. Tara Knowles, Theo Rossi als "Juice" Ortiz und vor allem Kim Coates als liebenswerter Psychopath "Tig" Traeger außergewöhnliche Leistungen vollbringen. Vor allem letztgenannter Kim Coates ("Pearl Harbor") spielt nicht nur den perfekten "Sergeant At Arms", sozusagen den Sicherheitsbeauftragten der Biker, er lebt diese Rolle förmlich. Gleichsam bei brutalen Zornausbrüchen und auch als auflockernder Running Gag mit vielen Eskapaden merkt man jederzeit, zu was ein langjähriger Charakter- und gleichzeitig Mainstreamdarsteller in der Lage ist. Für mich ganz klar der heimliche Top-Star der Serie.

Viele Gaststars treten in "Sons Of Anarchy" in den verschiedensten mehr oder weniger ausführlichen Nebenrollen auf. Der hier großartige Jimmy Smits ("Kalifornia Nightmare"), Danny Trejo ("Ich spiel sowieso überall mit"), Mitch Pileggi (der Walter Skinner aus "Akte X"), Marilyn Manson (ohne Schminke bzw. mit übermalten Tattoos schwer zu erkennen) und Peter Weller ("Robocop"), der auch einige Folgen als Regisseur inszeniert hat, sind nur einige wenige davon. Soweit gibt es keinerlei Totalausfälle, der Cast ist ausgesprochen gut ausgewählt und passt genau zum rauhen Klima, in dem sich die Serie über die gesamte Zeitdauer befindet.

Genau diese Atmosphäre wird durch professionelle Inszenierung, Kameraarbeit und realistische Verhaltensweisen nur noch gestärkt. Gewaltausbrüche, dessen Intensität sonst nur Serien wie "Spartacus" oder "Banshee" erreichen, haben mich doch einigermaßen überrascht. Die blutige Vorgehensweise der verschiedenen Gangs ist hier allerdings wesentlich realistischer in Szene gesetzt und trifft genau in die Magengrube. Zart besaitete Zuschauer könnten sich durchaus manchmal von den brutalen Sequenzen abgestoßen fühlen, wobei Knastfolter, Exekutionen und Unfälle mit allem ausgeführt werden, was das vorhandene Waffenrepertoire so hergibt. Mit Dauer der Serie wird der Härtegrad übrigends immer höher, alles zurückzuführen auf die Auswirkungen von tobenden Bandenkriegen und Revierkämpfen in der Waffen-, Drogen- und Prostitutionsszene. Die Special-Effects erreichen hierbei allerhöchstes Niveau und brauchen sich vor keiner Kinoproduktion zu verstecken. Bloodpacks und täuschend echte Explosionen lassen das Action-Herz höher schlagen, zusätzlich wird die Gewalt zwar als zweckdienlich, aber nie als humoristisch oder verherrlichend dargestellt, obwohl die ernste Grundstimmung der TV-Serie oftmals durch Witz und Pfiff aufgelockert wird.

Kritiker aller Welt loben "Sons Of Anarchy" als realistisch und kreativ, es wird sogar auf Shakespeare's Hamlet verwiesen, dessen Thronkonflikt zwischen Vater und Sohn durchaus als Vorbild für das Verhältnis zwischen Clay Morrow und Jackson Teller gedient haben dürfte. Ebenso ist es realistisch dargestellt, dass das Club-Umfeld vor allem für die älteren Mitglieder als Grund dazu dienen könnte, Kameradschaft in einer eingeschworenen Vereinigung zu finden und ihre triste, desolate Vergangenheit, zB als Kriegsveteranen oder politsch Verfolgte, vergessen zu machen. Im Laufe der Handlung wird allerdings eindeutig gezeigt, dass der eingeschlagene Weg für viele tödlich enden kann und Verstrickungen in die Kriminalität komplizierter sein können, als es zuerst den Anschein hat.

Viel Zeit nimmt sich die Serie auch für die dramatische Entwicklung mancher Charaktere. Das zunehmend extremere Handeln passt sich den immer widrigeren Verhältnissen an, was die Vorgehensweise einerseits erklärt und gleichzeitig als "richtig" suggeriert, andererseits aber doch die "Falschheit" der Taten niemals versteckt. Schonungslos wird der Zuschauer kalt erwischt, man identifiziert sich bald mehr mit den Verbrechern als mit der Exekutive, die dem kriminellen Treiben eigentlich nur Einhalt gebieten will. Dem Seher wird so ein Spiegel vorgehalten, der zeigen soll, dass man sehr weit gehen würde, um ein begonnenes System auf seine bestimmte Art und Weise zu Ende zu bringen, koste es was es wolle. Hier sind einige Parallelen zu "Die Sopranos" vorhanden, auch bei dieser Serie identifiziert man sich plötzlich unfreiwillig mit der eigentlich falschen Seite.  

Neben dem Golden Globe für Katey Sagal wurde "Sons Of Anarchy", vollkommen zurecht, mit insgesamt 10 Preisen ausgezeichnet und weitere 57 Mal nominiert, unter anderem auch für den Emmy, den höchsten erhältlichen TV-Preis.

Mit Ausnahme der noch etwas gemäßigteren ersten Staffel, sind alle weiteren Seasons von der FSK ab 18 Jahren freigegeben worden, Zensur im Fernsehen war also vorprogrammiert. Die DVD- und Bluray-Veröffentlichungen sind allerdings allesamt ungekürzt, eine Anschaffung der kürzlich erschienenen Gesamtbox kann (nicht nur für Sammler) ohne Einschränkungen empfohlen werden.

"Sons Of Anarchy" überzeugt nicht nur die meisten Kritiker, auch ich konnte nicht mehr aufhören, über die Serie nachzudenken. Selten habe ich über eine so lange Laufzeit eine so intensive Geschichte serviert bekommen und mich nicht ein einziges Mal dabei gelangweit. In Kombination mit Spitzen-Darstellern, toll verarbeiteter Technik und einem hohen Wiedererkennungswert ist eindeutig für mich die Perfektion bei Serien erreicht. Ich könnte schon wieder von vorne anfangen, deswegen gebe ich auch hier die volle Punktzahl von 10 Punkten.

10/10
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Kommentare

08.09.2016 08:39 Uhr - JasonXtreme
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Also vorweg muss ich ehrlich sagen ich bin Fan der Serie, ich haue 8/10 raus insgesamt gesehen, und ich war wirklich traurig als sie zu Ende war. Die Darsteller sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Ich wollte mehrfach eine Rezension schreiben, habe dann währenddessen wieder abgebrochen. Das wäre ein Mammutwerk geworden, bei dem ich nicht weiß, ob es am Ende noch schlüssig gewesen wäre bzw. zu viele Spoiler an Bord gehabt hätte.

Das hier ist gut geschrieben, bietet einen guten Überblick über die Serie :) danke dafür, hab ich mit Freuden gelesen. Übrigens heißen die Gruppierungen dort Charter, nicht Chapter ;) und Tig ist Sergeant AT Arms ;) :D um etwas klug zu scheißen...

Sonny Barger spielt übrigens auch in einigen Folgen mit! Der spielt Lenny "The Pimp" Janowitz. Auch David Labrava (Happy) ist in echt Mitglied der Angels. Das nur am Rande für interessierte.

Den Soundtrack finde ich ausnehmend geil, und Jimmy Smits spielte hier die Rolle seines Lebens für mich. Ich hör jetz auch, sonst artet es aus :D

08.09.2016 12:27 Uhr - Ivan_Danko
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Wurde korrigiert, danke fürs aufmerksam machen.

08.09.2016 14:01 Uhr - naSum
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Ich sehe das ähnlich wie Jason, du hast mit diesem Review den perfekten Schnadegang zwischen Spoilern und Informationen hindurch gewagt und gemeistert. Eine ausgesprochen gute Review!
Ich persönlich würde 7/10 vergeben, da mir, besonders in den späteren Staffeln, das Klatsch und Tratsch von z.B. Gemma Teller zu nervig wurde und nur noch die Funktion hatte, den Plot hinauszuzögern.
Sonst stimme ich in allen Punkten zu.

08.09.2016 14:35 Uhr - Ivan_Danko
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Vielen Dank naSum!

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