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The Infiltrator

Herstellungsland:USA (2016)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,80 (5 Stimmen) Details
inhalt:
Es Ist der wahrscheinlich gefährlichste Undercover-Auftrag der Geschichte, den Special Agent Robert Mazur (Bryan Cranston) Mitte der 1980er übernimmt: Er soll In der Rolle des smarten Geschäftsmannes Bob Musella das beispiellos mächtige Drogenkartell von Pablo Escobar unterwandern, der mit einer Armee von Dealern die USA mit Drogen überschwemmt und seine Geschäfte mit rücksichtsloser Gewalt absichert. Zur Seite stehen Mazur der impulsive Agent Emir Abreu (John Leguizamo) und die neue Kollegin Kathy Ertz (Diene Kruger), die sich als Mazurs Verlobte ausgibt. Gemeinsam erschleichen sie sich die Freundschaft von Escobars rechter Hand Roberto Alcalno (Benjamin Bratt), um Im Inneren Kreis Beweise gegen die Verbrecherorganisation und Ihre Handlanger Im Bankensektor zu sammeln. Bereits der kleinste Fehler kann ihn und seine Mitstreiter das Leben kosten...
eine kritik von tschaka17:

"Nur ein falsches Wort, ein Ausrutscher..."

Bei The Infiltrator hatte ich nach den Trailern einen Action-Thriller erwartet, bekam aber einen reinen Thriller. Ist das schlimm? Wenn der gesamte Kinosaal den Atem anhält, das Geraschel komplett aufhört, es mucksmäuschenstill ist und das nicht nur einmal während des Films liefert dieser verdammt gute Arbeit ab!

Die Story des Films ist packend und basiert auf wahren Begebenheiten. Robert Mazur (Bryan Cranston) ist verdeckter Ermittler im Bereich der Drogenfahndung und schleust sich in die verschiedensten kriminellen Organisationen ein um Beweise zu sammeln. Bei seiner neuesten Infiltration folgt er nicht dem Weg der Drogen, sondern dem des Geldes. Er gibt sich als reicher Investor Bob Musella aus, welcher als Geldwäscher fungieren möchte. Sein Kollege Emir Abreu (John Leguizamo) stellt die ersten Kontakte her und bald ist Musella mit Roberto Alcaino (Benjamin Bratt), einem Vertreter von Pablo Escobar, befreundet. Doch Verbrecher zu unterwandern ist riskant und Menschen rund um Mazur sterben und auch er selbst und seine Familie geraten in Gefahr.

Der Cast in The Infiltrator ist exzellent besetzt. Bryan Cranston ist ein genialer Schauspieler und trägt das Werk mühelos. Seine Figur Robert Mazur / Bob Musella lernen wir durch den ruhigen Start des Films kennen. Sie hat Familie, Freunde, mag ihren Job und gerät gerade deswegen in innere Konflikte, da vor allem seine Frau seine Arbeit als zu gefährlich ansieht. So wird eine starke Bindung zu Mazur geschaffen, welche uns später für ihn zittern und angstvoll den Atem anhalten lässt. Diesen wichtigen Charakter des Thrillers stellt Cranston perfekt dar. Schon alleine sein äußeres Erscheinungsbild fesselt den Zuschauer, die tiefgründigen Dialoge tuen ihr Übriges und manchmal braucht es keiner Worte um eine faszinierende Situation zu schaffen. Der Rest der Besetzung ist ideal auf den Hauptdarsteller angepasst. Die Sorgen um Mazur von Seiten seiner richtigen Ehefrau im Film Evelyn (Juliet Aubrey) kann man voll und ganz nachvollziehen, ohne das ihre Person nervig oder als Glucke auftritt, im Gegenteil, sie ist auch stolz auf die Arbeit ihres Mannes und dadurch sehr sympathisch. Diane Kruger muss als Kathy Ertz die Verlobte während der Unterwanderung mimen und ist nicht nur hübsch fürs Auge. Als Grünschnabel im Ermittlerteam fehlt ihr zwar praktische Erfahrung und in manchen Bereichen merkt man dies auch, jedoch wickelt sie mit ihrem Charme jeden bösen Buben um den Finger. Zu erwähnen wären noch John Leguizamo als Partner von Mazur, ein etwas abgedrehter aber zutiefst loyaler Mensch und Benjamin Bratt, welcher Roberto Alcaino spielt. Er ist zwar auf der bösen Seite, aber durch den Einbegzug seiner Familie wirkt er eher wie ein Geschäftsmann, welcher auf der falschen Seite des Gesetzes agiert. So gefällt gerade sein Charakter besonders, der smarte Kriminelle, denn man zur selben Zeit bewundert und verabscheut!

Diese zwei Punkte sind die großen Stärken des Werkes: Eine dauerspannende Geschichte, die absolut unvorhersehbar ist und die grandios aufspielenden Akteure. Eine perfekte Komposition! Die tiefsinnigen Dialoge sind hervorragend geschrieben und es entstehen nervenzerfetzende Situationen mit tollen Bildern. Hier ein paar kurze Beispiele zur Anregung ohne Spoiler:

Mazur bekommt ein Päckchen geschickt, welches er zunächst nicht öffnet. Doch als seine Tochter ihm das Paket bringt, weil sie es für undicht hält, tropfen dicke Tropfen Blut aus dem Umschlag. Die Mutter und Mazur sind zutiefst schockiert und der Inhalt des Päckens lässt einem den Atem gefrieren! Oder als der Ermittler einen kriminellen Auftraggeber treffen möchte und vorher von einer Art Medizinmann in einer Zeremonie für geeignet befunden werden muss. Skurill und pures Adrenalin!

Der Film spielt in den 80er-Jahren und auf diese sollte man kurz eingehen. Im Gegensatz zu anderen Filmen zelebriert The Infiltrator nicht das Jahrzehnt, in welchem er angesetzt ist. Die Handlung könnte ebenso in den 70ern oder 90ern stattfinden. So sehen alle Personen und Klamotten nach den 80ern aus, die Autos sind 80er und natürlich auch die Musik. Das Angenehme an diesem Werk ist, dass dieser Aspekt sanft untermalend vorhanden ist, ohne überdominant zu sein oder den Fokus von den wichtigen Dingen zu lenken. Ein sehr gelungener Einbezug der Zeit!

Spannende Geschichte, geniale Schauspieler, atemraubende Situationen. Nun muss man leider auch zu den Schwächen dieses Werkes kommen. Etwas mehr Action oder generell Action hätte dem Film nicht geschadet. Der Film ist nicht zäh und hat auch kaum Längen, das Prädikat kurzweilig würde ich aber nicht vergeben. Zwischen all den guten Dialogen und auch Situationen, die keiner Worte bedürfen, bekommt der Zuschauer keine Chance der Auflockerung in irgendeiner Form. Daueranspannung ist definitiv gegeben und in diesem Film Vor- und Nachteil zur gleichen Zeit. Denn ohne kleine Absackerszenen ist The Infiltrator etwas anstrengend zu schauen. Und am Ende ist man nach den 127 Minuten auch erleichtert, dass nicht noch 30 Minuten mehr gekommen sind! Gerade wenn man einen Action-Thriller erwartet hat und einen reinen Thriller bekommt kann das den Gesamteindruck etwas schmälern, man sollte also die Erwartungshaltung entsprechend anpassen.

Desweitern gibt es in dem Film zu viele Charaktere und vor allem einige, deren Sinn selbst ich als sehr aufmerksamer und detailfreudiger Zuschauer nicht ganz finden konnte. Um mein Paradebeispielt zu nennen, ein kleiner, aber unbedeutender Spoiler: Mazur trifft einen Typen auf der Rennbahn, unterhält sich kurz mit ihm, wir wissen nicht was er genau von ihm will, die beiden Männer fahren weg und die neue Bekanntschaft wird von einem Attentäter erschossen. Außer, dass der Protagonist in permanenter Gefahr ist stellt die Szene keinen Nährwert dar! Manch einer wird mir nun erklären wollen, was genau die Szene auf sich hatte, jedoch waren im Kino alle Zuschauer ratlos und sich nach dem Betrachten solche Situationen erklären zu lassen bringt im laufenden Filmfluss nichts. Dreier Minuten derer es nicht bedurft hätte und die eher etwas Unverständnis ausgelöst haben. Lieber weniger Personen, die dann aber gut eingefügt werden, als zu viele, deren Nutzen fraglich ist und die auch zu blass bleiben. So etwa der Knastinformant von Mazur, dem mehr Hintergrund nicht geschadet hätte und bei dem mich die Verbindung der Beiden sehr interessiert hätte. Etwas unbefriedigend.

Zum Ende des Reviews noch ein paar positive Aspekte. Die vorhandenen Effekte sehen ordentlich und handgemacht aus, die Kameraführung ist angenehm und lässt den Zuschauer gut folgen, generell lässt sich der gesamten Handlung gut folgen! Die musikalische Unterlegung des Films ist schön gewählt, Bild und Ton sind  passend, aber nicht herausragend. Solide Leistungen!

Zusammenfassend ist The Infiltrator ein Dauerspannung erzeugender Thriller - kein Action-Thriller! - der eine auf wahren Begebenheiten beruhende interssante Geschichte erzählt, die mit tollen Schauspielern besetzt ist und exzellente Dialoge und Situationen ohne Worte bietet. Kameraarbeit und Ton sind gut, die 80er-Jahre dezent eingefangen, aber es sind zu viele Personen integriert und dem Zuschauer wird die benötigte Pause zwischen all den tiefgründigen Austauschen nicht gegönnt. Meine Wertung ist vielleicht etwas niedrig, aber Zahlen sagen halt nicht alles und jeder soll sich eine eigene Meinung bilden!

Wer Lust auf zwei Stunden pures Adrenalin hat mit einem genialem Bryan Cranston als Drogenfahnder bekommt eine klare Empfehlung!

7/10

7/10
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Kommentare

01.10.2016 22:27 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 15
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Ein Bild von dem Film habe ich jetzt, und gerade die Erläuterungen zu den Figuren fand ich schön aufschlussreich. Ich würde allerdings empfehlen, die Aufzählung nach dem Satz mit den Schwächen zu löschen. Das sind keine Schwächen, also gehört das da nicht hin. Zudem kann ich nur davon abraten, andere Kinobesucher als Leumundszeugen anzudeuten. Das suggeriert einen Rechtfertigungsdruck, der nicht unbedingt vorhanden ist...

02.10.2016 01:07 Uhr - KarateHenker
2x
DB-Helfer
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01.10.2016 22:27 Uhr schrieb dicker Hund
Zudem kann ich nur davon abraten, andere Kinobesucher als Leumundszeugen anzudeuten. Das suggeriert einen Rechtfertigungsdruck, der nicht unbedingt vorhanden ist...


... und es erinnert an gewisse Reviewer mit Hang zur Reinkarnation. ;-)

02.10.2016 15:17 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
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Den Film hatte ich noch gar nicht so richtig auf dem Schirm. Dahingehend sage ich also danke für den interessanten Tipp!

Das Review liefert einige anschauliche Infos über den Film, aber stellvertretend für den gesamten Kinosaal sollte man wahrlich nur dann sprechen, wenn man auch wirklich jeden dort gefragt hat.

07.10.2016 18:02 Uhr - naSum
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Es wird deutlich, um was für einen Film es sich handelt und was du davon hältst. An einigen Stellen springst du thematisch hin und her. Evtl helfen dir Überschriften, deinen Text inhaltlich zu gliedern. Sonst hat es mir gut gefallen.

Und das weniger Action und mehr Thriller enthalten ist, passt für mich persönlich gut. Steht auf meiner Liste

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