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Der Hund von Baskerville

(Originaltitel: The Hound of the Baskervilles)
Herstellungsland:Großbritannien (1959)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Hund von Baskervilles, Der
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,22 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Hinter den nebelverhangenen Felsen von Dartmoor, einem der unheimlichsten Moore Englands, lauert das Böse. In Gestalt eines riesigen Höllenhundes macht es seit Jahrhunderten Jagd auf die Erben von Baskerville Hall. Als sich die Anzeichen verdichten, dass auch der junge Sir Henry Baskerville Opfer des alten Familienfluchs werden soll, zieht man die einzige Person zu Rate, die dem Spuk vielleicht doch ein Ende setzen könnte: Meisterdetektiv Sherlock Holmes! Gemeinsam mit seinem Assistenten Dr. Watson untersucht er die ebenso schaurigen, wie mysteriösen Vorkommnisse, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                  DER HUND VON BASKERVILLE

Der von Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) geschaffene Detektiv Sherlock Holmes gehört zu den bekanntesten Figuren der modernen Literatur, deren Abenteuer bereits dutzendfach verfilmt wurden. Zuletzt sorgte die BBC-TV-Serie Sherlock (seit 2010) mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman für Furore. Doyles Roman Der Hund Von Baskerville gehört zu den bekanntesten Geschichten um den Pfeife rauchenden Meisterdetektiv, der stets von seinem Assistenten Dr. Watson unterstützt wird. Kein Wunder also, dass gerade dieser Roman bis heute mehrfach verfilmt wurde – u.a. von der britischen Filmschmiede Hammer Film Productions, die Ende der 50er Jahren mit den Filmen Frankensteins Fluch (1957) und Dracula (1958) neue Maßstäbe im Horrorfilm gesetzt hatten. Nachdem man Gruselfilme um klassische Horrorfiguren wie Frankenstein, Dracula und die Mumie gedreht hatte, beschloss man, auch den Hund Von Baskerville zu verfilmen – zum ersten Mal in Farbe.

Der Hund Von Baskerville wurde einmal mehr von Hammers Dreamteam verwirklicht. Die Regie übernahm Terence Fisher, der den typischen Hammer-Stil mit den oben genannten Frankenstein - und Dracula-Verfilmungen entscheidend geprägt hatte. Die Hauptrollen gingen an Peter Cushing und Christopher Lee, die in Fishers Filmen ihre Karrieren als Horrorfilmstars gestartet hatten. Das Drehbuch stammte von Hammers Starschreiber Jimmy Sangster, der sich – wie bei den Filmen um den experimentierfreudigen Doktor und den Vampirgrafen – etliche Freiheiten gegenüber der literarischen Vorlage nahm, um sie dem Hammer-Stil anzugleichen. So gab es im Film – im Gegensatz zum Roman – eine Tarantel, einen Minenschacht und eine Szene, in der Holmes in einer Höhle verschüttet wird.

Sir Henry von Baskerville (Christopher Lee) fürchtet um sein Leben. Nach dem geheimnisvollen Tod seines Onkels ist der Adelige auf sein Familienanwesen in Dartmoor zurückgekehrt und wird dort von der Erscheinung eines Hundes heimgesucht, der sich angeblich an seiner Familie rächen will. Er beauftragt das Ermittlerduo Sherlock Holmes (Peter Cushing) und Dr. John Watson (André Morell) damit, die Hintergründe dieser Bedrohung aufzuklären und ihm in eines der berüchtigtsten Moore Englands zu folgen …

Der Hund Von Baskerville ist eine sehr freie Adaption des Romans, die zudem mit den typischen Gothic Horror-Zutaten gewürzt wurde, für die Hammer Film Productions seit Frankensteins Fluch bekannt sind. Trotz des laxen Umgangs mit Sir Arthur Conan Doyles literarischem Werk ist Der Hund Von Baskerville ein guter, überdurchschnittlicher Holmes – bzw. Gruselfilm geworden, der für viele Fans und Kritiker zum Besten gehört, was Hammer je veröffentlicht haben.

Was den Hund Von Baskerville – wie so viele Filme der britischen Produktionsfirma - auszeichnet, ist seine unnachahmliche, wohlig-gruselige Atmosphäre. So wimmelt auch Der Hund Von Baskerville nur so vor mit viel Liebe zum Detail gemachten Kulissen, Schauplätzen und Kostümen. Leider merkt man einigen Schauplätzen, bzw. Kulissen  trotz sorgfältiger Machart deutlich an, dass sie im Studio entstanden, was den Sehgenuss teilweise schon ein wenig trübt – in Dracula gab es zwar auch zahlreiche Studioaufnahmen und es gab auch einen Raum, der für gleich drei Kulissen genutzt wurde, aber hier wurde dem Zuschauer – im Gegensatz zum manchmal etwas künstlich wirkenden Hund Von Baskerville – eine hervorragende Illusion geboten, die den Film optisch homogener wirken ließ als Hammers 1959er Holmes – Adaption. Trotzdem wirkt der Streifen über weite Strecken atmosphärisch.

Zur Atmosphäre trägt deutlich die Inszenierung von Terence Fisher bei. Fisher war zwar kein Alfred Hitchcock, hatte aber dennoch nicht nur ein Gespür für das Erschaffen einer unheimlichen Stimmung, sondern auch für die Inszenierung spannender Szenen – als Beispiel sei hier die Szene mit der Tarantel genannt. Es liegt auch an Fishers Inszenierung, dass Filme wie Frankensteins Fluch, Dracula oder eben Der Hund Von Baskerville von Fans und Kritikern so hoch geschätzt werden und sich positiv von so manch späterem Hammer-Film abheben.

Schauspielerisch gibt es ebenfalls wenig auszusetzen. Peter Cushing mag auf jüngere Filmfans, die mit der Serie Sherlock und den Filmen mit Robert Downey Jr. und Jude Law aufgewachsen sind, etwas altbacken wirken, aber der Darsteller mit den asketischen Gesichtszügen, der die Rolle des Sherlock Holmes später noch mal für´s Fernsehen aufnehmen sollte, orientiert sich weitgehend an der literarischen Vorlage und transportiert die Marotten des Meisterdetektivs recht überzeugend. Gleiches gilt für André Morell, der in der Rolle von Holmes immer etwas unterlegen wirkenden Partners absolut überzeugt.

Mutig war es dagegen, die Rolle des Sir Henry von Baskerville mit Christopher Lee zu besetzen, handelt es sich hierbei doch um eine positive Rolle. Dass Lee diesen Part weitgehend meistert, mag man nicht glauben, wenn man ihn nur als Dracula kennt, aber er schafft es. Zwar wirkt Lee in den romantischen Szenen tatsächlich ein wenig hölzern, aber trotzdem schafft er es, die Rolle des edlen Sir Henry glaubwürdig mit Leben zu füllen.

Unterm Strich ist Der Hund Von Baskerville vielleicht – dank kleinerer Schwächen –  kein absolutes Highlight im Hammer-Repertoire; trotzdem bietet er überdurchschnittliche, atmosphärische Gruselfilm-Unterhaltung, die vielen aktuellen Produktionen auf dem Horrorfilmsektor vorzuziehen ist. Denn auch wenn Hammer-Filme wie Der Hund Von Baskerville in der Regel eher Low Budget-Produktionen waren, merkt man den Filmen auch heute noch an, dass sie mit viel Sinn für Stil und mit viel Liebe zum Detail und zur Atmosphäre produziert wurden – Der Hund Von Baskerville ist da keine Ausnahme.

8/10
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Kommentare

21.10.2016 02:13 Uhr - Intofilms
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Sehr schöne Besprechung von dir, Punisher.
Du gibst dir halt einfach keine Blöße...! :D

Ich gehöre übrigens auch zu jenen, die diesen Film für einen der besten Hammer-Filme halten (habe ich ja schon in einem Post zu deiner glänzenden "Dracula"-Kritik angedeutet).

Peter Cushing ist von den drei großen britischen Gothic-Schauspielerlegenden - Lee, Price und er selbst natürlich - sowieso mein persönlicher Lieblingsschauspieler, und ich finde einfach, dass er in diesem Film einen großartigen Holmes abgibt.

Die Atmosphäre des "Hound" ist für mich aber der absolute Trumpf des Films. Die Mängel in der Setgestaltung, die du angesprochen hast, habe ich bisher noch gar nicht bemerkt. Aber bei der nächsten Sichtung werde ich diesen Punkt mal im Auge behalten.

Es gibt übrigens von Hammer einen weiteren Terence Fisher-Film "The Man Who Could Cheat Death", den ich erst kürzlich zum ersten Mal gesehen habe, und der mich ebenfalls total begeistert hat. Darin spielt Lee übrigens auch eine positiv besetzte Nebenrolle (man ist dann irgendwie immer ganz verdutzt). Den kann ich wirklich jedem Genrefreund nur empfehlen.

21.10.2016 02:25 Uhr - Punisher77
1x
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Danke für Deine Rückmeldung, Intofilms! Dass Du Dich als Fan dieses Films entpuppst hat und meine Rezi gut findest, freut mich sehr!

Lee/Price/Cushing bilden auch für mich ein unschlagbares Trio. Wobdei ich zugeben muss, dass ich Cushing zuerst in "Krieg Der Sterne" gesehen habe.

"The Man Who Could Cheat Death" habe ich leider bnoch nicht gesehen - klingt aber gut, nach dem, was Du geschrieben hast :-).

21.10.2016 02:50 Uhr - Intofilms
1x
Ich finde, dass "The Man" v.a. in visueller Hinsicht (Stichwort Farben und Lichtregie) total beeindruckend ist und dadurch natürlich auch mit einer fantastischen Atmosphäre überzeugen kann.
Und der deutsche Hauptdarsteller Anton Diffring steht den drei großen britischen Gothic-Heroen ebenfalls in nichts nach.
Mich hat der Film aber v.a. auch deshalb so positiv überrascht, weil der teilweise gar nicht so hoch gehandelt wird... Es ist halt immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Zu Cushing noch mal:
Er hat ja auch in zwei ganz frühen "Doctor Who"-Filmen mitgewirkt - natürlich in der Titelrolle -, und da hat er mir auch glänzend gefallen. Es muss also nicht immer nur Gothic-Horror sein! :D

21.10.2016 11:10 Uhr - Horace Pinker
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Wiedermal eine kompetente, informative und lesenswerte Kritik Punisher. Von "Der Hund von Baskerville" kenne ich bisher nur die literarische Vorlage aber die von dir besprochene Verfilmung klingt eigentlich recht unterhaltsam, wird bei Gelegenheit mal angesehen.
P.S. Den Satz "Das klingt negativer als es sich anhört" solltest du vielleicht etwas umformulieren, da der so nicht sonderlich viel Sinn macht ;)

21.10.2016 18:20 Uhr - Dissection78
2x
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Äußerst gelungene Rezension zu einer meiner liebsten Hammer-Produktionen. Kann ich mir immer wieder anschauen. Vermutlich eben weil er so schön altmodisch ist. Das finde ich richtig klasse. Ebenso klasse finde ich die ab und an künstlich anmutenden, vom dichten Nebel umwallten Kulissen. Gerade das (sowie die Moorlandschaft) trägt zur angenehmen, entspannt-gruseligen Atmosphäre bei. Den moderneren Cumberbatch- und Downey-Sherlocks bin ich allerdings auch nicht abgeneigt. Die gefallen mir ebenfalls.

Übrigens, Intofilms: Vincent Price ist Amerikaner, kein Brite :)


21.10.2016 19:08 Uhr - Punisher77
1x
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Vielen Dank für Euer Lob, Leute!

@Horace:
Den von Dir zitierten Satz hab´ ich gestrichen, da sollte eigentlich was ganz anderes stehen. Danke für den Hinweis.

@Dissection 78:
Die Downey - und Cumberbatch-Sherlocks gefallen mir auch, gerade die Cumberbatch-TV-Serie ist super! Allerdings mag ich - wie Du - die schön altmodische Gruselstimmung des hier besprochenen Films.

21.10.2016 19:32 Uhr - Intofilms
@Dissection
Peinlich... Du hast natürlich recht. ;-)

Die "Sherlock"-TV-Serie finde ich schlichtweg genial. Für mich ist übrigens Martin Freeman der heimliche Star der Serie. Tatsächlich liebe ich seinen Dr. Watson noch mehr als Cumberbatchs Sherlock Holmes. :)

Die neuen Hollywoodblockbuster über Sherlock Holmes gefallen mir dagegen nicht so gut.

23.10.2016 13:55 Uhr - NoCutsPlease
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Tolle Arbeit, Punisher!
Die Story selbst ist einfach Krimi-/Gruselkult (sogar die Zeichentrick-Adaption war echt gut) und die alten Hammer-Filme sind ohnehin stets einen Blick wert.

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